Unbekannt
Samstag, 14. November 2009, 11:13
Dritter Theil
der
Clavier Übung
bestehend
in
verschiedenen Vorspielen
über die
Catechismus- und andere Gesaenge,
vor die Orgel:
Denen Liebhabern, und besonders denen Kennern
von dergleichen Arbeit, zur Gemüths Ergezung
verfertiget von
Johann Sebastian Bach,
Koenigl. Pohlnischen, und Churfürstl. Saechs.
Hoff-Compositeur Capellmeister, und
Directore Chori Musici in Leipzig.
In Verlegung des Authoris
der
Clavier Übung
bestehend
in
verschiedenen Vorspielen
über die
Catechismus- und andere Gesaenge,
vor die Orgel:
Denen Liebhabern, und besonders denen Kennern
von dergleichen Arbeit, zur Gemüths Ergezung
verfertiget von
Johann Sebastian Bach,
Koenigl. Pohlnischen, und Churfürstl. Saechs.
Hoff-Compositeur Capellmeister, und
Directore Chori Musici in Leipzig.
In Verlegung des Authoris
Die Reihenfolge, wie sie im Druck erschienen ist:
Praeludium Es-Dur; „pro Organo pleno“; ¢; BWV 552/1
Andere Gesänge (Missa brevis)
Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit – g-phrygisch; „canto fermo in soprano, a 2 Clav. e Pedale“; BWV 669
Christe, aller Welt Trost – g-phrygisch; „canto fermo in Tenore, a 2 Clav. e Ped.“; BWV 670
Kyrie, Gott Heiliger Geist – g-phrygisch; „à 5 canto fermo in Basso, con Organo pleno”; BWV 671
Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit – 3/4 G-Dur; „Alio modo. Manualiter“; BWV 672
Christe, aller Welt Trost – 6/8 C-Dur; „manualiter“; BWV 673
Kyrie, Gott Heiliger Geist – 9/8 G-Dur; „manualiter“; BWV 674
Allein Gott in der Höh' sei Ehr' – ¾; F-Dur „a 3, canto fermo in alto“; BWV 675
Fughetta super: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' – 6/8; G-Dur „a 2 Clav. e Pedale“; BWV 676
Fughetta super: Allein Gott in der Höh' sei Ehr' – c; „Manualiter“; BWV 677
Catechismus-Gesänge
Dies sind die heil'gen zehn Gebot' – 6/4 G-Dur „Canto fermo in Canone, a 2 Clav. e Pedale“; BWV 678
Fughetta super: Dies sind die heil'gen zehn Gebot' – 12/8 G-Dur „Manualiter“; BWV 679
Wir glauben all' an einen Gott – 2/4 „In Organo pleno“; BWV 680
Fughetta super: Wir glauben all' an einen Gott – c „Manualiter“; BWV 681
Vater unser im Himmelreich – 3/4 „a 2 Clav. e Pedale“; BWV 682
Vater unser im Himmelreich – 6/8 „Alio modo. Manualiter“; BWV 683
Christ unser Herr zum Jordan kam – c c-Moll; „a 2 Clav. et Canto fermo in Pedale“; BWV 684
Christ unser Herr zum Jordan kam – 3/4 „Alio modo. Manualiter“; BWV 685
Aus tiefer Not schrei' ich zu dir „a 6. In Organo pleno con Pedale doppio“; BWV 686
Aus tiefer Not schrei' ich zu dir „Alio modo. Manualiter“; BWV 687
Jesus Christus unser Heiland – „a 2 Clav. e Canto fermo in Pedale“; BWV 688
Fuga super: Jesus Christus unser Heiland – „a 4 Manualiter“; BWV 689
Duetto e-Moll – 3/8; BWV 802
Duetto F-Dur – 2/4; BWV 803
Duetto G-Dur – 12/8; BWV 804
Duetto a-Moll – c; BWV 805
Fuga à 5; Es-Dur – „pro organo pleno“; ¢; BWV 552/2
(Die Reihenfolge ist aus Wikipedia übernommen, wurde aber ein bisschen aufpoliert.)
Erschienen ist dieser überhaupt erste Druck bachscher Orgelmusik 1739.
Geboten wird alles, was man auf der Orgel überhaupt anstellen kann. Schon das Präludium kommt als typischer Bach daher: Eine französische Ouvertüre als italienischer Konzertsatz mit drei verschiedenen Themen. Auf die zahlreichen Anspielungen auf die Trinität in BWV 552 muss man nicht gesondert eingehen. Die sind allgegenwärtig, so dass sie auch ein Blinder mit Filzbrille nicht übersehen kann. Die Fuge ist selbstverständlich eine überdeutlich dreigeteilte Tripelfuge. Anlässe für weitere Zahlenspielereien gibt es zuhauf.
Die Choralbearbeitungen kann man als Kompendium dessen lesen, was Bach – gerade als Orgelkomponist – möglich war. Wirkt die 6-stimmige Quasi-Motetten-Intavolierung mit Doppelpedal (c. f. im rechten Fuß, Kontrapunkt dazu im linken) „Aus tiefer Not“ wie eine Verbeugung vor den alten Meistern vom Schlage Scheidt, ist das große Trio über „Christ, unser Herr, zum Jordan kam“ ein Griff in die allerneueste Galanterieabteilung. Außerdem gibt es sämtliche Spielarten bachscher Kompositionskunst in allen möglichen Ausprägungen.
Natürlich gibt es einen riesigen Stapel an exegetischer Literatur zur Clavierübung 3. Zwei Fragen sind aber nie eindeutig oder endgültig beantwortet worden:
• Wofür sind die manualiter-Stücke in erster Linie gedacht?
• Welche Funktion haben die vier Duette?
Zieht man sich bei der ersten Frage auf die praktische Position zurück, dass Bach auch für die Kollegen, die nur ein kleines Instrument zur Verfügung hatten, etwas liefern wollte, liegt man wahrscheinlich nicht ganz falsch. Darüber hinaus kursieren Argumentationen, die diese Stücke der häuslichen Andacht – vielleicht sogar mit Cembalo – zuweisen wollen, während der ‚Rest‘ in die große Kirche gehört.
Zu den Duetten gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien, die mit allen möglichen und unmöglichen Interpretationsversuchen Geheimnisse zu lüften versuchen, die womöglich gar nicht vorhanden sind. Handelt es sich um Interludien für die manualiter-Abteilung? Haben sie unentdeckte theologische Inhalte? Gehören sie überhaupt in den Zusammenhang? Worauf spielt man sie am besten?
Die Einspielungen sind Legion. Wobei mir eine wirklich schlechte noch gar nicht untergekommen ist. Was mich manchmal etwas stört, ist das Auseinanderreißen der Clavierübung 3 in manchen Gesamtaufnahmen, aber das ist Geschmacksache. Vorteil dieser Methode ist meistens immerhin die Verteilung auf verschiedene Instrumente, die der Unterscheidung – große-pedaliter-Stücke mit BWV 552 / kleine manualiter-Kompositionen mit den vier Duetten – Rechnung trägt.
Was man auf jeden Fall für eine gelungene Aufnahme braucht, ist „eine recht schöne und große Orgel“ (und vielleicht eine ebenso schöne kleine).
So, jetzt zeigt Eure Aufnahmen her und empfehlt sie.

