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Johann Schobert (ca.1735-1767)

Unbekannt Dienstag, 4. August 2009, 14:33
Das Leben des Johann (auch Jean) Schobert lässt sich am besten von hinten aufrollen: Sein Tod zählt mit dem Jean-Baptiste Lullys an einer Sepsis nach einem Stich in den Fuß mit dem Dirigierstab sicher zu den kuriosesten der Musikgeschichte. Quelle hierfür ist die "Correspondance littéraire" des Fréderic Melchior Grimm, in deren Brief vom 15. September 1767 es heißt:

Zitat

Der Tag des Hl. Ludwig war dieses Jahr durch ein äußerst betrübliches Ereignis gekennzeichnet. M. Schobert, unter den Musikliebhabern als einer der besten Cembalisten von Paris bekannt, unternahm mit seiner Frau, einem seiner Kinder im Alter von vier oder fünf Jahren, und einigen Freunden, darunter auch ein Arzt, einen Ausflug. Es waren sieben an der Zahl, die im Wald von St. Germain-en-Laye spazieren gingen. Schobert liebte Pilze über alle Maßen; er sammelte also tagsüber, während der Wanderung, einige im Wald. Gegen Abend erreichte die Gesellschaft Marly; man betrat ein Wirtshaus und bat um die Zubereitung der mitgebrachten Pilze. Der Koch des Wirtshauses prüfte die Pilze, erklärte, daß sie von der schlechten Sorte seien und weigerte sich, sie zu kochen. Über diese Weigerung verärgert, verließen sie das Wirtshaus und suchten ein anderes im Bois de Boulogne auf, wo ihnen der Wirt dasselbe sagte und ebenso die Zubereitung der Pilze verweigerte. Ein grausamer Eigensinn, hervorgerufen von den ständigen Versicherungen des Arztes, der bei der Gesellschaft war, daß die Pilze gut seien, ließ sie abermals das Wirtshaus verlassen, um sie ihrem Verderben zuzuführen. Sie begaben sich alle nach Paris, in Schoberts Wohnung, wo dieser ihnen ein Abendessen mit den Pilzen vorsetzte. Und alle, sieben an der Zahl, einschließlich der Bediensteten von Schobert, die das Essen zubereitet hatte, und des Arztes, der angeblich so gut Bescheid wußte, starben an Pilzvergiftung.

8o ;( :angel:

Ansonsten weiß man bisher so gut wie nichts aus der Biografie des Komponisten. Ein anderer Eintrag in der "Correspondance littéraire" von 1765 enthält eine Bemerkung über einen Neuling in den Pariser Salons, "une jeune claveciniste de la musique du Price de Conti. M. Schobert est Silésien. Il est en France depuis cinq ou six ans."
Daraus schließt man, dass er um 1735 in Schlesien geboren wurde, denn er wird kaum als unausgebildeter Musiker gewagt haben, die belebte Pariser Musikszene zu betreten, und in der Breslauer Bibliothek findet sich ein Divertimento, das mit Schoberts op.1 Nr. 1 identisch ist. 1760 oder 1761 muß er nach Paris gekommen sein und fand im Prinzen Conti einen Gönner, der eine schützende Hand über ihn gehalten und ihn großzügig unterstützt haben muß, denn alle Opera wurden in eigener Regie gestochen und gedruckt, und in Paris vertrieben, wo sie Mozart Vater und Sohn kennengelernt haben dürften; wahrscheinlich Mitte Juni 1766 wurde ein Gemälde angefertigt, das den jungen Mozart bei einer Teegesellschaft bei Louis-Francois de Bourbon, Prince de Conti (eben Schoberts Gönner), zeigt, wie er sich anschickt, den Sänger Jélyotte am Cembalo zu begleiten.
Leopold Mozart hegte starke Abneigung gegen Schobert (war er neidisch auf dessen Erfolg?), Sohn Wolferl bewunderte seine Musik: Im Pasticcio-Konzert KV 39 ist der Mittelsatz das modifizierte Andante poco allegro aus Schoberts op. XVII Nr. 2; die a-moll Sonate KV 310, in Paris komponiert, zitiert fast wörtlich aus op. XVII Nr. 1.

Schobert war nicht der erste, der Claviersonaten mit obligaten Instrumenten schrieb - das war in Paris Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville mit seinem op. 3 "Pièces de Clavecin en Sonates avec accompagnement de violon", ca. 1734 veröffentlicht. Schobert scheint das Genre mit seinen reichen Harmonien und melodischen Einfällen mehr als jeder andere popularisiert zu haben und machte mit seinem virtuosen, aber nach neueren italienischen Moden orientierten Cembalospiel den letzten Vertretern der französichen Clavecinisten in der Tradition von Francois Couperin und Rameau (Jacques Duphly, Claude Balbastre, Armand-Louis Couperin) das Leben schwer.
Die Popularität seiner Werke während seines so abrupt beendeten Lebens steht in starkem Kontrast zum Vergessen seines Werkes nach seinem Tod, was angesichts der rasanten Entwicklung der Musik in jenen Jahren und vor allem der veränderten Kompositionsideale in der Klavier-Kammermusik nicht weiter verwundert: Sieht man Schobert von Mozart her, der die Streichinstrumente mehr und mehr zu dem Klavier gleichberechtigten Partnern emanzipierte, erscheint Schoberts Musik vor allem den Streichern als wenig attraktiv, da sie hier im wesentlichen eine echte obligate Rolle haben. Fast die gesamte Kammermusik lässt sich mit dem Tasteninstrument solo ohne Substanzverlust aufführen, obwohl sie mit Streichern wesentlich fülliger und charmanter klingt; Schobert verstand es mit nur zwei Streichern gleichsam orchestrale Effekte zu erzielen, die etwas an die Schreibweise der Mannheimer Schule erinnert, mit der eine Verbindung aber nicht nachgewiesen werden kann. Als affektenreiche Ensemblemusik gespielt, ist Schoberts Kammermusik durchaus attraktiv.

Johann Wolfgang von Goethes Schester Cornelia spielte Schoberts Stücke mit Hingabe - ihr Urteil mag stellvertretend für die Reaktionen der Zeitgenossen stehen:

Zitat

Il a composée XV ouvrages graveés d'une taille douce, qui sont excellent et que je me ne saurais de lasser de jouer. Toute autre musique ne me plait presque plus. En jouent des sentiments douloureux percent mon âme, je le plains ce grand auteur, qui a la fleur de son âge avec un tel génie a fallu périr d'une facon si miserable et inopinée.

[... die ich nie aufhören werde zu spielen. Während ich sie spiele, durchbohren schmerzliche Gefühle meine Seele.]

Ich persönlich höre Schoberts Sonaten lieber als die Mozarts oder Haydns - seine Expressivität spricht mich weit mehr an als die seiner Zeitgenossen, seine Melodik ist unnachahmlich - ich kann Frau Goethes Worte gut nachvollziehen.

Vielleicht ist dieser Beitrag eine Anregung, sich mit seiner Musik zu beschäftigen, die weit mehr als nur eine Fußnote zu Mozarts Oeuvre darstellt. Hier eine Liste seiner Werke:

op. 1 - 2 Sonaten für Cembalo, Violine ad libitum
op. 2 - 2 Sonaten für Cembalo, mit obligater Violine
op. 3 - 2 Sonaten für Cembalo, Violine ad libitum
op. 4 - 2 Sonaten für Cembalo
op. 5 - 2 Sonaten für Cembalo, Violine ad libitum
op. 6 - 3 Triosonaten für Cembalo, Violine und Violoncello ad libitum
op. 7 - 3 Sonates en quatuor, Cembalo, 2 Violinen und Violoncello ad libitum
op. 8 - 2 Sonaten für Cembalo mit obligater Violine
op. 9 - 3 Sinfonies für Cembalo, Violine und 2 Hörner ad libitum
op. 10 - 3 Sinfonies für Cembalo, Violine und 2 Hörner ad libitum
op. 11 - Concerto I für Cembalo, 2 Violinen, Viola, Violoncello, 2 Hörner ad libitum
op. 12 - Concerto II für Cembalo, 2 Violinen, Viola, Violoncello, 2 Oboen, 2 Hörner ad libitum
op. 13 - Concerto III pastorale für Cembalo, 2 Violinen, 2 Hörner ad libitum, Viola, Violoncello
op. 14 - 6 Sonaten für Cembalo, Violine ad libitum (Nr. 1 mit Violine und Viola ad libitum)
op. 15 - Concerto IV für Cembalo, Violine und 2 Hörner ad libitum
op. 16 - 4 Sonaten für Cembalo, Violine und Violoncello obligato
op. 17 - 4 Sonaten für Cembalo, Violine obligato
op. 18 - Concerto V für Cembalo und 2 obligate Violinen
op. 19 - 2 Sonaten für Cembalo oder Pianoforte, mit obligater Violine (postum, nicht gesichert)
op. 20 - 3 Sonaten für Cembalo mit obligater Violine (wahrscheinlich von T. Giordani)

Schobert machte einen einzigen Ausflug in die Gefilde der Oper:
Le garde-chasse et le braconnier (opéra comique, Paris, Théâtre Italien, 18 Januar 1766 (verschollen)

Vor einiger Zeit war auch ein Konterfei von ihm aufgetaucht, oder zumindest hielt man es dafür, das mich doch ein wenig sehr an ein verbreitetes Mozart-Profilbild erinnert:
Unbekannt Dienstag, 4. August 2009, 18:42
Auf Schobert bin ich durch einen Film aufmerksam geworden, (Jefferson à Paris) dort wird bei einem netten Diner im Garten des Palais du Luxembourgh ein Stück von Schobert gespielt, das mich auf anhieb begeisterte - leider war dies auch das einzige Musiksstück, das nicht auf dem Soundtrack drauf war :motz:


Bis jetzt habe ich auch nur eine CD mit seiner wunderschönen Musik:


Schobert: Quatuors - Tios - Sonades
Ensemble 415 / Banchini


eine wunderschöne Aufnahme, die ich schon sehr, sehr oft gehört habe.

Es gibt ja soweit ich weiß, noch vom Label Gaudeamus mindestens 2 CD's mit weiteren Werken.

Aber die CD bei HMF scheint wohl die einzige zu sein mit Quartetten (Op. VII)
Vor allem das Quartett in F-moll hat mir gut gefallen, ich mag latent melancholische Stücke.
Unbekannt Dienstag, 4. August 2009, 23:07
Unter http://www.imdb.com/title/tt0113463/soundtrack ist der komplette Soundtrack aufgelistet, bei Schobert handelt es sich danach um das "QUARTET OPUS 7, NO. 1 FOR HARPSICHORD, TWO VIOLINS & CELLO" - das findet sich auf einer CD des Cembalisten Jean-Patrice Brosse hat mit seinem Concerto Rococco von 1991 (Pierre Verany PV.792031) - sie enthält die 1. Sonate von op. XIV in Quartettbesetzung und die 3 Quartette op. 7. Für Schoberts einprägsame Melodien, die hier mit Streichern auf dem Cembalo (von Henri Hemsch, Paris 1754) hervorragend zur Geltung kommen, lasse ich öfter Haydn und Mozart stehen. "Schmachten in Gefühlen" ist hier keine negative Erscheinung, sondern höchster musikalischer Genuß! Das dürfte Deinem Faible für leicht melancholische Stücke sehr entgegen kommen!



Ist der Film sehenswert? Der Soundtrack scheint schon mal gut zu sein ...
Unbekannt Dienstag, 4. August 2009, 23:36
Habe soeben für zusammen 10 Euronen den Soundtrack und die DVD auf dem Marktplatz geordert ... :D

Nachtrag: Ein sehenswerter Film, der ein gutes Bild der Ereignisse zeichnet und durch die Verwendung der zeitgemäßen Musik auf historischen Instrumenten, Kostümen und Ambiente sehr gut gemacht ist.
Warum man die beiden Stücke von Schobert und Balbastre nicht auch auf die Soundtrack-CD gepresst hat, ist unverständlich ...



"VIOLIN SONATA La Follia, OPUS 5, No. 12"
Music by Arcangelo Corelli
Performed by Hiro Kurosaki (violin), Emmanuel Balssa (cello) and William Christie (clavecin) (uncredited)

"SONATA OPUS 3, No. $ FOR HARPSICHORD, TWO VIOLINS & CELLO,
PIÈCE DE CLAVECIN La Lugeac"
Music by Claude Balbastre
Performed by Simon Heyerick (violin), Bernadette Charbonnier (violin) and David Bahanovich (cello)

"QUARTET OPUS 7, NO. 1 FOR HARPSICHORD, TWO VIOLINS & CELLO"
Music by Johann Schobert
Performed by Simon Heyerick (violin), Bernadette Charbonnier (violin), Jory Vinikour and David Bahanovich (cello)

"COURANTE IN C. MINOR FOR HARPSICHORD"
Music by Jacques Duphly
Performed by Jory Vinikour

"Mormora, ITALIAN SONGS FOR VOICE & HARP"
Written by Maria Cosway
Performed by Mary Nichols (alto) and Jan Walters (harp)

"Leçons de Ténèbres: Trisous est Anima: In Hoc Festo"
Music by Marc-Antoine Charpentier
Performed by Sophie Daneman and Sandrine Piau (sopranos) with Jory Vinikour (organ)

"Dardanus (excerpts)"
Music by Antonio Sacchini
Performed by Jean-Paul Fouchécourt (tenor) with Les Arts Florissants
Conducted by William Christie

"CONCERTO GROSSO OPUS 7, NO. 6 La Follia, in d. MINOR"
Music by Francesco Geminiani
Perfermed by Les Arts Florissants

Der Film ist sehr preiswert zu bekommen und lohnt sich wirklich - man sollte sich auch mal die Originalfassung anschauen, die sprachlich besser gelungen ist.

Unbekannt Dienstag, 4. August 2009, 23:46
Hallo!

Die HMF-CD mit dem Ensemble 415 habe ich auch, und mir gefällt sie ebenfalls.
Schobert ist, soweit ich weiß, mit seinem op. 7 der "Urvater des Klavierquartetts" - das war für mich zum Kauf der CD ausschlaggebend. Die Besetzung ist zwar nicht die, die sich später durchgesetzt hat (Viola statt zweiter Violine; so erstmals in KV 478, wenn ich nicht irre), aber dennoch finde ich Schoberts kammermusikalischen Pionierleistungen sehr beachtlich.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Mittwoch, 5. August 2009, 07:25
also ich mag den Film sehr, weil er dieses Flair des vorrevolutionären Paris wunderbar einfängt, wärend es auf den Straßen bereits hoch her geht, feiert die Gesellschaft in ihren Gärten noch ihre "Fêtes Galantes"
Sehr gut auch das in verschiedenen Sprachen gesprochen wird, das verstärkt einfach den Effekt, das Jefferson hier fremd ist.

Was ich aber besonders gut fand, in welche Erklärungsnot Jefferson als moderner Demokrat kommt, wenn es in die Diskussion mit französischen Adligen geht. Vor allem wegen der Sklaverei, die in Frankreich ja seit langem abgeschafft ist.
Ich mag es wenn es mal objektiv wird und nicht immer als verherrlichung irgendwelcher regierungsformen ausgelegt wird.

Der Film ist allerdings manchmal auch etwas spröde und hat Längen, aber trotzdem bin ich immer wieder fasziniert davon.

Und übrigens mal drauf achten: William Christie hat da eine Filmrolle :thumbsup: (als Dirigent) und Jean Paul Fouchecourt tritt als Sänger auf.


Und Danke für den CD Tipp :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: oh Mist die Cd ist vergriffen :motz:

dieses Stück war so hinreißend, das muss ich einfach haben.
Unbekannt Mittwoch, 30. September 2009, 14:00
Um mal die discografische Seite zu vervollständigen:

Die für meine Ohren besten Aufnahmen von Werken Schoberts sind eindeutig die beiden CDs mit dem Ensemble des französischen Cembalisten Jean-Patrice Brosse - Concerto Rococo:


CD 1: 3 Quartette op.7 & Sonate op.14 # 1
CD 2: 4 Trios op.16

Alles mit dem gehörigen Schmelz und rhythmischer Verve (hinreißende Menuette und Polonaisen!) gespielt - leider nur schwer aufzutreiben. Aber diese beiden Aufnahmen haben Referenzcharakter. Brosse spielt hier ein Cembalo von Henri Hemsch (1754), das perfekt zur Musik passt.

Im Vergleich wirken die beiden noch erhältlichen CDs des Four Nations Ensemble mit Cembalist Andrew Appel mit den z.T. gleichen Opera etwas zopfiger und strähniger - keine Spur von dem fließenden Wohlklang der Musik, den Brosse zaubert. Jegliche Agogik stört den Fluß der Musik, oder die Herren und Damen Engländer haben einfach nicht genug Charme und Esprit ... Schoberts Schreibweise für das Cembalo erfordert einiges an Fingerfertigkeit - da hört man keine simplen Alberti-Bässe, sondern interessant gestaltete Basslininen. Die bekommt Appel auf seinem etwas unelegant klingenden anonymen Cembalo nicht so geläufig hin. Die op. 5 & 6 sind allerdings nur in dieser Einspielung zugänglich.


CD 1: 2 Sonaten op.5 & 3 Sonaten op.6
CD 2: 4 Sonaten op.16
Unbekannt Mittwoch, 30. September 2009, 14:12
Eine Auswahl der Cembalosonaten mit obligater Violine aus op.1 & 3 bieten Miklós Spányi & Péter Szüts:


:jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

Spányi verwendet (wie in der ganzen CD-Reihe bei Hungaroton) einen Tangentenflügel von Ghislain Potvlieghe nach einem Instrument von Baldassare Pastore - es verbindet idealerweise Klangeigenschaften von Cembalo und Hammerklavier und passt im Vergleich zu letzterem, das Schoberts Musik zu weich und unkonturiert macht, sehr gut. Daß Schobert solche Instrumente gespielt hat, ist eher fraglich. Trotzdem eine empfehlenswerte Aufnahme, sehr lebendig gespielt.


Ebenfalls auf einem (originalen!) Tangentenflügel von Christoph Schmahl hat Mario Martinoli das op.14 komplett eingespielt - hier kann man Schoberts fast orchestrale Satzweise, die einem manchmal glauben lässt, da spiele noch ein Cello mit, besonders gut wahrnehmen.


:jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


Es ist wie gesagt nicht bekannt, ob Schobert in Paris auch auf Hammerklavieren konzertiert hat, aber die Solosonaten lassen sich durchaus gut auf ihnen darbeiten. Wer das op.14 auf einem Pianoforte von Pascal Taskin von 1790 (auch erst lange nach Schoberts Tod gebaut) hören möchte, muß versuchen, Brigitte Haudebourgs CD zu bekommen:


:jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

Diese Interpretin hat sich sehr um das vernachlässigte Repertoire der Pariser Klaviervirtuosen zwischen 1750 und 1800 verdient gemacht und hat den richtigen Zugang zu dieser Musik.
Unbekannt Mittwoch, 30. September 2009, 14:23
Die CD des von der Geigerin Chiara Banchini geleiteten Ensemble 415 mit Luciano Sgrizzi an den Tasten ist sicher die verbreitetste Schobert CD, aber die Verwendung eines Pianoforte von Johann Fritz (Wien ca. 1820) ist ein Fehlgriff: abgesehen davon, daß Schobert solche Instrumente nicht gekannt haben kann, rücken sie den im Zentrum der Satzweise stehenden Klavierpart zu sehr in den Hintergrund. Und leider hat der zum Zeitpunkt der Aufnahme schon etwas betagte Signor Sgrizzi Schwierigkeiten mit der Geläufigkeit der Finger - da kommen die schnellen Läufe erheblich langsamer als das Grundtempo der Sätze. Die Streicher treffen den Charakter allerdings sehr schön, und die Auswahl der Stücke ist durchaus repräsentativ:
Quartett f-moll op. 7 Nr. 2
Trio B-Dur op. 16 Nr. 1
Sonate op. 14 Nr. 4
Sonate op. 14 Nr. 5
Trio F-Dur op. 16 Nr. 4
Quartett Es-Dur op. 14 Nr. 1


:jubel: :jubel: :jubel:
Unbekannt Mittwoch, 30. September 2009, 14:36
Bleibt das G-Dur Klavierkonzert, das bisher zweimal eingespielt wurde, beide CDs sind vergriffen. Die Angabe op.9 auf der einen CD ist eindeutig falsch. Es muß sich wohl um eines der Konzerte op.12 oder op.15 handeln - nur diese beiden liegen in einer modernen Edition vor.

Erstklassig ist die CD der verstorbenen Fania Chapiro mit Musica ad Rhenum, die noch Konzerte von Dussek und Schröter enthält:



Bedauerlicherweise die einzige CD des Ensembles, die nicht wiederaufgelegt wurde, nachdem Vanguard seine HIP-Serie einstellte - dabei ist das eine Aufnahme von Referenzcharakter.

Nicht ganz so gut, aber eher aufzutreiben ist die Aufnahme mit Eckart Sellheim und dem Collegium aureum, die noch Konzerte von Boccherini und Field bietet:



Das Konzert ist sehr hörenswert - es klingt praktisch überhaupt nicht nach Einflüssen von J.S. Bach oder seinen Söhnen, was dieser Generation ja gerne automatisch unterstellt wird - wir wissen ja nicht, mit was Schobert ausgebildet wurde, aber er wird als in Schlesien geborener im Dunstkreis von Böhmen und Wien eher böhmisch-Wienerisch-Dresdner Modelle kennnengelernt haben, wo man einen eigenen, von Bach unabhängigen Weg zum Cembalo- und Clavierconcert ging. Das ist eindeutig frühklassisch, aber noch nicht mit all den typischen Floskeln behaftet - melodisch wesentlich interessanter und weniger an italienischen Ritornellstrukturen orientiert als z.B. Wagenseil, und technisch wesentlich anspruchsvoller. Schobert hat mit seinen Fähigkeiten nicht hinterm Berg gehalten und nicht für die weniger fähigen Laienmusiker geschrieben.
Unbekannt Mittwoch, 30. September 2009, 14:39
Die allererste HIP-Aufnahme mit Stücken von Schobert war übrigens eine LP der Deutschen Harmonia Mundi in deren Reihe Schola Cantorum Basiliensis - Documenta - sie enthält u.a. eines der witzigen Werke mit obligaten Hörnern. Diese LP machte, daß ich mich in Schoberts Musik verliebte ...

Das Programm:

Sinfonie F-dur op.9 Nr.3
Sonate B-dur op.16 Nr.1
Sonate F-dur op.17 Nr. 2
Sonate Es-dur op.7 Nr.1

Jaap Schröder & Beatrix Landolf (op.7), Violine
Michael Jappe, Violoncello (op. 16 & 7)
Jürg Allemann & Bernard Léguillon, Horn (op.9)
Jean Goverts, Cembalo (William Dowd 1977 nach französichen Modellen) oder Hammerklavier (Frère et Soeur Stein, d'Augsburg à Vienne 1800, in op.16 & 17)
Aufnahme 1982 in einer Kirche nahe Bern.

Am interessantesten ist die Sinfonie (oder auch Sonate) aus op. 9: Cembalo, Violine und zwei Hörner (!) ad libitum - eine Klangkombination, die Haydn und später Mozart ausprobierten und den Parisern völlig neu war, sinfonische Klänge in der Kammermusik! Dieses Stück ist auch (für mein Empfinden) total witzig und voller Esprit - ich hatte gehofft, Brosse würde sich auch Schoberts op.9 & 10 annehmen, da er die Sonaten von Balbastre mit Horn aufgenommen hat ...
Das von Goverts gewählte Hammerklavier hat eine Verbindung zu Mozart, dieser Typus war Schobert aber mit Sicherheit nicht bekannt. Dieses Klavier ist etwas prägnanter als der Fritz von Sgrizzi (ein Instrument, was eher schon zu Beethoven und Schubert passt!), die repetierten Noten in der linken Hand wirken auf ihm natürlich weniger penetrant als auf einem Cembalo.
Unbekannt Donnerstag, 28. Januar 2010, 02:00
Nochmal eine grundsätzliche Bemerkung zur Verwendung von Hammerklavieren bei Schoberts Musik: Zum ersten Mal wurde in Paris ein Hammerklavier im Jahre 1768 in der Öffentlichkeit gespielt - also im Jahr nach Schoberts Tod. Das spricht für sich, zumal das Fortepiano auf den Titelseiten seiner Notendrucke nicht erwähnt wird.
Noch als Mozart 1778 erneut nach Paris kam, müssen die Hammerklaviere eher bescheiden gewesen sein ... die Cembali dagegen immer noch fantastisch gut.
Kaum einschätzen kann man bisher die Verbreitung von Tangentenklavieren - aber Mozart hat sie mit Sicherheit gekannt, zu seiner Musik aus dieser Zeit passen sie gut, wie auch zu vielem anderen - Schobert, dessen Musik die perkussive Kontur des Cembaloklangs braucht, kann man durchaus auf dem Tangentenflügel spielen - ich empfehle nochmals Martinoli.
Unbekannt Freitag, 12. Februar 2010, 14:44


Eine weitere Aufnahme von Schoberts op. 7 & op.14 - steht jetzt auf meiner Anschaffungsliste :rolleyes:

Ein tschechisches Ensemble, keine Ahnung, ob die HIP sind, aber ich denke schon, wenn sie ein Cembalo verwenden ...
Unbekannt Samstag, 31. Mai 2014, 16:23
Diese Aufnahme ist inzwischen preiswert wiederveröffentlicht worden:

Johann Schobert (c.1735-1767)
Klaviersonaten op.14 Nr.1-6
Brigitte Haudebourg, Hammerklavier
Arion, 1972