Thematische Einführung
Das Jahr 2014 stellte für die Alte Musik einen besonders fruchtbaren Zeitraum dar, geprägt von einer lebendigen Explorationsfreude und einem kontinuierlichen Streben nach historisch informierter Aufführungspraxis. Die Schallplattenindustrie feierte eine Vielzahl bemerkenswerter Neuerscheinungen, die das Spektrum von der Ars Nova bis zum Spätbarock und frühen Klassik umspannten. Besonders im Fokus stand das 300. Geburtsjahr von Carl Philipp Emanuel Bach, dessen umfassendes Werk in zahlreichen Einspielungen neu beleuchtet und interpretiert wurde. Die musikhistorische Forschung und die praktische Ausführung befruchteten sich gegenseitig, was zu Aufnahmen führte, die nicht nur musikalisch begeisterten, sondern auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse reflektierten und verbreiteten.
Historischer Kontext & Werkanalyse
Das Interesse an der Alten Musik im Jahr 2014 war facettenreich. Ein signifikanter Trend war die Vertiefung in weniger bekannte Repertoires oder die Wiederentdeckung von Werken bekannter Meister in neuen Kontexten. Die Auseinandersetzung mit der Polyphonie der Renaissance zeigte eine zunehmende Differenzierung, weg von monolithischen Interpretationen hin zu einer Berücksichtigung regionaler Stile und Aufführungspraktiken. Im Barockbereich setzte sich die intensive Erforschung der Opern des 17. Jahrhunderts fort, während gleichzeitig das instrumentale Repertoire, oft auf der Grundlage neuer kritischer Editionen, mit frischem Elan interpretiert wurde.
Der 300. Geburtstag Carl Philipp Emanuel Bachs bildete den unbestrittenen Höhepunkt des Jahres. Seine Musik, die als Brücke zwischen der Ästhetik des Hochbarock und den Empfindungen des Sturm und Drang fungiert, wurde in ihrer ganzen stilistischen Bandbreite erforscht. Von den anspruchsvollen Cembalowerken über die innovativen Sinfonien bis hin zu den groß besetzten Oratorien offenbarten die Einspielungen C.P.E. Bach als einen Komponisten von immenser Originalität und emotionaler Tiefe, der seiner Zeit weit voraus war. Die Werkanalyse dieser Aufnahmen betonte oft die expressive Dichte, die harmonische Kühnheit und die strukturelle Freiheit, die Bachs Schaffen auszeichnen und ihn als wichtigen Vorläufer der Wiener Klassik etablieren. Die Debatten um die „wahre“ Interpretation des Empfindsamen Stils blieben dabei lebendig und führten zu einer erfreulichen Vielfalt an künstlerischen Herangehensweisen.
Bedeutende Einspielungen & Rezeption
Das Jahr 2014 brachte mehrere Einspielungen hervor, die sowohl in der Fachwelt als auch beim Publikum große Beachtung fanden und als Referenzaufnahmen gelten können:
- C.P.E. Bach: "Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu" (Oratorium) mit dem Balthasar-Neumann Ensemble & Chor unter Thomas Hengelbrock (Sony Classical):
- Josquin des Prez: "Missa Pange lingua" & Motetten mit Graindelavoix unter Björn Schmelzer (Glossa):
- Francesco Cavalli: "L'Ormindo" (Oper) mit Cappella Mediterranea unter Leonardo García Alarcón (Alpha Classics):
- "Codex Calixtinus: Pilgerlieder nach Santiago de Compostela" mit dem Sollazzo Ensemble (Ricercar):