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Tanzvorlieben der Meister

Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 14:31
Als ich neulich Cembalosuiten eines bekannten barocken Meisters gehört habe, fiel mir auf, dass mir ganz besondere Tänze von ihm besonders gefallen haben, und da kam mir den Gedanke, dass jeder Meister wohl seine Lieblingstänze hatte.
Interessant wäre es vielleicht, wenn jeder von uns die Tanzvorlieben seines Lieblingskomponisten identifizieren könnte.
Ich fange also mal an: ich würde einen meiner Lieblingskomponisten als Sarabandenmeister bezeichnen, denn ein Sarabande wurde schließlich zu seiner bekanntesten Arie schlechthin. Auch andere Sarabanden von ihm (in Terpsichore und etc) sind von einer großen Tiefe und Einfühlsamkeit.
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 15:00
Das halte ich für eine eher spekulative Sache, da man nie weiß, was nur nicht überliefert wurde, und ob die Überlieferung nicht den Geschmack von Kopisten und Publikum widerspiegelt. Beziehst Du Dich auf die Drucke von Praetorius? Da ist ja vieles drin, was auf den Franzosen Caroubel zurükgeht und ebenso dessen Vorlieben zeugen könnte.

Bei Chambonnières sind z.B. von den 150 überlieferten Stücken die Hälfte Courantes - aber ob das so viel zu bedeuten hat? Da würde ich von einer immer von der Überlieferungssituation verzerrten Auszählung eher auf Aussagen der Komponisten setzen - aber die dürfte es selten geben.
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 16:10
Es ging mir eher ums Qualitative als Quantitative.
Mit diesem Thread wollte ich etwas Lockereres und Allgemeineres in Gang setzten und ein Thema, an dem sich alle mit ihren verschiedenen Interessen beteiligen könne, denn Tänze kommen in der Renaissance sowie bei Bach und Co. in Suiten und Vokalwerken vor und mit den Bachliebhabern komme ich als Opernbegeisterte fast nie zusammen (würde mich mangels Wissen um Bach auch gar nicht an den Threads beteiligen).
Zurzeit beschäftige ich mich gerade mit den verschiedenen Tänzen und würde mich hier über ganz persönliche Eindrücke von gelungen Chaconnen bei dem einen Komponisten, begeisternde Gigues bei einem anderen etc freuen.
Wenn das zu spekulativ oder zu wenig fachlich ist und auf kein Interesse stößt , können wir den Thread auch gern schließen oder löschen.
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 16:43
So hatte ich das nicht gemeint - es ist nur vielleicht zu allgemein als Thema.
Über die Chaconne gibt es hier einen Thread - vielleicht könnte man die Charakeristiken der einzelnen Tänze in einem jeweils eigenen Thread beschreiben und dann besonders gelungene besprechen?
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 17:27
vielleicht könnte man die Charakeristiken der einzelnen Tänze in einem jeweils eigenen Thread beschreiben und dann besonders gelungene besprechen?

Das gefällt mir! :thumbup:
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 17:29
Über Lieblingstänze kann ich nicht wirklich was sagen, nur fällt mir auf, dass besonders Biber es wahrscheinlich geliebt hat, Tanzformen zu "sakralisieren", also quasi in die Kirche zu holen. Die Rosenkranz-Sonaten sind da ein wirklich gutes Beispiel - lauter Tanzsätze zu religiös(t)en Themen - auf den ersten Blick verwunderlich, dann aber total nachvollziehbar. Das wirkungsvollste Beispiel eines Tanzes in der Kirche ist die vierzehnte Sonate, Mariä Himmelfahrt, wo eine ausgelassene "Aria" an eine barocke Disko denken lässt... :D

Aber zurück zu den Lieblingstänzen: bei den Violinsonaten Lonatis kommt sehr oft als Schlusssatz ein Menuett - oder Minué - vor, welches die virtuosen Sätze vorher beschwichtigend beschließt. Lonati mochte es offenbar sehr gerne, und setzte es dementsprechend als "Unterschrift" unter seine Sonaten.
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 18:16
Über Lieblingstänze kann ich nicht wirklich was sagen, nur fällt mir auf, dass besonders Biber es wahrscheinlich geliebt hat, Tanzformen zu "sakralisieren", also quasi in die Kirche zu holen. Die Rosenkranz-Sonaten sind da ein wirklich gutes Beispiel - lauter Tanzsätze zu religiös(t)en Themen - auf den ersten Blick verwunderlich, dann aber total nachvollziehbar. Das wirkungsvollste Beispiel eines Tanzes in der Kirche ist die vierzehnte Sonate, Mariä Himmelfahrt, wo eine ausgelassene "Aria" an eine barocke Disko denken lässt... :D
Freilich wird gerade deswegen immer wieder in Frage gestellt ob die Rosenkranz-Sonaten nun "Kirchenmusik" sind oder nicht. Da Biber in seinen "Kirchensonaten" keine Tanzsatze vorschreibt, kann es auch sein, dass er sie eher als religiöse Kammermusik sah. Der Rosenkranz kann man ja auch ohne liturgischem Kontext gebetet werden.

Ein Gegenargument mag sein, dass zwar in den Kirchensonaten-Drucken keine als Tanze betitelten Satze vorkommen, tänzerische Rhytmik umso mehr. Sogar in manchen seinen Messen (in der Missa Salisburgensis dann ganz oft).

Und in den Sonaten von Weichlein, die er auch für kirche geeignet nennt, schreibt der benediktiner Pater und vermutlicher Biber-Zögling Weichlein auch manche tanzsätze (vor allem Giguen und natürlich Chaconnen).

LG
Tamás
:wink: