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Der Blick ins Fachblatt: Musik-Konzepte

Unbekannt Mittwoch, 9. Juni 2010, 14:32
Die erste Ausgabe der Musik-Konzepte über Claude Debussy erschien im Herbst 1977. Die von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, zwei der angesehensten Musikwissenschaftler ihrer Generation, herausgegebene Reihe erschien anfangs mit sechs, später mit vier Nummern im Jahr, öfters erscheinen auch Doppelnummern, wenn die Beiträge zu umfangreich werden. Seit 2004 wird sie von UlrichTadday herausgegeben. Darüber hinaus erscheinen Sonderbände. Themen sind die Werke von Komponisten allgemein, oder auch spezifischer Werke oder Werkgruppen. Zwischendurch gibt es Themenbände, z.B. über Die Philosophie des Kontrapunkts. Dabei nimmt die Alte Musik einen eher geringen Anteil ein, aber die bisher erschienenen Bände behandeln dann Komponisten, über die man einzelne Biografien oder Monografien eher vergeblich sucht, oder beleuchten die Themen unter neuen Aspekten. Das Niveau ist sehr hoch, was der Reihe innerhalb weniger Jahre einen ausgezeichneten Ruf verlieh, der bis heute anhält.

Aktueller Anlass, über die Reihe zu berichten, ist das neuste Heft Nr. 148/149 über Heinrich Isaac, über den man ansonsten kaum eine nur ihm gewidmete Buchveröffentlichung finden dürfte.



Als Beispiel hier die Titel der Aufsätze über Isaac:
  • Heinrich Isaac, die Medici und andere Florentiner
  • Die Lieder Heinrich Isaacs - In aller Munde und doch ein unbekanntes Repertoire
  • "Es wollt ein Maidlein ..." - Zu einem erotischen Lied von Heinrich Isaac
  • Grundsätzliches und Spezielles zu Heinrich Isaacs cantus-firmus-gebundenen Chansonarrangements
  • Stil und Struktur in den Tenormotetten Heinrich Isaacs
  • Imitationstechniken bei Isaac
  • Vom Choral zur Polyphonie - Zu Kompositionstechniken in Isaacs Messproprien
  • "Aus einem Hauptgedanken alles Weitere entwickeln!" - Die Kanons in Isaacs Choralis Constantinus II
  • Funktion und Distanz - Heinrich Isaacs Missae de Beata Virgine in ihrem rezeptionshistorischen Kontext
  • "Hic jacet ... Isaci discipulus ..." - Heinrich Isaac als Lehrer Ludwig Senfls


Das Heft umfasst 178 Seiten und kostet bei Einzebezug € 26,00 - ein Jahresabonnement von vier Nummern kostet aktuell € 45,00 - jedes Heft enthält Informationen über die Autoren; dazu Zeittafeln, bibliografische und/oder discografische Hinweise, Werkverzeichnisse, je in unterschiedlichen Kombinationen. Ältere Nummern sind in den meisten Fällen noch erhältlich.
Unbekannt Mittwoch, 9. Juni 2010, 14:53
Die Musik-Konzepte erscheinen in der edition text + kritik in München - über jede Buchhandlung oder den Verlag direkt können die lieferbaren Titel bezogen werden.

Hier eine Liste der für die LeserInnen dieses Forums interessanten Nummern:

3 - Mozart - Ist die Zauberflöte ein Machwerk?
8 - Beethoven - Das Problem der Interpretation
17/18 - J.S. Bach - Das spekulative Spätwerk
26/27 - Josquin des Prés
41 - Joseph Haydn
42 - J.S. Bach "Goldberg-Variationen"
47 - Domenico Scarlatti
50/51 - J.S. Bach - Die Passionen
56 - Beethoven - Analecta Varia
60 - Guillaume Dufay
67/68 - Beethoven - Formale Strategien der späten Quartette
79/80 - Bach gegen seine Interpreten verteidigt
83/84 - Claudio Monteverdi - Vom Madrigal zur Monodie
86 - Palestrina - Zwischen Démontage und Rettung
87 - J.S. Bach - Der Choralsatz als musikalisches Kunstwerk
88 - Claudio Monteverdi und die Geburt der Oper
99 - W.A. Mozart - Invention und Praxis. Zum Quintett KV 452
105 - Giovanni Gabrieli - Quantus vir
107 - Perotinus Magnus
116 - Haydns Streichquartette - eine moderne Gattung
119 - J.S. Bach - Was heißt "Klang=Rede"?
131 - Händel unter Deutschen
Sonderband - Mozart: Die Da Ponte-Opern

Natürlich gibt es auch mehrere Bände über Schubert, Weber, Berlioz, Schumann, Chopin, Mendelssohn, Liszt, Wagner, Bruckner, Brahms ...
Bei Interesse kann ich gerne die Titel der Aufsätze hier posten, aber bitte nicht alle auf einmal ... künftige Neuerscheinungen aus dem Bereich Alte Musik werde ich dann hier kurz vorstellen.
Unbekannt Mittwoch, 9. Juni 2010, 18:30
8 - Beethoven - Das Problem der Interpretation
Im Mittelpunkt steht hier die Frage der Metronomisierung (alte Diskussion, die wohl noch lange nicht abgeschlossen ist). Die Autoren berufen sich auf die Arbeit von Rudolf Kolisch, deren deutsche Übersetzung es mit vielen Kommentaren und Dokumenten hier gibt:

76/77 - Rudolf Kolisch. Tempo und Charakter in Beethovens Musik

:wink:
Unbekannt Mittwoch, 9. Juni 2010, 19:38
Das Kolisch-Heft zählt leider zu den vergriffenen. Ich habe die ganze Reihe (Abo) - ich würde, pflegliche Behandlung vorausgesetzt, durchaus bei Stammtischtreffen o.ä. auch ausleihen.
Unbekannt Mittwoch, 9. Juni 2010, 20:03
Das Kolisch-Heft zählt leider zu den vergriffenen.
Stimmt: Leider kaum mehr zu bekommen. Zum Glück habe ich es mal günstig erwerben können.

Zitat

Ich habe die ganze Reihe (Abo) - ich würde, pflegliche Behandlung vorausgesetzt, durchaus bei Stammtischtreffen o.ä. auch ausleihen.
Eine schöne Offerte, danke!

Zur Reihe selbst (ich besitze so ca. 15 Hefte): Vieles finde ich bereichernd; die Qualität ist, glaube ich, unterschiedlich. Im Niveau ist mir einiges zu hoch. Vor Jahren hat mal ein Musikbuchhändler, mit dem ich gesprochen habe, behauptet, die Qualität habe nach starkem Beginn immer mehr nachgelassen. Stimmt das?

Und, lieber Michael, wie bewertest Du eigentlich den ersten Band der Reihe (1/2 Debussy)? Den kenne ich nämlich nicht. Auch Band 116 (Haydns Streichquartette) würde mich interessieren.

:wink:
Unbekannt Mittwoch, 9. Juni 2010, 20:13
Die kann ich Dir beim nächsten Stammtisch ja mal ausleihen - ich muß ja endlich mal zu meinem Apfelstrudel kommen :D - Im Debussy-Band sind u.a. hochinteressante Texte zu dem unvollendeten La chûte de la maison Usher - den Haydn-Band, muß ich gestehen, habe ich noch nicht gelesen :hide:

Das Nachlassen der Qualität kann ich so nicht bestätigen. Natürlich waren die Sachen über Beethoven und Kolisch und vieles andere der ersten 50 Bände spektakulär, aber Highlights finden sich immer wieder. Nicht jeder Komponist ist für jeden gleich interessant, und nicht jeder Band gleich gut. Die über die frühen Komponisten sind sehr speziell, aber Vergleichbares gibt es kaum. Etwas Lesenswertes gibt es in jedem Band.
Unbekannt Mittwoch, 9. Juni 2010, 20:21
Ein persönliches Highlight ist für mich der Scarlatti-Band:



Inhalt:
- Barbara Zuber: Wilde Blumen am Zaun der Klassik. Das spanische Idiom in Domenico Scarlattis Klaviermusik
- Heinrich Schenker: Zwei Sonaten Domenico Scarlattis
- Peter Böttinger: F. 244 - 4 Annäherungen an eine Sonate

So was Kluges wie Barbara Zubers Aufsatz habe ich nie wieder über die Cembalosonaten gelesen!
Unbekannt Mittwoch, 9. Juni 2010, 22:10
So was Kluges wie Barbara Zubers Aufsatz habe ich nie wieder über die Cembalosonaten gelesen!


