Johann Sebastian Bach: Brandenburgische Konzerte (BWV 1046–1051) – Eine musikwissenschaftliche Würdigung
Thematische Einführung
Die sechs Konzerte, die Johann Sebastian Bach im Jahr 1721 Christian Ludwig, dem Markgrafen von Brandenburg-Schwedt, widmete, sind heute als die *Brandenburgischen Konzerte* (BWV 1046–1051) bekannt und zählen zu den unbestrittenen Höhepunkten der Barockmusik und des gesamten klassischen Repertoires. Unter ihrem ursprünglichen Titel „Six Concerts Avec plusieurs Instruments“ präsentieren sie ein außergewöhnliches Panorama an formaler Gestaltung, instrumentaler Experimentierfreude und kontrapunktischer Meisterschaft. Sie sind nicht nur Zeugnisse von Bachs Genialität als Komponist, sondern auch von seiner Fähigkeit, die Konventionen des Concerto Grosso zu erweitern und neue Wege in der Instrumentalmusik zu beschreiten. Jedes Konzert ist ein Unikat, das durch seine spezifische Besetzung und seine strukturelle Anlage besticht und dem Begriff des 'Concerts Avec plusieurs Instruments' in vollem Umfang gerecht wird.
Historischer Kontext & Werkanalyse
Entstehung und Widmung
Die *Brandenburgischen Konzerte* entstanden größtenteils während Bachs Köthener Zeit (1717–1723), einer Phase, in der er sich intensiv der Instrumentalmusik widmete. Als Hofkapellmeister am Hofe des musikliebenden Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen stand ihm ein exzellentes Ensemble zur Verfügung, was die Experimentierfreudigkeit in der Besetzung der Konzerte erklärt. Die präzise Datierung der Einzelkonzerte ist nicht gesichert, doch wird angenommen, dass sie über einen längeren Zeitraum entstanden und erst für die Widmung an den Markgrafen zusammengestellt wurden. Das auf Französisch verfasste Widmungsschreiben datiert vom 24. März 1721 und lässt auf eine mögliche Bewerbung Bachs oder zumindest auf eine Geste der Ehrerbietung schließen, obwohl über eine tatsächliche Aufführung am Hof des Markgrafen nichts bekannt ist. Die Partitur blieb lange unbeachtet und wurde erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt.
Formale Vielfalt und Innovation
Die Bezeichnung „Concerts Avec plusieurs Instruments“ ist programmatisch: Bach demonstriert in jedem der sechs Konzerte eine einzigartige und oft höchst ungewöhnliche instrumentale Zusammenstellung, die die traditionelle Aufteilung in *Concertino* (Solistengruppe) und *Ripieno* (Tutti) auf innovative Weise variiert und neu interpretiert.