Unbekannt
Samstag, 26. Februar 2011, 17:52
1. Literatur:
Älteren Datums:
Hans Uldall: Das Klavierkonzert der Berliner Schule, 1928, Breitkopf & Härtel (noch heute unerlässlich);
Arnold Schering: Geschichte des Instrumentalkonzerts, 1905, Breitkopf & Härtel;
Hans Engel: Das Instrumentalkonzert, 1932 Breitkopf&Härtel.
Neueren Datums:
Arnfried Edler: Gattungen der Musik für Tasteninstrumente, 2003, Laaber-Verlag.
2. Einleitung
Das Konzert für Tasteninstrumente war im 18. Jhdt. ein Nachzügler. Konzerte für Streich-, Blasinstrumente gab es, gleich ob als „Concerti grossi“ (also mehrere Soloinstrumente) oder als Solokonzert. Woran könnte das gelegen haben? Einige Gründe:
- Tasteninstrumente hatten eine relativ festgelegte Funktion: die Orgel in der Kirche, sei es als Soloinstrument (für Eingang, Ausgang, Choralvorspiele) oder als Continuoinstrument. Ein Konzert für Orgel war als Figuralmusik nicht vorgesehen. Eine ähnliche Situation gab es an den Höfen und/oder Opern: das Tasteninstrument hatte seinen Platz am Continuo. Das Tasteninstrument im Haus, gleich ob Hof, adliges Schloss oder mehr oder weniger wohlhabender Bürger war ausschließlich ein Instrument zur privaten, spielenden „Gemütsergötzung“, zum Üben, zur Beschäftigung mit Musik. Zuhörer waren eher zufällig und auch nicht vorgesehen. Der „Solo-Klavier-Abend“ in einem Konzertsaal, gegen Entgeld, mit einem Tasten-tractierenden „einmaligen Klavierlöwen“ ist eine Erfindung des 19. Jhdts.
- Selbst, wenn ein derartiges Konzert gewollt worden wäre, die Tasteninstrumente (außer der Orgel) hatten nicht das erforderliche Klangvolumen, um in einem Saal vor vielen Menschen solo oder als Konzertinstrument im Wettstreit mit einem (noch so schwach besetztem) Orchester zu bestehen. Das Clavichord sowieso nicht, und auch das einmalige Cembalo mit 2 8-Füßen war chancenlos.
Im ersten Drittel des 18. Jhdts setzte jedoch eine „Bewegung“ ein, die man Neudeutsch als „Clavieremanzipation“ bezeichnen könnte. Sie hängt eng mit dem sich in kürzester Zeit exponential steigernden Notendruck zusammen. Plötzlich hatten Liebhaber käufliches „Spielmaterial“ zur Hand, das Interesse am Clavier stieg sehr schnell an. Mattheson schreibt in seinem „Der musikalische Patriot“ (Hamburg, 1728): „ ..über funffzig sogenannte Meister (Laquaien ungerechnet) informiren in dieser Stadt allein auf dem Clavier..“. Oder J.A.Hiller in „Wöchentliche Nachrichten und Anmerkungen, die Musik betreffend“, Leipzig, 1766: „das gangbarste und unter den Liebhabern bekannteste Instrument ist das Clavier; es übertrifft daher die Menge der Sachen, die für dasselbe geschrieben, gedruckt und gestochen sind, alles, was die Musik in andern Fächern für sich aufzuweisen hat“.
Hand in Hand mit dem steigenden Claviernotendruck, und damit rasant steigendem Interesse am Clavier, ging der Instrumentenbau, vornehmlich in Mittel/Norddeutschland: die Cembali werden sehr viel häufiger 2-manualig verlangt und ausgelegt, oft zusätzlich mit einem 16-Fuß ausgerüstet, das Klangvolumen dadurch erheblich verstärkt. Damit war ein „Konzert-fähiges“ Instrument verfügbar, welches den wachsenden Hörerbedarf befriedigen konnte.
Hinzu kommt die wachsende Anzahl an „öffentlichen“ Konzerten, sei das in „Coffeehäusern“ oder angemieteten Sälen, in denen der
Liebhaber als Hörer dabei sein konnte, und der verlangte, dass „sein“ Instrument auch konzertant auftritt. Damit war aber auch klar, dass
Clavierkonzerte nicht mehr für „Kenner und Liebhaber“ komponiert wurden, sondern für „Virtuosen“, welche dem Liebhaber zeigten, was alles auf dem Instrument möglich sein kann, für den Liebhaber jedoch nur mehr hörend (und zahlend).
Die Komponisten, vornehmlich in Mittel/Norddeutschland, haben diese Entwicklung sicherlich aufmerksam beobachtet, und schnell darauf reagiert, sei es aus Eigenbedarf und/oder für Söhne/Schüler (wie bei JSB), oder aus weiteren Gründen. Wie dem auch sei, das Clavierkonzert war da. JS Bach hatte ja schon einen „Vorversuch“ in Köthen mit dem 5. Brandenburgischen Konzert unternommen, hier noch mit weiteren konzertierenden Instrumenten. Jedoch wird die Öffentlichkeit auf den Hof beschränkt gewesen sein. Sicherlich wird er sich an diesen Versuch in den späten 1730ern erinnert und ihn auch aufgeführt haben.
Da in dem Forum die Clavierkonzerte JS Bachs und WF Bachs schon behandelt werden, kommen in den nächsten Folgen diese Konzerte nur ggfls. als Vergleich in Betracht. Hauptaugenmerk werden die Clavierkonzerte CPE Bachs, Komponisten der Berliner Schule wie Schaffrath und Nichelmann sein, um dann weiter auszugreifen in Richtung Dresden und Riga (Goldberg und Müthel). Den Abschluss bilden dann die Konzerte von JCF Bach, mit dem dann das Mittel/Norddeutsche Clavierkonzert zu Ende geht.
Selbstverständlich werden zum besseren Verständnis des Ganzen auch entsprechende CD-Hinweise gebracht.
Älteren Datums:
Hans Uldall: Das Klavierkonzert der Berliner Schule, 1928, Breitkopf & Härtel (noch heute unerlässlich);
Arnold Schering: Geschichte des Instrumentalkonzerts, 1905, Breitkopf & Härtel;
Hans Engel: Das Instrumentalkonzert, 1932 Breitkopf&Härtel.
Neueren Datums:
Arnfried Edler: Gattungen der Musik für Tasteninstrumente, 2003, Laaber-Verlag.
2. Einleitung
Das Konzert für Tasteninstrumente war im 18. Jhdt. ein Nachzügler. Konzerte für Streich-, Blasinstrumente gab es, gleich ob als „Concerti grossi“ (also mehrere Soloinstrumente) oder als Solokonzert. Woran könnte das gelegen haben? Einige Gründe:
- Tasteninstrumente hatten eine relativ festgelegte Funktion: die Orgel in der Kirche, sei es als Soloinstrument (für Eingang, Ausgang, Choralvorspiele) oder als Continuoinstrument. Ein Konzert für Orgel war als Figuralmusik nicht vorgesehen. Eine ähnliche Situation gab es an den Höfen und/oder Opern: das Tasteninstrument hatte seinen Platz am Continuo. Das Tasteninstrument im Haus, gleich ob Hof, adliges Schloss oder mehr oder weniger wohlhabender Bürger war ausschließlich ein Instrument zur privaten, spielenden „Gemütsergötzung“, zum Üben, zur Beschäftigung mit Musik. Zuhörer waren eher zufällig und auch nicht vorgesehen. Der „Solo-Klavier-Abend“ in einem Konzertsaal, gegen Entgeld, mit einem Tasten-tractierenden „einmaligen Klavierlöwen“ ist eine Erfindung des 19. Jhdts.
- Selbst, wenn ein derartiges Konzert gewollt worden wäre, die Tasteninstrumente (außer der Orgel) hatten nicht das erforderliche Klangvolumen, um in einem Saal vor vielen Menschen solo oder als Konzertinstrument im Wettstreit mit einem (noch so schwach besetztem) Orchester zu bestehen. Das Clavichord sowieso nicht, und auch das einmalige Cembalo mit 2 8-Füßen war chancenlos.
Im ersten Drittel des 18. Jhdts setzte jedoch eine „Bewegung“ ein, die man Neudeutsch als „Clavieremanzipation“ bezeichnen könnte. Sie hängt eng mit dem sich in kürzester Zeit exponential steigernden Notendruck zusammen. Plötzlich hatten Liebhaber käufliches „Spielmaterial“ zur Hand, das Interesse am Clavier stieg sehr schnell an. Mattheson schreibt in seinem „Der musikalische Patriot“ (Hamburg, 1728): „ ..über funffzig sogenannte Meister (Laquaien ungerechnet) informiren in dieser Stadt allein auf dem Clavier..“. Oder J.A.Hiller in „Wöchentliche Nachrichten und Anmerkungen, die Musik betreffend“, Leipzig, 1766: „das gangbarste und unter den Liebhabern bekannteste Instrument ist das Clavier; es übertrifft daher die Menge der Sachen, die für dasselbe geschrieben, gedruckt und gestochen sind, alles, was die Musik in andern Fächern für sich aufzuweisen hat“.
Hand in Hand mit dem steigenden Claviernotendruck, und damit rasant steigendem Interesse am Clavier, ging der Instrumentenbau, vornehmlich in Mittel/Norddeutschland: die Cembali werden sehr viel häufiger 2-manualig verlangt und ausgelegt, oft zusätzlich mit einem 16-Fuß ausgerüstet, das Klangvolumen dadurch erheblich verstärkt. Damit war ein „Konzert-fähiges“ Instrument verfügbar, welches den wachsenden Hörerbedarf befriedigen konnte.
Hinzu kommt die wachsende Anzahl an „öffentlichen“ Konzerten, sei das in „Coffeehäusern“ oder angemieteten Sälen, in denen der
Liebhaber als Hörer dabei sein konnte, und der verlangte, dass „sein“ Instrument auch konzertant auftritt. Damit war aber auch klar, dass
Clavierkonzerte nicht mehr für „Kenner und Liebhaber“ komponiert wurden, sondern für „Virtuosen“, welche dem Liebhaber zeigten, was alles auf dem Instrument möglich sein kann, für den Liebhaber jedoch nur mehr hörend (und zahlend).
Die Komponisten, vornehmlich in Mittel/Norddeutschland, haben diese Entwicklung sicherlich aufmerksam beobachtet, und schnell darauf reagiert, sei es aus Eigenbedarf und/oder für Söhne/Schüler (wie bei JSB), oder aus weiteren Gründen. Wie dem auch sei, das Clavierkonzert war da. JS Bach hatte ja schon einen „Vorversuch“ in Köthen mit dem 5. Brandenburgischen Konzert unternommen, hier noch mit weiteren konzertierenden Instrumenten. Jedoch wird die Öffentlichkeit auf den Hof beschränkt gewesen sein. Sicherlich wird er sich an diesen Versuch in den späten 1730ern erinnert und ihn auch aufgeführt haben.
Da in dem Forum die Clavierkonzerte JS Bachs und WF Bachs schon behandelt werden, kommen in den nächsten Folgen diese Konzerte nur ggfls. als Vergleich in Betracht. Hauptaugenmerk werden die Clavierkonzerte CPE Bachs, Komponisten der Berliner Schule wie Schaffrath und Nichelmann sein, um dann weiter auszugreifen in Richtung Dresden und Riga (Goldberg und Müthel). Den Abschluss bilden dann die Konzerte von JCF Bach, mit dem dann das Mittel/Norddeutsche Clavierkonzert zu Ende geht.
Selbstverständlich werden zum besseren Verständnis des Ganzen auch entsprechende CD-Hinweise gebracht.