Es gibt ja auch kaum was zu lesen darüber. :D

Meine Empfehlung - hier auch schon an entsprechender Stelle: Band 42 über die Goldbergvariationen.
Unbekannt Donnerstag, 26. August 2010, 00:14
Der neuste Band ist einem der vielen vor den Nazis geflohenen Komponsiten gewidmet, Stefan Wolpe - natürlich keine Alte Musik, aber wer sich für ihn interessiert, wird hier mit vielen erstmals ins Deutsche übersetzten Originaltexten belohnt - von einem Nachlassen der Qualität in dieser Reihe kann keine Rede sein!

Unbekannt Samstag, 25. Dezember 2010, 16:00
Der Sonderband des Jahres 2011 ist für den Kontext der Auseinandersetzung mit Bach und den Folgen für das heutige Kulturbewusstsein höchst interessant:

Unbekannt Sonntag, 26. Dezember 2010, 08:08
[...] Kontext der Auseinandersetzung mit Bach und den Folgen für das heutige Kulturbewusstsein [...]
Klingt spannend. Wie allgemeinverständlich (natürlich ein relativer Begriff) ist das Ganze denn geschrieben? (Ebenda habe ich bei den Musik-Konzepten manchmal meine Probleme.)

:wink:
Unbekannt Sonntag, 26. Dezember 2010, 11:19
Das Buch liegt hier und wartet gelesen zu werden ....
Unbekannt Sonntag, 26. Dezember 2010, 13:35
Das Buch liegt hier und wartet gelesen zu werden ....
Dann grüße es bitte herzlich von mir: Es möge geduldig sein und Dich dereinst erfreuen und bereichern... ;)

:wink:
Unbekannt Sonntag, 26. Dezember 2010, 19:50
Danke - es wartet auch darauf, an Dich ausgeliehen zu werden ... :yes:
Unbekannt Montag, 7. Februar 2011, 09:23
Lieber Michael,

bist Du inzwischen schon dazu gekommen, ein, zwei Blicke ins Buch zu werfen? Immerhin geht es dort "um die Frage, weshalb "Kontrapunkt" in der Tradition Bachs [...] zu einer Größe, die über die Generationen hinweg bis auf den heutigen Tag zu philosophischen Deutungen eingeladen hat und einlädt", geworden ist (Klappentext, Quelle: JPC). Das finde ich spannend, zumal wenn nicht die musikalische Analyse im Vordergrund steht (wie funktioniert Kontrapunkt?), sondern die, sagen wir, musikphilosophische Frage selbst (was bedeutet Kontrapunkt?).

Der hohe Preis (EUR 28,-) hält mich vom Kauf (vorerst) ab.

:wink:
Unbekannt Dienstag, 29. März 2011, 13:05
Ich lese gerade den eröffnenden Beitrag von Martin Geck: Concordia discors. Bachs Kontrapunkt gegen die Pythagoreer unter seinen Liebhabern verteidigt - das ist schon mal sehr lesenswert und versucht, die Polarisierungen in der Bach-Diskussion zu überwinden. Ich werde Dir den Band beim nächsten Treffen in Frankfurt mitbringen. Vielleicht insgesamt etwas sehr speziell ...
Unbekannt Dienstag, 29. März 2011, 17:47
Ich werde Dir den Band beim nächsten Treffen in Frankfurt mitbringen.
Ja, gern! :)

Den Aufsatz von Martin Geck finde auch ich hochinteressant, auch wenn der Gedanke bei den anderen Autoren anscheinend nicht so recht weiterverfolgt wird.

Lesenswert auch die Aufsätze über Schönberg (W. Rathert) und zu den Kontrapunkt-Ansätzen bei A. Halm (L. Rothfarb) und E. Kurth (L. Schader), auch wenn ich da einiges nicht verstehe... Speziell ist das alles in der Tat! :wacko:

:wink: