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Sinfonische Raritäten und Schätze

Unbekannt Dienstag, 2. März 2010, 18:29
Salvete,

ein Thread für Komponisten, deren Œuvre noch längst nicht vollständig erschlossen ist, deren Werke - hier insbesondere: Sinfonien - somit Raritäten sind.

Sehr überrascht hat mich zum Beispiel das sinfonische Schaffen von Carolus Antonius Fodor (1768-1846):



Das Netherlands Radio Chamber Orchestra unter Halsteads Leitung präsentiert hier zwei Sinfonien Fodors:

Zunächst die Sinfonie G-Dur, welche dem späten Drittel der Sinfonien Joseph Haydns in keiner Weise nachsteht und diese wunderbar ergänzt. Zudem eine hammermäßige c-moll-Sinfonie, deren Stirntakte eine Mischung aus Mozarts 'Linzer' und 'Prager' Sinfonie sind und deren, zwar erwartete, aber dennoch unvergleichliche Schlußwendung im Finale einfach großartig ist!

Fodor erregte meine Aufmerksamkeit durch die Ersteinspielung seines Klavierkonzerts in g-moll durch Cristofori und Arthur Schoonderwoerd:



Das schreit förmlich nach mehr - eine absolut begeisternde Musik!
Unbekannt Mittwoch, 3. März 2010, 09:51
Carolus Antonius Fodor (1768-1846):


Interessant! noch nie von ihm gehört. Könnte er womöglich von ungarischer Abstammung sein? Das Wort "fodor" bedeutet nämliich im ungarischen soviel wie "Krause" und ist ein verbreiteter Familienname (z.B. Fodor Gábor - liberaler Politiker).

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Mittwoch, 3. März 2010, 10:53
Mir ist der Name Fodor auch als ungarischer Familienname bekannt :pleased:

Geboren wurde er allerdings in Venlo (heutige Niederlande, damals m. W. unter österreichischer Flagge), studierte in Paris und wirkte dann seit 1791 im Haag. Daher auch die CD-Titel 'Dutch Symphonies' resp. 'Concertos hollandais' - über die Herkunft der Familie (aus z.B. Ungarn) ist mir (und den Booklets) nichts bekannt, wenn auch naheliegend.

Das digitale MGG weiß da mehr:

Zitat


Der Vater [...] war der Ungar Carolus Fodor, Rittmeister in Hannoverschen Diensten. Dieser machte sich um die Mitte des 18. Jh. in Venlo ansässig und heiratete am 31. Jan. 1750 Maria Elisabeth Messemaeckers, die einer der ältesten Venloer Familien entstammte.

[Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Fodor (Familie). Musik in Geschichte und Gegenwart, S. 23274
(vgl. MGG Bd. 04, S. 444) (c) Bärenreiter-Verlag 1986]


Jetzt hab ich das auch endlich mal nachgeschaut... die Frage brannte mir jedesmal beim Hören der CDs unter den Nägeln... wir haben es demnach mit dem hungaro-niederländischen Kraus zu tun (es gibt ja auch einen 'Salzburger Kraus')!

:beatnik:
Unbekannt Mittwoch, 3. März 2010, 11:40
Jetzt hab ich das auch endlich mal nachgeschaut... die Frage brannte mir jedesmal beim Hören der CDs unter den Nägeln...


:D ja, kann ich mir vorstellen...

Ist übrigens schön von einem Landsmann zu hören, der schöne Musik komponiert hat... :pleased:
Unbekannt Samstag, 25. September 2010, 22:38
Sehr gelungen ist auch die Einspielung je einer Sinfonie von Georg Gerson (1790-1825 / Es-Dur) und Friedrich Ludwig Aemilius Kunzen (1761-1817 / g-moll) durch Concerto Copenhagen:



:music:
Unbekannt Dienstag, 9. November 2010, 13:56
Sinfonien von Friedrich Schneider (1786-1853) sind nicht rar, da gibt es einige, aber Einspielungen sind selten, und in HIP erst recht - ich kenne nur eine, auf dieser CD:

