Unbekannt
Donnerstag, 27. August 2009, 14:59
Guillaume Dufay ist in der Musikgeschichte eine der wenigen Ausnahmeerscheinungen. Und das aus mehreren Gründen: 1. Sein Leben ist für einen Komponisten an der Schwelle der Neuzeit vergleichsweise gut dokumentiert, 2. Seine Werke waren schon zu Lebzeiten populär und weit verbreitet und 3. Er war nicht nur ein besonderer Musiker, sondern auch ein geschickter Taktiker, der es fertig brachte, die Gunst miteinander rivalisierender Mäzene beinahe ununterbrochen zu behalten.
Sein Leben
Sein Geburtsdatum und sein Geburtsort stehen nicht fest. Vermutungen legen den Zeitraum für seine Geburt knapp vor 1400 nah, als Geburtsort stehen Cambrai oder Brüssel zur Auswahl. Wie auch immer, man kann historisch von einer frankoflämischen Herkunft sprechen und dementsprechend von einer Geburt in eine Gegend, in der Musik zum damaligen Zeitpunkt eine große und gewichtige Rolle spielte. Die erste Erwähnung Dufays findet im Jahre 1409 statt, als er in die Maitrise aufgenommen wird. Eine Art kirchlicher Schule mit ausgeprägter musikalischer Bildung. So wird er auch Chorknabe an der Kathedrale von Cambrai, die einen ausgezeichneten musikalischen Ruf genießt. In Gefolgschaft des Kardinals Jean de Lens nimmt Dufay 1414 am Konstanzer Konzil teil und lernt möglicherweise dort, die musikalische „internationale Szene“ kennen. Das Konzil wird vier Jahre dauern, beinahe drei davon wird Dufay in Konstanz verbringen, bevor er nach Cambrai zurückkehrt und zum Subdiakon geweiht wird. 1420 siedelt Dufay plötzlich nach Italien über, um Mitglied der Hofkapelle der Malatesta zu werden. Das bedeutet, dass Dufay mit Anfang 20 schon einen gewissen Ruhm als Musiker besessen haben muss. Einen Ruhm, den er bis an sein Lebensende nicht mehr verlieren, sondern eher noch steigern wird. Neben dem Komponieren geistlicher Musik erwarten die neuen Herren groß angelegte politische Repräsentationsmusik und weltliche Gesänge. Mit dem Hof verbringt anschließend Dufay einige Zeit in Griechenland, da die Pest in Italien wütet. 1427 taucht Dufay im Gefolge des Kardinals Louis Aleman (ein Malatesta-Familienmitglied) auf, der, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, in den Kirchenstaat fliehen muss. Im Dezember 1428 findet sich Dufay dann das erste Mal in den Archiven der päpstlichen Kapelle wieder. Für mehr als acht Jahre bleibt Dufay Mitglied der Kapelle und rückt zunehmend als Komponist in den Vordergrund. So schreibt er z.B. den Smash-Hit des Jahres 1436 Nuper rosarum flores für die Einweihung des Florenzer Doms (der mit Brunelleschis Kuppel). Unter Papst Eugen IV. treten kirchliche Schwierigkeiten offen zutage, der Papst selbst lebt im Florentiner Exil, mit ihm dort auch Dufay, der die Zeit nutzt, um Knabenstimmen in die päpstliche Kapelle einzuführen (möglicherweise nach dem Vorbild Cambrais) und sich selbst mit einigen Pfründen und Privilegien auszustatten. Es ist ihm sogar möglich während seiner Zeit als päpstliches Kapellmitglied für beinahe zwei Jahre an den Hof von Savoyen zu wechseln, obwohl sich dessen Hezog Amadeus VIII. als Gegner des Papstes generiert (später Gegenpapst als Felix V.). Dufay schafft es also trotzdem, sich der Gunst des Papstes weiterhin zu versichern, auch wenn durch Dufays Anwesenheit am Hof von Savoyen eine Verbindung zum späteren Gegenpapst nicht verhindern ließ. Sein diplomatisches Geschick versetzte ihn dementsprechend in die Lage, zeitweise von zwei verfeindeten Lagern hohe Geldbeträge zu erhalten und auch im Nachhinein keine nennenswerten Nachteile erfahren zu haben.
Ab 1439 ist Dufay dann wieder in Cambrai und übernimmt kuriale Aufgaben. Für die nächsten zehn Jahre wird er Cambrai nur hin und wieder für kleine Reisen verlassen. In denn 1440er Jahren wird der Ort musikalisch von drei ehemaligen Mitgliedern der päpstlichen Kapelle geprägt. Neben Dufay sind das N. Grenon und Robert Auclou. Die kompositorische Ausstoß Dufays scheint aber in dieser Zeit nicht besonders groß zu sein, denn er widmet sich der Reorganisation des Musiklebens in Cambrai. Damit ist natürlich vor allem die geistliche Musik gemeint, die weltliche scheint in diesen zehn Jahren keine Rolle gespielt zu haben.
Ende 1450 ereilt ihn erneut der Ruf Savoyens und es sind mehrere Aufenthalte auf dem Hoheitsgebiete der Herzöge nachweisbar, sind wieder große Summen im Umlauf, aber eine genaue Tätigkeit und ein genauer Arbeitsplatz verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Aus dieser Zeit ist der einzige erhaltene Brief Dufays erhalten, die er an die Brüder Piero und Giovanni de Medici geschrieben hatte, indem er vier Lamentationen auf den Fall Konstantinopels ankündigte (von dem leider nur eines erhalten ist).
1458 kehrt Dufay dann endgültig nach Cambrai und in sein Amt zurück. In den letzten Jahren sichtet Dufay sein Werk – was für das Selbstverständnis als schaffender Musiker ein zeitgeschichtlicher Einschnitt ist. Ein Komponist ordnet sein eigenes Werk und nennt sich selbst ausdrücklich als Verfasser! - Er komponiert weiterhin für prominente Auftraggeber, nimmt Ockeghem für zwei Wochen in sein Haus auf, während die musikalische Welt ihm weiter huldigt. Dufay selbst sah sich immer in erster Linie als Musiker denn als Kanonikus (auf seinem Grabstein steht das Wort „musicus“ direkt neben seinem Namen) und wünschte beim Erhalt der Sterbesakramente seine Werke Magno salutis gaudio und das Ave regina celorum zu hören. Nach seinem Tod am 27. November 1474 schreiben Ockeghem, Busnois und Hemart Lamentationen, die leider allesamt verschollen sind.
Sein Werk
Von beinahe keinem Werk Dufays existieren originale Handschriften, so dass die Zuordnungen zu seinem Schaffen mit großen Schwierigkeiten verbunden waren und sind. Die einzigen Quellen seiner Kunst sind u.a. Mischhandschriften aus Oberitalien. An keinem seiner Wirkungsorte (Hof der Malatesta, Savoyen, Rom) sind Originaldokumente überliefert. In Cambrai wurden sie während der Französischen Revolution vernichtet. Daher ist das überlieferte Ouvre Dufays stark fragmentarisch und chronologisch problematisch, was insofern eine etwas paradoxe Situation darstellt, als dass von keinem Komponisten vorher so viele Werke überliefert sind. Man kann den tatsächlichen Output Dufays anscheinend gar nicht überschätzen.
Folgt man den verschlungenen Wegen der nachweisbaren Kompositionen, so kann man feststellen, dass die weltlichen Werke und seine Motetten zum größten Teil in Italien entstanden sind. Zudem hat sich Dufay wohl sämtlicher musikalisch verfügbaren Techniken bedient und man kann ausmachen, dass er sich von der isorhythmischen Motette zur Cantus-Firmus-Messe entwickelt hat. Gerade die Entwicklung und Ausbildung der letzteren ist ohne Dufay nicht denkbar, denn er schafft damit eine zyklische Technik, die für seine Nachfolger verbindlich sein wird. Außerdem beginnt er, weltliche Themen in diese Zyklen einzubauen (u.a. Se la face ay pale und L’homme armé) und die Vierstimmigkeit in den Messen zu etablieren.
Sein weltliches Schaffen ist nicht minder beeindruckend, das meiste in französischer Sprache. Die Herkunft seiner Texte ist in den meisten Fällen nicht zu eruieren. Viele seiner Lieder weisen einen experimentellen Charakter auf und Satzstrukturen werden oft bewusst preisgegeben, zugunsten einer Harmonieführung in den Oberstimmen. Dazu kommt oft eine instrumentelle Begleitung im Gegensatz zu einem A-capella-Vortrag.
Dufays Ruhm, so glanzvoll er zu seinen Lebzeiten war, verblasst nach seinem Tod doch sehr schnell. Ein Grund liegt wahrscheinlich daran, dass sein Werk nicht unbedingt dafür geschaffen war, Normen zu setzen, experimentierte Dufay doch selbst mit Strukturen und heterogenen Wirkungsweisen. Dufay spielt erst im 19. Jahrhundert wieder eine Rolle, als man versucht, die Vorgeschichte Palestrinas zu eruieren. In Zusammenhang mit der Entstehung der harmonischen Tonalität hat der Musikwissenschaftler Besseler in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Dufay als der „Vermenschlichung der Musik“ gesprochen.
Sein Leben
Sein Geburtsdatum und sein Geburtsort stehen nicht fest. Vermutungen legen den Zeitraum für seine Geburt knapp vor 1400 nah, als Geburtsort stehen Cambrai oder Brüssel zur Auswahl. Wie auch immer, man kann historisch von einer frankoflämischen Herkunft sprechen und dementsprechend von einer Geburt in eine Gegend, in der Musik zum damaligen Zeitpunkt eine große und gewichtige Rolle spielte. Die erste Erwähnung Dufays findet im Jahre 1409 statt, als er in die Maitrise aufgenommen wird. Eine Art kirchlicher Schule mit ausgeprägter musikalischer Bildung. So wird er auch Chorknabe an der Kathedrale von Cambrai, die einen ausgezeichneten musikalischen Ruf genießt. In Gefolgschaft des Kardinals Jean de Lens nimmt Dufay 1414 am Konstanzer Konzil teil und lernt möglicherweise dort, die musikalische „internationale Szene“ kennen. Das Konzil wird vier Jahre dauern, beinahe drei davon wird Dufay in Konstanz verbringen, bevor er nach Cambrai zurückkehrt und zum Subdiakon geweiht wird. 1420 siedelt Dufay plötzlich nach Italien über, um Mitglied der Hofkapelle der Malatesta zu werden. Das bedeutet, dass Dufay mit Anfang 20 schon einen gewissen Ruhm als Musiker besessen haben muss. Einen Ruhm, den er bis an sein Lebensende nicht mehr verlieren, sondern eher noch steigern wird. Neben dem Komponieren geistlicher Musik erwarten die neuen Herren groß angelegte politische Repräsentationsmusik und weltliche Gesänge. Mit dem Hof verbringt anschließend Dufay einige Zeit in Griechenland, da die Pest in Italien wütet. 1427 taucht Dufay im Gefolge des Kardinals Louis Aleman (ein Malatesta-Familienmitglied) auf, der, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, in den Kirchenstaat fliehen muss. Im Dezember 1428 findet sich Dufay dann das erste Mal in den Archiven der päpstlichen Kapelle wieder. Für mehr als acht Jahre bleibt Dufay Mitglied der Kapelle und rückt zunehmend als Komponist in den Vordergrund. So schreibt er z.B. den Smash-Hit des Jahres 1436 Nuper rosarum flores für die Einweihung des Florenzer Doms (der mit Brunelleschis Kuppel). Unter Papst Eugen IV. treten kirchliche Schwierigkeiten offen zutage, der Papst selbst lebt im Florentiner Exil, mit ihm dort auch Dufay, der die Zeit nutzt, um Knabenstimmen in die päpstliche Kapelle einzuführen (möglicherweise nach dem Vorbild Cambrais) und sich selbst mit einigen Pfründen und Privilegien auszustatten. Es ist ihm sogar möglich während seiner Zeit als päpstliches Kapellmitglied für beinahe zwei Jahre an den Hof von Savoyen zu wechseln, obwohl sich dessen Hezog Amadeus VIII. als Gegner des Papstes generiert (später Gegenpapst als Felix V.). Dufay schafft es also trotzdem, sich der Gunst des Papstes weiterhin zu versichern, auch wenn durch Dufays Anwesenheit am Hof von Savoyen eine Verbindung zum späteren Gegenpapst nicht verhindern ließ. Sein diplomatisches Geschick versetzte ihn dementsprechend in die Lage, zeitweise von zwei verfeindeten Lagern hohe Geldbeträge zu erhalten und auch im Nachhinein keine nennenswerten Nachteile erfahren zu haben.
Ab 1439 ist Dufay dann wieder in Cambrai und übernimmt kuriale Aufgaben. Für die nächsten zehn Jahre wird er Cambrai nur hin und wieder für kleine Reisen verlassen. In denn 1440er Jahren wird der Ort musikalisch von drei ehemaligen Mitgliedern der päpstlichen Kapelle geprägt. Neben Dufay sind das N. Grenon und Robert Auclou. Die kompositorische Ausstoß Dufays scheint aber in dieser Zeit nicht besonders groß zu sein, denn er widmet sich der Reorganisation des Musiklebens in Cambrai. Damit ist natürlich vor allem die geistliche Musik gemeint, die weltliche scheint in diesen zehn Jahren keine Rolle gespielt zu haben.
Ende 1450 ereilt ihn erneut der Ruf Savoyens und es sind mehrere Aufenthalte auf dem Hoheitsgebiete der Herzöge nachweisbar, sind wieder große Summen im Umlauf, aber eine genaue Tätigkeit und ein genauer Arbeitsplatz verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Aus dieser Zeit ist der einzige erhaltene Brief Dufays erhalten, die er an die Brüder Piero und Giovanni de Medici geschrieben hatte, indem er vier Lamentationen auf den Fall Konstantinopels ankündigte (von dem leider nur eines erhalten ist).
1458 kehrt Dufay dann endgültig nach Cambrai und in sein Amt zurück. In den letzten Jahren sichtet Dufay sein Werk – was für das Selbstverständnis als schaffender Musiker ein zeitgeschichtlicher Einschnitt ist. Ein Komponist ordnet sein eigenes Werk und nennt sich selbst ausdrücklich als Verfasser! - Er komponiert weiterhin für prominente Auftraggeber, nimmt Ockeghem für zwei Wochen in sein Haus auf, während die musikalische Welt ihm weiter huldigt. Dufay selbst sah sich immer in erster Linie als Musiker denn als Kanonikus (auf seinem Grabstein steht das Wort „musicus“ direkt neben seinem Namen) und wünschte beim Erhalt der Sterbesakramente seine Werke Magno salutis gaudio und das Ave regina celorum zu hören. Nach seinem Tod am 27. November 1474 schreiben Ockeghem, Busnois und Hemart Lamentationen, die leider allesamt verschollen sind.
Sein Werk
Von beinahe keinem Werk Dufays existieren originale Handschriften, so dass die Zuordnungen zu seinem Schaffen mit großen Schwierigkeiten verbunden waren und sind. Die einzigen Quellen seiner Kunst sind u.a. Mischhandschriften aus Oberitalien. An keinem seiner Wirkungsorte (Hof der Malatesta, Savoyen, Rom) sind Originaldokumente überliefert. In Cambrai wurden sie während der Französischen Revolution vernichtet. Daher ist das überlieferte Ouvre Dufays stark fragmentarisch und chronologisch problematisch, was insofern eine etwas paradoxe Situation darstellt, als dass von keinem Komponisten vorher so viele Werke überliefert sind. Man kann den tatsächlichen Output Dufays anscheinend gar nicht überschätzen.
Folgt man den verschlungenen Wegen der nachweisbaren Kompositionen, so kann man feststellen, dass die weltlichen Werke und seine Motetten zum größten Teil in Italien entstanden sind. Zudem hat sich Dufay wohl sämtlicher musikalisch verfügbaren Techniken bedient und man kann ausmachen, dass er sich von der isorhythmischen Motette zur Cantus-Firmus-Messe entwickelt hat. Gerade die Entwicklung und Ausbildung der letzteren ist ohne Dufay nicht denkbar, denn er schafft damit eine zyklische Technik, die für seine Nachfolger verbindlich sein wird. Außerdem beginnt er, weltliche Themen in diese Zyklen einzubauen (u.a. Se la face ay pale und L’homme armé) und die Vierstimmigkeit in den Messen zu etablieren.
Sein weltliches Schaffen ist nicht minder beeindruckend, das meiste in französischer Sprache. Die Herkunft seiner Texte ist in den meisten Fällen nicht zu eruieren. Viele seiner Lieder weisen einen experimentellen Charakter auf und Satzstrukturen werden oft bewusst preisgegeben, zugunsten einer Harmonieführung in den Oberstimmen. Dazu kommt oft eine instrumentelle Begleitung im Gegensatz zu einem A-capella-Vortrag.
Dufays Ruhm, so glanzvoll er zu seinen Lebzeiten war, verblasst nach seinem Tod doch sehr schnell. Ein Grund liegt wahrscheinlich daran, dass sein Werk nicht unbedingt dafür geschaffen war, Normen zu setzen, experimentierte Dufay doch selbst mit Strukturen und heterogenen Wirkungsweisen. Dufay spielt erst im 19. Jahrhundert wieder eine Rolle, als man versucht, die Vorgeschichte Palestrinas zu eruieren. In Zusammenhang mit der Entstehung der harmonischen Tonalität hat der Musikwissenschaftler Besseler in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Dufay als der „Vermenschlichung der Musik“ gesprochen.
). Sie entstand in Verbindung mit einer Neuauflage der Noten zu diesen Stücken im Jahre 1990/91. Es singt und spielt das Helga Weber Ensemble unter Leitung der Namensgeberin.
Es wird auch angenommen, der Abt selbst wäre der Papa gewesen...
Es ist lediglich eine Vermutung, dass er der Sohn eines Geistlichen war
Seh' ich auch so!
(die Diabolus-Aufnahme aber nicht: alles kann auch ein ungarischer Lehrer nicht haben)
Werde später checken!