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Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen

Unbekannt Sonntag, 20. Juni 2010, 21:54
Servus,

das Ensemble Weser-Renaissance Bremen widmet sich der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts, also einer Zeit, in der mit dem Übergang zwischen Renaissance und Barock eine der aufregendsten Veränderungen in der Musik stattfand. Gelegentlich gibt's auch Abstecher in das 18. Jahrhundert, z.B. wie z.B. eine Konzertreihe von 2007/08, die der Barockmusik aus Hamburg gewidmet war und die diskographisch u.a. mit der Aufnahme von Telemanns Bürger-Capitäns-Musik 1744 dokumentiert ist.

Mit Manfred Cordes, dem Gründer und Leiter des Ensembles, steht eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Bremer Musikszene am Pult. Er ist nicht nur Professor für diverse musiktheoretische Fächer sowie Ensemble an der Hochschule für Künste Bremen, sondern seit 2007 auch der Rektor dieser Institution. Doch er ist jedoch nicht nur theoretisch bewandert, sondern kennt als Posaunist, Sänger und Continuospieler auch die praktische Seite sehr gut. Und schließlich gilt er als ausgesprochener Kenner der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Beste Voraussetzungen also für die Wiederbelebung längst vergessener Werke.


Bereits im Jahr der Gründung des Ensembles Weser-Renaissance Bremen, nämlich 1993, wurde für cpo die erste Plattenaufnahme gemacht, eine CD mit dem Titel "The Spirit of the Renaissance, von Josquin des Prez zu Hans Leo Hassler". Diesem Label ist man bis heute treu geblieben, und seither erschienen dort rund 30 CDs. Und auf der homepage des Ensembles sind derzeit 4 weitere Aufnahmen gelistet, die in Vorbereitung sind. Ein hoch aktives Ensemble also. Schwerpunkte sind dabei das Oeuvre von Heinrich Schütz und die Musik aus den großen Hansestädten.

Die Vokal- und Instrumentalbesetzung variiert von Mal zu Mal, je nach den Anforderungen der Werke. Bei älterer Musik wird man eher Blasinstrumente, Zinken, Posaunen, Dulziane etc. antreffen, bei barocker Musik mehr Streicher und abwechslungsreich besetztes Continuo.

Ohne jetzt schon auf einzelne Aufnahmen speziell eingehen zu wollen, so kann ich generell alle Aufnahmen des Ensembles wärmstens empfehlen. Die musikalische Qualität ist durchweg Spitzenklasse. Und vor allem Entdecker, die vor unbekannten Komponistennamen nicht zurückschrecken, kommen voll auf ihre Kosten. Sehr hilfreich sind auch die informativen und gut geschriebenen Texte in den CD-Beiheften, die Cordes üblicherweise selbst verfasst.

Wer also auf musikalische Entdeckungsreise an die Grenze zwischen Renaissance und Barock gehen möchte, für den ist das Ensemble Weser-Renaissance eine der allerersten Adressen.


Eine homepage hat das Ensemble mittlerweile auch...


herzliche Grüße,
Thomas
Unbekannt Montag, 21. Juni 2010, 09:57
Guten Tag

eine Sternstunde der vielen musikalischen Endeckungen des Ensemble ist diese CD




mit dem Titel "Friedens-Seufftzer und Jubel-Geschrey" mit Musik zum Westpfälischen Frieden 1648.
Der Titel wirft ein anschauliches Bild auf die Gefühlszustände der Menschen und ihrer Friedenssehnsucht in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Auf den beiden Scheiben sind bekannte und weniger bekannte Werke von J. Schop, M. Jacobi, H. Schütz, S-E. von Braunschweig-Wolfenbüttel, J. Stobaeus, A. Hammerschmidt, H. Albert, Th. Selle und anonymer Meister zu hören.
Erwähnenswert das sehr informative Booklet.


Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Samstag, 17. Juli 2010, 22:51
Hallo,

eine CD, die mir sehr gut gefällt, ist diese:



Das Ensemble Weser Renaissance spielt die Motetten Hasslers auf verschiedene in der damaligen Aufführungspraxis denkbare Weisen, da keine Besetzungsangaben überliefert sind: Einige Motetten werden mit Chor a capella oder Chor + Orgel interpretiert, andere mit Gesangssolist und kleinem Instrumentalensemble, wieder andere in großer Besetzung Chor + gemischtes Streicher-/ Bläserensemble.
Dazwischen sind noch einige Orgelwerke Hasslers eingespielt.
Das alles macht die CD sehr abwechslungsreich und interessant zu hören. Am besten gefällt mir die Motette "Ad Dominum cum tribularer" - ob das daran liegt, daß sie a capella gesungen wird, wie ich es von den Frankoflamen her gewöhnt bin, oder ob sie musikalisch an sich herausragend ist, sei dahingestellt.

Manfred Cordes hat noch mit einem anderen Bremer Barockensemble Werke dieser Zeit für CPO aufgenommen, nämlich mit dem Bremer Barock Consort. Auch die spielen / singen sehr überzeugend (ich kenne die Praetorius-Weihnachtsmusik-CD). Da kann sich Bremen freuen über gleich zwei solcher Ensembles!

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Samstag, 17. Juli 2010, 23:01
Kann noch jemand etwas über die Schütz-Reihe von Weser Renaissance schreiben? Ich selbst habe und kenne die Geistliche Chormusik 1648 und finde sie mindestens gut gelungen. Interessieren würden mich noch z.B. diese CDs hier:



Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Freitag, 23. Juli 2010, 23:49
Kann noch jemand etwas über die Schütz-Reihe von Weser Renaissance schreiben?
Neben der Geistlichen Chormusik



habe ich noch die Cantiones sacrae



und die Kleinen Geistlichen Konzerte:



Gesungen wird immer solistisch, was sich bei den Kleinen Geistlichen Konzerten durch den Zweck (Werke in kleiner Besetzung für die dezimierten Hofkapellen während des 30-jährigen Krieges) und bei den Cantiones sacrae durch die besondere Expressivität und die gesanglichen Schwierigkeiten begründen lässt. Bei der Geistlichen Chormusik finde ich die solistische Besetzung und auch das häufige Ersetzen von Sängern durch Instrumente weniger überzeugend; mir scheint, dass Schütz diese Werke auf einen volleren Chorklang hin komponiert hat. Das mag Geschmackssache sein, es gibt sicher auch gute Argumente für solistische Besetzung und Instrumente.

Die Auferstehungshistorie habe ich auch - die beste Aufnahme, die ich kenne.

Weser-Renaissance ist meiner Meinung nach eines der besten Ensembles für diese Musik. Es wäre wünschenswert, wenn sie nach den Musikalischen Exequien auch noch die Psalmen Davids und die Symphoniae sacrae aufnehmen würden...

Viele Grüße,
Andreas
Unbekannt Samstag, 24. Juli 2010, 19:12
Guten Tag
Interessieren würden mich noch z.B. diese CDs hier:






Ich habe beide Einspielungen und höre sie gerne :yes:

Die "Historia der Auferstehung" ist eine vollendete Aufnahme, der Evangelist H.J. Mammel meistert souverän die rezitativischen Teile, die weiteren Solisten singen sehr transparent, die vier Gamben und der B.c. begleiten gediegen.

Reizvoll auch die Einspielung der weltlichen Werke von Schütz mit der Vertonung echt barocker Texte wie z.B. "Freue dich des Weibes deiner Jugend", "Haus und Güter erbet man von Eltern" oder "Wohl dem der ein tugendsam Weib hat" oder auch "Vier Hirtinnen gleich jung, gleich schön" :D . Wechselnde Besezungen mit Zinken und Posaunen, Streich- und Zupfinstrumente machen das Anhören der nicht gerade zu den allerbesten Werke Schütz gehörenen Liedchen kurzweilig.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Samstag, 24. Juli 2010, 19:31
Es wäre wünschenswert, wenn sie nach den Musikalischen Exequien auch noch die Psalmen Davids und die Symphoniae sacrae aufnehmen würden...

:yes:

(eigentlich haben sie einige Stücke von op.2 (Psalmen Davids) der Mus. Exequien-Aufnahme schon mitgegeben, was mir Zweifel macht, ob sie eine Gesamtaufnahme planen...)

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Samstag, 24. Juli 2010, 19:39
Guten Tag

erwähnenswert auch die verdienstvollen Aufnahmen des Ensemble im Rahmen der Reihe " Musica Sacra Hamburgensis - Wiederentdeckungen Hamburger Kirchenmusik 1600-1800".

Hier hat die Weser-Renaissance Motetten von Hieronymus Praetorius



aus seinem fünfbändige "Opus musicum" -entstanden zwischen 1599 und 1625- die als frühste in Hamburg veröffentlichte Sammlung mit polyphoner Kirchenmusik gilt, und eine faszinierende Mischung aus alten und neuen Stilen darstellt, mustergültig eingespielt.

Auch Thomas Selles "Historia der Auferstehung" hat sich das Ensemble angenommen:



Das Hauptwerk der CD "Die Aufferstehung Christi nach den 4 Evangelien mit 8 und 14 Stimmen zum Basso Continuo in Concerto" mit einer stattliche Anzahl von 20 Mitwirkenden -sieben solistisch und zugleich chorisch eingesetzte Vokalstimmen, sechs Streicher sowie vier Bläser und eine abwechselnd besetzte Generalbaßgruppe mit Chitarrone, Harfe, Orgelpositiv und Regal- zelebriert das Ensemble als frische und lebendige Ostermusik.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 25. Juli 2010, 02:52

Gesungen wird immer solistisch, was sich bei den Kleinen Geistlichen Konzerten durch den Zweck (Werke in kleiner Besetzung für die dezimierten Hofkapellen während des 30-jährigen Krieges) und bei den Cantiones sacrae durch die besondere Expressivität und die gesanglichen Schwierigkeiten begründen lässt. Bei der Geistlichen Chormusik finde ich die solistische Besetzung und auch das häufige Ersetzen von Sängern durch Instrumente weniger überzeugend; mir scheint, dass Schütz diese Werke auf einen volleren Chorklang hin komponiert hat. Das mag Geschmackssache sein, es gibt sicher auch gute Argumente für solistische Besetzung und Instrumente.

In der 2008 erschienenen Festschrift zur Wiederweihe der restaurierten Stellwagen-Orgel in der Marienkirche zu Stralsund findet sich ein Aufsatz von Klaus Eichhorn: Musikemporen und Norddeutsche Mehrchörigkeit - eine aufführungspraktische Spurensuche. Es geht um die Orgelemporen in einigen norddeutschen Kirchen, die auf eine mehrchörige Musizierpraxis schließen lassen, mit der venezianischen Musik als Einfluß, aber nicht einziges Vorbild. In seinen Schlussgedanken schreibt er:

Zitat

Alle Indizien miteinander kombiniert ergeben ein schlüssiges Bild einer zu Unrecht verloren gegangenen Musikpraxis. Die heutige kirchenmusikalische Praxis hat bislang wenig Notiz genommen von der Quantität und Qualität der Mehrchörigkeit. Wie kommt es zu diesem offensichtlichen Versäumnis? Die Ursachen liegen in dem uns durch missverstandene "A-cappella-Ideologie" eingepflanzten Chorverständnis. "Chor" ist landläufig vier-, vielleicht ausnahmsweise fünf- bis sechsstimmig; jede Stimmzahl-Erhöhung bis hin zur Achtstimmigkeit und darüber hinaus stelt eine Anforderung dar, der eine durchschnittliche Kantorei nicht gewachsen ist. Das Missverständnis liegt allerdings darin, dass an eine rein vokale Ausführung und Chorstimmen-Vielfachbesetzung im 17. Jahrhundert nicht im Geringsten gedacht wurde. Im Regelfall wurde jede Stimme nur einfach, vokal oder instrumental gemischt besetzt, in begründeten Sonderfällen verstärkt (mit Tutti/Ripieno) durch eine geringstimmig bestückte Capella. Für Ensemble-Stärken dieser Größenordnung boten die beschriebenen Emporen Platz, nicht hingegen für die seit dem Caecilianismus zahlenmäßig stark angewachsenen Massenchöre.

Die Präferenz der solistischen Besetzung liegt in solcher Forschungsarbeit begründet.
Unbekannt Dienstag, 27. Juli 2010, 11:46
Guten Tag

An weitere hörenswerte Einspielungen des Ensembles habe ich noch dieses



Aufnahme der Rekonstruktion einer " Vespro della Maria Vergine " von Orlando di Lasso. Den sieben Singstimmen steht eine mit Zink, Posaunen und Dulzian bestehende Instrumentalgruppe gegenüber, die einen guten Eindruck der festlichen Kirchenmusik am Münchner Hof vermitteln.

"Madrigali e Canzonen " von Andrea Gabrielis enthält diese



CD. Abwechslungsreich konzertieren die acht Sänger mit Zinken und Posaunen, Harfen und Lauten, mal in kleiner, mal in großer Besetzung diese großartige Musik der italienischen Spätrenaissance.

"Marienmotetten" von Iacobus Regnart, wie sie am Innsbrucker Hof aufgeführt wurden, sind auf dieser



CD eingespielt, hier ist jede Stimme einzel besetzt und werden von einem stimmig klingenden kleinen Instrumentalensemble begleitet.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Dienstag, 27. Juli 2010, 18:38

Zitat

Für Ensemble-Stärken dieser Größenordnung boten die beschriebenen Emporen Platz, nicht hingegen für die seit dem Caecilianismus zahlenmäßig stark angewachsenen Massenchöre.

(Zitat aus dem Aufsatz von Klaus Eichhorn)

Man muss ja nicht gleich von einem Extrem ins andere verfallen - wenn man die Instrumentalisten zuhause liesse, wäre wohl auch Platz für einen Kammerchor mit drei bis vier Sängern pro Stimme. Cordes will die Chorsätze abwechslungsreicher gestalten, indem er Sänger durch Instrumente ersetzt (auch dort, wo Schütz es nicht vorgeschrieben hat). Ein Kammerchor dagegen kann allein schon durch wechselnde Besetzungsstärke für Abwechslung sorgen. Davon abgesehen braucht man (zumindest nach heutigen Qualitätsmaßstäben) für eine solistische Besetzung erstklassige Berufssänger - hatte man die damals überall in den Kirchen zur Verfügung?

Viele Grüße,
Andreas
Unbekannt Dienstag, 27. Juli 2010, 19:40
hatte man die damals überall in den Kirchen zur Verfügung?

Nicht überall, aber in Dresden schon... :hide:
Unbekannt Dienstag, 27. Juli 2010, 21:21
Guten Abend

Ein Kammerchor dagegen kann allein schon durch wechselnde Besetzungsstärke für Abwechslung sorgen.
Schütz macht im Vorwort zu seinen "Psalmen David" einige interessante Anmerkungen:

- 1. Müssen die Cori favoriti von den Capellen wohl unterschieden werden. Cori favoriti werden von mir diejenigen Chöre und Stimmen genannt, welche der Kapellmeister am meisten favorisieren und aufs beste und lieblichste anstellen soll, hingegen die Capellen zum starken Getön und zur Pracht eingeführet werden. Deswegen denn der Organist diese terminos, wie sie im Basso continuo zu finden, in acht nehmen und die Orgel mit guter Diskretion bald still, bald stark registrieren wolle.
- 2 In Disposition und Anordnung der Capellen, die zweichörig, kann man darauf achten, daß die Chöre kreuzweise gestellt werden und daß Capella 1 dem anderen Coro favorito und Capella 2 dem ersten am nächsten sei, so werden die Capellen den gewünschten Effekt erreichen.“


Gruß aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Dienstag, 27. Juli 2010, 21:38
Guten Abend
hatte man die damals überall in den Kirchen zur Verfügung?

Nicht überall, aber in Dresden schon...
Dass dies teuer und schwierig sei, bemerkte Schütz schon 1641 in einem "Postscritum betreffend die Restaurierung oder Wiederanrichtung der Hofkapelle" zu Dresden:

„…nicht das ganze Corpus musicum zugleich auf einmal, sondern successive nacheinander und zwar in drei Companeyen anrichten […]

Nämlich 1. Die Compagney der Capellknaben oder Diskantisten,

[…]

3. Der Vokalisten oder Sänger. Und zwar zu den zwei Ersten würden unschwer, wohl auch mit leidlichen Unkosten zu gelangen sein. Mit der dritten Companey aber, nämlich der Sänger würde es etwas schwerer hergehen, weil man dieselben außer Landes, vielleicht auch zum Teil gar unter den Italienern würde suchen müssen. Und wenn nur den ersten zwei Gesellschaften wieder aufgeholfen werden möchte, würden Ihre Durchlaucht alsbald einen rühmlichen Anfang zu einem neuen Corpore musico zu vermerken haben.
"

Ob sich in solch unsicheren Zeiten in Italien Sänger fanden ?
Gruß :wink:
aus der Kurpfalz
Bernhard
Unbekannt Dienstag, 27. Juli 2010, 22:10
Dass gute Sänger gefragt und nicht im Überfluß vorhanden waren, kann man allenthalben lesen, ich stolpere immer wieder über entsprechende Stellen, und die Abwerbepraxis mancher Komponisten und Musikdirektoren spricht für sich.
Unbekannt Mittwoch, 28. Juli 2010, 12:44
Guiten Tag
Dass gute Sänger gefragt und nicht im Überfluß vorhanden waren, kann man allenthalben lesen, ich stolpere immer wieder über entsprechende Stellen, und die Abwerbepraxis mancher Komponisten und Musikdirektoren spricht für sich.

Nicht abgeworben, aber ausgeliehen hat sich Schütz im Juli 1642 Sänger aus Leipzig für die Musik zur Taufe des ersten Kurfürstenkindes. Da in Dresden nur ein einziger Diskantis, ein alter Mann, ein Unbenannter und nur drei erfahrene Sänger zur Verfügung standen, bat Schütz den Kurfürsten zu veranlassen, dass dieser "Vom [Thomas-] Kantor darselbst, zwei oder nur einen seiner besten Diskantisten erlange und um Praktizierung der Stücke baldigs [nach Dresden] schicke". Schütz selbst wollte seine persönlichen Beziegungen zu "obdachten Kantor" in dieser Sache spielen lassen.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Mittwoch, 28. Juli 2010, 12:50
Nicht abgeworben, aber ausgeliehen hat sich Schütz im Juli 1642 Sänger aus Leipzig für die Musik zur Taufe des ersten Kurfürstenkindes. Da in Dresden nur ein einziger Diskantis, ein alter Mann, ein Unbenannter und nur drei erfahrene Sänger zur Verfügung standen, bat Schütz den Kurfürsten zu veranlassen, dass dieser "Vom [Thomas-] Kantor darselbst, zwei oder nur einen seiner besten Diskantisten erlange und um Praktizierung der Stücke baldigs [nach Dresden] schicke". Schütz selbst wollte seine persönlichen Beziegungen zu "obdachten Kantor" in dieser Sache spielen lassen.

Da nimmt es auch kein Wunder, dass Schütz die Geistliche Chor-Musik dem Leipziger Thomaschor gewidmet hat.

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Mittwoch, 28. Juli 2010, 21:37
Hallo!

Die Diskussion gerät ein wenig ins Off-Topic hinein...

Dieses Thema bitte, falls erforderlich, in einem eigenen thread fortsetzen.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Montag, 2. August 2010, 11:30
Um wieder zum Thema zurückzukommen: Sehr empfehlenswert ist diese Aufnahme



mit der Vertonung der sieben Bußpsalmen durch den Schütz-Zeitgenossen Melchior Franck (1580-1639), meines Wissens die einzige Aufnahme dieser sechsstimmigen Werke.

Viele Grüße,
Andreas
Unbekannt Montag, 2. August 2010, 11:49
Wer zu Weihnachten etwas anderes als Bachs Weihnachts-Oratorium hören möchte, dem sei diese CD wärmstens empfohlen:



Die kühne Chromatik von di Lassos "Prophetiae Sibyllarum" wirkt selbst auf den heutigen Hörer noch atemberaubend, dazu gibt es weitere Motetten über weihnachtliche Texte.

Sehr empfehlenswert ist auch ein Werkzyklus eines weiteren Schütz-Zeitgenossen: Johann Hermann Scheins "Israels Brünnlein", eine Sammlung von 26 fünfstimmigen geistlichen Madrigalen mit Basso continuo. Vermischter Stil einmal anders: deutsch-niederländischer Motettensatz mit der Expressivität italienischer Madrigale.



Viele Grüße,
Andreas