Rameau: Zoroastre – Eine großartige Tragédie lyrique?
Thematische Einführung
Jean-Philippe Rameaus 'Zoroastre' nimmt innerhalb seines opernhaften Schaffens eine besondere Stellung ein. Uraufgeführt 1749 und maßgeblich überarbeitet 1756, forderte diese Tragédie lyrique das Pariser Publikum nicht nur durch ihre musikalische Komplexität heraus, sondern auch durch ein Libretto, das sich von den üblichen mythologischen Sujets entfernte und stattdessen philosophische, ja fast esoterische Themen von Gut und Böse, Licht und Dunkelheit verhandelte. Die Frage, ob 'Zoroastre' als eine *großartige* Tragédie lyrique zu bezeichnen ist, ist seit ihrer Entstehung Gegenstand musikwissenschaftlicher und dramaturgischer Debatten. Ihre anfänglich gemischte Rezeption stand im Kontrast zu Rameaus ehrgeizigem musikalischen und dramatischen Entwurf, welcher Elemente vorwegnahm, die erst Jahrhunderte später voll gewürdigt werden sollten. Die Antwort auf die Frage nach ihrer Größe liegt in ihrer daringen musikalischen Sprache, ihrer dramatischen Kohärenz und der visionären Behandlung des Stoffes, die sie als ein Werk von außerordentlicher Tiefe und Innovation ausweist.
Historischer Kontext & Werkanalyse
'Zoroastre' wurde zu einem Zeitpunkt komponiert, als Rameau bereits als etablierter Meister der französischen Oper galt, dessen Werke wie 'Hippolyte et Aricie' und 'Dardanus' die Gattung der Tragédie lyrique revolutioniert hatten. Das Libretto stammt von Louis de Cahusac, einem engen Mitarbeiter Rameaus, der eine freimaurerisch inspirierte Geschichte über den Kampf zwischen dem guten Zauberer Zoroastre und dem bösen Priester Abramane, um die Liebe der Prinzessin Amélite, schuf. Dieser Stoff, der die triumphale Macht der Aufklärung und des Guten über die Tyrannei und das Böse glorifiziert, war für eine Tragédie lyrique seiner Zeit höchst ungewöhnlich und trug maßgeblich zur anfänglichen Verwirrung des Publikums bei, das eher an Götter- und Heldengeschichten gewöhnt war.
Musikalisch ist 'Zoroastre' ein Zeugnis von Rameaus Genialität und seiner unerschöpflichen harmonischen Erfindungskraft. Er treibt die Entwicklung der *tragédie lyrique* auf mehreren Ebenen voran: