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Giuseppe Torelli (1658-1709) - Pionier des Violinkonzertes

Unbekannt Dienstag, 14. Dezember 2010, 13:26
Guten Tag

Giuseppe Torelli wurde am 22. April 1658 als sechstes Kind von Stefano Torelli und Anna Boninsegna in Verona geboren. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er durch regionale Musiker wie Giuliano Massaroti, sowie im Umfeld der reichhaltigen Musikpflege an der Kathedrale St. Stefano; dort ist er 1683/84 als Violinist nachweisbar. 1684 gelang es ihm die Aufnahmeprüfung in die hoch angesehene „Accademia filarmonica“ in Bologna die dort im Range einer Hofkapelle stand. Das neue Umfeld nutze er zur Vervollkommnung seiner Ausbildung, möglicherweise bei Ercole Gaibara in Violinspiel und Giacomo Antonio Perti in Komposition. In dieser Zeit komponierte er Sinfonien und Psalmvertonungen für Festveranstaltungen der Akademie. 1686 bekam er eine Festanstellung als Tenorviolaspieler in Kathedralorchester San Petronio, 1696 wurde die Domkapelle wegen Finanznot aufgelöst, Torelli war stellungslos. Im selben Jahr engagierte ihn der durch Italien reisende Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach als Konzertmeister für seine Hofkapelle, Torelli zog in die kleine fränkische Residenzstadt. Zusammen mit dem ebenfalls frisch nach Ansbach als Kapellmeister engagierten Francesco Antonio Pistocchi brachte er das dortige Konzertleben zu neuer Blüte. Seine dort 1698 entstandenen und der Kurfürstin Sophie Charlotte von Brandenburg gewidmeten „12 Concerti musicali“ op. 6 gelten als Geburtsstunde des Violinkonzertes. Die beiden befreundeten Musiker reisten viel, 1701 wechselten sie in zur wiedereröffneten und von Giacomo Antonio Perti geleitete Kapelle von San Petronio nach Bologna. Die nach der Wiedereinstellung verbliebene Zeit war seine fruchtbarste Schaffensperiode; seine Violinkonzerte, die seinen Nachruhm begründeten, entstanden in dieser Zeit. Am 8. Februar 1709 verstarb Torelli in Bologna.








Torellis Erbe trugen seine zahlreichen Schüler, darunter B. Bernadi, P. Bettinozzi, G. N. Laurenti, F. M. Manfredini und G. Pisendel weiter.
Torelli schrieb zahlreiche Sonaten, Concerti grossi und Solokonzerte, erwähnenswert auch ein Kaiser Leopold I. gewidmetes Oratorium „L`Adamo saccciato dal paradiso terrestre“. seine gedruckten Wrke sind:

1686 op. 1 Triosonaten u. op. 2 „Concerto da Camera
1687 op. 3 „sinfonie“ für 3-4 Instrumente
1688 op. 4 “Concerto da Camera” für Violine und Violoncello
1692 op. 5 “Sinfonie a 3 e concerti a 4
1698 op. 6 “Concerti musicali
1709 op. 8 “Concerti grossi” (Posthum von seinemn Bruder Felce, ein Kunstmaler, herausgegeben und dem Marchese Stefano all´Machini gewidmet).



Erstaunlich für einen Geiger sind die knapp 30 Konzerte für Trompete, 17 für eine, 23 für zwei und zwei Konzerte für vier Trompeten, Gründe dafür könnten einerseits die bis zum Beginn des 16. Jahrhundert zurückreichende Tradition der Aufführung festlicher Bläsermusik zum Fest des Schutzheiligen von Bologna sein, andererseits wurde der virtuose Trompeter Pellegrino Brandi zwischen 1679 und 1699 regelmäßig in Bologna von der Dommusik verpflichtet.
Während sich in seinem 12 “Concerti a quattro musicali” op. 6 bereits kurze Violinsoli befinden, erfolgte die Ausprägung zum Solokonzert erst in seinen 1709 erschienenen op. 8, den „Concerti con due Violini, che concertano“; Nr. 1 – 6 bzw. „Concerti con uno Violini, che concerta soli“ Nr. 7 – 12. Bekannt daraus in das Weihnachtskonzert op.8 No. 6 " ..per il Santissimo Natale".

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Dienstag, 14. Dezember 2010, 13:32
Guten Tag

an Einspielungen Torellis habe ich diese



CD mit seinem op. 6 "Concerti musical a quattro", aufgenommen von Ensemble Charivari Agreable (zu deutsch etwa „angenehmes Durcheinander" :D )
Dass Ensemble musiziert lebendig und setzt dem Gebrauch der Zeit entsprechend nach Belieben andere Instrumente wie Oboen, Blockflöten und Fagott sowie neben dem Cembalo Theorbe, Barockgitarre und eine Truhenorgel als Continuo ein. Zwei der Konzerte enthalten schon einen virtuosen Soloviolin-Part, sie können somit als die frühesten Violinkonzerte gelten.


Sein berühmtes Weihnachtskonzert op. 8, Nr. 6 "...per il Sanissimo Natale" habe ich in dieser schönen Einspielung



mit dem Ensemble il Giardino Armonico

und zwei seiner zahlreichen Trompetenkonzerte in einer vitalen Einspielung



mit dem Concerto Köln und Friedemann Immer als Solist. Der Bologneser Tropentenvirtuose Pellegrino Brandi -der wohl Torellis Trompetenpartien blies- war als vorzüglichler Clarinbläser bekannt, ob ihn heutige HIP-Trompeter das Wasser reichen können ?


Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Dienstag, 14. Dezember 2010, 19:36
Guten Abend
Erstaunlich für einen Geiger sind die knapp 30 Konzerte für Trompete, 17 für eine, 23 für zwei und zwei Konzerte für vier Trompeten, Gründe dafür könnten einerseits die bis zum Beginn des 16. Jahrhundert zurückreichende Tradition der Aufführung festlicher Bläsermusik zum Fest des Schutzheiligen von Bologna sein, andererseits wurde der virtuose Trompeter Pellegrino Brandi zwischen 1679 und 1699 regelmäßig in Bologna von der Dommusik verpflichtet.

Auch Torellis Komponistenkollegen in Bologna, wie Petri, Aldrvandini, Jacchini, D. Gabrielli oder degli Antonii bedachten den begnadeten Trompeter Giovanni Pellegrino Brandi, der laut den Rechnungsbüchern von San Petronio hohe Gagen erhielt, in ihren Orchesterwerken mit exponierten Passagen.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Mittwoch, 15. Dezember 2010, 05:41


die CD hab ich auch, finde den Titel aber ziemlich irreführend, denn mit den Brandenburgischen Konzerten haben diese Werke nicht viel zu tun.
Da werden schlicht falsche Erwartungen und Vorstellungen geweckt - finde ich nicht so gut.... aber die Aufnahme ist es dennoch.

ich habe auch noch diese hier:




alle Trompetenkonzerte auf 3 CDs in HIP - so muss das sein.

ich hab auch noch diese Aufnahme:



Ablage "M"
weiteres erspar ich.

und die herrliche Aufnahme von Standage:



Gemischtes hab ich auch noch einiges, aber die schönsten Aufnahmen die ich habe sind in jedem Falle die Trompetenkonzerte auf der 3 CD Box.
Unbekannt Mittwoch, 15. Dezember 2010, 13:51
... aber die schönsten Aufnahmen die ich habe sind in jedem Falle die Trompetenkonzerte auf der 3 CD Box.

Wer spielt denn da, und was ist alles drauf?

p.s. hat sich erledigt:

Unbekannt Mittwoch, 15. Dezember 2010, 14:02
kann man sicherlich noch besser machen, aber ich mag die Interpretationen von Vartolo sehr - die Lamenti Barocchi bei Naxos finde ich sehr gelungen, ebenso den Orfeo.

Aufnahmen in HIP mit diesen Konzerten sind ja sowieso extrem selten, meistens muss man da einen der üblichen Star Trompeter ertragen - und dass ich was in HIP haben musste, wusste ich nach dieser tollen CD:



wäre schön wenn diese Serie bei Naxos fortgesetzt werden würde, die haben ja bei Vol.V bisher Schluss gemacht.