Unbekannt
Sonntag, 10. Januar 2010, 22:27
Das Geburtsjahr 1505, das meistens für Thomas Tallis angegeben wird, ist reine Spekulation. Es gibt keinerlei Hinweise, wann und wo er in England geboren wurde. Dennoch ist ein Geburtsdatum im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts sehr wahrscheinlich, da er einerseits bei seiner ersten überlieferten Erwähnung (1530 als Organist in Dover) bereits ein geachteter professioneller Musiker war, andererseits bis 1585 lebte.
1535 verließ Tallis Dover und begann spätestens 1537, in London musikalisch zu wirken. Dabei war er von Beginn an auch für den englischen Königshof tätig. Insgesamt diente er vier gekrönten Häuptern: Henry VIII., Edward VI., Mary, Elizabeth I.
Zunächst war er aber auch außerhalb Londons tätig, als musikalischer Leiter von Waltham Abbey und später als Sänger in der Canterbury Cathedral.
1543 wurde Tallis zum Gentleman of the Chapel Royal ernannt und blieb in London, wo er 1552 auch heiratete.
Mitten in das Leben und Schaffen Tallis’ hinein fiel die Reformation der englischen Kirchenmusik unter Edward VI. – fortan waren die lateinischen polyphonen Kompositionen verboten. Tallis, der allerdings Katholik blieb, passte sich an die Gegebenheiten an und komponierte stattdessen vorwiegend englisch und homophon. Dennoch hörte er nie auf, auch im alten Stil zu komponieren, was er ab 1575 auch ganz offiziell durfte:
Elizabeth I. erteilte Thomas Tallis und dessen Schüler William Byrd ein für 21 Jahre gültiges Patent, dass den beiden Komponisten ein Monopol zur Komposition, zum Druck und zum Verlegen polyphoner Musik (sogar in beliebiger Sprache) einräumte. Zudem durften nur Tallis und Byrd die Papiersorte verwenden, die zum Druck von Noten verwendet wurde. Tallis nutzte das Privileg, um wieder lateinisch zu komponieren, allerdings auch französich und italienisch. Zusammen mit Byrd komponierte und verlegte er die Musiksammlung Cantiones quae ab argumento sacrae vocantur.
Thomas Tallis starb am 23. November 1585 in seinem Haus in Greenwich. Beigesetzt wurde er im Altrarraum von St Alfege's Church in Greenwich, der aber zwischenzeitlich umgestaltet wurde, so dass Tallis’ Grab verschwand. Angeblich wurde aber eine alte Platte mit der Grabinschrift Tallis’ wiederentdeckt. Diesem Text ist auch der Threadtitel entnommen.
Sicher überliefert ist der Text der Trauerode von William Byrd für dessen Lehrer und Freund:
Das bekannte Bildnis von Thomas Tallis ist erst viele Jahre nach seinem Tod entstanden und sicher nicht authentisch:

Aus jener Zeit sind originale Komponistenportraits eben äußerst selten – auch das Bild, das ich als Avatarbild verwende, ist lange nach Josquins Tod entstanden – aber was soll’s…
Meine Beschäftigung mit Tallis, die zu diesem thread führte, hatte diese hervorragende CD ausgelöst:
Zu Tallis’ Kompositionen äußere ich mich aber angesichts fortgeschrittener Stunde erst im nächsten Beitrag. Ich überlege zudem, seinem berühmtesten und wahrscheinlich außergewöhnlichstem Werk, der Motette Spem in alium, einen eigenen thread zu gönnen.
Viele Grüße,
Martin.
1535 verließ Tallis Dover und begann spätestens 1537, in London musikalisch zu wirken. Dabei war er von Beginn an auch für den englischen Königshof tätig. Insgesamt diente er vier gekrönten Häuptern: Henry VIII., Edward VI., Mary, Elizabeth I.
Zunächst war er aber auch außerhalb Londons tätig, als musikalischer Leiter von Waltham Abbey und später als Sänger in der Canterbury Cathedral.
1543 wurde Tallis zum Gentleman of the Chapel Royal ernannt und blieb in London, wo er 1552 auch heiratete.
Mitten in das Leben und Schaffen Tallis’ hinein fiel die Reformation der englischen Kirchenmusik unter Edward VI. – fortan waren die lateinischen polyphonen Kompositionen verboten. Tallis, der allerdings Katholik blieb, passte sich an die Gegebenheiten an und komponierte stattdessen vorwiegend englisch und homophon. Dennoch hörte er nie auf, auch im alten Stil zu komponieren, was er ab 1575 auch ganz offiziell durfte:
Elizabeth I. erteilte Thomas Tallis und dessen Schüler William Byrd ein für 21 Jahre gültiges Patent, dass den beiden Komponisten ein Monopol zur Komposition, zum Druck und zum Verlegen polyphoner Musik (sogar in beliebiger Sprache) einräumte. Zudem durften nur Tallis und Byrd die Papiersorte verwenden, die zum Druck von Noten verwendet wurde. Tallis nutzte das Privileg, um wieder lateinisch zu komponieren, allerdings auch französich und italienisch. Zusammen mit Byrd komponierte und verlegte er die Musiksammlung Cantiones quae ab argumento sacrae vocantur.
Thomas Tallis starb am 23. November 1585 in seinem Haus in Greenwich. Beigesetzt wurde er im Altrarraum von St Alfege's Church in Greenwich, der aber zwischenzeitlich umgestaltet wurde, so dass Tallis’ Grab verschwand. Angeblich wurde aber eine alte Platte mit der Grabinschrift Tallis’ wiederentdeckt. Diesem Text ist auch der Threadtitel entnommen.
Sicher überliefert ist der Text der Trauerode von William Byrd für dessen Lehrer und Freund:
Ye sacred Muses, race of Jove,
whom Music's lore delighteth,
Come down from crystal heav'ns above
to earth where sorrow dwelleth,
In mourning weeds, with tears in eyes:
Tallis is dead, and Music dies.
whom Music's lore delighteth,
Come down from crystal heav'ns above
to earth where sorrow dwelleth,
In mourning weeds, with tears in eyes:
Tallis is dead, and Music dies.
Das bekannte Bildnis von Thomas Tallis ist erst viele Jahre nach seinem Tod entstanden und sicher nicht authentisch:
Aus jener Zeit sind originale Komponistenportraits eben äußerst selten – auch das Bild, das ich als Avatarbild verwende, ist lange nach Josquins Tod entstanden – aber was soll’s…
Meine Beschäftigung mit Tallis, die zu diesem thread führte, hatte diese hervorragende CD ausgelöst:
Zu Tallis’ Kompositionen äußere ich mich aber angesichts fortgeschrittener Stunde erst im nächsten Beitrag. Ich überlege zudem, seinem berühmtesten und wahrscheinlich außergewöhnlichstem Werk, der Motette Spem in alium, einen eigenen thread zu gönnen.
Viele Grüße,
Martin.
], vermischt mit Werken von Byrd [