Unbekannt
Donnerstag, 28. Januar 2010, 18:58
Le parnasse françois:
Jacques Duphly
(1715 - 1789)
Jacques Duphly
(1715 - 1789)
Die letzten drei großen Meister des französischen Cembalo sind Jacques Duphly (1715-1789), Armand-Louis Couperin (1727-1789) und Claude Balbastre (1724-1799).
Jacques Duphly (manchmal wird er auch Dufly oder Du Phly geschrieben) wurde am 12. Januar 1715 in Rouen geboren. Über seine Kindheit und Ausbildung weiß man nur wenig; erst als er sich 1734 um das Organistenamt an der Kathedrale St. Eloi bewirbt, notiert man, daß er von François d'Agincourt in Rouen unterrichtet wurde und 1732 für seinen ersten Posten nach Evreux ging. Diese Stelle gab er mit nur 19 Jahren wieder auf, um zurück nach Rouen zu gehen. Dort wurde er von seinem überalterten Vorgänger erst mal ausgeschlossen - die Schlösser mussten ausgetauscht werden und die neuen Schlüssel Duphly ausgehändigt, bevor er seinen Dienst antreten konnte. 1740 kam als zweite Kirche Notre Dame de la Ronde hinzu - seine Schwester Marie-Anne-Agathe half ihm bei der Pflichterfüllung, wenn sich die Termine überschnitten.
Beide Stellen kündigte er 1742, um nach Paris zu gehen. Gerüchte gaben affaires als Grund für seinen Wechsel an, aber es war wohl eher die Einsicht, daß er als Cembalist in Paris weiter kommen würde denn als Organist in Rouen. Das Orgelspiel gab er völlig auf, um seinen delikaten Anschlag auf dem Cembalo nicht zu verderben (für den ihn z.B. sein Kollege Louis-Claude Daquin rühmte). Er hatte guten Erfolg als Cembalolehrer und war in den 1750er und 1760er Jahren eine ausgesprochene Berühntheit, gab sich aber eher bescheiden, was den Lebensstil angeht. nach 1767 scheint er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen zu haben - bei seinem Tod am 15. Juli 1789 meldeten sich keine Erben, er war unverheiratet geblieben, und in seinem Nachlaß fand sich noch nicht einmal ein Cembalo ...
Auch wenn er bei D'Agincourt Unterricht hatte - Rameau war Duphly's größter Einfluß. Einmal wurde ihm sogar irrtümlich ein Regelwerk Rameaus zugeschrieben. Duphly's Pièces des Clavecin, die 1744, 1748, 1758 und 1768 in vier Büchern gedruckt wurden, vollziehen sozusagen den Übergang vom Charakter- oder Tanzstück im Stil Rameaus zum sonatenhaften, z.T. mit obligater Violine, wie es Mondonville und später Schobert populär machten, und zum Rondeau als vorherrschender Form. Dabei setzt sich eine schon bei Rameau zu beobachtende Tendenz fort, sich immer weniger auf Verzierungen als Gestaltungsmitttel zu verlassen, sondern aus der Form und der Melodie zu schöpfen. Trotzdem hat er wie seine beiden oben genannten Kollegen einen untrüglichen Sinn für den Klang des französischen Cembalos, wie sie z.B. Pascal Taskin baute. Ein Stück wie La Pothouin aus dem vierten Buch, ein wunderschönes Rondeau, würde auf einem Hammerklavier banal klingen. Es ist fast symbolisch, daß Duphly's letztes Buch in dem Jahr erscheint, in dem zum ersten Mal in Paris ein Hammerklavier öffentlich gespielt wird. Auch bei ihm finden sich schon vier Stücke mit Alberti-Bässen, wenn auch eher halbherzig komponiert.
Insgesamt ist nicht jedes seiner Stücke auf so hohem Niveau angesiedelt wie fast jedes Stück bei Rameau oder Couperin le grand, aber einiges davon zählt zum Besten, was in Frankreich im 18. Jahrhundert für Cembalo geschrieben wurde.
Die Noten aller 4 Livres de Pièces de Clavecin kann man übrigens hier umsonst herunterladen.
