Unbekannt
Montag, 22. Februar 2010, 21:01
Le parnasse françois:
Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville
(1711 - 1772)
Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville
(1711 - 1772)

Porträt von Quentin de la Tour
Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville wurde am 25. Dezember 1711 in Narbonne getauft.
[Ein jüngerer Bruder mit Namen Jean Cassanéa de Mondonville (gen. 'le jeune' oder 'cadet') wurde am 15. April 1716 in Narbonne geboren - seine 1767 gedruckte Sammlung Six sonates à violon seul et basse continue wurde früher irrtümlich dem älteren Bruder zugeschrieben.]
Man vermutet, daß der Vater, Organist der Maîtrise de St. Just in Narbonne, für die musikalische Ausbildung sorgte. Der berühmtere Sohn tritt erstmals 1733-34 in Paris in Erscheinung, als seine ersten Sammlungen von Sonaten gedruckt werden und im Programm des Concert Spirituel gespielt werden. Im Mercure de France wird die Brillianz seines Spiels gelobt.
Er muß zeitweise im Concert de Lille gearbeitet haben und kehrt 1739 als Violinist der königlichen Kapelle und Kammer nach Paris zurück. Sein Auftritt im März 1739 beim Concert Spirituel wird bewundernswert und einzigartig genannt - wohl aufgrund der Verwendung von Flageoletts wie in seinen Sonaten op.4 Les sons harmoniques. Dieser Band scheint die allererste Anweisung zum Spielen von Flageolett-Tönen in der Geschichte des Violinspiels zu sein.
Später im gleichen Jahr werden drei verschiedene grand motets aus seiner Feder gelobt und sein Ruf als Violinspieler und Komponist hervorgehoben. Nach vorliegenden Dokumenten muß er in diesem Jahr Honorare für 100 (!) Konzerte in Versailles, Compiègne, Fontainebleau und Marly erhalten haben.
Von da an war er eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Musiklebens in Paris mit zahlreichen Ämtern und Auftritten am Hof, der Oper und im Concert Spirituel. 1748 heiratete er die Cembalistin Anne-Jeanne Boucon, eine Schülerin Rameaus, die Ehe soll eine außerordentlich glückliche gewesen sein; der Sohn war Amateurmusiker.
Gemessen an seinem Ruf ist Mondonvilles Werk nicht sehr umfangreich. Als Komponist der grand motets ist er gewissermaßen der Nachfolger Delalandes. Seine Oper stehen Rameau nahe, für den er im Buffonistenstreit Partei ergriff. In seinen Sonaten stellte er Instrumentale Qualitäten über Virtuosität. Trotzdem ist er ein Pionier, denn seine Sonaten op.3 sind die allerersten Cembalosonaten in Frankreich mit obligater Violine. in op. 5 kommt noch eine Stimme dazu - man könnte sie Pièces de clavecin en motets nennen, aber sie sind ebenso mit Cembalo und Violine aufführbar. Er scheint die musikalischen Idiome auf ihr Potenzial hin ausloten zu wollen, vom Cembalisten fordert er die volle Technik der Solostücke, vom Violinisten die der Solosonate. Die stilistische Bandbreite ist bemerkenswert. Weniger seine Ideen sind neu, sondern wie er sie kombiniert.
Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville starb am 8. Oktober 1772 in Belleville.
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