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Josquin Despez „Michelangelo der Musik“ – die Motetten:

Unbekannt Mittwoch, 26. August 2009, 20:39
Hallo!

Die Analogie zwischen Josquin und Michelangelo übernehme ich gerne von Salisburgenis' Tamino-Beitrag, denn ich finde sie sehr treffend. Für mich sind die beiden die größten Renaissance-Künstler überhaupt und passen auch stilistisch gut zueinander (rein subjektives Empfinden natürlich).

Ich plane drei threads über Josquin, diesen für die Motetten, einen weiteren für die Messen, und einen für die Chansons.

Die Wikipedia listet 58 Motetten von Josquin, wobei die Echtheit nicht immer klar ist, die Datierung selten möglich ist.
Es war eine Motette, nämlich "Misericordias Domini", durch die Josquin der "Durchbruch" als Komponist gelang. König Ludwig XI. von Frankreich tapezierte angeblich vor Begeisterung seine Wände mit Abschriften dieser Motette.
Kennt jemand eine Aufnahme des Werks? Das würde ich gerne mal hören.

Mich begeistern vor allem das in den 1480ern in Mailand entstandene Ave Maria, für mich die schönste aller Marien-Hymnen überhaupt, das Miserere, über das ich hier bereits etwas schrieb und das ebenfalls sehr ergreifende und tiefgründige De Profundis.
Bei La deploration de Jehan Ockeghem bin ich mir nicht sicher, ob es auch hierher oder eher zu den Chansons gehört. Jedenfalls bin ich von diesem Trauergesang auf Ockeghem, der vielleicht sogar Josquins Lehrer war, auch tief bewegt. Es ist unheimlich schade, daß es kein liturgisches Requiem von Josquin gibt.

Die vier eben erwähnten Werke kann man auf diesen beiden CDs finden:



Interpretatorisch gefallen mir die Hilliards besser als Herreweghe (u.a. direkter Ave Maria-Vergleich), empfehlen kann und möchte ich aber beide CDs (Herreweghe scheint leider nicht mehr zu realistischen Preisen erhältlich zu sein).

Teilt Ihr meine Begeisterung für Josquins Motetten? Für welche besonders?

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Montag, 31. August 2009, 22:11
Und dann ist da ja noch die Vertonung von Psalm 90 - Qui habitat. Dieses grandiose und klangprächtige Stück hatten im Tamino-Forum mehrere bei ihren Lieblings-Chorwerken aufgelistet. Das 24-stimmige Stück besteht aus vier ineinander verschachtelten Kanons, die auf immer wieder neue Weise zu einem musikalischen Gewebe verbunden werden. Auffällig ist ein Klangeffekt, der Glockengeläut ähnelt, und den Josquin vermutlich absichtlich so herbeiführen wollte. Großartig! :jubel: :angel:

Unbekannt Sonntag, 6. September 2009, 17:49
Hallo!

Hatte schon jemand Gelegenheit, in die neue Brilliant-CD reinzühoren? Oder weiß zumindest, wie das Orlando Consort einzuschätzen ist?

Viele Grüße,
Martin.

Unbekannt Sonntag, 6. September 2009, 18:26
Hallo!

Hatte schon jemand Gelegenheit, in die neue Brilliant-CD reinzühoren? Oder weiß zumindest, wie das Orlando Consort einzuschätzen ist?

Viele Grüße,
Martin.
Die ist doch identisch mit der da:


Ich hab' sie, und sie ist wunderschön.

'Inviolata, integra et casta est Maria', der Eröffnungsstück ist eine der schöhnsten Josquin-Motetten, die ich kenne.
Das Orlando Consort singt beschwingter und kantiger als Hilliard, man muss natürlich sehen, og man das gefällt. Ich schätze sie sehr: ihr Busnois-CD ist eine der besten CDs, die ich habe.


:music:

Liebe Grüße
Tamás
:wink:
Unbekannt Sonntag, 13. September 2009, 19:23
Hallo!

Die CD mit dem Orlando Consort werde ich mir dann sicher kaufen; ich nehme an, daß sie im neuen Zweitausendeins-Katalog drin ist - ansonsten eben über JPC.

Auf dem Amazon Marketplace habe ich ein vermeintliches Schnäppchen entdeckt: Eine alte Nevel-Aufnahmen mit Motetten und Chansons von Josquin:



Ich hoffe mal, daß es sich wirklich um ein Schnäppchen handelt, d.h. daß die Aufnahme empfehlenswert ist. Etwas stutzig macht mich, daß einige der Werke auf der CD nicht in der Wikipedia-Liste der Josquin-Kompositionen aufgeführt sind. Zudem habe ich nichts über das Ensemble Capellasanctimichaelis herausfinden können.
Eines der beiden Angebote á 2 Euro ist weiterhin vorhanden!

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Dienstag, 15. September 2009, 12:01

Auf dem Amazon Marketplace habe ich ein vermeintliches Schnäppchen entdeckt: Eine alte Nevel-Aufnahmen mit Motetten und Chansons von Josquin.


Der Dirigent dieser Aufnahme heißt mit Vorname Erik und ist der Bruder vom wahrscheinlich bekannteren Paul van Nevel. Wenn du nach "Capella Sancti Michaelis" suchts, wirst du auch fündig werden. Ein weiteres Ensemble, das er leitet, nennt sich Currende.

:wink:
Thomas
Unbekannt Mittwoch, 30. Dezember 2009, 12:44
Hallo Tamas!




Ich hab' sie, und sie ist wunderschön.

'Inviolata, integra et casta est Maria', der Eröffnungsstück ist eine der schöhnsten Josquin-Motetten, die ich kenne.


Oh ja, eine wunderschöne Motette!

Aber das "De profundis" auf der CD scheint nicht dasselbe zu sein wie das "De profundis" auf der ganz oben abgebildeten Hilliard-CD, oder? (ich gehe mal davon aus, daß Du auch beide CDs hast)
Unbekannt Mittwoch, 30. Dezember 2009, 17:18
Hallo Tamas!

Oh ja, eine wunderschöne Motette!

Aber das "De profundis" auf der CD scheint nicht dasselbe zu sein wie das "De profundis" auf der ganz oben abgebildeten Hilliard-CD, oder? (ich gehe mal davon aus, daß Du auch beide CDs hast)
Freilich hab ich sie beide! 8)) und zwar im Original! :yes:

Die beiden "De profundis"-Vertonungen sind in der Tat verschieden: die mit Orlando Consort eine ausdruckstarke, dramatische, die mit Hilliard ist eine, die fast wie ein Stück von Arvo Pärt anmutet (vor allem der Anfang)... :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
Unbekannt Mittwoch, 30. Dezember 2009, 19:57
Partituren mehrerer seiner Motetten auf imslp.org (darunter auch das 4stimmige De profundis)
http://imslp.org/wiki/Category:Josquin_Desprez :thumbup:
Unbekannt Sonntag, 14. März 2010, 14:55
Hallo Tamas,

Hallo Tamas!
Aber das "De profundis" auf der CD scheint nicht dasselbe zu sein wie das "De profundis" auf der ganz oben abgebildeten Hilliard-CD, oder? (ich gehe mal davon aus, daß Du auch beide CDs hast)
Freilich hab ich sie beide! 8)) und zwar im Original! :yes:

Die beiden "De profundis"-Vertonungen sind in der Tat verschieden: die mit Orlando Consort eine ausdruckstarke, dramatische, die mit Hilliard ist eine, die fast wie ein Stück von Arvo Pärt anmutet (vor allem der Anfang)... :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


folgende beiden CDs enthalten eine Vertonung von "Ave maria gratia plena" (also nicht DAS berühmte Josquin-Ave Maria), die mir aber auch verschieden vorkommen. Kannst Du das bestätigen?



Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Sonntag, 14. März 2010, 15:48
folgende beiden CDs enthalten eine Vertonung von "Ave maria gratia plena" (also nicht DAS berühmte Josquin-Ave Maria), die mir aber auch verschieden vorkommen. Kannst Du das bestätigen?

Auf der CD des Orlando Consorts ist ein "Ave maria, gratia plena" zu hören.
Auf der Hilliard Einspielung ist auf CD1 das berühmte "Ave Maria virgo serena", auf CD2 eine Motette, wo "Ave Maria" mit "Pater noster" kombiniert wird. Drei unterschiedliche stücke also.

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Sonntag, 14. März 2010, 15:54

Auf der CD des Orlando Consorts ist ein "Ave maria, gratia plena" zu hören.
Auf der Hilliard Einspielung ist auf CD1 das berühmte "Ave Maria virgo serena", auf CD2 eine Motette, wo "Ave Maria" mit "Pater noster" kombiniert wird. Drei unterschiedliche stücke also.


Ich meine das mit dem "Pater noster" kombinierte "Ave Maria" auf CD 2, es ist ebenfalls ein "Ave Maria gratia plena".
Laut Werkverzeichnis (das, das im dt. Wikipedia-Artikel unten verlinkt ist) dürfte es nur eine "Ave Maria gratia plena"-Vertonung geben, nämlich die mit dem "Pater noster" kombinierte. Man könnte die natürlich entkoppeln (sie hängen ja nicht direkt zusammen) und einzeln einspielen. Ich dachte, das hätte der Orlando Consort auch so gemacht - allerdings hört sich das "Ave Maria gratia plena" dort anders an. Hör doch bitte nochmal in beide rein.
Wahrscheinlich ist aber diese Werkliste unvollständig.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Sonntag, 14. März 2010, 18:01
Ich hab mir die zwei angehört. Die zwei Ave Marias sind definitiv nich gleich. Vielliecht findest du das mit dem Pater noster gekuppelte unter "Pater noster" im Verzeichnis.

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Montag, 13. September 2010, 21:44
Hallo,

das Stabat Mater von Josquin ist die älteste bekannte polyphone Vertonung dieses liturgischen Textes. Allein deswegen hat es schon einen besonderen Repertoirewert (gehört aber sonst nicht zu meinen Lieblingsmotetten).
Vermutlich entstand die Motette während Josquins Anstellung in Rom - jedenfalls ist das Werk im vatikanischen Chigi-Codex überliefert. Zudem schickte es Josquin auch 1495 an Philipp I. von Habsburg an den Burgundischen Hof, wohl um dorthin Beziehungen zu knüpfen.
Das fünfstimmige Stabat Mater hat - wie auch viele Messen Josquins - einen weltlichen Cantus firmus, der im Tenor erklingt. Es handelt sich um den Chanson "Comme femme desconfortée" von Gilles Binchois.

Zum Glück gibt es eine sehr gute Aufnahme:



Herreweghe ist übrigens auch überraschend mein Favorit beim Miserere-Vergleich mit den Hilliards geblieben.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Dienstag, 1. November 2011, 23:40
Eine neue Aufnahme verschiedener Marien-Motteten (Ave Maria; Virgo prudentissima; Virgo salutiferi; Alma redemptoris mater;I llibata Dei virgo; Benedicta es, coelorum regina; Salve regina) und der Missa "Ave maris stella" ist für den November angekündigt, mit Weser Renaissance, geleitet von Manfred Cordes: