Unbekannt
Sonntag, 2. August 2009, 13:53
Mittlerweile ist es ja fast nicht mehr so eine Sensation, das Händel eben nicht nur der allbekannte Oratorienkomponist gewesen ist, sondern den größten Teil seines Lebens der Oper gewidmet hat.
Doch aufgrund veränderten Geschmacks wurde sein Opernschaffen bis ins 20. Jahrhundert fast schon negiert. Als sei es ein Makel, dass sich das Genie mit der abgezirkelten Nummernopern abgegeben hat.
Die Opera Seria ist noch Heute sehr vorurteilsbehaftet – und auch das haben wir mal wieder Herrn Wagner zu verdanken, dessen polemische Äußerungen über diese Opernform wohl am bekanntesten sind.
In den 50er und 60er Jahren gab es zaghafte Versuche die Opern Händels wieder zu spielen.
Der Erfolg schien sich in Grenzen zu halten, ganze Partien mussten transponiert werden, da man keine Kastraten für die Titelpartien haben wollte und Frauen in Hosenrollen wohl auch nicht glaubwürdig erschienen.
Seit den 90er Jahren aber erleben wir einen wahren Händelopernboom, der glücklicherweise aber auch andere Barockopern andere Komponisten aus der unverdienten Versenkung entrissen hat.
Heute ist fast jede Oper Händels auf Tonträger zu haben, teilweise auch gleich in mehreren Einspielungen. Im Grunde kann man von einem richtigen Revival der Barockoper in unserer Zeit sprechen.
Am Lebensweg Händels und seinem Werk kann man allerdings sehr gut beschreiben und verstehen, was diese besondere Opernform eigentlich ausmacht.
Händel in Hamburg
Händel sollte ja bekanntermaßen als Jurist ausgebildet werden, nur interessierte es ihn kein Stück.
So nahm er seinen Abschied aus Halle und erreichte schließlich Hamburg als nächst größere Musikmetropole. Und Hamburg war in der Tat eine internationale Musikmetropole.
Das Hamburger Opernhaus am Gänsemarkt hatte längst Berühmtheit erlangt.
Ein Haus das so prächtig und mit allen technischen Raffinessen der Zeit ausgestattet war – und das obwohl kein mächtiger Fürst den Auftrag dazu erteilte, es wurde von den Bürgern der Stadt finanziert.
Die Opern die hier gespielt wurden waren international, man scherte sich nicht um die Rivalität des französischen oder italienischen Geschmacks. Hier wurde gespielt was einfach gut war. Aber natürlich gab es nicht nur Importe aus Frankreich und Italien, einheimische Komponisten wurden selbstverständlich und recht häufig herangezogen.
Georg Conradi, Agostino Steffani, Rheinhard Keiser und später auch Mattheson, Telemann und Händel selbst.
Doch diese Opern hatten eine Besonderheit – sie waren entweder in deutscher Sprache oder mehrsprachig verfasst.
Bei italienischen Opern z.B. wurden die Arien in der originalen Sprache belassen, die Rezitative jedoch wurden übersetzt.
Ähnlich war es auch bei französischen Werken.
Und schließlich entstand daraus die deutsche Symbiose: deutsche Rezitative, italienische Koloraturarien und französische Chöre und Ballets.
Charakteristisch ist auch die Marktschreierszene, die in eigentlich jedem hamburgischem Opernwerk auftaucht.
Händel fand eine Anstellung als Violinist und Cembalist am Opernhaus. In dieser Tätigkeit dürfte er unglaublich viel gelernt haben.
Und in diesem gemischten Stil komponierte auch Händel seine erste Oper, Almira.
Kompositorisch recht unelegant im Vergleich mit seinen späteren Werken – was er jedoch schon perfekt beherrschte war der französische Ballett-Stil.
Eine Sarabande aus dieser Ballettmusik taucht jedoch auch immer wieder in späteren Werken auf, wie z.B. die berühmteste Version „Laschia ch’io pianga“ aus Rinaldo.
Und in diesem Zusammenhang ist eine kleine Episode überliefert in der er dem Komponisten Steffani eine seiner Kompositionen vorlegte, dieser aber meinte: „Mein Freund das hat nichts mit italienischer Musik zu tun, das ist französisch.“
Andere Quellen berichten wiederrum, das der Ausspruch von Corelli stammte.
Händel in Italien
Vielleicht war es Steffani, der Händel geraten hatte nach Italien zu gehen.
Denn nur dort an Ort und Stelle konnte er den aufkommenden modernen Stil lernen.
Diese Reise unternahm er auf eigene Kosten. Von einem Risiko kann jedoch kaum die Rede sein, denn durch seine Opern in Hamburg hatte er bereits eine gewisse Bekanntheit.
Er machte Station in Florenz, Neapel, venedig und schließlich Rom
In Rom traf er dann auch mit Corelli, Lotti und den Scarlattis zusammen.
Händel hatte es anscheinend verstanden seine Netzwerke frügh genug aufzubauen und so folgte Konzert auf Konzert und innerhalb weniger Wochen war er als „Il Sassone“ berühmt. [/i]
Einige der berühmtesten Kompositionen Händels entstanden in dieser Zeit.
Das Oratorium „Il Trionfo del tempo i del disinganno” (1707) und das Dixit Dominus.
Die Aufführung seiner neuen Oper “Agrippina” (1709/10) bedeutete den endgültigen Durchbruch für den jungen Musiker.
Agrippina war eine Oper ganz im Stile Scarlattis.
Allerdings waren die Arien noch bestechender Kürze, so wie es um 1700 noch allgemein üblich war, aber der ständige Wechsel zwischen Rezitativ und Arie hatte sich längst etabliert.
In der darauf folgenden Zeit komponierte er in Rom. Doch da war die Aufführung von Opern verboten – allerdings gab es ja die Oratorien.
Papst Clemens XI hatte das Verbot nach einem schweren Erdbeben ausgesprochen, bei denen aber keine Todesopfer zu beklagen waren:
„Das keine Weibsperson bei hoher Strafe Musik aus Vorsatz lernen solle.
Denn man wisse wohl, dass eine Schönheit die auf dem Theater singen und dennoch ihre Keuschheit bewahren wolle, nichts anderes tue, als wenn man in den Tiber springen und doch die Füße nicht nass machen wolle.“
1709 ereilte Händel dann der Ruf zum Kapellmeister am Hofe des Kurfürsten Georg von Hannover.
Die Italienreise war für Händel ein voller Erfolg. Das gelernte machte ihn nun zu einem international gefragten Komponisten.
Die Da Capo Arie – der Grundstein der Opera Seria
Der größte Vorwurf den die italienische Opernform zu ertragen hat ist die Unnatürlichkeit der Da Capo Arie – „Wiederholungsarie“
Wie kam man auf die Idee eine solch seltsame Form für eine Arie zu wählen ?
Entstanden ist die Da Capo Arie bereits im 17. jahrhundert – jedoch nicht als bereits geplante Form.
In den frühen Opern von Peri, Monteverdi und später Cavalli und Cesti fanden sich nur wenige Arien. Denn die Oper sollte ja vor allem eines sein, in Musik gesetzte Poesie – erst mit den öffentlichen Opernhäusern, zu denen auch schlichtere Gemüter zugelassen waren, entstand der Wunsch nach mehr Musik.
So wurde jedes „Lied“ mit Begeisterung erwartet und beklatscht – und wenn diese „Strophen - Aria“ besonders gefallen hatte, so wurde „Da Capo“ gerufen.
Aber wie sollte es anders sein, im Barock gibt man sich mit so platten Lösungen nicht zufrieden.
Und so entstand ein geniales und in sich vollkommen schlüssiges Model: die Da Capo Arie fußt auf den Regeln der antiken Rhetorik!
Die Oper hatte bald festgeschriebene Regeln, die einfach einzuhalten waren.
Nach einer einleitenden Sinfonia, deren Form wenige Jahre später die Entwicklung der Sinfonie nach sich ziehen wird, folgt ein ständiger Wechsel von Rezitativen und Dacapo Arien.
In den Rezitativen wird nach wie vor die Handlung der Oper vorangetrieben, diese Rezitative sind weiterhin dem Text untergeordnet und haben eine rein dienende Funktion.
Die Arien dienen allein der Illustration bestimmter Gefühle. Jedoch mutieren die Arien im Laufe des 18. Jahrhunderts fast zu reinen Spielfeldern der Stimmakrobatik der Starsänger – vor allem der Stimmkunst der Kastraten.
Der Aufbau der Da Capo Arie
Die Arie wird fast immer mit einem Orchestervorspiel eingeleitet, in der Rhetorik als Introducio bezeichnet (der Redner versucht das Interesse des Zuhörers zu finden)
Dann folgt das Thema der Arie, in der Rhetorik „Narratio“ genannt, wo ebenfalls das Thema vorgestellt wird.
Dann das Argumentatio, die Verteidigung seines Themas (In der Arie die Entwicklung des Themas)
Confutatio – der Redner entkräftet die Gegenargumente seiner Gegner, in der Dacapo Arie kommt nun der „B Teil“, ein musikalisch anderes Thema, das ebenfalls dazu dient Gegenargumente zu entkräften oder aber das eigene in Frage zu stellen.
Confirmatio – der Redner nimmt seine Argumente wieder auf, ebenso der Sänger, der nun wieder den A-Teil der Arie wiederholt, aber eben wie der Redner, mit Verzierungen und Erweiterungen ausschmückt.
Zum Schluss das Conclusio, hier setzt der Redner seine Schlusspointe oder das Finale, ebenso muss es der Sänger tun, indem er nun alles an Können und Stimmakrobatik aufweist. Dieses Conclusio, wie auch die Verzierungen im Confirmatio sind nicht in den Partituren notiert, es obliegt den Sängern, diese Dinge zur richtigen Zeit gekonnt zu improvisieren.
Dieses vergessene Wissen um die Rhetorik in der Barockmusik hat dazu geführt, dass man die Opera Seria als langweilig und unnatürlich abqualifizierte.
Jedoch haben neuer Forschungen und Interpretationen gezeigt, dass dem nicht so ist.
Händel in London
In England gab es bereits versuche die Oper zu etablieren, jedoch blieb es stets ein höfisches Amüsement, da die Bevölkerung diesem ständigen Gesang nichts abgewinnen konnte.
Robert Cambert, der ausgebotete Erfinder der französischen Oper hatte versucht hier Fuß zu fassen, auch Matthew Locke und John Blow schrieben kleine Opern – sogar in landessprache, jedoch ohne nennenswerte Nachwirkung.
In Mode waren nach wie vor die Masques, eine Mischung aus Theater, gesungen Passagen, Chören, Instrumentalmusik und Ballett.
Als Händel 1711 am Haymarket Theatre seine neue Oper „Rinaldo“ aufführte geriet diese Aufführung zum Überraschungserfolg, fast zu einer Sensation.
Der Erfolg dieser Oper war so berauschend, das es Händel vorzog nicht mehr nach Hannover zurück zukehren – ohne um Erlaubnis zu fragen.
Rinaldo ist bereits moderner komponiert als Agrippina, hier findet sich bereits das voll ausgebildete Schema der da Capo Arie, jedoch gelingt es Händel niemals den dramatischen Fluss zu unterbrechen, oder die Oper langweilig werden zu lassen. Er schiebt Duette ein, Accompagnato Rezitative, das im Gegensatz zum einfachen Rezitativ mit dem gesamten Orchester begleitet wird.
Der Opernboom war im vollen Gange und Händel komponierte weitere Werke, es folgten u.a. Teseo und Amadigi, die ähnlich erfolgreich waren.
Die englische Königin starb ohne Nachkommen, und zu Händels Ungunsten wurde sein alter Brötchengeber Georg von Hannover zum neuen englischen König erhoben.
Die Versöhnung mit der Wassermusik sei hier nur kurz erwähnt. (Zumal die Geschehnisse nicht wirklich belegt sind)
In der nachfolgenden Zeit folgte er seinem König jedenfalls ohne Eskapaden.
Bei einem kürzeren Aufenthalt in Deutschland komponierte er die Brockespassion.
Zurück in England wurde er Hauskomponist des Earl of Carnavon (der spätere Herzog von Chandos) Hier entstanden die ersten englischen Werke, seine Chandos Anthems, eine erste Version von Esther und Acis and Galatea (das später u.a. von Mozart neu instrumentiert wurde)
In London gab es derweil mit der Protektion des Königs ein neues Opernunternehmen, das King’s Theatre.
Und Händel wurde zum Direktor der Royal Academy of Music.
Händel begann eine kleine Reise zu unternehmen um Kastraten anzuwerben – den diese Sängerstars waren für die neuen Opern ein Muss.
Die erste Oper die mit großem Erfolg gegeben wurde war „Radamisto“ (1720) und es folgten bekanntere Werke wie „Giulio Cesare“ oder „Riccardo Primo“ die als Krönungsoper Georg II. komponiert wurde.
Der Niedergang der Opera Seria in London
Doch dieser Opernboom lockte auch andere Opernunternehmer nach London.
Die Opera of Nobility wurde gegründet.
Dort wurden allerdings andere Komponisten verpflichtet: Hasse, Porpora, Bononcini...
Händel hatte bereits Schwierigkeiten das Publikum bei Laune zu halten.
Ein ehemaliger Bekannter aus dem Dunstkreis des herzogs von Chandos, John Gay brachte mit seiner Opernparodie „The Beggar’s Opera“ Händels Opernunternehmen ins Wanken.
Der wirkliche Feind war jedoch das neue Opernunternehmen, das Händel nicht nur das Publikum abspenstig machte, sondern auch noch die Sänger abwarb.
Vor allem glänzte die Opera of Nobility mit Stars wie Farinelli.
Händel hatte bereits parallel immer wieder englischsprachige Oratorien aufgeführt, die mit großem Erfolg gegeben wurden. Jedoch gab er den Opernbetrieb nicht auf und aus den 1730er Jahren stammen vielleicht seine schönsten Opern überhaupt:
Alcina, Ariodante, Orlando und Xerxes.
Ganz London lag im Streit, der Zwist zwischen den beiden Opernhäusern entszeite nicht nur Musiker und Komponisten, sondern auch die königliche Famile.
Wärend der König Händel weiter unterstützte, schlug sich der Thronfolger, der Prince of Wales auf die Seite der Opera of Nobilty und protegierte sie.
1737 kam es zum endgültigen Bankrott und zwar für beide Unternehmen.
Händel erlitt einen Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen.
Jedoch verordnete er sich eine Art Rosskur und konnte sehr bald mit gewohnter Produktivität
An seine Kompositionen gehen.
Jedoch hatte es mit der Oper vorerst ein Ende.
Allerdings gibt es durchaus noch spätere Oratorien, die man durchaus als Opern bezeichnen könnte. Man denke nur an Semele.
Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens widmete er aber nun hauptsächlich dem Oratorium.
In jedem Fall sind Händels Opern absolute Meisterwerke unserer Musikgeschichte und es ist ein Glücksfall in einer Zeit leben zu dürfen, in der diese Schätze eine neue Wertschätzung erfahren.
Doch aufgrund veränderten Geschmacks wurde sein Opernschaffen bis ins 20. Jahrhundert fast schon negiert. Als sei es ein Makel, dass sich das Genie mit der abgezirkelten Nummernopern abgegeben hat.
Die Opera Seria ist noch Heute sehr vorurteilsbehaftet – und auch das haben wir mal wieder Herrn Wagner zu verdanken, dessen polemische Äußerungen über diese Opernform wohl am bekanntesten sind.
In den 50er und 60er Jahren gab es zaghafte Versuche die Opern Händels wieder zu spielen.
Der Erfolg schien sich in Grenzen zu halten, ganze Partien mussten transponiert werden, da man keine Kastraten für die Titelpartien haben wollte und Frauen in Hosenrollen wohl auch nicht glaubwürdig erschienen.
Seit den 90er Jahren aber erleben wir einen wahren Händelopernboom, der glücklicherweise aber auch andere Barockopern andere Komponisten aus der unverdienten Versenkung entrissen hat.
Heute ist fast jede Oper Händels auf Tonträger zu haben, teilweise auch gleich in mehreren Einspielungen. Im Grunde kann man von einem richtigen Revival der Barockoper in unserer Zeit sprechen.
Am Lebensweg Händels und seinem Werk kann man allerdings sehr gut beschreiben und verstehen, was diese besondere Opernform eigentlich ausmacht.
Händel in Hamburg
Händel sollte ja bekanntermaßen als Jurist ausgebildet werden, nur interessierte es ihn kein Stück.
So nahm er seinen Abschied aus Halle und erreichte schließlich Hamburg als nächst größere Musikmetropole. Und Hamburg war in der Tat eine internationale Musikmetropole.
Das Hamburger Opernhaus am Gänsemarkt hatte längst Berühmtheit erlangt.
Ein Haus das so prächtig und mit allen technischen Raffinessen der Zeit ausgestattet war – und das obwohl kein mächtiger Fürst den Auftrag dazu erteilte, es wurde von den Bürgern der Stadt finanziert.
Die Opern die hier gespielt wurden waren international, man scherte sich nicht um die Rivalität des französischen oder italienischen Geschmacks. Hier wurde gespielt was einfach gut war. Aber natürlich gab es nicht nur Importe aus Frankreich und Italien, einheimische Komponisten wurden selbstverständlich und recht häufig herangezogen.
Georg Conradi, Agostino Steffani, Rheinhard Keiser und später auch Mattheson, Telemann und Händel selbst.
Doch diese Opern hatten eine Besonderheit – sie waren entweder in deutscher Sprache oder mehrsprachig verfasst.
Bei italienischen Opern z.B. wurden die Arien in der originalen Sprache belassen, die Rezitative jedoch wurden übersetzt.
Ähnlich war es auch bei französischen Werken.
Und schließlich entstand daraus die deutsche Symbiose: deutsche Rezitative, italienische Koloraturarien und französische Chöre und Ballets.
Charakteristisch ist auch die Marktschreierszene, die in eigentlich jedem hamburgischem Opernwerk auftaucht.
Händel fand eine Anstellung als Violinist und Cembalist am Opernhaus. In dieser Tätigkeit dürfte er unglaublich viel gelernt haben.
Und in diesem gemischten Stil komponierte auch Händel seine erste Oper, Almira.
Kompositorisch recht unelegant im Vergleich mit seinen späteren Werken – was er jedoch schon perfekt beherrschte war der französische Ballett-Stil.
Eine Sarabande aus dieser Ballettmusik taucht jedoch auch immer wieder in späteren Werken auf, wie z.B. die berühmteste Version „Laschia ch’io pianga“ aus Rinaldo.
Und in diesem Zusammenhang ist eine kleine Episode überliefert in der er dem Komponisten Steffani eine seiner Kompositionen vorlegte, dieser aber meinte: „Mein Freund das hat nichts mit italienischer Musik zu tun, das ist französisch.“
Andere Quellen berichten wiederrum, das der Ausspruch von Corelli stammte.
Händel in Italien
Vielleicht war es Steffani, der Händel geraten hatte nach Italien zu gehen.
Denn nur dort an Ort und Stelle konnte er den aufkommenden modernen Stil lernen.
Diese Reise unternahm er auf eigene Kosten. Von einem Risiko kann jedoch kaum die Rede sein, denn durch seine Opern in Hamburg hatte er bereits eine gewisse Bekanntheit.
Er machte Station in Florenz, Neapel, venedig und schließlich Rom
In Rom traf er dann auch mit Corelli, Lotti und den Scarlattis zusammen.
Händel hatte es anscheinend verstanden seine Netzwerke frügh genug aufzubauen und so folgte Konzert auf Konzert und innerhalb weniger Wochen war er als „Il Sassone“ berühmt. [/i]
Einige der berühmtesten Kompositionen Händels entstanden in dieser Zeit.
Das Oratorium „Il Trionfo del tempo i del disinganno” (1707) und das Dixit Dominus.
Die Aufführung seiner neuen Oper “Agrippina” (1709/10) bedeutete den endgültigen Durchbruch für den jungen Musiker.
Agrippina war eine Oper ganz im Stile Scarlattis.
Allerdings waren die Arien noch bestechender Kürze, so wie es um 1700 noch allgemein üblich war, aber der ständige Wechsel zwischen Rezitativ und Arie hatte sich längst etabliert.
In der darauf folgenden Zeit komponierte er in Rom. Doch da war die Aufführung von Opern verboten – allerdings gab es ja die Oratorien.
Papst Clemens XI hatte das Verbot nach einem schweren Erdbeben ausgesprochen, bei denen aber keine Todesopfer zu beklagen waren:
„Das keine Weibsperson bei hoher Strafe Musik aus Vorsatz lernen solle.
Denn man wisse wohl, dass eine Schönheit die auf dem Theater singen und dennoch ihre Keuschheit bewahren wolle, nichts anderes tue, als wenn man in den Tiber springen und doch die Füße nicht nass machen wolle.“
(O-Ton des Papstes)
Händel und andere Komponisten waren von dem Verbot nicht gerade begeistert und so kam es hinter verschlossenen Türen, z.B. in den Häusern des Kardinals Panfili und Ottoboni zu Aufführungen von Oratorien – aber eben mit Frauen.
Dummerweise kam heraus das Händel die Maria Magdalena in seinem Oratorium „La Ressurezzione“ von einer frau hatte singen lassen.
Jedoch konnte durch Vermittlung der mächtigen Kardinäle eine Bestrafung abgewendet werden.
In der weiteren Zeit in Italien entstanden noch die Oper „Rodrigo“ sowie die italienischen Kantaten, und die Serenata „Acis, Galatea e Polifemo“
Händel und andere Komponisten waren von dem Verbot nicht gerade begeistert und so kam es hinter verschlossenen Türen, z.B. in den Häusern des Kardinals Panfili und Ottoboni zu Aufführungen von Oratorien – aber eben mit Frauen.
Dummerweise kam heraus das Händel die Maria Magdalena in seinem Oratorium „La Ressurezzione“ von einer frau hatte singen lassen.
Jedoch konnte durch Vermittlung der mächtigen Kardinäle eine Bestrafung abgewendet werden.
In der weiteren Zeit in Italien entstanden noch die Oper „Rodrigo“ sowie die italienischen Kantaten, und die Serenata „Acis, Galatea e Polifemo“
1709 ereilte Händel dann der Ruf zum Kapellmeister am Hofe des Kurfürsten Georg von Hannover.
Die Italienreise war für Händel ein voller Erfolg. Das gelernte machte ihn nun zu einem international gefragten Komponisten.
Die Da Capo Arie – der Grundstein der Opera Seria
Der größte Vorwurf den die italienische Opernform zu ertragen hat ist die Unnatürlichkeit der Da Capo Arie – „Wiederholungsarie“
Wie kam man auf die Idee eine solch seltsame Form für eine Arie zu wählen ?
Entstanden ist die Da Capo Arie bereits im 17. jahrhundert – jedoch nicht als bereits geplante Form.
In den frühen Opern von Peri, Monteverdi und später Cavalli und Cesti fanden sich nur wenige Arien. Denn die Oper sollte ja vor allem eines sein, in Musik gesetzte Poesie – erst mit den öffentlichen Opernhäusern, zu denen auch schlichtere Gemüter zugelassen waren, entstand der Wunsch nach mehr Musik.
So wurde jedes „Lied“ mit Begeisterung erwartet und beklatscht – und wenn diese „Strophen - Aria“ besonders gefallen hatte, so wurde „Da Capo“ gerufen.
Aber wie sollte es anders sein, im Barock gibt man sich mit so platten Lösungen nicht zufrieden.
Und so entstand ein geniales und in sich vollkommen schlüssiges Model: die Da Capo Arie fußt auf den Regeln der antiken Rhetorik!
Die Oper hatte bald festgeschriebene Regeln, die einfach einzuhalten waren.
Nach einer einleitenden Sinfonia, deren Form wenige Jahre später die Entwicklung der Sinfonie nach sich ziehen wird, folgt ein ständiger Wechsel von Rezitativen und Dacapo Arien.
In den Rezitativen wird nach wie vor die Handlung der Oper vorangetrieben, diese Rezitative sind weiterhin dem Text untergeordnet und haben eine rein dienende Funktion.
Die Arien dienen allein der Illustration bestimmter Gefühle. Jedoch mutieren die Arien im Laufe des 18. Jahrhunderts fast zu reinen Spielfeldern der Stimmakrobatik der Starsänger – vor allem der Stimmkunst der Kastraten.
Der Aufbau der Da Capo Arie
Die Arie wird fast immer mit einem Orchestervorspiel eingeleitet, in der Rhetorik als Introducio bezeichnet (der Redner versucht das Interesse des Zuhörers zu finden)
Dann folgt das Thema der Arie, in der Rhetorik „Narratio“ genannt, wo ebenfalls das Thema vorgestellt wird.
Dann das Argumentatio, die Verteidigung seines Themas (In der Arie die Entwicklung des Themas)
Confutatio – der Redner entkräftet die Gegenargumente seiner Gegner, in der Dacapo Arie kommt nun der „B Teil“, ein musikalisch anderes Thema, das ebenfalls dazu dient Gegenargumente zu entkräften oder aber das eigene in Frage zu stellen.
Confirmatio – der Redner nimmt seine Argumente wieder auf, ebenso der Sänger, der nun wieder den A-Teil der Arie wiederholt, aber eben wie der Redner, mit Verzierungen und Erweiterungen ausschmückt.
Zum Schluss das Conclusio, hier setzt der Redner seine Schlusspointe oder das Finale, ebenso muss es der Sänger tun, indem er nun alles an Können und Stimmakrobatik aufweist. Dieses Conclusio, wie auch die Verzierungen im Confirmatio sind nicht in den Partituren notiert, es obliegt den Sängern, diese Dinge zur richtigen Zeit gekonnt zu improvisieren.
Dieses vergessene Wissen um die Rhetorik in der Barockmusik hat dazu geführt, dass man die Opera Seria als langweilig und unnatürlich abqualifizierte.
Jedoch haben neuer Forschungen und Interpretationen gezeigt, dass dem nicht so ist.
Händel in London
In England gab es bereits versuche die Oper zu etablieren, jedoch blieb es stets ein höfisches Amüsement, da die Bevölkerung diesem ständigen Gesang nichts abgewinnen konnte.
Robert Cambert, der ausgebotete Erfinder der französischen Oper hatte versucht hier Fuß zu fassen, auch Matthew Locke und John Blow schrieben kleine Opern – sogar in landessprache, jedoch ohne nennenswerte Nachwirkung.
In Mode waren nach wie vor die Masques, eine Mischung aus Theater, gesungen Passagen, Chören, Instrumentalmusik und Ballett.
Als Händel 1711 am Haymarket Theatre seine neue Oper „Rinaldo“ aufführte geriet diese Aufführung zum Überraschungserfolg, fast zu einer Sensation.
Der Erfolg dieser Oper war so berauschend, das es Händel vorzog nicht mehr nach Hannover zurück zukehren – ohne um Erlaubnis zu fragen.
Rinaldo ist bereits moderner komponiert als Agrippina, hier findet sich bereits das voll ausgebildete Schema der da Capo Arie, jedoch gelingt es Händel niemals den dramatischen Fluss zu unterbrechen, oder die Oper langweilig werden zu lassen. Er schiebt Duette ein, Accompagnato Rezitative, das im Gegensatz zum einfachen Rezitativ mit dem gesamten Orchester begleitet wird.
Der Opernboom war im vollen Gange und Händel komponierte weitere Werke, es folgten u.a. Teseo und Amadigi, die ähnlich erfolgreich waren.
Die englische Königin starb ohne Nachkommen, und zu Händels Ungunsten wurde sein alter Brötchengeber Georg von Hannover zum neuen englischen König erhoben.
Die Versöhnung mit der Wassermusik sei hier nur kurz erwähnt. (Zumal die Geschehnisse nicht wirklich belegt sind)
In der nachfolgenden Zeit folgte er seinem König jedenfalls ohne Eskapaden.
Bei einem kürzeren Aufenthalt in Deutschland komponierte er die Brockespassion.
Zurück in England wurde er Hauskomponist des Earl of Carnavon (der spätere Herzog von Chandos) Hier entstanden die ersten englischen Werke, seine Chandos Anthems, eine erste Version von Esther und Acis and Galatea (das später u.a. von Mozart neu instrumentiert wurde)
In London gab es derweil mit der Protektion des Königs ein neues Opernunternehmen, das King’s Theatre.
Und Händel wurde zum Direktor der Royal Academy of Music.
Händel begann eine kleine Reise zu unternehmen um Kastraten anzuwerben – den diese Sängerstars waren für die neuen Opern ein Muss.
Die erste Oper die mit großem Erfolg gegeben wurde war „Radamisto“ (1720) und es folgten bekanntere Werke wie „Giulio Cesare“ oder „Riccardo Primo“ die als Krönungsoper Georg II. komponiert wurde.
Der Niedergang der Opera Seria in London
Doch dieser Opernboom lockte auch andere Opernunternehmer nach London.
Die Opera of Nobility wurde gegründet.
Dort wurden allerdings andere Komponisten verpflichtet: Hasse, Porpora, Bononcini...
Händel hatte bereits Schwierigkeiten das Publikum bei Laune zu halten.
Ein ehemaliger Bekannter aus dem Dunstkreis des herzogs von Chandos, John Gay brachte mit seiner Opernparodie „The Beggar’s Opera“ Händels Opernunternehmen ins Wanken.
Der wirkliche Feind war jedoch das neue Opernunternehmen, das Händel nicht nur das Publikum abspenstig machte, sondern auch noch die Sänger abwarb.
Vor allem glänzte die Opera of Nobility mit Stars wie Farinelli.
Händel hatte bereits parallel immer wieder englischsprachige Oratorien aufgeführt, die mit großem Erfolg gegeben wurden. Jedoch gab er den Opernbetrieb nicht auf und aus den 1730er Jahren stammen vielleicht seine schönsten Opern überhaupt:
Alcina, Ariodante, Orlando und Xerxes.
Ganz London lag im Streit, der Zwist zwischen den beiden Opernhäusern entszeite nicht nur Musiker und Komponisten, sondern auch die königliche Famile.
Wärend der König Händel weiter unterstützte, schlug sich der Thronfolger, der Prince of Wales auf die Seite der Opera of Nobilty und protegierte sie.
1737 kam es zum endgültigen Bankrott und zwar für beide Unternehmen.
Händel erlitt einen Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen.
Jedoch verordnete er sich eine Art Rosskur und konnte sehr bald mit gewohnter Produktivität
An seine Kompositionen gehen.
Jedoch hatte es mit der Oper vorerst ein Ende.
Allerdings gibt es durchaus noch spätere Oratorien, die man durchaus als Opern bezeichnen könnte. Man denke nur an Semele.
Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens widmete er aber nun hauptsächlich dem Oratorium.
In jedem Fall sind Händels Opern absolute Meisterwerke unserer Musikgeschichte und es ist ein Glücksfall in einer Zeit leben zu dürfen, in der diese Schätze eine neue Wertschätzung erfahren.




)