Alte Musik Forum

ALTE MUSIK FORUM

Digitales Archiv & Expertenwissen

Das Ballet de Cour und der Tanz im Barock

Unbekannt Montag, 3. August 2009, 17:06
Viele Legenden ranken sich um das barocke Hofballett.
Durch Kostümfilme wurde auch ein teilweise eher suspektes Bild dieser großen Veranstaltungen vermittelt.
Auch haben immens viele Vorurteile dazu geführt, das man das gesamte Genre vernachlässigte, die Werke schlecht redete ohne sich je ernsthaft damit beschäftigt zu haben.
Erst in den letzten 10 Jahren wurde der Barocktanz wiederbelebt, dann folgte die Zusammenarbeit mit den Spezialensembles und schließlich gab es auch die ersten Aufnahmen.


Das Ballet de Cour lässt sich bereits unter der Regentschaft Francois I. (1494-1547) feststellen.
Die frühesten überlieferten Ballettsätze die sich in der Sammlung Philidor zu Versailles finden stammen aus dieser Zeit. Jedoch sind es nur vereinzelte Sätze, die aber mal zu größeren Ballettveranstaltungen gehörten.
Die Musikwissenschaft bezeichnet das 1581 inszenierte „Ballet Royal de la Royne“ als Beginn der Ballett - Tradition am französischen Hofe.

Dem kann man so nicht direkt zustimmen, denn das Ballett war zu dieser Zeit bereits fester Bestandteil des kulturellen Lebens, was ja die erhaltenen Partituren beweisen.
Leider sind die musikalischen Quellen sehr dürftig und wie bereits erwähnt meist ausschließlich als Einzelsätze in der Sammlung Philidor auszumachen.
Das Ballet de la Royne ist jedoch eines der vollständigsten erhaltenen Werke.
Zudem ist es wohl auch eines der prachtvollsten Ballette die am französischen Hofe je gegeben wurden.

Unter der Regentschaft Henri IV. wurde das Ballet de Cour zur wichtigsten Form der musikalischen Repräsentation.
Dies sollte auch unter Louis XIII und Louis XIV vorerst so bleiben, bis das Genre von der frz. Form der Oper abgelöst wurde.


Doch wie muss man sich diese Ballette vorstellen?

Sie bestanden mit Nichten nur aus Instrumentalmusik, sondern waren ein Zusammenschluss verschiedener Kunstformen







Der Tanz im Barock

Die Tänze wurden meist instrumental ausgeführt, aber auch vokal.
Die Tänzer waren jedoch keine Ballettstars, sondern die Mitglieder des Hofes, die Kirchenfürsten, Könige und Kaiser!








Die hohen Würdenträger hatten die Hauptrollen, während die übrigen Rollen von dem niederen Adel oder sogar Bediensteten und Musikern ausgefüllt wurden.
Für viele heutige Menschen ist die Vorstellung, dass Staatoberhäupter Ballett tanzen grotesk.
Doch im 17. und 18. Jahrhundert war das Ballett eine äußerst beliebte Möglichkeit sich in Szene zu setzen, und zu repräsentieren.
Bis in die 1670er Jahre hinein war es übrigens Frauen verboten auf der Bühne zu tanzen, da man ihnen nicht zutraute die Eleganz der Männer zu erreichen.
Natürlich traten Frauen, besser gesagt die Fürstinnen in den Hofballetten ganz selbstverständlich auf.
Gemeint sind hier Ballettveranstaltungen die zur reinen Aufführung dienten.
Es war ja seit langem üblich in den frühen Opern oder Theaterstücken Ballettmusik einzuflechten.
Hier tanzten ausschließlich Männer und stets mit Masken.
Denn so seltsam es klingen mag, wurde das öffentliche Auftreten als Sänger oder Tänzer scheinbar als unehrenhaft angesehen – am Hofe gehörte diese Betätigung zur festen Ausbildung eines Adligen.
Aber solche Widersprüche ziehen sich durch fast alle Gebiete der barocken Gesellschaft.

Die Instrumentalmusik wurde meist von den Ballettmeistern am Hofe komponiert – nicht von den Hofmusikern! Denn auch damals wusste man schon die reine Kunstmusik der Lautenisten und Clavecinisten von den Tanzweisen zu trennen und ähnlich wie in der Malerei gab es bestimmte Gengres die besondere Geltung verlangten.
Dies mag auch der Grund sein warum die Ballette des frühen Barock so dürftig erhalten sind.
Die wichtigsten Meister dieses Bereichs waren Francois Caroubel, Jacques de Belleville, Jacques Cordier, Guillaume Dumanoir, Jean de Cambefort und schließlich Jean Baptiste Lully.

All diese Männer, die Heute freilich als Komponisten bekannt sind, waren ausgebildete Ballett-Tänzer und / oder Ballettmeister am französischen Hof.


Heute erlebt dieser Tanz, „La belle Danse“ genannt eine wahre Renaissance.
Viele Gruppen erlernen diese alten Tänze und erarbeiten so mit den Musikern, die ja bereits seit Jahrzehnten die historisch informierte Aufführungspraxis ausüben, völlig neue Ansätze.

Doch was benutzt man als Quellen?

Genau wie in der Musik, gibt es auch für den Tanz unglaubliche viele Aufzeichnungen, die genau beschreiben wie man sich zu bewegen hat.
Es seien nur die Sammlungen von Arbeau, Feulliet, Pecour und Rameau genannt.
Quellen für den Barocktanz genannt gibt es also reichlich.
Der erste Schritt war, die Entzifferung der „Notation“ der alten Tanzmeister.
Als das geschehen war, tat sich eine ganze Welt auf.
Zum einen fällt auf, dass die Tänze für die Bühne ganz anders gestaltet sind als die höfischen Tänze.

So war es am Hofe üblich, dass bei Hofbällen nicht der ganze Hofstaat auf einmal tanzte sondern stets nur ein Paar nach dem anderen.
Und das hatte seinen Grund, es erhöhte den Druck auf die Adligen, Fehler wurden nicht verziehen und so wurde jeder öffentliche Hoftanz, ein Tanz der über die eigene Stellung in der Gesellschaft entschied. Allerdings wuchs trotz dem höfischen Zeremoniell der Wunsch nach Gruppentänzen.
In der Oper oder im Ballett gab es für die großen Fürsten die Solo Tänze, aber es gab auch Paartänze oder ganze Formationstänze.

Seit dem beeindruckend "Ballet de la Royne" von 1581 war Frankreich das Zentrum des Balletttanzes.
Zuvor hatte auch Italien eine gewichtige Rolle gespielt, Elizabeth I. wünschte z.B. ausschließlich italienische Tanzmusiken.

Von Raoul - Auger Feulliet (c.1653 – 1710) stammt die wohl bedeutendste Sammlung von Choreographien für das ausgehende 17. Jahrhundert.
Er war nicht nur selbst Tänzer, er arbeitete auch als Choreograph, Herausgeber und Autor verschiedener Schriften über den Tanz seiner Epoche.
Natürlich ist Feulliet nicht der einzige der diesen faszinierend Tanz überliefert hat.
Er war es jedoch der die „Tanzschrift“ entwickelte, die dann die ganze nachfolgende Epoche über verwendet wurde.
Außerdem gehen auf ihn die 4, bzw. 5 Ballettpositionen zurück die noch Heute ihre Gültigkeit haben.

Jedoch sind die Überlieferungen für das 17. Jahrhundert nur sehr lückenhaft.
Vieles muss man rein intuitiv lösen.


Für den Tanz des 18. Jahrhunderts war ein Namensvetter von Jean Philippe Rameau maßgebend:
Pierre Rameau ( 1674 – 1748 )
Seine Publikation « Le maître à danser » (1725) ist für Heutige Tänzer, die wohl wichtigste Quelle für den historischen Tanz.
Aber nicht nur für Tänzer ist seine Schrift von Interesse, sondern auch für Historiker:
Rameau gibt in seinem Buch über alle „References“ Auskunft und sogar über den Ablauf der Hofbälle von Versailles.

Natürlich gab es auch berühmte Choreographen aus Italien und Deutschland, wie z.B. Taubert – übrigens nicht zu verwechseln mit Karl-Heinz Taubert, der in unserer Zeit als Lehrer für historischen Tanz berühmt wurde.
Aber spätestens seit den großen Balletten die Louis XIII und Kardinal Richelieu aufführten, versuchten alle großen Höfe französische Ballettmeister zu gewinnen.

Charles II. beklagte sich, dass keiner seiner Musiker eine anständige französische Courante spielen konnte – und so bat er um französische Musiker und Ballettmeister.
Das zeigt schon, wie groß der Einfluss der Ballettmeister auf die Gestaltung der Musik gewesen ist – und es wird klar warum Lully selbst zum Balletttänzer wurde.
Kaum ein Komponist konnte solche Ballettmusik verfassen wie er.
Muffat beschrieb es noch glühender, indem er behauptete, dass die Tänze Lullys so perfekt komponiert wären, dass man sofort hören könne um welchen Tanz es sich handle.
Der Ballettmeister Louis XIV, Pierre Beauchamps, der sehr eng mit Lully zusammenarbeitete war selbst auch Komponist und es sind eine ganze Reihe Ballette von ihm erhalten.

Bemerkenswert ist, dass auch im Tanz die gleiche Entwicklung zu sehen ist, wie sie sich in der Musik, der Malerei und der Architektur vollzog.
Vom repräsentativen Barock, das besonders die Darstellung der Macht liebte, werden auch die Tänze im Laufe des 18. Jahrhunderts immer feingliedriger, zierlicher und sinnlicher.


Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurden die Choreographien wie schon geschrieben immer komplizierter und schwieriger. Immer mehr Sprünge und extrem schwierige Tanzschritte ließen viele Adlige und schließlich auch den König vom Tanzen im Ballett zurückschrecken.
1670 tanzte Louis XIV zum letzten Male die Rolle der Sonne (Les amants magnifiques) Zeitgenossen berichten, er sei über die schwere Choreographie ganz krank geworden. Im Film „Le Roi Danse“ wird diese Aussage sogar als Sturz interpretiert. Mit dem Aufstieg Louis XIV zur Macht, wurden auch die Akademien für Musik und Tanz gegründet.
Mit der Gründung der Tanzakademie (die übrigens noch Heute in Paris besteht und nach wie vor Louis XIV als ihren Gründer ansieht) beschwor man auch gleichzeitig den Untergang des Ballet de Cour. Denn nun kam es so, dass immer häufiger professionelle Tänzer die großen Rollen übernahmen und der Hof nur zum reinen Zuschauer degradiert wurde. Es ist fast schon tragisch, dass die gut gemeinte Absicht Louis XIV sich fast ins Gegenteil verkehrte und ihn selbst um eine seiner liebsten Betätigungen beraubte. [/align]







Choreographien aus den Ballets de Cour der Ära Henri IV / Louis XIII und Louis XIV sind leider nicht erhalten, auch sind nur sehr wenige dieser Ballette überhaupt vollständig erhalten geblieben.
Man muss davon ausgehen, dass die Tänze in der Zeit vor Feuillet, eher mehr von der reinen Pose lebten, als von der Bewegung. Sprünge dürfte es kaum gegeben haben. Wenn man die alten Federzeichnungen von Kostümentwürfen sieht, dann wird klar, dass schnelle Bewegungen, wilde Sprünge und dergleichen kaum möglich waren. Die Opulenz der Erscheinungen widerspricht der Annahme, man hätte ähnlich schwere Choreographien getanzt wie sie eben von Feuillet notiert sind.
Auch sind die Gesellschaftstänze wesentlich einfacher gehalten als die Bühnentänze, was diese These zusätzlich untermauert.









Der Mythos Menuett

Natürlich denkt man sofort an das Menuett, wenn es um Tänze aus dem Barock geht.
Und so falsch ist das gar nicht – doch war das Menuett nicht immer der beliebteste Tanz, und man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass es nur eine Version des Menuetts gab.
Fast das ganze 17. Jahrhundert, war die Courante der beliebteste Hoftanz.
Die Choreographie bewegt sich auf einem großen Quadtrat und das Tanzpaar „läuft“ mehr oder weniger die Seiten des Quadtrats ab – also von Körperkontakt kann keine Rede sein.

Der Hofball Louis XIV (und somit auch jeder andere Hofball in Europa) wurde von einer „Suite des Branles“ eröffnet, allerdings unterschied sich teilweise die Choreographie von der "Renaissance - Branle" wie sie von d’Arbeau überliefert ist.
Die Branle ist eine Art „Reigentanz“ und war im Gegensatz zu den nachfolgenden Hoftänzen ein Gruppentanz.
Man stellte sich also im Kreis auf, und der Fürst begann den Tanz – und führte den Tanz auch stets an, so dass eine Art "Kette" entstand.
Der erste Tänzer führte die anderen Tänzer auf einer "8- Form" in einer Reihe hinter sich her.
Aus diesem Grunde waren die Branles stets die Eröffnung der Hofbälle und wurden immer von Staatsoberhäuptern angeführt und getanzt.
Denn dieser Tanz hatte eine ganz einfach politische Bedeutung: „Ich führe an, ich weiß wo es lang geht!“

Spätestens ab 1670 war das Menuett der beliebteste Tanz am Hofe, das sollte auch bis ins 18. Jahrhundert so bleiben.
Lully und Moliere machen sich im "Le Bourgeois Gentilhomme" (1670) über diese "Menuett Welle " lustig, indem sie Monsieur Jourdain das Menuett erlernen lassen (er scheitert natürlich)
Dieser Paartanz basierte auf einem alten Volkstanz.
Die älteste überlieferte Choreographie basiert auf einer „S“ – Form, die dann im Laufe der Zeit über eine „8“ Form zur „Z“ Form weiterentwickelt wurde.
Wann das Menuett genau entstand und in das Repertoire des Hofes übernommen wurde ist nicht ganz klar.
Oft wird fälschlicherweise behauptet Louis XIV hätte bereits 1654 das Menuett getanzt, im Ballet de la Nuit, allerdings ist in der erhaltenen Partitur kein Menuett enthalten und der „Danse du Roi“ ist ein gewöhnliches Entree in 3 Teilen.
Jedoch gab es zu dieser Zeit das Menuett bereits (man findet es in den Cembalosuiten von Louis Couperin) ob es jedoch im Ballett genutzt wurde ist bisher nicht belegt.
Da die Tänze nie mit ihrem Namen überschrieben wurden, sonder nur mit Bezeichnungen wie „Les Saisons“ „Les quattre Zephyres“ oder einfach nur als Entree bezeichnet sind, wird erst eine gründliche Auswertung sämtlicher Partituren da Klarheit schaffen können.
Das Menuett taucht namentlich ab den 1665 Jahren in den Partituren auf und man kann davon ausgehen, dass der Tanz in dieser Zeit auch hoffähig gemacht wurde.
[/align]









Im 18. Jahrhundert wurde die Choreographie des Menuetts immer wieder verändert, modernisiert und erweitert. So gab es bald das Menuett für 4 Personen (Menuet a quatre) das zur populärsten Menuett Choreographie werden sollte.
Daraus entwickelte sich das Menuett für 8 Personen, das wohl zu den kompliziertesten Tänzen der Geschichte gehört. Auch Sonderformen sind überliefert, wie z.B. das „Menuet de la Reine“ das für Marie Antoinette choreographiert wurde und fast alles an Kompliziertheit schlägt.
Letztlich war das Tanzen dermaßen wichtig am Hofe, dass man etwa einen Monat benötigte um das Menuett zu erlernen und fortan mindestens 2 Stunden pro Tag üben musste.

In Wien war das Menuet unter Leopold I. „verboten“
Leopold hasste seinen französischen Vetter und wollte ja keine Vorliebe mit Louis XIV teilen.
Und so kam es, dass in Wien die „Chaconne“ bzw. „Passacaille / Passacaglia“ in Mode kamen und fortan zu den wichtigsten Tänzen des Hofes wurden.
(diese Täze waren natürlich auch am Hofe des Sonnenkönigs hoch beliebt – warum sonst enden so viele Lully Opern mit einem solchen Tanz ?)

Diese Tänze basierten von ihrer Choreographie auf der Courante, und Passacaglia bedeutet ja auch soviel, wie durch eine Straße gehen.
Mit dem Tode Leopold I. zog auch das Menuett am kaiserlichen Hof ein.
Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde weiter Menuett getanzt, bis der „Ländler“, der sich aus der „Allemande“ entwickelte, immer beliebter wurde und den Tanz verdrängte.
Der „Ländler“ – oder die spätere Form „Walzer“ waren damals natürlich skandalös, aufgrund des ständigen Körperkontakts.
Das Menuett feierte noch einmal ein Revival – und zwar am Hofe Wilhelm II. von Preussen, des letzten deutschen Kaisers.



Poesie

Neben dem Reinen Tanz wurde im Ballet de Cour rezitierte Poesie vorgetragen.
Diese Poesie wurde von den Hofdichtern geschrieben, sie schilderten entweder Begebenheiten die zur Thematik des Ballets passten oder aber bestanden aus reinen Elogen auf die Fürsten.

Um zu verdeutlichen wie solche Elogen gestaltet waren, hier einige Zitate aus den Hofballetten:


Ballet Royal de Flore 1669, Poesie von Isaac de Benserade, Musik von jean Baptiste Lully:






Für seine Majestät, den Repräsentanten der Sonne


Sonne, deren Ruhm den Hof begleitet,
den stets man mich hat tragen sehen mit meinem erborgtem Glanz,
wenn Euer Glanz, geringer war.
Kaum kann die Kunst dies Thema so beschreiben, wie man sollte,
so hoch seid ihr aufgestiegen,
dass Lob und Weihrauch Euch nicht mehr erreichen können.

Über das Haupt der Könige mit hoher Miene schreitet ihr,
und vormals war für Eure Strahlen Erwartung nicht so fest,
und nicht so tief;
Jedoch seh’ Heut ich mit solchem Feuer sie entzünden sich,
dass man nicht beschreiben kann und kaum auch aushalten
Ihre Kraft ganz ohne Atempause




Aus dem Ballet Royal d’Apollon von 1621, Poesie ist Anonym, Musik von Anthoine Boesset


Welche Schönheit, Oh Ihr Sterblichen

Oh Ihr Sterblichen welche Schönheit.
Sollte man eher Altäre errichten als jene die wir sehen können?
Sogar die Sonne muss vor seinem Reiz verbergen ihre Strahlen.

Sein schöner Name, der von „lieben“ kommt,
muss Euch nicht entflammen.
Mit einem Feuer, das aufseufzen lässt,
könnt Ihr das Herz entzücken eines Schönen, der zu bewundern ist?




Die Poesie konnte aber auch von den Fürsten selbst vorgetragen werden, so sprach Louis XIV 1662 beim Ballet Royal d’Hercule amoureux folgende Zeilen
(Poesie von Isaac de Benserade, Musik von Lully)


Nun lenke ich allein den Sonnenwagen.
Eine göttliche Hand hat mir die Zügel übergeben.
Eine erhabene Göttin tritt ein für meine Rechte.
Ich bin der erhabenste Stern unter den Königen.




Diesen Text kann man auch besonders leicht deuten.
Die erste Zeile beschreibt natürlich seine Machtergreifung, die ein Jahr zuvor stattfand.
Die Zweite Zeile beschreibt eine göttliche Hand die ihm die Zügel übergab, damit ist Kardinal Mazarin gemeint, der für den jungen König die Regierungsgeschäfte tätigte.
Die erhaben Göttin, ist niemand anderes als Anna von Österreich, die Mutter des jungen Monarchen.
Der letzte Teil ist eindeutig als Machtanspruch zu verstehen.



Die vokale Musik


Der Gesang hatte natürlich auch im Ballett seinen Platz.
Allerdings wurden die Airs und Chöre meist von anderen Komponisten komponiert, als jene Musik zum Tanzen.
Die gesungenen Parts der Ballette überdauerten auch meist als einzige Zeugnisse dieser Werke in den Air de Cour Sammlungen, die im 17. jahrhundert herausgegeben wurden.
Dort waren ehemalige Lieder und Chöre der Ballette für einfache Singstimme mit Lautenbegleitung veröffentlicht worden.

Pierre Guedron war unter Henri IV. der tonangebende Komponist in Sachen vokaler Musik.
Jedoch basiert der typisch französische Gesangsstil auf den Vokalwerken von Anthoine Boessett.
Dieser „französische Monteverdi“ war der einflussreichste Komponist am Hofe Louis XIII. Durch seine Vokalwerke, weltlicher wie sakraler Natur begründete er den französischen Nationalstil, der dann von Michel Lambert und später Lully zur Vollendung gebracht wurde.

Lambert, der zugleich auch der Schwiegervater Lullys werden sollte, ist von ebensolcher Bedeutung wie Boesset. Ihm ist wohl der größte Verdienst an der Entwicklung des französischen Rezitativs zu danken (Recit)
Er schrieb zu vielen der Balletten Lullys die Vokalmusik, stets auf die Poesie von Benserade.


In den Vokalstücken der Ballette wurde ähnlich wie in der Poesie entweder die Thematik des jeweiligen Entrees behandelt oder eben bestimmte einzelne Szenerien verdeutlicht.
Besonders beliebt waren die Klagegesänge, die „Plaintes“

Chöre gab es reichlich, allerdings auch sehr viele Stücke die an mehrstimmige Madrigale erinnern.



Eine Rekonstruktion der Ballets de Cour ist nicht leicht.
In der Philidorsammlung sind zwar die meisten Instrumentalstücke überliefert, aber die vokalen Stücke meist nicht.
Diese findet man in den unzähligen Sammlungen und Liederbüchern wieder, jedoch ist eine Zuordnung fast unmöglich, da keine Quellen, d.h. die jeweiligen Ballette, abgegeben sind, woher die Stücke stammen.

Genauso verhält es sich umgekehrt, so sind aus einigen Balletten nur die vokalen Partien erhalten, aber nicht die instrumentalen Stücke. Was bleibt ist ein Puzzle das man rein intuitiv und mit Geschmack zusammensetzen kann.
Glücklicherweise sind die meisten Ballette von Lully komplett erhalten.




Die Ausstattung, Kostüme, Bühnenmaschinerie und Gestik

Wichtig für diese Ballette waren natürlich auch die spektakulären Verwandlungen und Bühnentechniken, von den Kostümen ganz zu schweigen. Torelli, der damals wohl berühmteste „Macher“ solcher technischer Wunderwerke war schon von Mazarin verpflichtet worden und hatte persönlich den Bau des Salle des Maschines im Tuillerien Palast überwacht.
1659 kommt dann der Designer und Maschinist Carlo Vigarani nach Paris, er sollte für Lullys Werke der wichtigste Ausstatter und Regisseur werden.

Die Kostüme wurden in Anlehnung an historische Rüstungen und antike Kleidung von Jean Berain gestaltet. Die Besonderheit war, dass die Männer eine Art Panier trugen, damit eine möglichst große Beinfreiheit entstand und der Schambereich der bei „klassischen Balletttänzern“ unangenehm auffällt und auch beliebtes Ziel von Spott und Ulk ist, verdeckt bleibt. Diese „Röcke“ wurden alsbald für alle Bühnenkostüme verwendet, selbst für Sänger.
Auf einigen Gemälden des 18. Jahrhunderts sind solche Kostüme selbst bei Kastraten zu finden, obwohl sie nicht tanzten.

Die Materialien die verwendet wurden unterschieden sich kaum von den Stoffen die der Adel oder das Bürgertum trug. Die Kostüme waren reich verziert, man verwendete gerne viele Federn für die Kopfbedeckungen.

So entstand eine Mischung aus höfischer zeitgenössischer Mode mit Zitaten aus der Historie, oder zumindest wie man sich die antiken Gewänder vorstellte.
Originalgetreue Rekonstruktionen von römischen Rüstungen gab es nicht, auch gab es keine Kostüme die an eine Toga erinnern würden. Es waren reine Phantasiekostüme.
Wichtig war es trotz aller Phantasie und Prunk, dass man sofort erkennen konnte um welche Figur es sich handelt. So hatten die Schauspieler immer die typischen Attribute der göttlichen Gestalten, die sie darstellten, dabei.

Das Theater des 17. Jahrhunderts entwickelte eine ganz eigene Gestik und Darbietung, die man Heute nur noch erahnen kann. Es gibt zwar Versuche dieses Können wiederzuentdecken, jedoch ist da noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten.
So war es üblich dem Publikum niemals den Rücken zuzuwenden, man sprach oder sang immer zum Publikum, auch wenn Dialoge auf der Bühne gezeigt wurden.
Dies galt sowohl für das Ballet, die Oper, die Tragödie und selbst für die Komödie.
Jede Silbe, jedes Wort hatte eine eigene Gestik die erlernt werden musste.
Man könnte fast so kühn sein, hierin den Ursprung der Zeichensprache zu erkennen, die der Abe de l’Epée Ende des 18. jahrhunderts entwickelte und lehrte.
L’Epée kannte natürlich das Theater seiner Zeit und es mag nicht soweit hergeholt sein, dass er da vielleicht die Idee zu der späteren Gebärdensprache entwickelte.


Die Bühnenmaschine des Barocktheaters erstaunt Heute noch genauso wie damals.
Leider haben sich nur ganz wenige Theater dieser Zeit erhalten und das Schlosstheater in Drottningholm ist das einzige existierende Theater das noch über eine unveränderte Bühnenmaschine aus dem 18. jahrhundert verfügt.
So bleibt nichts weiter als die Konstruktionszeichnungen der Opernhäusern und Entwurfskizzen für die Bühneneffekte um eine Ahnung von den Möglichkeiten der Theater der Barockzeit zu bekommen.
Allein die Beschreibungen sind schon phantastisch, so wurden ganze Segelschiffe auf der Bühne zum kentern gebracht.
Das typischste sind jedoch die Veränderungen der Szenen, wenn sich die verschiedenen Staffeln von Kulissen wie von Zauberhand auswechseln, so wird binnen weniger Sekunden aus einem Palastzimmer ein Wäldchen oder eine Küste und das bei geöffnetem Vorhang – man wollte das ja zeigen und auch sehen.