Unbekannt Sonntag, 30. Oktober 2011, 02:39
Charles Gounod (1818-1893) hat durch sein in gefährlicher Nähe zum musikalischen Kitsch angesiedeltes Ave Maria nicht den besten Ruf unter den Komponisten Frankreichs - in Wirklichkeit war er ein Klassizist reinsten Wassers, der die Klangwelt der Wiener Klassik kongenial erfasst und verarbeitet hat. Seine beiden Sinfonien legen hiervon beredtes Zeugnis ab: Lebendige, charmante Werke, wenn sie entsprechend gespielt werden. Und eine solche den Werken gerecht werdende Aufnahme wurde gemacht: von Hervé Niquets leider (aus finanziellen Gründen) nur kurzlebigem Ausflug ins 19. Jahrhundert, mit der Beethoven Academie:



Sozusagen ein Geheimtipp - aber wer die klassizistische Musik dieser Zeit mag, wird hier nicht enttäuscht, sondern mit einer wunderbaren Vielfalt von differenzierten Klangfarben belohnt.

Sozusagen Halb-HIP gibt es die erste Sinfonie von Gounod zusammen mit seiner von Mozarts Gran Partita inspirierten Petite symphonie pour instruments à vent von Christopher Hogwood mit dem Saint Paul Chamber Orchestra (das auf modernem Instrumentarium spielt, aber von Hogwood mit den Spielweisen des 19. Jahrhunderts vertraut gemacht wurde):



Als Zugabe gibt es die Suite L'Arlesienne von Georges Bizet in der originalen Fassung für ein originell besetztes Theaterorchester.
Unbekannt Mittwoch, 7. Dezember 2011, 23:11
Jan Hugo Vorisek: Symphonie D-dur
Antonin Reicha: Symphonie Es-Dur op. 41; Ouvertüre D-Dur
Musica Florea, Marek Stryncl

Unbekannt Sonntag, 8. Januar 2012, 16:51
Vorisek ist prinzipiell toll. Habe die Sinfonie früher wiederholt im Jugendorchester als Cellist gespielt. Ichhabe allerdings eine Aufnahme der Deutschen kammerphilharmonie unter Hengelbrock, die glaube ich auf alten Instrumenten ist (das haben die ja ganz manchmal gemacht, jedenfalls in den 90er Jahren noch). Mit drauf ist da die 1. Schubert. DHM.
Unbekannt Sonntag, 8. Januar 2012, 16:53
Interessant, dass der Verfasser der Produktinfo da "Reminiszenen an die Zeit des Spätbarock" verspürt. Mich faszinierten eigentlich immer die Anklänge an Schubert und sogar Dvorak!
Unbekannt Sonntag, 8. Januar 2012, 17:36
Vorisek ist prinzipiell toll. Habe die Sinfonie früher wiederholt im Jugendorchester als Cellist gespielt. Ichhabe allerdings eine Aufnahme der Deutschen kammerphilharmonie unter Hengelbrock, die glaube ich auf alten Instrumenten ist (das haben die ja ganz manchmal gemacht, jedenfalls in den 90er Jahren noch). Mit drauf ist da die 1. Schubert. DHM.

Die Deutsche Kammerphilharmonie hat immer mit modernem Instrumentarium gespielt, aber unter Hengelbrock streng HIP gespielt, was Artikulation usw. angeht, also u.a. ohne Vibrato, bevor das Norrington mit den Stuttgartern gemacht hat. Ich habe die, glaube ich, in Frankfurt mit dem Vorisek gehört ...
Unbekannt Mittwoch, 11. Januar 2012, 14:19
Also, in meiner Bremer Zeit haben die definitiv auch mit Natur-Blechbläsern gespielt, und ich meine, dass die in bestimmten Besetzungen auch in der Lage waren, für Aufnahmen mal mit alten Instr. zu spielen. Ich weiß jedenfalls, dass viele von denen Barockinstr. hatten und spielen konnten. Ich kuck´s mal nach.

Im Konzert habe ich Hengelbrock dort auch nur mit modernen gehört.
Unbekannt Dienstag, 24. Januar 2012, 15:16
Trotzdem mal hier die CD der Deutschen Kammerphilharmonie: