Thematische Einführung
Jean-Baptiste Lullys "Cadmus et Hermione", uraufgeführt am 27. April 1673 im Théâtre du Jeu de Paume de la Bouteille in Paris, ist nicht nur ein Meisterwerk der französischen Barockmusik, sondern auch ein epochales Werk, das die Geburtsstunde eines völlig neuen Genres markierte: der *tragédie lyrique*. Dieses Bühnenwerk, mit einem Libretto von Philippe Quinault, dem bevorzugten Dichter Lullys, bildet den Ausgangspunkt für eine Gattung, die über ein Jahrhundert lang die französische Oper prägen sollte.
Die Handlung basiert auf Ovids *Metamorphosen* und erzählt die mythologische Geschichte von Cadmus, dem Gründer Thebens. Cadmus, der von Apollon den Auftrag erhält, eine Stadt zu gründen, muss sich verschiedenen Prüfungen stellen, darunter der Kampf gegen einen feuerspeienden Drachen und die aus seinen Zähnen entspringenden Krieger. Seine Liebe zur schönen Hermione, Tochter von Mars und Venus, steht im Mittelpunkt, wird aber durch die Eifersucht und Intrigen der Götter, insbesondere der Pallas Athene und der Juno, immer wieder auf die Probe gestellt. Das Drama kulminiert in der Gründung Thebens und der Vereinigung des Heldenpaares, wobei göttliche Interventionen, Zauber und heroische Taten die Bühne beherrschen. Themen wie Liebe, Heroismus, das Schicksal und die Gründung einer Zivilisation durch göttliche Fügung ziehen sich durch das gesamte Werk.
Historischer Kontext & Werkanalyse
Die Entstehung von "Cadmus et Hermione" ist untrennbar mit der Macht Lullys und dem französischen Hof König Ludwigs XIV. verbunden. Lully, der 1672 die Leitung der Académie Royale de Musique (Opéra) übertragen wurde, erhielt durch ein königliches Privileg ein Monopol auf die Opernproduktion in Frankreich. Dies ermöglichte ihm, seine Vision einer nationalen Oper, die sich bewusst vom italienischen Stil abgrenzte, zu verwirklichen.
Der historische Kontext: