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Guillaume Dufay – Die Vermenschlichung der Musik

Unbekannt Donnerstag, 27. August 2009, 14:59
Guillaume Dufay ist in der Musikgeschichte eine der wenigen Ausnahmeerscheinungen. Und das aus mehreren Gründen: 1. Sein Leben ist für einen Komponisten an der Schwelle der Neuzeit vergleichsweise gut dokumentiert, 2. Seine Werke waren schon zu Lebzeiten populär und weit verbreitet und 3. Er war nicht nur ein besonderer Musiker, sondern auch ein geschickter Taktiker, der es fertig brachte, die Gunst miteinander rivalisierender Mäzene beinahe ununterbrochen zu behalten.


Sein Leben
Sein Geburtsdatum und sein Geburtsort stehen nicht fest. Vermutungen legen den Zeitraum für seine Geburt knapp vor 1400 nah, als Geburtsort stehen Cambrai oder Brüssel zur Auswahl. Wie auch immer, man kann historisch von einer frankoflämischen Herkunft sprechen und dementsprechend von einer Geburt in eine Gegend, in der Musik zum damaligen Zeitpunkt eine große und gewichtige Rolle spielte. Die erste Erwähnung Dufays findet im Jahre 1409 statt, als er in die Maitrise aufgenommen wird. Eine Art kirchlicher Schule mit ausgeprägter musikalischer Bildung. So wird er auch Chorknabe an der Kathedrale von Cambrai, die einen ausgezeichneten musikalischen Ruf genießt. In Gefolgschaft des Kardinals Jean de Lens nimmt Dufay 1414 am Konstanzer Konzil teil und lernt möglicherweise dort, die musikalische „internationale Szene“ kennen. Das Konzil wird vier Jahre dauern, beinahe drei davon wird Dufay in Konstanz verbringen, bevor er nach Cambrai zurückkehrt und zum Subdiakon geweiht wird. 1420 siedelt Dufay plötzlich nach Italien über, um Mitglied der Hofkapelle der Malatesta zu werden. Das bedeutet, dass Dufay mit Anfang 20 schon einen gewissen Ruhm als Musiker besessen haben muss. Einen Ruhm, den er bis an sein Lebensende nicht mehr verlieren, sondern eher noch steigern wird. Neben dem Komponieren geistlicher Musik erwarten die neuen Herren groß angelegte politische Repräsentationsmusik und weltliche Gesänge. Mit dem Hof verbringt anschließend Dufay einige Zeit in Griechenland, da die Pest in Italien wütet. 1427 taucht Dufay im Gefolge des Kardinals Louis Aleman (ein Malatesta-Familienmitglied) auf, der, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, in den Kirchenstaat fliehen muss. Im Dezember 1428 findet sich Dufay dann das erste Mal in den Archiven der päpstlichen Kapelle wieder. Für mehr als acht Jahre bleibt Dufay Mitglied der Kapelle und rückt zunehmend als Komponist in den Vordergrund. So schreibt er z.B. den Smash-Hit des Jahres 1436 Nuper rosarum flores für die Einweihung des Florenzer Doms (der mit Brunelleschis Kuppel). Unter Papst Eugen IV. treten kirchliche Schwierigkeiten offen zutage, der Papst selbst lebt im Florentiner Exil, mit ihm dort auch Dufay, der die Zeit nutzt, um Knabenstimmen in die päpstliche Kapelle einzuführen (möglicherweise nach dem Vorbild Cambrais) und sich selbst mit einigen Pfründen und Privilegien auszustatten. Es ist ihm sogar möglich während seiner Zeit als päpstliches Kapellmitglied für beinahe zwei Jahre an den Hof von Savoyen zu wechseln, obwohl sich dessen Hezog Amadeus VIII. als Gegner des Papstes generiert (später Gegenpapst als Felix V.). Dufay schafft es also trotzdem, sich der Gunst des Papstes weiterhin zu versichern, auch wenn durch Dufays Anwesenheit am Hof von Savoyen eine Verbindung zum späteren Gegenpapst nicht verhindern ließ. Sein diplomatisches Geschick versetzte ihn dementsprechend in die Lage, zeitweise von zwei verfeindeten Lagern hohe Geldbeträge zu erhalten und auch im Nachhinein keine nennenswerten Nachteile erfahren zu haben.
Ab 1439 ist Dufay dann wieder in Cambrai und übernimmt kuriale Aufgaben. Für die nächsten zehn Jahre wird er Cambrai nur hin und wieder für kleine Reisen verlassen. In denn 1440er Jahren wird der Ort musikalisch von drei ehemaligen Mitgliedern der päpstlichen Kapelle geprägt. Neben Dufay sind das N. Grenon und Robert Auclou. Die kompositorische Ausstoß Dufays scheint aber in dieser Zeit nicht besonders groß zu sein, denn er widmet sich der Reorganisation des Musiklebens in Cambrai. Damit ist natürlich vor allem die geistliche Musik gemeint, die weltliche scheint in diesen zehn Jahren keine Rolle gespielt zu haben.
Ende 1450 ereilt ihn erneut der Ruf Savoyens und es sind mehrere Aufenthalte auf dem Hoheitsgebiete der Herzöge nachweisbar, sind wieder große Summen im Umlauf, aber eine genaue Tätigkeit und ein genauer Arbeitsplatz verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Aus dieser Zeit ist der einzige erhaltene Brief Dufays erhalten, die er an die Brüder Piero und Giovanni de Medici geschrieben hatte, indem er vier Lamentationen auf den Fall Konstantinopels ankündigte (von dem leider nur eines erhalten ist).
1458 kehrt Dufay dann endgültig nach Cambrai und in sein Amt zurück. In den letzten Jahren sichtet Dufay sein Werk – was für das Selbstverständnis als schaffender Musiker ein zeitgeschichtlicher Einschnitt ist. Ein Komponist ordnet sein eigenes Werk und nennt sich selbst ausdrücklich als Verfasser! - Er komponiert weiterhin für prominente Auftraggeber, nimmt Ockeghem für zwei Wochen in sein Haus auf, während die musikalische Welt ihm weiter huldigt. Dufay selbst sah sich immer in erster Linie als Musiker denn als Kanonikus (auf seinem Grabstein steht das Wort „musicus“ direkt neben seinem Namen) und wünschte beim Erhalt der Sterbesakramente seine Werke Magno salutis gaudio und das Ave regina celorum zu hören. Nach seinem Tod am 27. November 1474 schreiben Ockeghem, Busnois und Hemart Lamentationen, die leider allesamt verschollen sind.

