Unbekannt
Samstag, 16. Januar 2010, 03:43
Work in progress, wird nach und nach ergänzt!
Dieser Thread soll der Musik für zwei (oder mehr) Tasteninstrumente von Frühbarock bis Frühklassik gewidmet sein.
Die Praxis, mit zwei oder mehr Spielern an einem Tasteninstrument oder an zwei oder gar mehr Tasteninstrumenten parallel (ohne andere Instrumententypen!) zu spielen, scheint so alt wie die Instrumente selbst zu sein, u.a. auch wegen der praktischen Bedeutung im Unterricht. Werke mit einem leichten Part für den Schüler oder die Schülerin und einem virtuosen, technisch ansprucksvolleren für den Lehrenden scheint es so lange zu geben wie das Spiel auf Orgeln, Cembali, Virginalen, Clavichorden und Hammerclavieren - die Instrumentenzuordnung ist nicht immer eindeutig, und auch die Spezifikation, ob zwei an einem oder zwei Instrumenten sitzen sollen, ist manchmal variabel. Stücke für zwei Orgeln sind meistens ausdrücklich so bezeichnet - die Kirchen mit entsprechender Ausstattung waren und sind rar.
Des weiteren muß man zwischen Originalkompositionen für zwei Tasteninstrumente und Arrangements für diese Besetzung unterscheiden - für das Spiel im Bereich des häuslichen Musizierens wurden oft Bearbeitungen populärer Stücke z.B. aus Opern angefertigt; diese können vom Komponisten selbst angefertigt oder zumindest autorisiert sein.
Von der im Vergleich geringen Anzahl an ausdrücklich entsprechend bezeichneten Kompositionen lässt sich nur bedingt auf die Häufigkeit einer Spielpraxis mit zwei Cembali o.ä. schließen, da auch die Praxis, Kammermusik auf Tasteninstrumente zu übertragen, offenbar ziemlich verbreitet war - dazu später mehr.
Zu den ältesten Werken, die ich bis jetzt finden konnte, zählen:
Arnolt Schlick (ca. 1460 - 1525):
- Ascento ad patrem meum à 10 - ein 10stimmiges (!) Orgelstück, 4 Pedal- und 6 Manualstimmen - da wird es eng auf der Orgelbank
- Gaude Dei genitrix à 3-5 - offenbar auf drei bis fünf Orgeln zu spielen oder mit mehreren Spielern, je nachdem was auch an kleineren Nebenorgeln vorhanden war
In der englischen Musik tauchen frühe Beispiele auf:
Giles Farnaby (ca. 1563 - 1640):
- For two Virginals
Das einzige so bezeichnete Stück, aber es ist bekannt, daß ein Typ des Virginals, Muselaar oder als "Mutter und Kind" bezeichnet, aus zwei Virginalen bestehend, die gekoppelt als ein oder auseinandergebaut als zwei Instrumente gespielt werden konnten, recht verbeitet war. Ich konnte 2009 ein paar Stücke auf einem solchen Virginal im Konzert hören.
Thomas Tomkins (1573 - 1656):
- Pavan of Three Parts
- Gailliard of Three Parts
- Short Pavan
- Fancy - For Two to Play
Die ersten 3 Stücke sind dreistimmig - ein Spieler übernimmt den Basspart, der andere die beiden Oberstimmen; die Fancy ist 4-stimmig.
Skip Sempé z.B. geht davon aus, daß in England die Praxis, auf zwei oder drei Virginalen, Spinetten oder Cembali, auch in beliebigen Kombinationen, zu spielen viel weiter verbreitet war als die wenigen erhaltenen Noten suggerieren, und spielt mit Stimmverdopplungen, improvisiertem Continuo, Übertragungen von Consortmusik usw. - dazu mehr bei den Vorstellungen der Tonträger.
Einen weiteren Schwerpunkt scheint es in der französischen Barockmusik zu geben.
In den 4 Livres de Pièces de Clavecin von François Couperin (1668 - 1733) finden sich neben einer Allemande, die ausdrücklich "à deux clavecins" bezeichnet ist, mehrere Stücke mit einer zusätzlichen Oberstimme, die man ebenso gut auf einem zweiten Cembalo, bei entsprechenden Fähigkeiten des Spielers mit improvisiertem Continuo, ausführen kann. Die Allemande war in der Bach-Familie bekannt - darauf komme ich später noch zurück.
In den Vorworten zu Couperins Kammermusikzyklen Les Nations (1726) und Les Apothéoses (1724) ist die Möglichkeit der Ausführung auf zwei Cembali ausdrücklich erwähnt.
Der mysteriöse Gaspard Le Roux, unter dessen Namen 1705 ein Buch mit Suiten erschienen ist, nimmt eine Schlüsselstellung ein, denn dieses Buch kann man auf dreierlei Art aufführen:
- mit einem Cembalo
- mit zwei Cembali, wofür er aber nur einige Stücke ausgeschrieben hat, ansonsten die Anweisung liefert, wie die zweite Cembalostimme aus dem vorhandenen Material abzuleiten ist - er liefert für alles eine dritte Stimme mit
- mit Kammerensemble, zwei Oberstimmen und basse continue, wofür er auch wieder die Anleitung für das Erstellen der Noten liefert.
Man vermutet, daß Johann Sebastian Bach auch dieses Werk gekannt haben könnte ...
Auch beim letzten großen Vertreter der Couperin-Dynastie, Armand-Louis Couperin (1727-1789) gibt es ausdrücklich für zwei Cembali bestimmte Stücke:
- 3 Quatuors pour deux clavecins (leider ist nur das 2. komplett erhalten)
- Symphonie pour deux clavecins
Diese Stücke verlangen ausdrücklich französische Cembali neuster Bauart mit allen Innovationen incl. Büffelregister und Jalousieschwellern.
Dieser Thread soll der Musik für zwei (oder mehr) Tasteninstrumente von Frühbarock bis Frühklassik gewidmet sein.
Die Praxis, mit zwei oder mehr Spielern an einem Tasteninstrument oder an zwei oder gar mehr Tasteninstrumenten parallel (ohne andere Instrumententypen!) zu spielen, scheint so alt wie die Instrumente selbst zu sein, u.a. auch wegen der praktischen Bedeutung im Unterricht. Werke mit einem leichten Part für den Schüler oder die Schülerin und einem virtuosen, technisch ansprucksvolleren für den Lehrenden scheint es so lange zu geben wie das Spiel auf Orgeln, Cembali, Virginalen, Clavichorden und Hammerclavieren - die Instrumentenzuordnung ist nicht immer eindeutig, und auch die Spezifikation, ob zwei an einem oder zwei Instrumenten sitzen sollen, ist manchmal variabel. Stücke für zwei Orgeln sind meistens ausdrücklich so bezeichnet - die Kirchen mit entsprechender Ausstattung waren und sind rar.
Des weiteren muß man zwischen Originalkompositionen für zwei Tasteninstrumente und Arrangements für diese Besetzung unterscheiden - für das Spiel im Bereich des häuslichen Musizierens wurden oft Bearbeitungen populärer Stücke z.B. aus Opern angefertigt; diese können vom Komponisten selbst angefertigt oder zumindest autorisiert sein.
Von der im Vergleich geringen Anzahl an ausdrücklich entsprechend bezeichneten Kompositionen lässt sich nur bedingt auf die Häufigkeit einer Spielpraxis mit zwei Cembali o.ä. schließen, da auch die Praxis, Kammermusik auf Tasteninstrumente zu übertragen, offenbar ziemlich verbreitet war - dazu später mehr.
Zu den ältesten Werken, die ich bis jetzt finden konnte, zählen:
Arnolt Schlick (ca. 1460 - 1525):
- Ascento ad patrem meum à 10 - ein 10stimmiges (!) Orgelstück, 4 Pedal- und 6 Manualstimmen - da wird es eng auf der Orgelbank
- Gaude Dei genitrix à 3-5 - offenbar auf drei bis fünf Orgeln zu spielen oder mit mehreren Spielern, je nachdem was auch an kleineren Nebenorgeln vorhanden war
In der englischen Musik tauchen frühe Beispiele auf:
Giles Farnaby (ca. 1563 - 1640):
- For two Virginals
Das einzige so bezeichnete Stück, aber es ist bekannt, daß ein Typ des Virginals, Muselaar oder als "Mutter und Kind" bezeichnet, aus zwei Virginalen bestehend, die gekoppelt als ein oder auseinandergebaut als zwei Instrumente gespielt werden konnten, recht verbeitet war. Ich konnte 2009 ein paar Stücke auf einem solchen Virginal im Konzert hören.
Thomas Tomkins (1573 - 1656):
- Pavan of Three Parts
- Gailliard of Three Parts
- Short Pavan
- Fancy - For Two to Play
Die ersten 3 Stücke sind dreistimmig - ein Spieler übernimmt den Basspart, der andere die beiden Oberstimmen; die Fancy ist 4-stimmig.
Skip Sempé z.B. geht davon aus, daß in England die Praxis, auf zwei oder drei Virginalen, Spinetten oder Cembali, auch in beliebigen Kombinationen, zu spielen viel weiter verbreitet war als die wenigen erhaltenen Noten suggerieren, und spielt mit Stimmverdopplungen, improvisiertem Continuo, Übertragungen von Consortmusik usw. - dazu mehr bei den Vorstellungen der Tonträger.
Einen weiteren Schwerpunkt scheint es in der französischen Barockmusik zu geben.
In den 4 Livres de Pièces de Clavecin von François Couperin (1668 - 1733) finden sich neben einer Allemande, die ausdrücklich "à deux clavecins" bezeichnet ist, mehrere Stücke mit einer zusätzlichen Oberstimme, die man ebenso gut auf einem zweiten Cembalo, bei entsprechenden Fähigkeiten des Spielers mit improvisiertem Continuo, ausführen kann. Die Allemande war in der Bach-Familie bekannt - darauf komme ich später noch zurück.
In den Vorworten zu Couperins Kammermusikzyklen Les Nations (1726) und Les Apothéoses (1724) ist die Möglichkeit der Ausführung auf zwei Cembali ausdrücklich erwähnt.
Der mysteriöse Gaspard Le Roux, unter dessen Namen 1705 ein Buch mit Suiten erschienen ist, nimmt eine Schlüsselstellung ein, denn dieses Buch kann man auf dreierlei Art aufführen:
- mit einem Cembalo
- mit zwei Cembali, wofür er aber nur einige Stücke ausgeschrieben hat, ansonsten die Anweisung liefert, wie die zweite Cembalostimme aus dem vorhandenen Material abzuleiten ist - er liefert für alles eine dritte Stimme mit
- mit Kammerensemble, zwei Oberstimmen und basse continue, wofür er auch wieder die Anleitung für das Erstellen der Noten liefert.
Man vermutet, daß Johann Sebastian Bach auch dieses Werk gekannt haben könnte ...
Auch beim letzten großen Vertreter der Couperin-Dynastie, Armand-Louis Couperin (1727-1789) gibt es ausdrücklich für zwei Cembali bestimmte Stücke:
- 3 Quatuors pour deux clavecins (leider ist nur das 2. komplett erhalten)
- Symphonie pour deux clavecins
Diese Stücke verlangen ausdrücklich französische Cembali neuster Bauart mit allen Innovationen incl. Büffelregister und Jalousieschwellern.
).


), schmeisse obligate Stimmen für die linken Hände raus, vornehmlich im 2. Satz (hat Bach doch auch immer so gemacht