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New Grove schreiben Barry S. Brook und Richard Viano: "Tapray was a composer of limited gifts; except for a few moments, his music lacks imagination and organic unity."
Sehe ich die doch recht umfangreiche Liste der Werke einen Abschnitt später, frage ich mich, ob die Autoren das wirklich alles gesichtet und/oder gehört haben können oder worauf auch immer ihre Aussage beruht. Zumindest die vier Werke, die sich auf der im nächsten Post vorgestellten CD finden, sind gut, wenn auch nicht ganz so tiefgründig wie manches von Mozart oder dem späten Haydn - aber berücksichtigt man die Tatsache dass Tapray seinen Stil parallel zu dem von Haydn und Johann Christian Bach entwickelt haben muss, anhand dessen, was er in den 1760er Jahren in Paris vorfand und aufgrund seiner Ausbildung, die höchstwahrscheinlich durch italianisierende spätbarocke und galante Musik geprägt war und später von Stars wie Schobert ... dann muss man Tapray seine Eigenständigkeit zugestehen. Was er eher stärker als Haydn oder Johann Christian Bach erforscht hat, ist die Vielfalt instrumentaler Besetzungen - u.a. sind da
vier symphonies concertantes mit Solopartien für Cembalo und Pianoforte! Zur Illustration die gedruckten Werke (die Opuszahl 1 kommt doppelt vor, weil er nach seinem Umzug nach Paris von neuem zu zählen anfing):
- op. 1 - 6 Concerti für Cembalo oder Orgel, 3 Violinen, Violoncello obligato (1758)
- op. 1 - 6 Sonates für Cembalo und Violine ad libitum (1770)
- op. 2 - 3 Sonates für Cembalo und Violine ad libitum (1770)
- op. 3 - Concerto für Cembalo und Orchester (1771)
- op. 4 - 4 Sonates für Cembalo oder Pianoforte (1773, Nr. 1-3 mit obligaten Instrumenten)
- op. 5 - 4 Sonates en trio für Cembalo, Violine und Viola (1776)
- op. 6 - 3 Sonates en trio für Cembalo oder Pianoforte, Violine und Viola (1777)
- op. 7 - 3 Sonates für Cembalo, Violine und Bass (1778)
- op. 8 - Symphonie concertante für Cembalo, Pianoforte & Orchester (1778)
- op. 9 - Symphonie concertante für Cembalo, Pianoforte, Violine & Orchester (1778)
- op. 10 - 6 Sonates für Cembalo und begleitender Violine (1779)
- op. 11 - 3 Sonates für Cembalo oder Pianoforte (1780)
- op. 12 - Symphonie für Cembalo & Orchester (1780)
- op. 13 - Symphonie concertante für Cembalo, Pianoforte & Orchester (1783)
- op. 15 - Symphonie concertante für Cembalo, Pianoforte & Orchester ad libitum (c.1782/83)
- op. 16 - 3 Sonates für Cembalo oder Pianoforte und 2 Violinen ad libitum (1784)
- op. 17 - 6 Sonates für Pianoforte (1784)
- op. 18 - 2 Quatuors für Cembalo oder Pianoforte, Klarinette oder Violine, Viola, Fagott oder Violoncello (1784) - manchmal auch als op. 17 oder op. 21 gelistet
- op. 19 - Quatuor concertant für Cembalo oder Pianoforte, Flöte oder Violine, Viola, Fagott oder Violoncello (1784)
- op. 20 - Quatuor concertante (1784)
- op. 21 - 2 Symphonies für Cembalo & Orchester (1784)
- op. 22 - 3 Sonates für Cembalo oder Pianoforte (1785)
- op. 23 - 2 Sonates für Cembalo oder Pianoforte, Violine und Violocello (1788)
- op. 24 - 3 Sonates für Cembalo oder Pianoforte und Violine ad libitum (1788)
- op. 25 ? - 6 Sonates très faciles für Cembalo und Violine ad ibitum (? 1789)
- op. 28 - 3 Sonates pour Pianoforte (? 1800)
- op. 29 - Sonate pour pianoforte à quatre mains (1800)
Die Opuszahlen 14, 26 und 27 sind ungeklärt. Dazu kommen noch ein paar Einzelwerke ohne Opuszahlen, z.T. in Periodika gedruckt, darunter Arrangements von Opernouvertüren anderer Komponisten und einige Arietten, sowie pädagogische Veröffentlichungen, von denen eine wohl aus der Feder des Vaters stammt.
Die Stellung des Violinparts oder anderer Stimmen ad libitum ist ein typisches Merkmal der Frühklassik, ebenso wie die freie Wahl des Bassinstruments oder die freizügige Verwendung von erst später kanonisierten Gattungsbegriffen. Auch die ausgefeilteren Formprinzipien der nachfolgenden Klassiker sucht man vergebens. Dafür findet man noch 1776 "Sonates en trio" bei ihm.