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HIPpe Streichquartettformationen

Unbekannt Sonntag, 7. November 2010, 15:27
Als das Quatuor Festetics das Parkett des CD-Marktes betrat, taten sie dies mit Unterstützung des Labels Hungaroton (abgesehen von fast zu vernachlässigenden Ausgaben bei musique d'abord). Eingespielt wurden Streichquartette aus der Periode der sogenannten Wiener Klassik, zumeist recht unbekannte Komponisten, deren Entdeckung sich m. E. mehr als lohnt:



János Spech (1767-1838)
Streichquartette op. 2 Nr. 1 bis 3



Joseph Bengraf (1745-1791)
Streichquartette Nr. 1 bis 6



Georg Druschetzky (1745-1819)
Drei Streichquintette, Quintetto Concertando

Special guest: Kriszta Véghelyi

Weitere CDs dieser Reihe sind derzeit bei Amazon leider nicht gelistet, darunter eine Platte mit Tänzen des ungarischen Komponisten Márk Rózsavölgyi (1789-1848). Das Ensemble Festetics wanderte ja bekanntermaßen nachher zu ARCANA ab (die entsprechenden Ausgaben wurden m. W. in den jeweiligen Threads zu Mozarts und Haydns Kammermusik diskutiert).

Das Label Hungaroton hat nun vor einiger Zeit offenbar begonnen, diese Serie mit eher unbekannten Komponisten fortzusetzen. Nunmehr ist das Authentic Quartet für die Töne verantwortlich. Es ist bereits eine Vielzahl von Ausgaben erschienen:



















Ich habe mir jüngst die Ausgabe mit den beiden Streichquartetten von Zmeskáll zugelegt und finde die Interpretation sehr gelungen. Die Werke reichen zwar für einen aktiven Beethovenzeitgenossen nichtmal an dessen op. 18 heran, aber losgelöst betrachtet, absolut, wie Musik nun einmal ist, sind es doch sehr schöne und hörenswerte Werke. Auch die übrigen Hörbeispiele (soweit verfügbar) machen Lust auf mehr.

Ich habe hier bewußt nicht ausschließlich CDs mit Streichquartetten gelistet, sondern auch solche, bei welchen das jeweilige Ensemble quasi die Basis bildet, um die etwas herum garniert wurde. Demnächst werde ich weitere Formationen (Mosaïques, Terpsycordes usw. vorstellen, sofern dies nicht jemand anderes unternimmt, was durchaus als Aufforderung verstanden werden darf).

:wink:
Unbekannt Mittwoch, 10. November 2010, 21:42
Hallo Ulli,

Als das Quatuor Festetics das Parkett des CD-Marktes betrat, taten sie dies mit Unterstützung des Labels Hungaroton (abgesehen von fast zu vernachlässigenden Ausgaben bei musique d'abord).


Die alte Aufnahme von op. 64 bei musique d'aord gefällt mir allerdings besser als die spätere bei Arcana. Leider finde ich weder ein Coverbild (sieht sehr schön aus) noch ein Angebot am Amazon Marketplace (über lange Zeit war die Aufnahme dort noch gebraucht preiswert zu haben).

Zitat

Das Ensemble Festetics wanderte ja bekanntermaßen nachher zu ARCANA ab (die entsprechenden Ausgaben wurden m. W. in den jeweiligen Threads zu Mozarts und Haydns Kammermusik diskutiert).


Nicht zu vergessen die Aufnahme von Schuberts Streichquintett (siehe auch hier)! Die Arcana-Aufnahmen des Festetics Quartets habe ich vollständig, möchte mich auch als "Fan" dieses Streichquartetts bezeichnen. :jubel:
Über die Haydn-Aufnahmen der Festetics könnte / sollte hier ruhig mehr geschrieben werden - viel steht da noch nicht. Vielleicht stellst Du noch ein paar der Aufnahmen dort vor (evtl. mit Rückgriff auf Beiträge aus einem früheren Foren-Leben)?

Arcana scheint ein gespür für großartige HIP-Steichquartette gehabt zu ahben, denn meine zweitliebste Quartettformation auf historischen Instrumenten sind die Kuijkens. Deren Schumann und Debussy sind überragend. Die Aufnahmen der Mozartschen Haydn-Quartette werde ich mir wohl auch irgendwann zulegen, da der Funke beim Mosaiques Quartet nicht recht überspringen wollte.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 00:29
Hier ist eine Liste, die ich mir mal angelegt hatte, von HIP-Formationen, die zumindest zweitweise auch als Streichquartett und -Quintett arbeiten (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Quatuor Festetics
  • Quatuor Mosaiques
  • The Revolutionary Drawing Room
  • Quatuor Turner
  • Schuppanzigh Quartett
  • Eroica Quartet
  • Kuijken Quartet & Family
  • Hausmusik
  • Pleyel Quartett Köln
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 11:39
Generell finde ich, dass gerade bei den Werken für Streichquartett die historisch informierte Aufführungspraxis der Musik ausgesprochen gut bekommt - man hat hier auch nicht das Problem mit dem nicht immer überzeugenden Klang des Fortepianos. Im Vergleich zu anderen Ensembles würde ich den HIP-Klang als herber, wärmer, erdiger und rauher beschreiben. Besonders Schumann (Kuijken-Quartett) und Mendelssohn (Eroica Quartett) höre ich sehr viel lieber und häufiger, seit ich eine HIP-Aufnahme von den Quartetten habe. Bei Haydn ziehe ich ich nach wie vor das Quatuor Mosaiques den Festetics vor. Ich höre bei Mosaiques einfach mehr Eleganz und auch insgesamt einen schöneren Ton. Die Festetics scheinen mir im Vergleich dazu teilweise allzu behäbig. Und auch der - in meinen Ohren immer ein wenig zu tiefe - Ton der 1. Geige stört mich, auch wenn diese Intonation mit der historischen Stimmung zu zun haben mag. Ich frage mich dann allerdings, warum das bei den anderen HIP-Ensembles anders und reiner klingt.

Gruß, Carola
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 17:16
Die Liste von aficionado54 wäre noch unbedingt zu ergänzen um das Quatuor ad fontes:





sowie um rincontro:



gelegentlich auch um 25 v.H. verkleinert:



:wink:
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 17:58

Zitat von »Martin«

Die alte Aufnahme von op. 64 bei musique d'aord gefällt mir allerdings besser als die spätere bei Arcana.


Die kenne ich leider nicht, sie hat sich wohl bislang gut vor mir verstecken können. Allerdings kenne ich (und darauf bezog sich mein Geschriebenes) die 'Sieben letzen...' Haydns (in der StrQ-Fassung), welche von den Festetics bei musique d'abord herausgegeben wurden: ich finde sie etwas oberflächlich und nicht so gelungen, wie jene der Mosaïques.

Zitat

Über die Haydn-Aufnahmen der Festetics könnte / sollte hier ruhig mehr geschrieben werden - viel steht da noch nicht. Vielleicht stellst Du noch ein paar der Aufnahmen dort vor (evtl. mit Rückgriff auf Beiträge aus einem früheren Foren-Leben)?


Zu gegebener Zeit sicherlich.

Generell finde ich, dass gerade bei den Werken für Streichquartett die historisch informierte Aufführungspraxis der Musik ausgesprochen gut bekommt - man hat hier auch nicht das Problem mit dem nicht immer überzeugenden Klang des Fortepianos.


Dem stimme ich gerne zu, wobei der Klang des Fortepianos zumeist eben ein Stiefkind der Aufnahmetechnik und nicht per se problematisch ist. Gerade aber bei Kammermusikformationen gelingt das Einfangen des Klanges imo besser als bei größer besetzten Ensembles; schlechtes Beispiel: Mozart-Konzerte/Immerseel.

Zitat

Im Vergleich zu anderen Ensembles würde ich den HIP-Klang als herber, wärmer, erdiger und rauher beschreiben. Besonders Schumann (Kuijken-Quartett) und Mendelssohn (Eroica Quartett) höre ich sehr viel lieber und häufiger, seit ich eine HIP-Aufnahme von den Quartetten habe.


Auch dem vermag ich sehr gerne zuzustimmen und möchte das Geschrieben gerne auf Kammermusik generell ausweiten (was mich betrifft). Bevor es Kammermusik in HIP gab, war das absolut nicht mein Metier; umso mehr ist die Kammermusik seit HIP zu einem zentralen Gestirn meiner Beschäftigung mit Musik geworden.

Zitat

Bei Haydn ziehe ich ich nach wie vor das Quatuor Mosaiques den Festetics vor. Ich höre bei Mosaiques einfach mehr Eleganz und auch insgesamt einen schöneren Ton.


Das ist wohl definitiv eine Sache des Geschmackes, aber ich gebe Dir objektiv betrachtet sogar recht - ich mag es etwas aggressiver und nicht zu seicht. Ich schätze beide Ensembles sehr hoch, aber die Festetics geben mir noch den gewissen Kick, Kértesz singendes (aber nicht vibratöses!) Spiel ist einfach unglaublich!

Zitat

Die Festetics scheinen mir im Vergleich dazu teilweise allzu behäbig.


Das allerdings kann ich ganz und gar nicht nachvollziehen, zumal ich gummihafte Interpretationen bekannterweise nicht ausstehen kann. Das hat irgendwer (JR?) mal irgendwo (T-Rex-Forum?) behauptet, aber nie nachvollziehbar dargelegt. Daß vereinzelte Sätze mal langsamer, mal schneller gespielt werden, ist sicher kein ausreichendes Kriterium und liegt in der Natur der Vielfalt.

Zitat

Und auch der - in meinen Ohren immer ein wenig zu tiefe - Ton der 1. Geige stört mich, auch wenn diese Intonation mit der historischen Stimmung zu zun haben mag. Ich frage mich dann allerdings, warum das bei den anderen HIP-Ensembles anders und reiner klingt.


Das ist allerdings eine gute Frage, die mich auch schon länger beschäftigt. Ich gehe davon aus, daß hier Gewöhnung im Zusammenhang mit Geschmack einfach vor HIP steht. Mich stört das 'zu tiefe' in den Höhen bei Kértesz mittlerweile nicht mehr, ich habe mich umgewöhnt. :yes:
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 18:21
Die alte Aufnahme von op. 64 bei musique d'aord gefällt mir allerdings besser als die spätere bei Arcana. Leider finde ich weder ein Coverbild (sieht sehr schön aus) noch ein Angebot am Amazon Marketplace (über lange Zeit war die Aufnahme dort noch gebraucht preiswert zu haben).

Auch op. 9 gibt es übrigens in einer früheren - sehr guten - Aufnahme bei Hungaroton:
http://www.fotexnet.hu/hangoskonyvek-kla…ng-p378067.html


LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 18:38

Kértesz singendes (aber nicht vibratöses!) Spiel ist einfach unglaublich

Was das Singende seines Spiels angeht, stimme ich Dir gerne zu, das ist wirklich ungewöhnlich schön (herb und süß zugleich). Ich habe das so auch noch nirgendwo sonst gehört. Nur die Tonhöhe... Aber vielleicht gewöhne ich mich noch daran. Und nach einem guten Beispiel für das Behäbige werde ich mich die nächsten Tagen mal auf die Suche machen.

Gruß, Carola
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 18:45
Kértesz singendes (aber nicht vibratöses!) Spiel ist einfach unglaublich!

:D Da stimm ich zu, aber er heißt "Kertész" :D (Betonung auf der ersten Silbe! "é" bezeichnet bloß das lang gezogene Vokal)
["kert" bedeutet übrigens "Garten" ein "kertész" ist also ein "Gärtner"...]
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:02
Jaja, Stefan Gärtner, genauso ein profaner Name wie Kovács Alfréd :pfeif:

  • The Revolutionary Drawing Room


...wohl am bekanntesten durch deren Boccherinibei cpo:



(Interessanter Weise ist das Downloadalbum mit 9,95 € wesentlich teurer als die Original-CD für 5,99 €)





Daneben haben sie offenbar an Donizetti einen Narren gefressen... Die (leider bisher nicht fortgesetzte) Boccherini-Serie ist auch eher der etwas rabiateren Interpretationsweeise zuzuorden, d.h. sehr fetzig und bestimmend.

:wink:
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:14
Les Adieux sollten auch genannt werden, nehmen wir ruhigen Gewissens die paar 'echten' Streichquintettensembles hier mit auf:







Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:15
Gibt es den Haydn mittlerweile gekoppelt als Monster-Box? :dontknow:
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:34
Gibt es den Haydn mittlerweile gekoppelt als Monster-Box? :dontknow:


Von den Mosaïques meine ich, wäre der Ziegel im Haydn-Jahr 2009 erschienen, kann ihn aber derzeit nirgends finden. Von den Festetics habe ich Ähnliches auch dereinst erspäht, fand dies allerdings sehr obscure, da zu jener Zeit noch nicht alle Alben herausgegeben waren, was ja erst nach dem Revival von ARCANA hat geschehen können (zudem ist op. 51 bei ARCANA bis heute nicht erschienen...)

:wink:
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:36
Stichwort op. 51 - diese steht noch auf meiner Wunschliste:



Diese hier hat mir bereits das Herz durchbohrt:



:umfall:

Mit 'ch' geschrieben bekommt man auch Bach'sches (arrangiert für Viola plus Streichquartett):



:dontknow:
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:37
Und was ist mit dem Cuarteto Casals? Die klingen auch ganz schön hip. Deren Arriaga-CD ist wundervoll. Bei den Streichquintetten fällt mir noch diese schöne Boccherini-CD ein



Wobei ich für das hier spielende Ensemble Explorations hip-mäßig nicht unbedingt meine Hand ins Feuer legen würde. Es scheint inzwischen auch eine Menge "Hybrid"-Formen zu geben, in der Spielweise von der historischen Aufführungspraxis inspiriert aber keine Darmsaiten und mit modernen Instrumenten.

Gruß, Carola
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:44
Und was ist mit dem Cuarteto Casals?


Die hab ich immer des Namens wegen für komplett unHIP gehalten :shame:

Was die Arriagaquartette betrifft, so ziehe ich hier die Sonderaufnahme der Mosaiques vor, gespielt auf (soweit ich mich erinnere) extra für diese Einspielung restaurierten Instrumenten. Lange Zeit nur höchst kompliziert in España zu erhalten (flac.es), jetzt eher weniger als mehr auch hier, allerdings nichts für den kleinen Geldbeutel...
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:49
Und was ist mit dem Cuarteto Casals?
Die sind von Grunde her un-hip, benutzen aber historische Bögen (zumindest für die Haydn-CD: http://www.cuarteto-casals.com/news/view/51), und spielen angenehm hip-inspiriert.
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 19:56
Dann war mein Riecher also richtig :thumbup:

Nicht zu vergessen auch das Chamäleon-Ensemble CCCCXV, das, je nach Auftrag, sich entsprechend formiert:





(man beachte die falsche Artikelbezeichnung bei Amazon!)





(naja, sehr offtopic :beatnik: )

Das geht gerade noch:



:angel:
Unbekannt Donnerstag, 11. November 2010, 20:32
Besonders empfehlen möchte ich diese Einspielung mit Werken des französischen Komponisten Alexandre-Pierre-François Boëly (1785-1858):



Streichtrio C-Dur op. 5 Nr. 2
Streichquartett a-moll op. 27
Streichquartettsatz Es-Dur (!)
Streichsextett (Sinfonie-Arrangement)
Trois Mélodies pour Violoncelle

Quatuor Mosaiques

:love: :jubel: :umfall:
Unbekannt Samstag, 13. November 2010, 13:27
Hier ist eine Liste, die ich mir mal angelegt hatte, von HIP-Formationen, die zumindest zweitweise auch als Streichquartett und -Quintett arbeiten (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Quatuor Festetics
  • Quatuor Mosaiques
  • The Revolutionary Drawing Room
  • Quatuor Turner
  • Schuppanzigh Quartett
  • Eroica Quartet
  • Kuijken Quartet & Family
  • Hausmusik


in unterschiedlicher Besetzung gibt es auch noch L'archibudelli, Les Adieux und das Smithsonian Quartet/Ensemble

Von den oben genannten sind bei mir, glaube ich, alle außer dem Eroica Quartett auf CD vertreten. Das das Quatuor Turner anscheinend keine Quartettaufnahmen mehr gemacht hat (das waren im wesentlichen die ersten Pulte von Herreweghes Barockorchester) scheint mir (ohne nochmal direkt verglichen zu haben), das Schuppanzigh Q. das Überzeugendste dieser Ensembles. Zwar war ich bisher zu geizig, sie mit ernsthaften Werken zu hören, aber für Ries u.a. muss man ja erst recht überzeugend spielen. (Bei Beethoven haben sie zwei meiner Anti-Favoriten eingespielt, die Haydn-CDs waren mir zu teuer für Repertoire, was ich in mehrfachen Aufnahmen vorliegen habe und es fand sich natürlich wieder das Lerchenquartett... aber die Haydn-CDs werde ich mir wohl irgendwann doch noch zulegen.) Sie verbinden die Verve des Apponyi Quartetts u.a. mit überdurchschnittlicher Klangschönheit. Dagegen sind die mit den meisten Aufnahmen vertretenen Mosaiques und Festetics tatsächlich oft sehr "gemütlich". Anton Steck scheint mir überhaupt der neue Manze, oder sogar noch besser; die Muffat/Biber (Kremsier Archiv) und die Pisendel CDs bei cpo finde ich außerordentlich gut.

Allerdings finde ich, anders als viele der hiesigen Mitdiskutanten, die Unterschiede HIP/nicht-HIP bei Streichquartetten weitgehend vernachlässigenswert. :hide: Klar, klingt das ein bißchen anders und so kratzig wie das Apponyi Q. (Freiburger BO Solisten) wird man wohl kaum je ein traditionelles Ensemble hören. Aber die klanglichen Unterschiede sind für meine offenbar wenig sensiblen Ohren marginal, ganz anders als bei Bläsern, Tasteninstrumenten und größer besetzten gemischten Ensembles. (Bei Schuberts Oktett z.B. ist HIP ein ganz anderes Klangerlebnis.)
Was die Tempi betrifft, so sind zwar Unterschiede da, aber häufig (mit Ausnahmen wie Apponyi) in umgekehrter Richtung wie bei der Orchestermusik (jedenfalls als HIP noch recht neu war), in der Tat für meinen Geschmack häufig zu breit. (Vielleicht betrifft das aber tastächlich nur die beiden Ensembles mit den meisten Aufnahmen Festetics und Mosaiques.) Für Phrasierungen, Balance usw. müsste man in konkrete Details gehen, aber auch hier erlebe ich selten solche Überraschungen wie bei Orchesterwerken. Es mag auch daran liegen, dass in der Klassik und Frühromantik die diesbezüglichen HIP/Nicht-HIP-Unterschiede eh nicht so groß sind, wie bei Musik vor ca. 1750.

viele Grüße

JK jr.
Unbekannt Sonntag, 14. November 2010, 13:09
Allerdings finde ich, anders als viele der hiesigen Mitdiskutanten, die Unterschiede HIP/nicht-HIP bei Streichquartetten weitgehend vernachlässigenswert


Da dürftest Du wohl so ziemlich alleine mit Deiner Taubheit stehen... :stumm:

Gerade bei den kleineren musikalischen Einheiten ist das Nonvibrato, sofern vorhanden, sehr viel hörbarer als bei orchestralen Besetzungen.

Sehr schön spielt übrigens auch das Ensemble Pro Arte Antiqua Praha, z.B. die divertimentohaften Quintette Josef Mysliveceks:



Um mich zu vergewissern, ob diese auch wriklich HIP sind, googelte ich und fand dabei heraus, daß sie sowohl auf historischen Instrumenten selbst als auch mit 'gut strings' ( = Darmsaiten) spielen. Welch überwältigendes Wortspiel! Das Gegenteil davon sind dann offensichtlich die bad strings...

:thumbsup:

Die Besetzung des Ensembles scheint auch chamäleonhaft zu sein; da ist vom Trio bis zur Sinfonie offenbar alles möglich.

:pleased:
Unbekannt Dienstag, 16. November 2010, 20:43
Noch zwei HIP-Streichquartette gelabelt bei Hyperion:

- The Salomon Quartet


Zitat

Since its formation in 1982 the Salomon String Quartet has established its position as one of the world's leading ensembles specialising in the historical performance of the classical string quartet repertoire. [...]
The instruments on which the Salomon String Quartet play are set up as they would have been at the end of the eighteenth century, in a condition which is more modern than that of instruments of the late Baroque, yet not fully modernised as most instruments were by the middle of the nineteenth century. The most significant differences between these instruments and 'modern' ones, (apart from the clearly visible absence of chin-rests, cello spike and string adjusters) are in the dimensions of the internal components, the bass bar and sound post. These are somewhat skinnier than their modern counterparts. The neck, too, is shorter and rather less angled to the body, and the top strings of all instruments are of uncovered gut. All these factors go towards making an instrument which is at lower tension, and this is complemented by the bows which are also at the stage of development just prior to the 'modern' state. They are a little shorter and lighter and the hair is more loosely bunched.

Of the instruments played by the Salomon String Quartet the violins and the viola are modern copies of Stradivarius models, the violins made by David Rubio and the viola by Rowland Ross, and the cello was built in 1791 by the English maker William Forster.


- The London Haydn Quartet


Zitat

The London Haydn Quartet was originally born out of a passion for Haydn’s string quartets. Playing on gut strings with classical bows, they have received invitations to many of the most important concert series in the UK, USA, Canada, the Netherlands, France, Germany and Switzerland.
Quellen: http://www.hyperion-records.co.uk/

Kennt ihre Aufnahmen jemand?

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Dienstag, 16. November 2010, 21:14
The Salomon Quartet


Wenn die mit dem Salomonkvartetten idem sind (Simon Standage, Michaela Comberti, Trevor Jones & Jennifer Ward Clark), dann: ja! :yes:

Ich besitze diese coverlose Musica-Sveviae-Einspielung von Quartetten von Anders Wesström (c1720-1781), Joachim Nikolas Eggert (1779-1813) und Jean Martín de Ron (1789-1817) und kann sie wirklich SEHR empfehlen. Besonders die Kollegen Eggert und de Ron sind bewundernswert: Eggerts c-moll-Quartett ähnelt im Kopfthema allzusehr Mozarts c-moll-Klaviersonate und Senor de Ron schrieb sehr im Arriaga-Stil, so daß dieses f-moll-Quartett eine tolle Ergänzung zu Arriagas Werken ist. Bonus: Eggert wurde 34, de Ron nur 28.

Irgendwo aufgeschnappt:

Zitat


The group adheres to historic performance practices and is considered one of the finest period-instrument string quartets from England.


:wink:
Unbekannt Dienstag, 16. November 2010, 21:47
Ich glaube nicht, dass das Salomon Quartet noch aktiv ist - Simon Standage hat sich zunehmend anderen Aufgaben zugewandt. Die haben auch im wesentlichen Haydn und Mozart gemacht - ich habe auch ein paar davon, aber ewig nicht mehr gehört ...
Unbekannt Mittwoch, 17. November 2010, 14:32
Ich glaube nicht, dass das Salomon Quartet noch aktiv ist - Simon Standage hat sich zunehmend anderen Aufgaben zugewandt. Die haben auch im wesentlichen Haydn und Mozart gemacht - ich habe auch ein paar davon, aber ewig nicht mehr gehört ...
Ja, wie mir scheint, sind die meisten ihrer Aufnahmen nur noch durch das Archive-Sevice erreichbar.

Die Mozart-Einspielung scheint aber klasse zu sein... da könnt' ich schwach werden... :thumbup:

Hab in den Haydn-op.9. des London Haydn Quartets reingehört: etwas rigider, nicht so emotional als Festetics, aber mit Witz und Schwung und Elan. Vom Klang her klar, aber etwas kühl. Die Allegros gefallen mir gut, die langsamen Sätze etwas weniger. Die Platte wurde von der Presse sehr gelobt.

LG
Tamás
:wink: