Unbekannt
Mittwoch, 26. August 2009, 21:51
Mit einer ausführlichen Konzertbesprechung will ich niemanden langweilen, aber ein paar Eindrücke will ich schon los werden.
Am 18. 8. spielte Matteo Imbruno, der derzeitige Amtsnachfolger Sweelincks an der Oude Kerk in Amsterdam, an der Schnitger-Orgel in Hamburg, St. Jacobi ein Programm, das wunderbar aufs Instrument passte. Es reichte von Adam Ileborgs Tabulatur bis zu Bachs Vivaldi-Arrangements.
Es passt deswegen so gut, weil Schnitger in der Orgel nicht nur Eigenes gebaut hat, sondern eine ganze Reihe von Registern aus dem Vorgängerinstrument übernommen hat, die ihm Wert schienen, erhalten zu werden, und sich zugleich perfekt in seinen Neubau einfügten. Also können wir heute noch Gedackte und Prinzipale von Iversand & Stüven, Fritzsche und Scherer I & II im Schnitger-Werk hören, die so ähnlich zu Zeiten der Organisten Praetorius & Weckmann klangen.
Die Orgel ist hier sowieso immer der Star, denn sie ist nicht nur die größte erhaltene nordeuropäische Barockorgel, sondern auch Ausgangspunkt der Orgelbewegung, als deren Zündfunke man das Zusammentreffen von Hans Henny Jahnn und diesem Instrument sehen kann – naja, zumindest als einen Zundfünken.
Natürlich ist das kein Zufall, sondern in der Arbeit Schnitgers und seiner Vorgänger begründet. Schließlich wollte ja auch J. S. Bach hier einst Organist werden. Sie wurde gehegt und gepflegt und entging so allen modischen Umbauten (bis auf ein paar Kleinigkeiten), so dass erst 1917 ein schlimmer Eingriff stattfand, als man die Prospektpfeifen (das sind die, die man sieht) aus Kriegsgründen abliefern musste. Immerhin konnte man später halbwegs brauchbaren Ersatz schaffen, so dass bis zum Weltkrieg Nr. 2 nichts Schlimmes passierte. Aber selbst dann rettete man durch rechtzeitigen Ausbau und Auslagerung der Pfeifen und der Windladen den Kern der Orgel und ließ nur das Gehäuse – wegen seiner gewaltigen Ausmaße auch in Teilen kaum transportabel – an Ort und Stelle. Dort verbrannte es dann auch prompt 1944 nach schweren Bombentreffern, die der gesamten Kirche nur die Außenmauern ließen.
Nach dem Krieg baute man St. Jacobi flugs wieder auf und stellte die Orgel vorübergehend ebenerdig und ohne Gehäuse in einem Seitenschiff auf.
Die eigentliche Tragödie nahm erst mit der „Restaurierung“ durch Kemper ihren Lauf, die selbst nach damaligen Maßstäben und bei allem Wohlwollen, das dieser Zeit ihre mangelnden Kentnisse nicht vorwirft, eine handwerkliche und künstlerische Katastrophe war.
Kürzen wirs ab: In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts verbündeten sich Hauptpastor Mohaupt, Organist Kelber und Orgelbauer Ahrend und erreichten eine zwar höchst kostspielige, aber mustergültige Restaurierung durch Ahrend, die 1993 – 300 Jahre nach der Fertigstellung durch Schnitger – den Phönix wiedererstehen ließ.
Zahllose Einspielungen sind hier seither entstanden, der Konzertbetrieb brummt, und auch bei Orgelführungen ist die Kirche gerammelt voll.
http://img526.imageshack.us/img526/8243/stjacobi7501.jpg
Doch noch zum Konzert:
Imbruno begann mit Ileborg, den man selten hört. Zwei schnelle laufgeprägte, dennoch nahtlos ausgezierte Präludien auf dem endlosen Bordunbass. Klang wie Orgel auf arabisch und Dudelsack.
Mit Paumann, Sweelinck, Arauxo, Scheidemann und Bruna fand man sich in bekannterem Fahrwasser wieder. Mir wäre aber eine vor allem artikuliertere Spielweise genehm gewesen, denn trotz rappelvoller Kirche war es noch ziemlich hallig, und die etwas verhuschte Spielweise, gepaart mit manchmal leicht nuscheliger Registrierung machte manche Struktur zum Nebelgebilde.
Nicht nur besser, sondern ganz großartig geriet dann Böhms „Vater unser im Himmelreich“, während Bach/Vivaldi zwar rasant, aber eben auch wieder undeutlich abgespult wurden. Damit wäre er durch die C-Prüfung gefallen.
Fischers Chaconne in F war wieder sehr gut – gemäßigt, aber dramatisch trotz gleichbleibender Registrierung. Aber Bruhnsens großes e-moll – der Rausschmeißer – war ein Festival der verschenkten Gelegenheiten. Wenigstens hier in den letzten Takten Prinzipal 32’ + Posaune 32’.
Aber ganz egal, wer da spielt, die Orgel macht fast alles wieder wett. Da lohnt sich auch eine weite Anreise.
An der Abendkasse gab es auch das Buch zur Orgel für 25 Taler, das mich damals ein Mehrfaches gekostet hat.
Bei Orinoco kostet es auch nicht mehr:
Am 18. 8. spielte Matteo Imbruno, der derzeitige Amtsnachfolger Sweelincks an der Oude Kerk in Amsterdam, an der Schnitger-Orgel in Hamburg, St. Jacobi ein Programm, das wunderbar aufs Instrument passte. Es reichte von Adam Ileborgs Tabulatur bis zu Bachs Vivaldi-Arrangements.
Es passt deswegen so gut, weil Schnitger in der Orgel nicht nur Eigenes gebaut hat, sondern eine ganze Reihe von Registern aus dem Vorgängerinstrument übernommen hat, die ihm Wert schienen, erhalten zu werden, und sich zugleich perfekt in seinen Neubau einfügten. Also können wir heute noch Gedackte und Prinzipale von Iversand & Stüven, Fritzsche und Scherer I & II im Schnitger-Werk hören, die so ähnlich zu Zeiten der Organisten Praetorius & Weckmann klangen.
Die Orgel ist hier sowieso immer der Star, denn sie ist nicht nur die größte erhaltene nordeuropäische Barockorgel, sondern auch Ausgangspunkt der Orgelbewegung, als deren Zündfunke man das Zusammentreffen von Hans Henny Jahnn und diesem Instrument sehen kann – naja, zumindest als einen Zundfünken.
Natürlich ist das kein Zufall, sondern in der Arbeit Schnitgers und seiner Vorgänger begründet. Schließlich wollte ja auch J. S. Bach hier einst Organist werden. Sie wurde gehegt und gepflegt und entging so allen modischen Umbauten (bis auf ein paar Kleinigkeiten), so dass erst 1917 ein schlimmer Eingriff stattfand, als man die Prospektpfeifen (das sind die, die man sieht) aus Kriegsgründen abliefern musste. Immerhin konnte man später halbwegs brauchbaren Ersatz schaffen, so dass bis zum Weltkrieg Nr. 2 nichts Schlimmes passierte. Aber selbst dann rettete man durch rechtzeitigen Ausbau und Auslagerung der Pfeifen und der Windladen den Kern der Orgel und ließ nur das Gehäuse – wegen seiner gewaltigen Ausmaße auch in Teilen kaum transportabel – an Ort und Stelle. Dort verbrannte es dann auch prompt 1944 nach schweren Bombentreffern, die der gesamten Kirche nur die Außenmauern ließen.
Nach dem Krieg baute man St. Jacobi flugs wieder auf und stellte die Orgel vorübergehend ebenerdig und ohne Gehäuse in einem Seitenschiff auf.
Die eigentliche Tragödie nahm erst mit der „Restaurierung“ durch Kemper ihren Lauf, die selbst nach damaligen Maßstäben und bei allem Wohlwollen, das dieser Zeit ihre mangelnden Kentnisse nicht vorwirft, eine handwerkliche und künstlerische Katastrophe war.
Kürzen wirs ab: In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts verbündeten sich Hauptpastor Mohaupt, Organist Kelber und Orgelbauer Ahrend und erreichten eine zwar höchst kostspielige, aber mustergültige Restaurierung durch Ahrend, die 1993 – 300 Jahre nach der Fertigstellung durch Schnitger – den Phönix wiedererstehen ließ.
Zahllose Einspielungen sind hier seither entstanden, der Konzertbetrieb brummt, und auch bei Orgelführungen ist die Kirche gerammelt voll.
http://img526.imageshack.us/img526/8243/stjacobi7501.jpg
Doch noch zum Konzert:
Imbruno begann mit Ileborg, den man selten hört. Zwei schnelle laufgeprägte, dennoch nahtlos ausgezierte Präludien auf dem endlosen Bordunbass. Klang wie Orgel auf arabisch und Dudelsack.

Mit Paumann, Sweelinck, Arauxo, Scheidemann und Bruna fand man sich in bekannterem Fahrwasser wieder. Mir wäre aber eine vor allem artikuliertere Spielweise genehm gewesen, denn trotz rappelvoller Kirche war es noch ziemlich hallig, und die etwas verhuschte Spielweise, gepaart mit manchmal leicht nuscheliger Registrierung machte manche Struktur zum Nebelgebilde.
Nicht nur besser, sondern ganz großartig geriet dann Böhms „Vater unser im Himmelreich“, während Bach/Vivaldi zwar rasant, aber eben auch wieder undeutlich abgespult wurden. Damit wäre er durch die C-Prüfung gefallen.
Fischers Chaconne in F war wieder sehr gut – gemäßigt, aber dramatisch trotz gleichbleibender Registrierung. Aber Bruhnsens großes e-moll – der Rausschmeißer – war ein Festival der verschenkten Gelegenheiten. Wenigstens hier in den letzten Takten Prinzipal 32’ + Posaune 32’.
Aber ganz egal, wer da spielt, die Orgel macht fast alles wieder wett. Da lohnt sich auch eine weite Anreise.
An der Abendkasse gab es auch das Buch zur Orgel für 25 Taler, das mich damals ein Mehrfaches gekostet hat.
Bei Orinoco kostet es auch nicht mehr:

