Unbekannt
Sonntag, 6. Februar 2011, 18:23
Perti, Giacomo Antonio
6. Juni 1661 in Crevalcore bei Bologna
† 10. April 1756 in Bologna
Fünf Jahre älter als sein bolognesischer Kollege Attilio Ariosti, ist Giacomo Antonio Perti heute noch viel unbekannter als der in London tätig gewordene Viola d'amore-Spieler, wohl auch weil Perti nahezu sein ganzes Leben in Italien verbrachte. † 10. April 1756 in Bologna
Dabei dürfte auch Perti, ebenso wie Ariosti, den berühmten Händel sehr gut gekannt haben, denn ab 1700 bis 1710 war Perti am Florentiner Hof als Opernkomponist tätig und arbeitete dort haupstächlich mit dem Librettisten Antonio Salvi zusammen.
Hier entstanden folgende Opern:
-Astianatte (Antonio Salvi nach J. Racine, Andromaque), dramma per musica (1701 Florenz, Pratolino)
-Dionisio rè di Portogallo (Antonio Salvi), dramma per musica (1707 Florenz, Pratolino)
-Ginevra principessa di Scozia (Antonio Salvi nach L. Ariosto, Orlando furioso), dramma per musica (1709 Florenz, Pratolino), zusammen mit Parollo
-Berenice regina d'Egitto (Antonio Salvi), dramma per musica (1709 Florenz, Pratolino)
-Demetrio (Antonio Salvi), dramma per musica (1709 Florenz, Pratolino)
-Rodelinda regina de' Langobardi (Antonio Salvi nach P. Corneille, Pertharite, roi des Lombards), dramma per musica (1710 Florenz, Pratolino)
Beim Studium dieser Liste fällt doch gleich auf, wie sehr einige Thematiken in Händels Opernschaffen wieder auftauchen (er nutzte ja auch Salvis Librettis) und es wäre interessant zu erfahren, ob Perti Händel im musikalischen Bereich beeinflusste (man darf davon ausgehen, wenn man Händels Tendenz zur Assimilation fremder Werke berücksichtigt).
Im Jahre des 350. Geburststag dieses Komponisten wird man sich seiner hoffentlich wieder erinnern und eine Oper wenigtens konzertant einspielen. Es sind sind allerdings nur ein paar seiner 26 Opern erhalten (ich versuche noch herauszufinden, welche).
Den größten Teil seiner Werke nimmt die Kirchenmusik ein. Sein Onkel, Lorenzo Perti, bei dem der junge Giacomo das Rüstzeug eines Musikers gelernt haben dürfte, war nämlich Maestro di Capella an der Kirche San Pietro und 1690 folgte sein Neffe ihm auf diesen Posten. Nach dem Tod Colonnas übernahm er diesen Posten auch an der Basilika San Petronino. In Sachen Kirchenmusik war Giacomo Antonio Perti ein Frühstarter. Schon als Jugendlicher hatte er eine Messe, eine Motette und ein Magnifikat komponiert (cf. Wikipedia, engl. Artikel). Es sollten noch über 28 Messen und 54 Motteten, Psalmvertonungen sowie einige vom Titel sehr interessante Oratorien folgen (Liste wird im englischen Wikipedia-Artikel genannt):
- Due gigli porporati nel martirio di santa Serafia e santa Sabina, Bologna, 1679
- Abramo vincitor de' propri affetti, Bologna 1683 (rev. Agar, 1689)
- Il Mosè conduttor del popolo ebreo, Modena 1685
- Oratorio della Passione, Bologna, 1685 (rev. Gesù al sepolcro, 1703)
- La beata Imelde Lambertini bolognese, Bologna, 1686
- «Oratorio à 6 Voci, con concertino, e concerto grosso» (unbekanntes Thema), Modena (?), 1687 (verschollen)
- San Galgano Guidotti, Bologna, 1694
- La Passione di Cristo, Bologna, 1694 (= Oratorio sopra la passione del Redentore = Affetti di compassione alla morte del Redentor della Vita; in Zusammenarbeit mit seinen Schülern)
- Christo al Limbo, Bologna 1698
- La morte del giusto, overo Il transito di san Giuseppe, undatiert, wird Perti zugeschrieben
Er hat zwei sehr berühmten Schüler: Giuseppe Torelli und Giovanni Battista Martini. Er leitete auch die berühmte 1666 gegründete Accademia Filarmonica di Bologna.