Unbekannt
Donnerstag, 22. April 2010, 20:23
Ich muß gestehen, ich habe diese CD letztes Jahr bei Erscheinen mehr oder weniger auf Verdacht gekauft, die Hörschnipsel gefielen mir, ich mag Laute, und Lautenkonzerte erst recht - und ich wurde nicht enttäuscht. Den Namen des Komponisten hatte ich vorher noch nie gehört, in allen Musiklexika sucht man ihn vergebens. Aber er ist eine Wiederentdeckung wert, und wer es letztes Jahr versäumt hat, seinen 350. Geburtstag zu feiern, kann in diesem Jahr seinen 300. Todestag begehen.
Ferdinand Ignaz Hinterleithner wurde 1659 geboren und starb 1710 - mehr über seine Biografie konnte ich nicht herausfinden. Da sich auch das Beiheft ausschweigt, scheint es noch keine gesicherten Erkenntnisse zu geben. Seine konzertanten Kompositionen für Laute und zwei Gamben wurden 1699 in Wien gedruckt, König Joseph I. und Königin Wilhelmine Amalie gewidmet. Er muß ein sehr kompetenter Musiker gewesen sein, nach diesen Stücken zu urteilen, einzelne Werke aus diesem Druck finden sich in mehreren Sammlungen im deutschen Sprachraum - heute z.B. fand ich welche im Katalog der Musiksammlungen des Erbprinzen Friedrich Ludwig von Württemberg-Stuttgart und der Herzogin Luise Friederike von Mecklenburg-Schwerin.
Das besondere ist die konzertante Form, in der die Laute solistisch die von einer Diskantgambe verstärkten Melodien ausziert, begleitet von einer durchkomponierten Stimme für Bassgambe. Der musikalische Horizont ist denkbar weit, von Einflüssen französischer Lautenvirtuosen über neuste italienische Moden bis zu verschiedensten folkloristischen Anklängen findet sich alles, was einem weltoffenen Lautenspieler damals in Europa zur Verfügung stand.
Es sind sehr attraktive Werke - jedes mal, wenn bei Besuch diese CD im Hintergund lief, wurde ich danach gefragt. Man kann Lutz Kirchhof und seinen beiden Mitspielerinnen des Ensemble Liuto Concertato nur dankbar sein für diese Ausgrabung.
Oder hat sie hier noch ein Forumsmitglied? Lasst uns Hinterleithner feiern!
