Unbekannt
Mittwoch, 10. Februar 2010, 21:40
Duc de Berry:
Also ich fand es wirklich gigantisch und könnte es erstmal in der Endlosschleife hören.
Wie soll man dieses "Divertissement en un acte" beschreiben?
Ist es realistisch? Ist es reine Propaganda?
Es ist vieles zugleich.
1. Eine Vertonung eines Artikels des "Moniteur".
2. Eine Aufblähung einer Hymne wie der "Chant du Départ" - es treten quasi die gleichen Rollen wie bei einer solchen Hymne auf: ein General, lustiges Volk, ein alter Mann, viele Krieger, fehlt nur nich der Represantant du Peuple.
3. Eine, aus dem Verständnis der Zeit heraus, realistische Darstellung eines historischen Ereignisses.
Wer sich für die Zeit interessiert oder überhaupt für Geschichte sollte dieses Monstrum von Werk gehört haben. Man wird quasi von der Musik erschlagen, da eine eingängige Melodie auf die andere mit den entsprechenden Texten auf die andere folgt. Die Zuhörer müssen damals unglaublich bei dem Werk mitgegangen sein, denn es ging ja quasi um das, was alle anging und Tagespolitik, den Krieg...
Mein erstes musikalisches Erlebnis mit der Musik dieser Zeit, welche ja wirklich von großen Komponisten Frankreichs durchaus komponiert wurde, waren ein paar Lieder, Hymnen etc., die wir sangen. Hinzu kam die 3-CD-Box "Musique et Revolution". Mit der Musik bekommt die Revolution auch wirklich sozusagen erst eine dritte Dimension, man begreift, wenn man etwas Gespür hat, wie man sich mitreißen lassen konnte. Die trockenen (oder blutigen) schriftlichen Quellen bekommen eine Unterfütterung.
Überall, in einem DTV-Atlas zur Musik und selbst im Unterricht hört man von Revolutionsopern und so weiter. Aber wo bekommt man das schon für die Ohren. Bei allem Republikanismus der Franzosen hört man mal ein paar Hymnen am 14. Juli im Fernsehen, gesungen vom nicht so dollen Chor der französischen Armee (mit manchmal wirklich nicht guten Solisten) und das ist im Vergleich zu den Werken schon sehr sonderbar.
Gut genug davon.
Was ist also die Handlung?
Die Sieger von Valmy feiern ihren Erfolg zusammen mit den Einwohnern von Saint-Pré. Allerdings wird die fröhlichen Stimme vom Alarm, woraufhin die Soldaten wiederum die Waffen ergreifen müssen. Natürlich siegen sie erneut und dieser Sieg wird ausgiebig mit den (für die französische Oper üblichen) Tänzen usw. gefeiert.
Es gibt wie oben gesagt einige Rollen mit marginalen Einfluss auf die Handlung, in der Funktion von Warnenden, Aufmunternden usw..
Bedenkt man die Kürze des Stückes, wie gesagt nur ein Einakter, genügt die Handlung vollauf. Viel mehr Konflikt - wenn überhaupt je ein solcher, man bedenke es geht um akute, aktuelle Gefahr für Frankreich - findet man in manchem Acte de Ballet auch nicht.
Was kennzeichnet das Werk?
Es gibt natürlich die bombastische Ouverture. Was anderes ist wohl nicht zu erwarten. Es haben sich von diversen großen Stars der französischen Musik der Zeit ähnlich wuchtige rein instrumentale Werke erhalten, welche die Kraft, Wut, die Entschlossenheit der Republikaner usw. ausdrücken sollten.
Sogleich wird man von einem großen Chor in die Stimmung des Werkes eingeführt. Darauf folgt ein sogar ein wenig überraschendes Rezitativ, worin der Major den Hörer in den Handlungsort (am Fluss Aisne) geleitet.
Daraufhin gibt es abwechselnd große Chöre und Arien wie Hymnen, komischerweise keine wirklichen Chants, die ich nach der Beschreibung vom Duc de Berry erwartet hätte.
Abschließend vernimmt man die bei den Franzosen so beliebten Tänze, welche die verschiedensten Völker vorstellen sollen. Solche völkertypischen Melodien liebte das Publikum offenbar - kennt man ja auch von Grétrys "La Caravanne du Caire" - Ende 2. Akt.
Die Einspielung finde ich sehr schön, da sie den wirklich originellen Charakter dieser Musik bewahrt. Am skurilsten erscheinen wohl die Tänze mit allen möglichen Instrumenten und einem wirklich ausgenommen volkstümlichen Klang.
Also irgendwie kann zumindest ich das nur mögen. Es ist unterhaltsam und man kann sich das ganze Spektakel sehr gut ausmalen.
(Und zur Propaganda: Meine Herren, da haben die Royalisten aber auch nicht viel was anderes gemacht, nur wohl besser versteckt oder wie am Ende von "Pierre le Grand" erst am Ende den Hasen aus dem Hut gelassen.
)
Zitat
Also ich fand es wirklich gigantisch und könnte es erstmal in der Endlosschleife hören.
Wie soll man dieses "Divertissement en un acte" beschreiben?
Ist es realistisch? Ist es reine Propaganda?
Es ist vieles zugleich.
1. Eine Vertonung eines Artikels des "Moniteur".
2. Eine Aufblähung einer Hymne wie der "Chant du Départ" - es treten quasi die gleichen Rollen wie bei einer solchen Hymne auf: ein General, lustiges Volk, ein alter Mann, viele Krieger, fehlt nur nich der Represantant du Peuple.
3. Eine, aus dem Verständnis der Zeit heraus, realistische Darstellung eines historischen Ereignisses.
Wer sich für die Zeit interessiert oder überhaupt für Geschichte sollte dieses Monstrum von Werk gehört haben. Man wird quasi von der Musik erschlagen, da eine eingängige Melodie auf die andere mit den entsprechenden Texten auf die andere folgt. Die Zuhörer müssen damals unglaublich bei dem Werk mitgegangen sein, denn es ging ja quasi um das, was alle anging und Tagespolitik, den Krieg...
Mein erstes musikalisches Erlebnis mit der Musik dieser Zeit, welche ja wirklich von großen Komponisten Frankreichs durchaus komponiert wurde, waren ein paar Lieder, Hymnen etc., die wir sangen. Hinzu kam die 3-CD-Box "Musique et Revolution". Mit der Musik bekommt die Revolution auch wirklich sozusagen erst eine dritte Dimension, man begreift, wenn man etwas Gespür hat, wie man sich mitreißen lassen konnte. Die trockenen (oder blutigen) schriftlichen Quellen bekommen eine Unterfütterung.
Überall, in einem DTV-Atlas zur Musik und selbst im Unterricht hört man von Revolutionsopern und so weiter. Aber wo bekommt man das schon für die Ohren. Bei allem Republikanismus der Franzosen hört man mal ein paar Hymnen am 14. Juli im Fernsehen, gesungen vom nicht so dollen Chor der französischen Armee (mit manchmal wirklich nicht guten Solisten) und das ist im Vergleich zu den Werken schon sehr sonderbar.
Gut genug davon.
Was ist also die Handlung?
Die Sieger von Valmy feiern ihren Erfolg zusammen mit den Einwohnern von Saint-Pré. Allerdings wird die fröhlichen Stimme vom Alarm, woraufhin die Soldaten wiederum die Waffen ergreifen müssen. Natürlich siegen sie erneut und dieser Sieg wird ausgiebig mit den (für die französische Oper üblichen) Tänzen usw. gefeiert.
Es gibt wie oben gesagt einige Rollen mit marginalen Einfluss auf die Handlung, in der Funktion von Warnenden, Aufmunternden usw..
Bedenkt man die Kürze des Stückes, wie gesagt nur ein Einakter, genügt die Handlung vollauf. Viel mehr Konflikt - wenn überhaupt je ein solcher, man bedenke es geht um akute, aktuelle Gefahr für Frankreich - findet man in manchem Acte de Ballet auch nicht.
Was kennzeichnet das Werk?
Es gibt natürlich die bombastische Ouverture. Was anderes ist wohl nicht zu erwarten. Es haben sich von diversen großen Stars der französischen Musik der Zeit ähnlich wuchtige rein instrumentale Werke erhalten, welche die Kraft, Wut, die Entschlossenheit der Republikaner usw. ausdrücken sollten.
Sogleich wird man von einem großen Chor in die Stimmung des Werkes eingeführt. Darauf folgt ein sogar ein wenig überraschendes Rezitativ, worin der Major den Hörer in den Handlungsort (am Fluss Aisne) geleitet.
Daraufhin gibt es abwechselnd große Chöre und Arien wie Hymnen, komischerweise keine wirklichen Chants, die ich nach der Beschreibung vom Duc de Berry erwartet hätte.
Abschließend vernimmt man die bei den Franzosen so beliebten Tänze, welche die verschiedensten Völker vorstellen sollen. Solche völkertypischen Melodien liebte das Publikum offenbar - kennt man ja auch von Grétrys "La Caravanne du Caire" - Ende 2. Akt.
Die Einspielung finde ich sehr schön, da sie den wirklich originellen Charakter dieser Musik bewahrt. Am skurilsten erscheinen wohl die Tänze mit allen möglichen Instrumenten und einem wirklich ausgenommen volkstümlichen Klang.
Also irgendwie kann zumindest ich das nur mögen. Es ist unterhaltsam und man kann sich das ganze Spektakel sehr gut ausmalen.
(Und zur Propaganda: Meine Herren, da haben die Royalisten aber auch nicht viel was anderes gemacht, nur wohl besser versteckt oder wie am Ende von "Pierre le Grand" erst am Ende den Hasen aus dem Hut gelassen.
)