Sein Werk
Von beinahe keinem Werk Dufays existieren originale Handschriften, so dass die Zuordnungen zu seinem Schaffen mit großen Schwierigkeiten verbunden waren und sind. Die einzigen Quellen seiner Kunst sind u.a. Mischhandschriften aus Oberitalien. An keinem seiner Wirkungsorte (Hof der Malatesta, Savoyen, Rom) sind Originaldokumente überliefert. In Cambrai wurden sie während der Französischen Revolution vernichtet. Daher ist das überlieferte Ouvre Dufays stark fragmentarisch und chronologisch problematisch, was insofern eine etwas paradoxe Situation darstellt, als dass von keinem Komponisten vorher so viele Werke überliefert sind. Man kann den tatsächlichen Output Dufays anscheinend gar nicht überschätzen.
Folgt man den verschlungenen Wegen der nachweisbaren Kompositionen, so kann man feststellen, dass die weltlichen Werke und seine Motetten zum größten Teil in Italien entstanden sind. Zudem hat sich Dufay wohl sämtlicher musikalisch verfügbaren Techniken bedient und man kann ausmachen, dass er sich von der isorhythmischen Motette zur Cantus-Firmus-Messe entwickelt hat. Gerade die Entwicklung und Ausbildung der letzteren ist ohne Dufay nicht denkbar, denn er schafft damit eine zyklische Technik, die für seine Nachfolger verbindlich sein wird. Außerdem beginnt er, weltliche Themen in diese Zyklen einzubauen (u.a. Se la face ay pale und L’homme armé) und die Vierstimmigkeit in den Messen zu etablieren.
Sein weltliches Schaffen ist nicht minder beeindruckend, das meiste in französischer Sprache. Die Herkunft seiner Texte ist in den meisten Fällen nicht zu eruieren. Viele seiner Lieder weisen einen experimentellen Charakter auf und Satzstrukturen werden oft bewusst preisgegeben, zugunsten einer Harmonieführung in den Oberstimmen. Dazu kommt oft eine instrumentelle Begleitung im Gegensatz zu einem A-capella-Vortrag.
Dufays Ruhm, so glanzvoll er zu seinen Lebzeiten war, verblasst nach seinem Tod doch sehr schnell. Ein Grund liegt wahrscheinlich daran, dass sein Werk nicht unbedingt dafür geschaffen war, Normen zu setzen, experimentierte Dufay doch selbst mit Strukturen und heterogenen Wirkungsweisen. Dufay spielt erst im 19. Jahrhundert wieder eine Rolle, als man versucht, die Vorgeschichte Palestrinas zu eruieren. In Zusammenhang mit der Entstehung der harmonischen Tonalität hat der Musikwissenschaftler Besseler in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Dufay als der „Vermenschlichung der Musik“ gesprochen.
Unbekannt Donnerstag, 27. August 2009, 21:02
Servus,

ich mache nach Blackys wunderbarer Einleitung mal den Anfang mit CD-Empfehlungen. Dazu habe ich mir Dufays isorhythmischen Motetten herausgepickt und möchte auf eine ziemlich unbekannte Aufnahme verweisen (ein guter Kandidat für unser lustiges Spielchen, aber da ich eure abstrusen CDs immer nie habe, komme ich nie dran :motz: ). Sie entstand in Verbindung mit einer Neuauflage der Noten zu diesen Stücken im Jahre 1990/91. Es singt und spielt das Helga Weber Ensemble unter Leitung der Namensgeberin.

Diese Edition enthält sämtliche isorhytmische Motetten sowie 7 weitere Motetten von Dufay, zum Teil in mehreren Versionen. Dazu wurden zum Vergleich die 7 überlieferten isorhythmischen Motetten von Guillaume de Machaut hinzugefügt. Komplettiert wird das Ganze - so vorhanden - von den gregorianischen Stücken, die als Vorlage für die Motetten gedient haben.

Diese Musik ist für den "Ungeübten" ziemlich hartes Brot und keinesfalls hintereinanderweg genießbar. Allzu fremd ist uns heute die Klangwelt des fünfzehnten Jahrhunderts, einer Zeit in der Terzen als Dissonanz galten. Obwohl Machaut nochmal 100 Jahre früher lebte, sind seine Motetten auf dieser Produktion leichter verdaulich als die Dufays. Wer sich aber auf die Musik einlassen kann, der wird reich belohnt. Es ist wie eine Entführung in einen anderen Kosmos, in ein völlig neues Töneuniversum, voll von unbekannten Klängen.

Diese Produktion ist höchst vorbildlich gelungen. Allein das umfangreiche Beiheft zu den drei CDs ist sensationell ausführlich und enthält neben einem allgemeinen Teil auch umfangreiche Anmerkungen zu jedem einzelnen Stück. Obendrauf gibt's noch jede Menge Abbildungen der Originalnoten.

Und auch die Aufnahmen an sich lassen sich hören. Das Ensemble ist sorgfältig zusammengestellt (siehe Besetzungsliste unten) und musiziert mit einer wunderbaren Homogenität - was enorm wichtig ist für Musik dieser Art.

Den Vergleich mit der grandiosen Aufnahme der isorhythmischen Motetten Dufays durch das Huelgas Ensemble hält diese Produktion durchaus stand, wenngleich es Paul van Nevel gelingt, diese Werke etwas weniger statisch wirken zu lassen, obwohl Helga Weber oft schnellere Tempi benutzt. Das ist aber mein einziger Kritikpunkt, der meines Erachtens das Hörvergnügen auch nur wenig beeinträchtigt.


http://lh3.google.com/salisburgensis/RsL…weber_front.jpg . http://lh6.google.com/salisburgensis/RsL…_weber_back.jpg

Die Sänger:
David Cordier, Paul Gerhardt Adam, Kai Wessel, Alt
Wilfried Jochens, Gerd Türk, Knut Schoch, Tenor

Die Instrumentalisten:
Birgit Siefer-Bahr, Cornelia Hampel, Regina Sanders, Marianne Richert Pfau (Blockflöte & Schalmei),
Katharina Arfken (Schalmei), Anke Dennert (Blockflöte & Krummhorn), Yuji Fujimoto (Posaune),
Barbara Hofmann, Simone Eckert (Gambe), Frank Hiesler (Perkussion)

Leitung: Helga Weber


herzliche Grüße,
Thomas
Unbekannt Montag, 31. August 2009, 22:03
Hallo!

Diesen thread nehme ich als Anlaß, in der nächsten zeit einige Messen von Dufay zu hören zum Neu- oder Besserkennenlernen.
Zum Auftakt habe ich eben eines der drei überlieferten Magnificats von Dufay gehört, das auf sehr interessante Weise zwischen A-Capella-Gesang und instrumental begleitetem Chor wechselt. Ich nehme mal an, daß das auch korrekt so interpretiert wurde? (später bei Josquin, Brumel & Co. ist ja die geistliche Musik stets A-Capella)



Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Montag, 31. August 2009, 22:26
Ich nehme mal an, daß das auch korrekt so interpretiert wurde? (später bei Josquin, Brumel & Co. ist ja die geistliche Musik stets A-Capella)
Das kann man bei Dufay, glaube ich, nicht mehr nachvollziehen. Das liegt unter anderem wohl eben an der schlechten Quellenlage und daran, dass sich Dufay in so ziemlich jedem musikalischen Gebiet geschlagen hat...

Dufay a capella gibts hier
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 08:29
Sein Leben
Sein Geburtsdatum und sein Geburtsort stehen nicht fest. Vermutungen legen den Zeitraum für seine Geburt knapp vor 1400 nah, als Geburtsort stehen Cambrai oder Brüssel zur Auswahl. Wie auch immer, man kann historisch von einer frankoflämischen Herkunft sprechen und dementsprechend von einer Geburt in eine Gegend, in der Musik zum damaligen Zeitpunkt eine große und gewichtige Rolle spielte. Die erste Erwähnung Dufays findet im Jahre 1409 statt, als er in die Maitrise aufgenommen wird. Eine Art kirchlicher Schule mit ausgeprägter musikalischer Bildung. So wird er auch Chorknabe an der Kathedrale von Cambrai, die einen ausgezeichneten musikalischen Ruf genießt.
Zwar kennen wir den Namen seines Vaters nicht, jedoch sind wir davon unterrichtet, dass er ein Sohn eines Geistlichen war - selbstverständlich ein unehelicher... :no: Es wird auch angenommen, der Abt selbst wäre der Papa gewesen... :motz:
Aber er schuf wirklich wunderbare Musik.
Ich möchte eine ältere Aufnahme nun empfehlen, die Einspielung von Missa Se la face ay pale unter David Munrow.

Wie HIP die Aufnahme sei, sei jetzt ausgeklammert: eine wunderschöne Platte!!! :music:
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 12:17
Zwar kennen wir den Namen seines Vaters nicht, jedoch sind wir davon unterrichtet, dass er ein Sohn eines Geistlichen war - selbstverständlich ein unehelicher... :no: Es wird auch angenommen, der Abt selbst wäre der Papa gewesen... :motz:

Moooment :baeh: Es ist lediglich eine Vermutung, dass er der Sohn eines Geistlichen war :angel:


Die Missa Se la face ay pale habe ich in folgender Einspielung und finde sie so klasse, dass ich nicht vorhabe, sie durch eine weitere zu ergänzen :music: Sie ist gerade recht günstig zu bekommen...
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 12:30
Zwar kennen wir den Namen seines Vaters nicht, jedoch sind wir davon unterrichtet, dass er ein Sohn eines Geistlichen war - selbstverständlich ein unehelicher... :no: Es wird auch angenommen, der Abt selbst wäre der Papa gewesen... :motz:

Moooment :baeh: Es ist lediglich eine Vermutung, dass er der Sohn eines Geistlichen war :angel:


Die Missa Se la face ay pale habe ich in folgender Einspielung und finde sie so klasse, dass ich nicht vorhabe, sie durch eine weitere zu ergänzen :music: Sie ist gerade recht günstig zu bekommen...
Nun, ich habe jetzt die Gülke-Biographie in der Bibliothk gelassen, aber ich meine mich erinnern, dass die Vermutung schon recht begründet ist... (es gibt da etwas, wie er Chormitglied wurde, wo darauf eine Anspielung zu finden sei... aber es ist schon einige Jahre her, dass ich das Buch gelesen hab)

Liebe Grüße
Tschabrendeki

:wink:
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 12:39
Nun, ich habe jetzt die Gülke-Biographie in der Bibliothk gelassen, aber ich meine mich erinnern, dass die Vermutung schon recht begründet ist... (es gibt da etwas, wie er Chormitglied wurde, wo darauf eine Anspielung zu finden sei... aber es ist schon einige Jahre her, dass ich das Buch gelesen hab)
Die Vermutung ist sicher begründet. Aber Vermutung bleibt Vermutung :angel: Abgesehen davon, dass ich zu hundert Prozent davon überzeugt bin, dass es sich so verhält :thumbsup:
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 12:51
Nun, ich habe jetzt die Gülke-Biographie in der Bibliothk gelassen, aber ich meine mich erinnern, dass die Vermutung schon recht begründet ist... (es gibt da etwas, wie er Chormitglied wurde, wo darauf eine Anspielung zu finden sei... aber es ist schon einige Jahre her, dass ich das Buch gelesen hab)
Die Vermutung ist sicher begründet. Aber Vermutung bleibt Vermutung :angel: Abgesehen davon, dass ich zu hundert Prozent davon überzeugt bin, dass es sich so verhält :thumbsup:
:D Seh' ich auch so!
Unbekannt Samstag, 5. September 2009, 14:20
Hallo!

Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, eine Dufay-Messe zu genießen. Ich habe mit der Missa Se la face ay pale angefangen, und zwar in dieser Aufnahme:


Die Missa Se la face ay pale habe ich in folgender Einspielung und finde sie so klasse, dass ich nicht vorhabe, sie durch eine weitere zu ergänzen :music: Sie ist gerade recht günstig zu bekommen...


Ich stimme Mario zu, es ist eine tolle Aufnahme.

Die Messe gehört zu einer Vierergruppe von Dufays späten, vierstimmigen Cantus-Firmus-Messen und entstand in den 1450ern für eine Hochzeit am Savoyer Hof (Reclam) bzw. als Messe für das Trinitatisfest (Booklet).
Kann mir jemand sagen, wo ich die namensgebende Chanson-Melodie besonders gut heraushören kann?

Sind die eigeschobenen Messeteile bei obiger Aufnahme (Introitus, Gradual, Alleluja etc.) auch von Dufay oder gar für diese Messe gedacht? Gregorianisch sind sie ja wohl nicht, da teilweise polyphon.
Ich frage, da es auch Aufnahmen dieser Messe gibt, die nur aus Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei bestehen.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Sonntag, 6. September 2009, 18:44
Folgende CDs seien noch empfohlen:


Die 13 isorythmischen Motetten mit Huelgas-Ensemble unter Paul van Nevel. Wirklich erste Sahne!
Leider nicht mehr im Katalog, aber im Jubiläumswürfel enthalten...


Die zweiteilige Motetten-Sammlung von Cantica Symphonia ist auch ein Muss:





Ein Muss ist auch diese Box (ich hab sie :baeh: ):


:angel:
:D

Liebe Grüße
Tamás
:wink:
Unbekannt Montag, 7. September 2009, 20:03
Heute gehört: Missa Ecce ancilla domini, eine weitere der vier "großen" vierstimmigen Messen Dufays.



Sie hat mir nicht so gut gefallen wir die Missa Se la face ay pale, was aber auch an der Interpretation liegen kann, von der ich nicht recht weiß, was ich von ihr halten soll. Bei Diabolus in Musica klingt es viel schöner...

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Montag, 7. September 2009, 20:13
Heute gehört: Missa Ecce ancilla domini, eine weitere der vier "großen" vierstimmigen Messen Dufays.



Sie hat mir nicht so gut gefallen wir die Missa Se la face ay pale, was aber auch an der Interpretation liegen kann, von der ich nicht recht weiß, was ich von ihr halten soll. Bei Diabolus in Musica klingt es viel schöner...

Viele Grüße,
Martin.




Nun. Die CD hab ich zufällig auch... 8)) (die Diabolus-Aufnahme aber nicht: alles kann auch ein ungarischer Lehrer nicht haben)
Clytus Gottwald war eine der Pioniren, der Renaissance-Musik aufgenommen hat. Die Aufnahmen sind auch schon recht alt (hast du gemerkt, dass man hin und wieder Vögel zwitschern und Autos vorbeihfahren im Hintergrund hört? :D
Die CD hat also eher nur Sammlerwert. Von Misa Ecce ancilla würde ich eher die wunderschöne Einspielung von Ensemble Gilles Binchois empfehlen:



Liebe Grüße

Tamás

:wink:
Unbekannt Mittwoch, 9. September 2009, 13:34
Die Messen 'Resvellies vous' und 'Ave Regina caelorum' mit Cantica Symphonia sind auch zu empfehlen:

Unbekannt Freitag, 18. September 2009, 21:45
Hallo!

Die Missa Sancti Jacobi gehört zu den frühen Messen Dufays (1420er Jahre) und entstand wohl in Italien, möglicherweise in Bologna, wo auch die Originalhandschrift aufbewahrt wird. Es ist die älteste überlieferte Plenarmesse der Musikgeschichte. [Plenarmesse: eine Messe, die sowohl das übliche Ordinarium, als auch ein zu einem bestimmten liturgischen Anlaß gehöriges Proprium enthält, so wie in diesem Fall Introitus, Alleluja, Offertorium und Post-Communio]. Das Proprium bezieht sich auf das Fest zum Gedenken an den hl. Jakob. Im Alleluja wird der Jakobs-Hymnus "Hispanorum clarens stella" verwendet. Besonders auffällig ist das sehr ausführlich komponierte Credo (das ebenso wie das Gloria nicht auf gregorianischen Melodien beruht).
Die Aufnahme von La Reverdie ist sehr zu empfehlen, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob eine so reiche instrumentale Begleitung "korrekt" ist. Die Messe bzw. diese Aufnahme klingt für mich noch mittelalterlich (im Gegensatz zu den anderen beiden erwähnten Messen(-Aufnahmen)). Da das meine erste Dufay-CD war, hatte ich ihn auch erstmal unter "Mittelalter" einsortiert. Aber er wird ja ohnehin als "Grenzgänger" aufgefaßt.
Die Arcana-CD ist glücklicherweise wieder erhältlich:



So, zum Abschluß habe ich noch eine "dumme" Frage: Wie wird der gute Mann denn überhaupt ausgesprochen?
Ich meinte kürzlich: "Düfai", ohne Pause zwischen den Silben und mit zwei langen Vokallauten. ThomasBernhard meinte dagegen: "Du-Fa-I" mit zwei kurzen Silbentrennpausen und drei kurzen Vokalen.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Samstag, 19. September 2009, 09:04
So, zum Abschluß habe ich noch eine "dumme" Frage: Wie wird der gute Mann denn überhaupt ausgesprochen?
Ich meinte kürzlich: "Düfai", ohne Pause zwischen den Silben und mit zwei langen Vokallauten. ThomasBernhard meinte dagegen: "Du-Fa-I" mit zwei kurzen Silbentrennpausen und drei kurzen Vokalen.
Hm, ich spreche ihn zumeist "Dü Fäh-i" aus, wobei das letzte "i" kaum mehr als hingehaucht ist... Ob's stimmt? Je ne sais pas....
Unbekannt Samstag, 19. September 2009, 09:16
So, zum Abschluß habe ich noch eine "dumme" Frage: Wie wird der gute Mann denn überhaupt ausgesprochen?
Ich meinte kürzlich: "Düfai", ohne Pause zwischen den Silben und mit zwei langen Vokallauten. ThomasBernhard meinte dagegen: "Du-Fa-I" mit zwei kurzen Silbentrennpausen und drei kurzen Vokalen.
Hm, ich spreche ihn zumeist "Dü Fäh-i" aus, wobei das letzte "i" kaum mehr als hingehaucht ist... Ob's stimmt? Je ne sais pas....
Auf dieser CD

gibt es Auszüge eines zeitgenössischen Gedichtes (Le Champion des Dames) auf altfranzösich vorgteragen. Dabei fallen öfters die namen von Dufay und Binchois. Demnach:
Dufay: [Düfa-ih] (also mit langem "i" am Ende)
Binchois: [Binscho-eh]

LG
Tamás
Unbekannt Samstag, 19. September 2009, 10:52
Ich habe von Dufay nur seinerzeit jene Box gekauft, aber wenig gehört ...



Eine LP der ersten Reflexe Serie habe ich auch noch - ach, was alles gehört werden müsste ...
Unbekannt Samstag, 20. Februar 2010, 18:21
Es gibt zwei eher interessante CDs, die ich den Freunden Dufayscher Musik empfehlen möchte:


Sämtliche Hymnen-Vertonungen Dufays mit den zugehörenden Antiphonen.


Während der Zeit Dufays entstanden einige Marienfeste, für die man liturische Musik brauchte. Dufay lieferte die einstimmigen Gesänge eines Marienfestes, was auf dieser Platte zu hören ist. Gegen Ende der Platte sind dann auch einige Mehrstimmige Kompositionen zu hören, die man über den Dufayschen Tönen gesetzt hat.

Wegen der Besetzung (Frauenstimmen) übrigens nicht HIP.
(Und in der gewohnt hässlichen Hungaroton-Design. *kotz*)

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Mittwoch, 16. Juni 2010, 20:54
Hallo!

Sehe ich das richtig? Die isorhythmischen Motetten gibt es nur in den Aufnahmen von Helga Weber & Co. und vom Huelgas Ensemble, und beide Aufnahmen sind nicht verfügbar? :motz:
Das wäre ja eine Schande, wenn derart bedeutende und interessante Musik komplett out of print ist.
Oder sind auf den CDs von Cantica Symphonia die isorhythmischen Motetten enthalten?

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Mittwoch, 16. Juni 2010, 21:21
Was es im Moment gibt, weiss ich leider nicht,
ich kann Dir nur eine etwas unübersichtliche Discographie anbieten:

hier

lg, Chris.
Unbekannt Mittwoch, 16. Juni 2010, 21:25
Oder sind auf den CDs von Cantica Symphonia die isorhythmischen Motetten enthalten?

Ich hab nicht nachgezählt, aber ich glaube schon, dass alle drauf sind. :yes: Werde später checken!

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 20:53
Oder sind auf den CDs von Cantica Symphonia die isorhythmischen Motetten enthalten?

Ich hab nicht nachgezählt, aber ich glaube schon, dass alle drauf sind. :yes: Werde später checken!


Ich habe eben die Tracklisten mit der Huelgas-CD verglichen: Sie sind alle drauf, allerdings gleichverteilt auf beide CDs - na ja, besser so, als gar nicht.
Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 21:10
Ich habe eben die Tracklisten mit der Huelgas-CD verglichen: Sie sind alle drauf, allerdings gleichverteilt auf beide CDs - na ja, besser so, als gar nicht.

Hab's geahnt. Diese zwei Volumes sind übrigens schon Spitze! :wink:
Unbekannt Samstag, 7. August 2010, 18:25
Mehr oder weniger zufällig bin ich auf diese CD



aufmerksam geworden, die ausgewählte Motetten und Hymnen Dufays enthält. Das Ensemble Musica Nova war mir bis dahin völlig unbekannt; es besteht aus zwei Sängerinnen und drei Sängern, die sich auf Vokalmusik des Mittelalters spezialisiert haben. Wie die fünf hier singen, ist für mich überwältigend: Lupenreine Intonation, ideale Stimmen für diese Musik und ein perfekter Ensembleklang. Die komplexen, vertrackten Rhythmen dieser Musik fließen ganz natürlich, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres und als seien sie gewissermaßen die "Muttersprache" des Ensembles.

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

Viele Grüße,
Andreas