Unbekannt
Sonntag, 17. Januar 2010, 15:37
Guten Tag
Ignaz Jacob Holzbauer wurde am 18. September 1711in Wien getauft, er schrieb in seiner Lebensbeschreibung „Ich ward in Wien geboren 1711. Mein Vater war ein Lederhändler in Gossen. Meine Mutter war eine sehr vernünftige Frau, sie starb als ich kaum das siebte Jahr erreicht hatte.“ . Auf väterlichen Wunsch studierte er erst Jura und Theologie, Holzbauer zog es aber mehr zur Musik, „allein ich fühlte immer einen unwiderstehlichen Hang zur Musik, und wo ich eine freie Stunde fand, war ich damit beschäftigt“. Heimlich lernte er bei den Chorknaben des Stephansdom verschiedene Instrumente spielen, Kompostitionskenntnisse und musikalische Studien brachte er sich im Selbststudium bei, Fux Lehrwerk „Gradus ad parnassum“ war eine seiner Lektüren. Über eine Begegnung mit dem greisen Fux schrieb er “Ich bat ihn, mich zum Schüler anzunehmen. ``Ja, sagte er, aber können Sie denn schon etwas Musik ?´´; `` O ja,´´ antwortete ich ``auch schon etwas schreiben´´ - ``Gut, nehmen Sie ein Blättchen von meinem Papier, das auf dem Clavier liegt, und schreiben Sie mir einige Zeilen Note gegen Note´´ - Ich that es, und überreichte es ihm aufs Bett, er sah es an, und sagte ganz erstaunt: ``Das können sie schon ? Nun, so kann ich Sie nichts mehr lehren. Gehen sie nach Italien, damit Ihnen der Kopf von den überflüssigen Idee gereinigt werde, dann werden sie ein grosser Mann werden. Sie sind ein geborenes Genie !´´“. Anfang der frühen 1730-ziger Jahre unternahm Holzbauer als Sekretär des Grafen von Thurn eine Studienreise nach Italien. Dort lernte er –neben den venezianischen Großmeistern Vivaldi, Albinoni und Lotti- durch Galuppi auch Hasse und Porpora und somit den neapolitanischen Stil kennen. In Italien besuchte Holzbauer neben Opern und Kirchenmusiken auch die Konservatorien.
Nach seinen Studien brachte ihn seine wechselvolle berufliche Laufbahn über Böhmen und Mähren –seine erste musikalische Anstellung war am Hof des Grafen Rottal im mährischen Holleschau- als Operndirektor an das Wiener Burgtheater. 1737 heiratete Holzbauer die Sopranistin Rosalie Andreides, mit seiner Ehegattin lebte er drei weitere Jahre in Italien, darüber schrieb er „Meine Frau hatte da drei der vornehmsten Theater; wir hielten uns also wechselweise in Mayland, Venedig und anderen grossen Städten auf. Da wir aber immer einen Hof vorzogen, gingen wir wieder zurück nach Wien“. In den anschließenden Wiener Jahren komponierte Holzbauer Opern, Kirchen- und Instrumentalwerke. 1751 wechselte er besser bezahlt als „Ober-Capell-Meister des Herrn Hertzog von Wuertenberg“ nachStuttgart, seine Frau musste sich allerdings wegen einer intriganten Kollegin an der dortigen Oper nur mit Nebenrollen begnügen. Nach 18 Monaten entließ man ihn ungnädig aus den Stuttgarter Diensten an den kurfürstlichen Hof nach Mannheim, Holzbauer nahm dort eine gut dotierte Position, zunächst als zweiter Hofkapellmeister hinter Grua, an. Zuvor hatte er schon vom Kurfürsten Karl-Theodor den Kompositionsauftrag zu der Favola pastorale „il Figlio delle Selve“ erhalten, sie wurde am 15. Juni 1753 im neuerbauten Schwetzinger Schloßtheater „mit höchsten Beyfall der kurfürstlichen Herrschaft und des Publicumes“ uraufgeführt. Holzbauer nutzte diese Gelegenheit, sich für den Kapellmeisterposten in Mannheim zu empfehlen und wurde tatsächlich einen Monat später zum Kurpfälzer Hofkapellmeister ernannt. Laut seinem Anstellungsdekret vom 26. Juli 1753 gehörten zu Holzbauers Pflichten das Komponieren, die Einstudierung und Leitung der Kirchenmusik sowie der Opernaufführungen. Es oblagen ihm auch die alleinige Direktion und Organisation des Orchester: „ Dass derselbe über die ihme, etwa in Componierung deren musicalischen MeßÄmbteren, obliegenden Dienst-Verrichtungen zugleich undt hauptsächlich angewiesen seyn solle, die Sang undt Jmstrumenten Music bey denen Opera und Pastorelles forth anderen dergleichen musicalischen Spectatacles, auff jedes mahlige gnädigstes Anbefehlen, zu verferttigen undt, als Endts, ihme die alleinge Direktion des Orquestre zu überlassen.“. Karl-Theodor gelang mit Holzbauer ein Glücksgriff, er zählte zusammen mit Johann Christian Bach, Nicolo Jommelli und Johann Adolf Hasse zu den namhaftesten Opernkomponisten seiner Zeit. Im Jahresabstand führte Holzbauer immer am 15. Juni –es war der Geburtstag der Schwester der Kurfürstin Elisabeth Auguste, der Pfalzgräfin Maria Franziska Dorothea von Sulzbach- in Schwetzingen Opern auf, 1754 „Lísola disabitata“ und 1755 „il Don Chiscotte“.
1777 führte Holzbauer ein epochemachendes Singspiel in deutscher Sprache und in drei Aufzügen, die Oper „Günther von Schwarzburg“, erstmals auf. Der Bassist Ludwig Fischer, der die Rolle des Pfalzgrafen und Kurfürsten Rudolf sang berichtete darüber: „Das folgende Jahr ward in Mannheim Der Gunther von Schwarzenburg, von Professor Klein u. dem Kapell Meister Holzbauer –der schon starck in den 60 war, geschrieben- gegeben. Ein wahres Meisterwerk! Wenn ich nach meinem Gewissen reden soll, mus ich sagen: ich habe nie was schöneres gesehen noch gehört. Raaff spielte den Günther u wie göttlich sang Er ! Harding den Sohn der böhmischen Königin Asberta nachmaligen König Carl. Dem. Danzy Tochter des Pfalz Grafen Rudolf L. Fischer… Es spielte in Frankfurt am M. welches zuletzt gesturmt wurde. Die Decorationen von dem berühmten Quaglio der Zug der Kayer Krönung, der Römer, mit all denen Fürsten, ich sang dem Kaiser den Glückwunsch diese arie war für Raaff eine Favorite. Die Asberta hätte keine andere so geben können. “ Als 1778 der kurfürstliche Hof mit dem größten Teil der Hofkapelle nach München übersiedelte verblieb Holzbauer mit den kläglichen Resten der Hofkapelle in Mannheim. Er komponierte weiterhin Werke für kurfürstlichen Hof in München, aber auch für die in Mannheimer gebliebenen Musiker. In seinen späten Lebensjahren ertaubte er, sein Schicksal beschrieb er so: „Dafür Gott gelobt und gesegnet, dass er mich, sein unnützes Geschöpf, in diesem Leben zu züchtigen beginnet.“ Am 7. April 1783 verstarb er in Mannheim. Ein Zeitgenosse schrieb über ihn: „Er war nicht nur ein ungemein gründlicher und fleissiger Künstler, der die Tonkunst tief und gründlich studiert hatte; sondern ein trefflicher Kopf, dessen Musik einen eigenen Stempel hatte, wenn er gleich darin nicht eigensinnig war, auch Gold aus fremden Ländern zu holen. Deutschheit mit welcher Anmuth coloriert, war ungefähr sein musikalischer Hauptcharakter. Durch jene wirkte er auf den Verstand, durch diese auf das Herz – und so traf er den ganzen Menschen….“.
Gruß
aus der Kurpfalz
Bernhard
Ignaz Jacob Holzbauer wurde am 18. September 1711in Wien getauft, er schrieb in seiner Lebensbeschreibung „Ich ward in Wien geboren 1711. Mein Vater war ein Lederhändler in Gossen. Meine Mutter war eine sehr vernünftige Frau, sie starb als ich kaum das siebte Jahr erreicht hatte.“ . Auf väterlichen Wunsch studierte er erst Jura und Theologie, Holzbauer zog es aber mehr zur Musik, „allein ich fühlte immer einen unwiderstehlichen Hang zur Musik, und wo ich eine freie Stunde fand, war ich damit beschäftigt“. Heimlich lernte er bei den Chorknaben des Stephansdom verschiedene Instrumente spielen, Kompostitionskenntnisse und musikalische Studien brachte er sich im Selbststudium bei, Fux Lehrwerk „Gradus ad parnassum“ war eine seiner Lektüren. Über eine Begegnung mit dem greisen Fux schrieb er “Ich bat ihn, mich zum Schüler anzunehmen. ``Ja, sagte er, aber können Sie denn schon etwas Musik ?´´; `` O ja,´´ antwortete ich ``auch schon etwas schreiben´´ - ``Gut, nehmen Sie ein Blättchen von meinem Papier, das auf dem Clavier liegt, und schreiben Sie mir einige Zeilen Note gegen Note´´ - Ich that es, und überreichte es ihm aufs Bett, er sah es an, und sagte ganz erstaunt: ``Das können sie schon ? Nun, so kann ich Sie nichts mehr lehren. Gehen sie nach Italien, damit Ihnen der Kopf von den überflüssigen Idee gereinigt werde, dann werden sie ein grosser Mann werden. Sie sind ein geborenes Genie !´´“. Anfang der frühen 1730-ziger Jahre unternahm Holzbauer als Sekretär des Grafen von Thurn eine Studienreise nach Italien. Dort lernte er –neben den venezianischen Großmeistern Vivaldi, Albinoni und Lotti- durch Galuppi auch Hasse und Porpora und somit den neapolitanischen Stil kennen. In Italien besuchte Holzbauer neben Opern und Kirchenmusiken auch die Konservatorien.
Nach seinen Studien brachte ihn seine wechselvolle berufliche Laufbahn über Böhmen und Mähren –seine erste musikalische Anstellung war am Hof des Grafen Rottal im mährischen Holleschau- als Operndirektor an das Wiener Burgtheater. 1737 heiratete Holzbauer die Sopranistin Rosalie Andreides, mit seiner Ehegattin lebte er drei weitere Jahre in Italien, darüber schrieb er „Meine Frau hatte da drei der vornehmsten Theater; wir hielten uns also wechselweise in Mayland, Venedig und anderen grossen Städten auf. Da wir aber immer einen Hof vorzogen, gingen wir wieder zurück nach Wien“. In den anschließenden Wiener Jahren komponierte Holzbauer Opern, Kirchen- und Instrumentalwerke. 1751 wechselte er besser bezahlt als „Ober-Capell-Meister des Herrn Hertzog von Wuertenberg“ nachStuttgart, seine Frau musste sich allerdings wegen einer intriganten Kollegin an der dortigen Oper nur mit Nebenrollen begnügen. Nach 18 Monaten entließ man ihn ungnädig aus den Stuttgarter Diensten an den kurfürstlichen Hof nach Mannheim, Holzbauer nahm dort eine gut dotierte Position, zunächst als zweiter Hofkapellmeister hinter Grua, an. Zuvor hatte er schon vom Kurfürsten Karl-Theodor den Kompositionsauftrag zu der Favola pastorale „il Figlio delle Selve“ erhalten, sie wurde am 15. Juni 1753 im neuerbauten Schwetzinger Schloßtheater „mit höchsten Beyfall der kurfürstlichen Herrschaft und des Publicumes“ uraufgeführt. Holzbauer nutzte diese Gelegenheit, sich für den Kapellmeisterposten in Mannheim zu empfehlen und wurde tatsächlich einen Monat später zum Kurpfälzer Hofkapellmeister ernannt. Laut seinem Anstellungsdekret vom 26. Juli 1753 gehörten zu Holzbauers Pflichten das Komponieren, die Einstudierung und Leitung der Kirchenmusik sowie der Opernaufführungen. Es oblagen ihm auch die alleinige Direktion und Organisation des Orchester: „ Dass derselbe über die ihme, etwa in Componierung deren musicalischen MeßÄmbteren, obliegenden Dienst-Verrichtungen zugleich undt hauptsächlich angewiesen seyn solle, die Sang undt Jmstrumenten Music bey denen Opera und Pastorelles forth anderen dergleichen musicalischen Spectatacles, auff jedes mahlige gnädigstes Anbefehlen, zu verferttigen undt, als Endts, ihme die alleinge Direktion des Orquestre zu überlassen.“. Karl-Theodor gelang mit Holzbauer ein Glücksgriff, er zählte zusammen mit Johann Christian Bach, Nicolo Jommelli und Johann Adolf Hasse zu den namhaftesten Opernkomponisten seiner Zeit. Im Jahresabstand führte Holzbauer immer am 15. Juni –es war der Geburtstag der Schwester der Kurfürstin Elisabeth Auguste, der Pfalzgräfin Maria Franziska Dorothea von Sulzbach- in Schwetzingen Opern auf, 1754 „Lísola disabitata“ und 1755 „il Don Chiscotte“.
1777 führte Holzbauer ein epochemachendes Singspiel in deutscher Sprache und in drei Aufzügen, die Oper „Günther von Schwarzburg“, erstmals auf. Der Bassist Ludwig Fischer, der die Rolle des Pfalzgrafen und Kurfürsten Rudolf sang berichtete darüber: „Das folgende Jahr ward in Mannheim Der Gunther von Schwarzenburg, von Professor Klein u. dem Kapell Meister Holzbauer –der schon starck in den 60 war, geschrieben- gegeben. Ein wahres Meisterwerk! Wenn ich nach meinem Gewissen reden soll, mus ich sagen: ich habe nie was schöneres gesehen noch gehört. Raaff spielte den Günther u wie göttlich sang Er ! Harding den Sohn der böhmischen Königin Asberta nachmaligen König Carl. Dem. Danzy Tochter des Pfalz Grafen Rudolf L. Fischer… Es spielte in Frankfurt am M. welches zuletzt gesturmt wurde. Die Decorationen von dem berühmten Quaglio der Zug der Kayer Krönung, der Römer, mit all denen Fürsten, ich sang dem Kaiser den Glückwunsch diese arie war für Raaff eine Favorite. Die Asberta hätte keine andere so geben können. “ Als 1778 der kurfürstliche Hof mit dem größten Teil der Hofkapelle nach München übersiedelte verblieb Holzbauer mit den kläglichen Resten der Hofkapelle in Mannheim. Er komponierte weiterhin Werke für kurfürstlichen Hof in München, aber auch für die in Mannheimer gebliebenen Musiker. In seinen späten Lebensjahren ertaubte er, sein Schicksal beschrieb er so: „Dafür Gott gelobt und gesegnet, dass er mich, sein unnützes Geschöpf, in diesem Leben zu züchtigen beginnet.“ Am 7. April 1783 verstarb er in Mannheim. Ein Zeitgenosse schrieb über ihn: „Er war nicht nur ein ungemein gründlicher und fleissiger Künstler, der die Tonkunst tief und gründlich studiert hatte; sondern ein trefflicher Kopf, dessen Musik einen eigenen Stempel hatte, wenn er gleich darin nicht eigensinnig war, auch Gold aus fremden Ländern zu holen. Deutschheit mit welcher Anmuth coloriert, war ungefähr sein musikalischer Hauptcharakter. Durch jene wirkte er auf den Verstand, durch diese auf das Herz – und so traf er den ganzen Menschen….“.
Gruß
aus der Kurpfalz
Bernhard