Ganze Chöre konnten mit Hilfe von Seilzügen auf schwebenden Wolken herabgelassen werden, es gab unzählige Aufzüge, drehbare Bühnen und vieles mehr.
Auch die Kostüme von Fabelwesen waren technisch vollkommen ausgereift, so konnte man Zentauren auftreten lassen, die auch alle Beine bewegen konnten, mittels einer ausgeklügelten Mechanik.
Viele dieser Effekte wurden von Italien importiert, denn die öffentlichen Opernhäuser übertrumpften sich mit den unglaublichsten Bühneneffekten.

Das Ballet als Politikum

Der Kern des Ballet de Cour.
Es ist ein Mittel der politischen Repräsentation aller erster Güte.

Als Louis XIV seinen ersten militärischen Sieg errungen hatte, die Belagerung von Dünkirchen (eigentlich hatte er die Stadt gekauft und es viel kein einziger Schuss) wurde das Ballet des Arts gegeben.
Ein harmlos anmutendes Ereignis, doch sieht man sich verschiedenen Entrees dieses Balletts an, so wird einem schnell klar, dass dieses Ballett mehr ist als höfische Ergötzung.

Das erste Entree beschreibt die Landwirtschaft
Das zweite die Navigation
Das dritte die Goldschmiedekunst
Das vierte die Malerei
Das fünfte die Jagd
Das sechste die Chirurgie
Das siebente den Krieg



Und im letzten Entree trat auch der König als Allegorie des Krieges auf.
Die Botschaft wurde verstanden und Louis XIV sollte in den folgenden Jahren beweisen, dass er nicht nur auf der Bühne die Verkörperung des Krieges sein sollte.




Lully & Moliere – vom Ballet de Cour zum Comèdie Ballet


1670 war das offizielle Aus für das Ballet de Cour.
Die Liste der allein von Lully geschrieben Ballette ist lang und bisher kaum von der Musikwelt wahrgenommen worden, diese Werke finden erst allmählich wieder die Aufmerksamkeit der Musiker und des Publikums:

1654 Ballet Royal du Temps
1655 Ballet Royal des Plaisirs
1655 Ballet Royal des Bienvenus
1655 Ballet Royal de la Reverente des habits
1656 Ballet Royal de Psyché
1656 Ballet Royal du Galanterie du Temps
1657 Ballet Royal de l'Amour malade
1658 Ballet Royal d'Alcidiane et Polèxandre
1659 Ballet Royal de la Raillerie
1660 Ballet Royal de Xerxes (als Ballet für die gleichnamige Cavalli Oper)
1660 Ballet Royal de Toulouse
1661 Ballet Royal de l'Impatience
1661 Ballet Royal des Saisons
1662 Ballet Royal des sept Planetes, ou Hercule Amoureux (Für die Cavalli Oper Ercole Amante)
1663 Ballet Royal des Arts
1663 Mascarade ridicule - ou les noces de village
1664 Ballet Royal de l'Amour déguisés
(1664 Le Palais d'Alcine / Ballet des Saisons für die "Freuden der verzauberten Insel")
(1664 Zwischenaktmusik für Corneilles "Oedipe")
1665 Mascarade du Captaine, ou l'Impromtu
1665 Ballet Royal de la Naissance de Vénus
1665 Ballet Royal des Gardes
1666 Le Triomphe de Bacchus dans les Indes
1666 Ballet Royal des Muses
1668 Le Carnaval
1669 Ballet Royal de Flore
1670 Le Ballet Royal des Nations (gehört zu Le Bourgeois Gentilhomme)
1671 Psyché (eine Verbindung zwischen Ballett und Tragödie - Vorentwurf zur großen Oper)
1675 Le Carnaval / Mascarade du Roy
1681 Le Triomphe de l'Amour
1685 Le Temple de la Paix




Wenig später entstanden die ersten Opern in französischer Sprache und die Bühnentänze wurden nun endgültig von Profitänzern wie Jean Ballon ausgeführt.

1681 gab Louis XIV bei Lully doch noch mal ein Ballet de Cour in Auftrag, „Le Triomphe de L’Amour“ er wünschte sich die Zeit der Hofballette noch einmal aufleben zu lassen und in der Tat wurde die erste Aufführung am Hofe auch durch seine Kinder durchgeführt.
Jedoch wurde das Ballet recht schnell für Paris von den Profis annektiert und das „Entrée d’Apollon“ dass dann von Feuillet choreographiert wurde, gehört mithin zu den schwersten und Anspruchsvollsten Choreographien der Zeit.

Am Hofe gab es immer wieder vereinzelte Ballettaufführungen, jedoch als reines Divertissement, d.h. als reines Schauspiel.
Doch es war nicht zu leugnen, das reine Ballet de Cour gab es nicht mehr.
Lully schaffte es jedoch das Ballett als solches nach wie vor beizubehalten, indem er zu einem festen Bestandteil seiner Opern werden ließ.

Doch war das Ballet de Cour und die Tragèdie Lyrique nicht das einzige Feld wo Lully seine Ballettmusik unterzubringen wusste.


Parallel zu den Hofballetten der 1660er Jahre gab es noch das Comèdie Ballet, das in Zusammenarbeit mit Molière entstand.

Man glaubt daher kaum, das dieses erfolgreiche Konzept mehr durch Zufall entstand und Anfangs eine improvisierte Notlösung gewesen ist.

1661 hatte Foquet in seinem neuen Schloß Vaux le Vicomte, das er innerhalb weniger Jahre errichten ließ, ein gigantisches Fest für den König gegeben.
Über 6000 Gäste wurden bewirtet und unterhalten.
Das Schloss selbst war von den noch nahezu unbekannten Künstlern Le Vau, Le Nôtre und Le Brun entworfen und realisiert worden. Mit diesem Schloss wurden sie allesamt berühmt und begannen immer häufiger für den König zu arbeiten.
Le Vau wurde der erste Architekt des Königs, Le Nôtre der wichtigste Gartenarchitekt seiner Epoche und Le Brun der erste Hofmaler des Sonnenkönigs.








Für das Fest wurden nicht weniger renomierte Künstler angeheuert.
Vatel,, der legendäre Meisterkoch war als Maitre de Plaisir für die gesamte Veranstaltung verantwortlich.
Heute nur als Koch bezeichnet, würde man ihn Heute wahrscheinlich als Eventmanager bezeichnen.
La Fontaine und Moliere wurden für das Fest engagiert, für die Musik Michel Lambert.

Molière schrieb eine Komödie: Les Facheux (die Plagegeister)
Doch schon wärend der Proben war eines klar – er hatte nicht genügend Schauspieler – er musste Rollen doppelt besetzten.
Doch wie die Zeit überbrücken? Denn der Kostümwechsel und das Schminken dauerte ja eine Weile.
So wandte er sich an den Ballettmeister des Königs, Pierre Beauchamps und Lully, sie sollten für die Szenenwechsel unterhaltsame Ballette schreiben.

Das Konzept ging besser auf als erwartet, noch nie gab es so einen Beifallssturm

Fouquet wurde zwar nach dem fest wegen Steuerhinterziehung verhaftet, die Künstler jedoch allesamt vom König übernommen.
Und er gab die nächsten Werke in Auftrag, er wollte noch weitere solcher Ballettkomödien sehen.

Und das in einem Rahmen, der das Fest von Foquet für alle Zeit ein vergessen machen sollte.
Er entschloss sich aus dem kleinen Schloss seines Vaters in Versailles, einen Tempel der Sonne zu machen, ein Schloss und einen Garten der alles übertreffen sollte, was man bis dahin kannte.

1664 war es dann soweit. Das Schloss war geringfügig erweitert worden, der Park jedoch völlig neu strukturiert und schöner und prächtiger als alles was man bis dahin sah.
Vor dem Schloss wurde die Bühne errichtet vor dem ein Großteil des Spektakels ablaufen sollte.

Das Fest mit dem Titel „Les plaisirs de l’Îsle enchantée“ (die Freuden der verzauberten Insel) gingen in die Geschichte ein.

Neben Lully und Moliere waren auch alle übrigen Künstler an dem fest beteiligt, Beauchamps für das Ballett, Lambert für den Gesang, Berain für die Kostüme, Benserade für die Poesie, Le Brun für die Dekorationen.

Am Mittwoch den 7.Mai 1664 wurde das Fest mit einem prächtigen Carrousel eröffnet.
Carrousel bedeute damals Reiterspiele.
Diese Reiterspiele waren aus dem ritterlichen Tunieren übrig geblieben, man ritt nun nicht mehr mit Lanzen in den Kampf, sondern übte sich im Ringelstechen. Dazu trug man prächtige Kostüme.
Auch die Damen durften an diesem Ringelstechen teilnehmen, man zog sie in kleinen Kutschen, damit sie von dort aus mit den Lanzen die Trophäen erstechen konnten.
Später ersetze man dann die echten Pferde durch Attrappen, auf denen man dann bequem Platz nehmen konnte. Diese Konstruktion diente ursprünglich als Trainingsgerät für Reiter und Ritter.
Diese Attrappen wurden über Holzkreuz und einer speziellen Mechanik im Kreis gedreht.
So entstand Jahrzehnte später und nach dem rein höfischen Vergnügen, das Karussell der Jahrmärkte.

Bei diesem Fest war das Carrousel jedoch schon fast ein richtiges Pferdeballet, das von Trompeten und Pauken begleitet wurde.
Der erste Tag des Festes stand ganz im Zeichen dieses Reiterspektakels.

Am Abend wurde das „Ballet des Saisons“ (Das Ballet der Jahreszeiten) auf dem großen Vorplatz des Schlosses aufgeführt.
Und dieses Ballett machte den gewünschten Eindruck, denn man hatte hierfür extra wilde, exotische Tiere beschafft.

Jede Jahreszeit wurde von einem bekannten Schauspieler aus Molières Truppe angeführt – reitend auf einem dieser Tiere:



Der Frühling, die Marquise du Parc auf einem Pferd

Der Sommer, René du Parc auf einem Elefant
(welch anderes Tier hätte den „dicken René“ sonst tragen können? Man sparte alos auch nicht mit Selbstironie)

Der Herbst, Monsier la Thorillière auf einem Kamel

Der Winter, Mademoiselle de Brie auf einem Bären



Des Weiteren wurden noch Giraffen, Zebras, Strauße und viele andere Tiere in diesem Ballett vorgeführt. Viele von diesen Tieren sahen das Publikum zum ersten male.

Der Höhepunkt war jedoch der Einzug Apollos.
Ein gigantischer Festwagen wurde auf den Platz gezogen, auf dem der Gott thronte.

Dann traten Tänzer auf, die als Büffet-Tische Kostümiert waren.
Die Speisen auf ihren Tabletten waren jedoch echt und wurden dem begeisterten Publikum überreicht.
Gleichzeitig wurde ein Bankett Tisch wie aus dem Nichts aufgebaut und die Hofgesellschaft nahm Platz. Der Tag endete mit diesem prächtigen Bankett und Feuerwerk



Am Donnerstag den 8. Mai wurde die Ballettkomödie „La Princesse d’Elide“ gegeben.
Ein Gemeinschaftswerk von Lully und Molière, das der König speziell zu diesem Anlass bestellt hatte.

Am Freitag den 9. Mai erreichte das Fest seinen Höhepunkt mit dem Divertissement „Le Palais d’Alcine“ einem Ballett von Lully.
Obwohl es sich korrekterweise mehr um begleitende Musik handelt.
Auf dem Kanal von Versailles war eine künstliche Insel errichtet worden und darauf der Staffagebau eines Zauberschlosses, eben jener Palast der Alcina.
Die Personen des Hofes spielten nun die Geschichte um Alcina und ihr Zauberreich nach, eben jene so beliebte Episode aus Ariostes Orlando Furioso.
Der Höhepunkt war die gemeinsame Erstürmung des Palastes und dessen Zerstörung mit einem gewaltigen Feuerwerk.


Am Samstag den 10. Mai gab es erneut Ritterspiele, sowie ein Bankett und Konzerte.

Am Sonntag besuchte der gesamte Hof die neue Menagerie im Park von Versailles um die einige Tage zuvor vorgeführten Tiere nochmals zu zeigen.
Auf dem Gelände wurde die Ballettkomödie „Les Fâcheux“ noch einmal gegeben, die dem Hof und dem König so gut gefallen hatte.

Am sechsten Tag, Montag den 12. Mai gab es wieder Reiterspiele, zusätzlich noch eine Lotterie.
Der Höhepunkt war jedoch die Uraufführung von Molières „Tartuffe“
Das ganze hatte geteilte Resonanz erhalten, wärend sich der König köstlich amüsierte, empfanden viele das Stück als Beleidigung ihrer religiösen Gefühle.
Louis XIV verbot schließlich das Stück um nicht am Ende eine zweite „Fronde“ heraufzubeschwören.

Am siebenten Tag gab es wieder die beliebten Reiterspiele, den Abschluss bildete jedoch eine weitere Ballettkomödie die einige Monate zuvor im Louvre gegeben worden war: Le Marriage Force, die erzwungene Heirat.
Und natürlich gab es auch hier wieder Bankett und Feuerwerk.
Mit diesem Fest wurde der französische Hof zum kulturellen Nabel Europas.
Jeder Hof in Europa war beeindruckt und versuchte das irgendwie zu kopieren.







In den folgenden Jahren entstanden weitere Ballettkomödien, allerdings gab es nie wieder so ein gigantisches Fest, wie die Freuden der verzauberten Inseln von 1664-

1665 folge „L’Amour Médecin“ der Liebestrank

1667 die „Pastorale Comique“ allerdings als Einlage für das „Ballet des Muses“


1668 folgte dann das zweite große Fest von Versailles.
Der Anlaß war der Frieden von Aix la Chapelle (Aachen) und die Annektierung Flanderns.
Das Schloss und die Gärten waren stark erweitert worden und so begann auch das Fest mit einer Führung durch die neue Anlage.

Der Höhepunkt war die Aufführung des „Grand Divertissement de Versailles“ oder auch einfach george Dandin genannt, eine Ballettkomödie bei der mehr als 1200 betiligten Musikern, Tänzern, Statisten und Schauspielern.

Dann wurde die neue Thetisgrotte eingeweiht, wo auch die berühmteste Statuengruppe von versailles ausgestellt wurde – die Bäder des Apollo.
Lully schrieb hierfür das Divertissment „La Grotte de Versailles“
Dann folgte ein großartiger Hofball in einem Pavillon, der von le Vau entworfen wurde.
Am gleichen Tag wurde noch das Ballet „La mascerade du Roi“ von Lully gegeben.
Das Fest endete mit einer gigantischen Illumination der Gärten und des Schlosses und dem obligatorischen Feuerwerk.


1669 wurde Monsieur de Pourceaucgnac geschrieben.

Ein Jahr später (1670) kamen gleich zwei großartige Ballettkomödien auf die Bühne.
„Les amants magifiques“ (wunderbare Freundschaft) das im Schloss Saint Germain en Laye uraufgeführt wurde, Anlass war die völlige Neugestaltung der ganzen Terrassenanlage vom Schloss zur Seine hinab.
Von dieser gigantischen Gartenanlage ist leider nichts mehr übrig.
In dieser Ballettkomödie trat Louis XIV auch zum letzten mal als Balletttänzer auf.


Dann „Le Bourgeois Gentilhomme“ (der Bürger als Edelmann)
Dieses Werk ist zugleich der Schlussstein wie auch der Höhepunkt dieser Werke.

Der türkische Botschafter hatte sich am Hof des Sonnenkönigs wie ein wilder benommen und ist außerordentlich unangenehm aufgefallen.
Episoden aus diesem Zwischenfall wurden später sogar für die „Angelique Roman und Filmreihe“ verwendet.
Man wandte sich sogar an den Chevalier d’Arvieux, der 15 Jahre in der Türkei (Konstantinopel) verbrachte.
Mit seiner Hilfe entstand die Türkenposse mit einem Kauderwelsch aus türkischer und französischer Sprache. Auch die Aggressivität des Türken, der Tanz, ja sogar die Kostüme wurden von dem Chevalier angeregt.
Insgesammt dauerte die Zusammenarbeit mit Lully und Moliere und dem Chevalier gute 8 Tage, dann war Posse geschrieben.
Lully selbst mimte den Großtürken, während Molière ja stets selbst seine Hauptrollen verkörperte, eben hier den etwas einfältigen Monsieur Jourdain, der als Tuchhändler reich geworden war und nun mit seinem Haushalt, seiner Kleidung und seinen Manieren es dem Adel gleich tun will.

Diese Ballettkomödie wurde im Schloss von Chambord uraufgeführt – und fiel durch.
Der König war schlecht gelaunt und so wurde ein zweiter Anlauf mit einigen Korrekturen vorgestellt.
Jetzt lachte und applaudierte auch der Sonnenkönig.
Das Stück sollte trotz des Fehlstarts zu einem der beliebtesten Werke werden.
Die reine Musik aus dem Stück ließ sich Louis XIV regelmäßig vorspielen.


Doch in den folgenden Jahren zerstritten sich Molière und Lully.
Lully wandte sich der Oper zu, und verbot Molière die gemeinsamen Werke weiterhin aufzuführen.


Und so entsand nur noch ein einziges Comèdie Ballet, das jedoch Molières wichtigstes Werk wurde:

Le malade imaginaire, der eingebildete Kranke.
Für die Musik wandte sich Molière an Charpentier, der gerade aus Italien gekommen war.
Doch den ersten Aufführungen blieb der König fern.
Molière starb 1673 im Kostüm des eingebildeten Kranken nach einer der ersten Aufführungen.
Erst 1674 ein Jahr später wurde die Komödie mit großem Erfolg in Versailles gegeben.



Das Opera Ballet

1697 hatten die Komponisten André Campra und Andre Cardinal Destouches eine phänomenale Idee:
sie schufen mit dem Opera Ballet ein völlig neues Genre.
Campra war bisher als Kirchenmusiker bekannt geworden, Destouches war zu dieser zeit der erfolgreichste Komponist von Opern – von Louis XIV sogar als „würdiger Nachfolger Lullys“ bezeichnet worden.
Jedoch war der Bereich der Oper ein schwieriges Terrain, auf dem sich zu Lullys Lebzeiten wie auch nach seinem Tode kaum jemand wirklich durchsetzen konnte.
Ein ähnliches Vakuum und eine ähnliche Depression ist ja in der Beethoven Nachfolge und seinen Symphonien zu beobachten.
Da war ein musikalisches Monument erschaffen worden, mit dem man sich vergleichen lassen musste und nur verlieren konnte.

Themen die Lully vertont hatte waren ohnehin tabu, und jeder Komponist der eine Tragèdie Lyrique zu komponieren wagte, musste sich der erbarmungslosen Kritik unterziehen und sich mit Lully vergleichen lassen – wenn er überdies noch ein Libretto von Quinault benutzte wurde die Kritik noch verschärft. Jedes Rezitativ wurde auf die Wage gelegt.

Kaum ein Komponist hielt diesem Vergleich stand und ein einziger Misserfolg konnte das Aus für die Karriere bedeuten. Und so entstanden zwar viele Tragèdie Lyriques, jedoch mit weniger ausgefeilter Poesie. Nur wenige Komponisten hatten überhaupt Erfolg mit ihren Werken.


Am Hofe ließ sich der greise Sonnenkönig noch die alten Ballettweisen und Bühnenmusiken die Lully für Molière geschrieben hatte vorspielen.
In Paris bestimmten längst andere Komödiendichter das Feld, wie Marivaux, der eng mit dem Komponisten Mouret zusammen arbeitete.
Campra muss wohl das Ballet des Nations aus „Le Bourgeois Gentilhomme“ studiert haben, denn dieses Ballett war unzweifelhaft das Vorbild für sein neues Werk.
Das Ballet von Lully war als witziger und anmutiger Abschluss für die Komödie gedacht und hatte zur Abwechslung mal keinen mythologischen Hintergrund.
3 Nationen, Spanien, Italien und Frankreich besangen die Liebe, wie sie bei ihnen eben gepflegt wurde und zwar in der jeweiligen Landessprache. Das ganze wurde mit orginellen Tänzen garniert.

Campra übernahm das Konzept, jedoch erweiterte er die Nationen um die Türkei und stellte dem ganzen Werk einen Prolog voran.
Außerdem beließ er das Ballet im durchgängigen Französisch.
Destouches steuerte einige gesungene Airs von besonderer Schönheit bei.


Als L’Europe Galante auf die Bühne kam, war der Erfolg so groß, dass unzählige Aufführungen folgten. Und viele Komponisten ähnliche Werke verfasste.
Das Publikum, wie auch die Fachwelt war von diesem neuen Genre begeistert und das „Opera Ballet“ sollte neben der Tragèdie Lyrique das wichtigste musikalische Bühnengenre des 18. Jahrhunderts werden
Dazu trug einmal bei, dass man durch die etwas leichteren Themen niemals in die Verlegenheit kam mit den „heiligen Werken Lullys“ verglichen zu werden, dann der große Anteil an Tanz und Instrumentalmusik, sowie der weitestgehende Verzicht auf eine wirkliche dramatische Handlung, die mit Rezitativen voran getrieben wurde, kam dem Geschmack des aufstrebenden Bürgertums sehr entgegen.
Zumal die Opera Ballets trotz aller Oberflächlichkeit immer auch etwas Gesellschaftskritik zwischen den Zeilen mit sich bringen.

Ein weiterer Vorteil war, dass man die Themen beliebig wählen konnte, meist ging es um mythologische Schäferspiele aber auch exotische Themen wurden so auf die Bühne gebracht.
Rameaus „Les Indes Galantes“ ist hierfür nur das bekannteste Beispiel.

Das Opera Ballet war zudem keine geschlossene Form wie die Tragèdie Lyrique.
Ein Opera Ballet bestand in der regel aus einem Prolog und vier verschiedenen Actes de Ballet, die nicht mal vom gleichen Komponisten stammen musste, im Gegenteil man schätzte diese stilistische Abwechslung sehr.
Für die Actes de Ballet konnte man auch Geschichten verarbeiten, die für eine ganze Oper zu dünn waren oder dramaturgisch eigentlich nicht für die Bühne taugten.

Der Aufbau der Actes war stets gleich, die Geschichte handelt meist von einer emotionalen Verwicklung, den die Liebe war natürlich wichtigstes Thema.
Diese Verwicklung wird aber genauso schnell wieder bereinigt, wie sie aufgekommen ist, den Rest bilden dann Tänze und Ensemblenummer, die meist den Triumph der Liebe oder die Glückseeligkeit zum Inhalt haben.

In jedem Fall wesentlich leichtere Kost, als die hochdramatischen Tragèdie Lyriques.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde auch das alte Comèdie Ballet wieder reaktiviert.
Auch die Opera Comique basiert zu großen teilen auf diesen Werken.



Das Ausdrucksballett


Natürlich machte die Entwicklung neuer Tanzformen und Musiksparten auch nicht vor dem Ballet halt.
Durch den Ballettmeister Noverre emanzipierte sich das Ballett endgültig vom Gesang.
Das Ziel war es, eine Handlung allein durch den Tanz darzustellen.
Diese revolutionäre Idee wurde natürlich erstmal kräftig mit Spott überzogen, die Karikaturen dieser zeit sprechen für sich.
Doch diese Idee verbreitete sich recht schnell.
Das wohl berühmteste Werk dieses Genre ist der „Don Juan“ von Christoph Willibald Gluck.

Als diese ersten Werke auf die Bühne kamen verschwand allmählich der Spott und das neue Genre wurde Teil des Bühnenlebens.
Allerdings wurden diese Ballette meist als Pausenfüller oder nach den Opernaufführungen gegeben.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde es üblich zwischen den 3 Akten einer Opera Seria entweder eine Opera Buffa zu zeigen. Diese kleinen konischen Opern waren auch immer in zwei Teile gegliedert, damit sie zwischen die 3 Akte der großen Oper eingefügt werden konnten.
Oder aber man fügte eben ein Handlungsballett ein.
Meist hatte weder die Oper buffa noch das Ballett irgendetwas mit der eigentlichen Oper zu tun.
Aber das störte nicht – im Gegenteil.

Für diese Praxis ist Mozarts Ballett „Les Petit Riens“ das zu Piccinnis Oper „Le finte gemelle“ ( 1778 ) entstand, ein typisches Beispiel.
Heute wird diese „beiläufige Aufführung“ völlig falsch, als Degradierung von Mozart dargestellt.




Es war etwas völlig normales im 18. Jahrhundert Ballette so aufzuführen.
Unbekannt Sonntag, 9. August 2009, 15:20
so und nun zu den Aufnahmen: I. Ballettmusiken zu Zeiten Henri IV. & Louis XIII


ein Rekonstruktionsversuch des Ballet Comique de la Royne von 1581 ist von gabriel Garrido recht gut gelungen:


Ballet Comique de la Royne
Ensemble Elyma / Garrido


genauso stilsicher wie bei seinen Monteverdi Aufnahmen geht er auch hier zu Werke.
Die überlieferten Ballettsätze werden mit einem reichen Streicherensemble vorgetragen, besonders faszinierend sind auch die Vokalpartien.
Als Abschluss sind einige Tänze von Francois Caroubel zu hören, die manche wohl eher aus Praetorius "Terpsichore Musarum" kennen.


weitere Platten mit frühen Ballettmusiken sind jene:


L'Orchestre de Louis XIII
Le Concert des Nations / Savall

Jordi Savall beschränkt sich hier auf die reine Instrumentalmusik, die Quelle auf die ers sich stützt ist natürliche die faszinierende Philidor Sammlung, deren Partituren in den meisten Fällen beim Centre Musique Baroque de Versailles online einsehbar sind.

Highlight ist sicherlich das "Concert" für die 24 Violons du Roy, ein Instrumentalkonzert mit diversen Ballettsätzen, das für Louis XIII zusammen gestellt wurde.
Vielleicht die erste Orchestersuite im barocken Sinne....


eine andere wichtige Einspielung ist iese doppel CD:


Musique au temps de Richelieu
La Symphonie du Marais / Reyne


Hugo Reyne hat dieses faszinierende Programm bei dem Festival la Chabotterie vorgestellt, bei dem er die Leitung inne hat.
Ein Teil des Programms (hier CD1) umfasste die geistliche Musik aus der Zeit Richelieus - um es kurz zu machen, mit den Komponisten Boesset, Bouzignac und Moulinie bekommt Monteverdi ernsthaft Konkurrenz!

Auf der zweiten CD ist dann das geschichtsträchtige "Ballet de la Prosperité des armes de France" zu hören, ein Megaspektakel, das Richelieu in Auftrag gab, als seine Nichte in das französische Königshaus einheiratete.

Allerdings ist die Interpretation von Hugo Reyne eher bescheiden in ihren Dimensionen, auch wird auf Trompeten und Schlagwerk verzichtet - was aber sicherlich fehlt.
Dennoch ist es ein absolutes Vergnügen diese Musik endlich einmal hören zu können.

ebenfalls zu empfehlen die 3 CD's mit Ballettmusiken und Airs de Cour, die vom Ensemble "Le Poeme Harmonique" unter Dumestre bei Alpha erschienen sind.



mittlerweile gibt es die CD's im günstigeren Dreierpack.
CD1: Pierre Guedron, der Haushofmeister der königlichen Musik unter Henri IV.
CD2: Etienne Moulinie, der Intendant der Musik des Herzogs von Orlèans, dem verhassten Bruder Louis XIII
CD3: der Superintendant der königlichen Musik unter Louis XIII - Anthoine Boesset - den ich als französischen Monteverdi bezeichnen würde :D

alle Aufnahmen sind einfach nur genial - mehr kann man dazu einfach nicht sagen, man ist einfach sprachlos aufgrund dieser schönen, stimmungsvollen Musik.
Hoffentlich gibt es davon bald noch mehr.
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 16:08
Lully ist zwar als DER Komponist des frz. Barockballets in die Musikgeschichte eingegangen, jedoch tut man sich noch recht schwer, seine Ballette wieder aufzuführen.
Mit seinen Opern gibt es zum Glück weniger Berührungsängste.



Ballet Music for the Sun King
Aradia Baroque Ensemble / Mallon


diese Aufnahme serviert einige Auszüge aus den frühen Balletten Lullys:

Le Ballet Royal d'Alcidiane
Le Ballet de Xerxes (übrigens komplett)
Le Ballet Royal des Plaisirs
L'Amour malade
Ballet du Temps
und die Chaconne aus Le Bourgeois Gentilhomme


Wirklich zufrieden bin ich mit der Aufnahme nicht. Zu weich, zu kraftlos wird hier gespielt.
Vielleicht liegt es auch an der Aufnahmetechnik.

Gepatzt wurde auch noch. In den Balletteinlagen für Cavallis Xerxes gibt es den Satz "Les Matelots" dort verlangt Lully eine "Trompette Marine" das ist ein Instrument, das dem Trumscheid sehr ähnelt und wirklich wie eine Trompete klingt.
Hier wird auch nicht ganz deutlich was man nun gemacht hat, ist das nun eine Tröte aus dem Scherzartikelladen, oder hat man es auf einem Kamm geblasen ???

Egal zumindest gibt es durchaus einige schöne Momente und auch die Gesangsparts sind ganz gut gelungen - nur gerade da entlarvt sich der super hallige Aufnahmeort.

Tolles Projekt, aber einfach nicht gut umgesetzt :(



Le Ballet Royal d'Alcidiane et Polexandre
Ensemble la Folia


eine ältere Aufnahme, noch nicht direkt HIP, aber wesentlich ansprechender als die Aufnahme bei Naxos.
Hier sind freilich nur die Instrumentalpassagen vertreten - und das ist auch gut so, zur damaligen Zeit (1976) verstand man sich noch nicht so wirklich gut auf die Umsetzung des Gesangs des 17. Jh.)

Es wird abwechslungsreich musiziert, im Combat - dem herzstück - würde man sich Heute halt lieber barocke Trompeten wünschen, aber das ist alles halb so wild - die Umsetzung ist für damalige Verhältnisse absolut hörenswert.
Nur leider ist die CD gestrichen (aber das Ding bekommt man bei Ebay immer mal wieder angeboten)



Musiques pour le Marriage de Louis XIV

so und jetzt endlich die Spitzenaufnahmen der Symphonie du Marais :thumbsup:

Die Hochzeit des Sonnenkönigs ist Anlass gewesen, einige wirklich großartige Musikwerke aufzuführen.
Die Hochzeit selbst war reines Machtkalkül, Kardinal Mazarin arrangierte diese Hochzeit, die den Pyrenäenfrieden besiegeln sollte.
1660 war es dann soweit. Louis XIV reiste mit seinem gesamten Hofstaat Richtung Spanien.
Auf der Fasaninsel wurde dann das Treffen zwischen dem spanischen König Philipp IV. und Louis XIV vorgenommen.


Die Infantin, die zukünftige Königin Frankreichs, Marie Thersée soll dem jungen König nicht sonderlich zugesagt haben.
Es gibt sogar die Erzählung, dass er sich bei seinem Cousin dem großen Condé über ihre Flachbrüstigkeit ausgeweint haben soll.
Dem ehemaligen Führer der Fronde, der nach Spanien geflohen war, wurde durch den Frieden Amnestie gewährt.

Auf der gesamten Reise begleitet Louis XIV auch sein Hoforchester.
Der Hof reiste von Paris nach Fontainebleau, Chambord, Blois Bordeaux, Cadillac, Barsac, Bazas, Casteljaloux, Nérac, Lectoure, L’Isle –Jourdain, Mauvais und schließlich Toulouse. Dort wurde das „Ballet Royal de Toulouse“ aufgeführt.

Die Reise war von Festlichkeiten begleitet. So ist überliefert, dass es ständig Ballette und Bälle gab.
In Bayonne spielten sieben Oboen auf einem Schiff, in Perpignan wurde ein Ball im spanischen Stil gegeben in Aix en Provence ein Te Deum gesungen und Carcassonne ein weiteres Ballett aufgeführt.

Die Hochzeit selbst fand in Saint Jean de Luz statt.
Einige Einzelheiten sind überliefert, jedoch weiß man nicht welche Musiken wirklich aufgeführt wurden.
Lully dirigierte sein Orchester, und Louis Couperin spielte die Orgel.
Beim triumphalen Einzug des Königs in Paris wurde Lullys Motette „Jubilate Deo“ aufgeführt – auch Motet de la Paix genannt.
Diese Motette war Lullys erstes religiöses Werk.
Der König der nur die Ballettmusiken seine Lieblingskomponisten kannte war mehr als begeistert und ließ die Motette noch mehrere Male singen.


Mazarin hatte niemand geringeren als Francesco Cavalli engagiert um die Festoper zur Hochzeit des frz. Königs zu schreiben.
Im Palais des Tuilleries wurde unter der Anleitung von Torelli ein fantastischer „Salle des Maschines“ installierte.
Doch weder die Prunkoper „Ercole amante“ noch der neue Theater Saal wurden rechtzeitig fertig.
Stattdessen wich man auf das Theater im „Petit Bourbon“ aus und Cavalli arrangierte dafür ein älteres Werk um „Xerxes“.
Zu beiden Opern schrieb Lully großartige Ballettmusiken.
Zudem soll Lully seinen Kollegen Cavalli in seiner Arbeit an der Oper „Ercole amante“ massiv sabotiert haben.

Xerxes fiel beim Publikum durch, Lullys Ballettmusiken wurden gefeiert.
Die sollte zwei Jahre später nicht anders sein.

Mit der Festoper „Ercole amante“ wurde der neue Theatersaal der Tuilleries eingeweiht. Lully komponierte ein prächtiges Ballett dazu „Le Ballet Royal d’Hercule amoureux“
In diesem Ballet trat Louis XIV gleich drei mal als Tänzer auf:
Als Repräsentant des Hauses Frankreichs
Als Mars
Und schließlich als Sonne im abschließenden „Ballett Royal des sept Planetes“

Dieser letzte Auftritt brachte Louis XIV den Spitsnamen „Roi Soleil“ ein, denn der Hof skandierte beim Auftritt des Königs „Vive le Roi – Soleil“





Die Hochzeit Louis XIV Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen
Die Hochzeit Louis XIV



Die Hochzeit des Sonnenkönigs ist Anlass gewesen, einige wirklich großartige Musikwerke aufzuführen.
Die Hochzeit selbst war reines Machtkalkül, Kardinal Mazarin arrangierte diese Hochzeit, die den Pyrenäenfrieden besiegeln sollte.
1660 war es dann soweit. Louis XIV reiste mit seinem gesamten Hofstaat Richtung Spanien.
Auf der Fasaninsel wurde dann das Treffen zwischen dem spanischen König Philipp IV. und Louis XIV vorgenommen.


Die Infantin, die zukünftige Königin Frankreichs, Marie Thersée soll dem jungen König nicht sonderlich zugesagt haben.
Es gibt sogar die Erzählung, dass er sich bei seinem Cousin dem großen Condé über ihre Flachbrüstigkeit ausgeweint haben soll.
Dem ehemaligen Führer der Fronde, der nach Spanien geflohen war, wurde durch den Frieden Amnestie gewährt.

Auf der gesamten Reise begleitet Louis XIV auch sein Hoforchester.
Der Hof reiste von Paris nach Fontainebleau, Chambord, Blois Bordeaux, Cadillac, Barsac, Bazas, Casteljaloux, Nérac, Lectoure, L’Isle –Jourdain, Mauvais und schließlich Toulouse. Dort wurde das „Ballet Royal de Toulouse“ aufgeführt.

Die Reise war von Festlichkeiten begleitet. So ist überliefert, dass es ständig Ballette und Bälle gab.
In Bayonne spielten sieben Oboen auf einem Schiff, in Perpignan wurde ein Ball im spanischen Stil gegeben in Aix en Provence ein Te Deum gesungen und Carcassonne ein weiteres Ballett aufgeführt.

Die Hochzeit selbst fand in Saint Jean de Luz statt.
Einige Einzelheiten sind überliefert, jedoch weiß man nicht welche Musiken wirklich aufgeführt wurden.
Lully dirigierte sein Orchester, und Louis Couperin spielte die Orgel.
Beim triumphalen Einzug des Königs in Paris wurde Lullys Motette „Jubilate Deo“ aufgeführt – auch Motet de la Paix genannt.
Diese Motette war Lullys erstes religiöses Werk.
Der König der nur die Ballettmusiken seine Lieblingskomponisten kannte war mehr als begeistert und ließ die Motette noch mehrere Male singen.


Mazarin hatte niemand geringeren als Francesco Cavalli engagiert um die Festoper zur Hochzeit des frz. Königs zu schreiben.
Im Palais des Tuilleries wurde unter der Anleitung von Torelli ein fantastischer „Salle des Maschines“ installierte.
Doch weder die Prunkoper „Ercole amante“ noch der neue Theater Saal wurden rechtzeitig fertig.
Stattdessen wich man auf das Theater im „Petit Bourbon“ aus und Cavalli arrangierte dafür ein älteres Werk um „Xerxes“.
Zu beiden Opern schrieb Lully großartige Ballettmusiken.
Zudem soll Lully seinen Kollegen Cavalli in seiner Arbeit an der Oper „Ercole amante“ massiv sabotiert haben.

Xerxes fiel beim Publikum durch, Lullys Ballettmusiken wurden gefeiert.
Die sollte zwei Jahre später nicht anders sein.

Mit der Festoper „Ercole amante“ wurde der neue Theatersaal der Tuilleries eingeweiht. Lully komponierte ein prächtiges Ballett dazu „Le Ballet Royal d’Hercule amoureux“
In diesem Ballet trat Louis XIV gleich drei mal als Tänzer auf:
Als Repräsentant des Hauses Frankreichs
Als Mars
Und schließlich als Sonne im abschließenden „Ballett Royal des sept Planetes“

Dieser letzte Auftritt brachte Louis XIV den Spitsnamen „Roi Soleil“ ein, denn der Hof skandierte beim Auftritt des Königs „Vive le Roi – Soleil“



Hugo Reyne hat nun endlich als Vol. IX seiner Serie „Lully ou le Musicien du Soleil“ diese Hochzeit musikalisch thematisiert.


Musiques pour le Marriage de Louis XIV
La Simphonie du Marais / Reyne



Enthalten ist auf CD 1 :

Aus dem Ballet de Toulouse die Ouverture und eine Gigue, die einzigen Sätze die aus diesem Ballett überdauert haben.
Die gesamte Ballettmusik zu Xerxes von Lully.
Drei Airs de la Paix, zwei davon von Lully, das andere von Lambert.
Und die Motet de la Paix „Jubilate deo“ von Lully

Auf CD 2:

Der Prolog und das Finale der Prunkoper „Ercole amante“ von Francesco Cavalli
Sowie die gesamte Ballettmusik „Hercule Amoureux“ von Lully



Die Interpretation ist wie auch bei den anderen Einspielungen des Ensembles wunderbar.
Die Tänze werden im richtigen tempo gespielt, prächtig instrumentiert und teilweise mit Schlagwerk untermalt.
Auch die Opernszenen sind hervorragend gelungen.
Besonders beeindruckt die Motette die im Vergleich zu Schneebelis Einspielung zwar solitischer ist, aber viel besser gestaltet wurde.



Das Hightlight ist natürlich die Ballettmusik zu „Ercole amante“ Nach allem was ich bisher von Lullys Ballettmusik kenne, ist dies mit Abstand die Beste.
Genauso habe ich mir das vorgestellt – ein Jammer dass bei der alten Aufnahme der Cavalli Oper diese Ballette ausgespart worden sind, denn sie verdienen wirklich Beachtung.
Und der Unterschied zwischen der italienischen und der französischen Musik wird hier wirklich mehr als deutlich.

Besonders Reizvoll ist auch ein Sprecher der zwischen den Musiknummern historische Briefe zitiert oder die Texte zu den Balletten vorträgt.


Die Besetzung der Simphonie du Marais:

6 Violinen
2 Bratschen
2 Violonen
1 Gambe
1 Theorbe / Guitarre
1 Cembalo
1 Oboe / Flöte
1 Flöte
2 Trompeten
Schlagzeug

Die Sänger:

Francoise Masset
Céline Ricci
Francois Nicolas Geslot
Florian Westphal
Agathe Boudet
Stéphan Levy
Thomas van Essen
Stefan Fruh
Francois Echassoux

Und als Sprecher :

Jean Denis Monory


Ballet Royal des Arts

Das Ballet Royal des Arts wurde am 8. Januar des Jahres 1663 aufgeführt und wie üblich durch die Mitglieder des Hofes getanzt.
Das besondere ist vielleicht, dass durch dieses Ballett Lullys frühe Schaffensperiode abgeschlossen wurde.
Seit 1654 hatte er jedes Jahr ein bis drei Ballette für Louis XIV verfasst, daneben auch noch kleinere Gelegenheitswerke.


Um die Zeit der Entstehung noch etwas zu beleuchten, 1660 heiratete Louis XIV die Infantin von Spanien, kurz darauf starb der Kardinal Mazarin und Louis XIV übernahm die Alleinherrschaft.
1661 fand das berüchtigte Fest in Vaux-le-Vicomte statt, dass zu allerlei Legendbildung anregte, aber sich letztlich nur ein korrupter Finanzminister selbst den Strick drehte.
Ab jetzt begannen die großen Bauarbeiten in Versailles, dass dann 1664 mit allergrößtem Pomp eingeweiht werden sollte (Les Plaisirs de l’Îsle enchantée)
Aber natürlich gab es für dieses Ballett auch einen offiziellen Anlass:

1662 feierte Louis XIV seinen Einzug in Dünkirchen, es wurde fast als militärischer Sieg gefeiert, dabei hatte er die Stadt "nur" gekauft.
Dennoch war das Ereignis bedeutend genug um Europa einen kleinen Schrecken von der Macht des Sonnenkönigs zu versetzen.
Und man ließ es sich auch nicht nehmen, von dem Ereignis einen Gobelin anfertigen zu lassen:



Man führte zu diesem Ereignis also das Ballet des Arts auf, das eben auch eine entsprechende Botschaft hatte.
Das Ballet ist in 7 große Entrées aufgeteilt, die von einer Ouvertüre im alten Stil eröffnet werden:

Premier Entrée: L’Agriculture (die Landwirtschaft)
Deuxième Entrée : La Navigation (die Navigation)
Troisième Entrée: L’Orfèvrerie (die Goldschmidekunst)
Quatrième Entrée: La Peinture (die Malerei)
Cinquième Entrée : La Chasse (die Jagd)
Sixième Entrée : La Chirugie (die Heilkunst)
Septième Entrée : La Guerre (die Kriegskunst)



Jedes Entrée besteht aus mehreren Tänzen und einem eröffnendem Air de Cour, die ersten beiden stammen von Michel Lambert, der ja für viele Ballette die vokalen Partien verfasste.

Interessant ist, was man alles unter "die Künste" vereinte, niemand käme Heute mehr auf die Idee Landwirtschaft oder die Jagd als Kunst zu bezeichnen – umso seltsamer erschein es, dass Poesie und Musik gar nicht auftauchen.
Dass einige Entrées dadurch auch genügend Raum für komische Szenen bieten, liegt auf der Hand.

Louis XIV tanzte natürlich auch mit, nein diesmal nicht als die Sonne, sondern als die Allegorie des Krieges im letzten Aufzug – eine eindeutige Botschaft an die Herrscher Europas.



Ballet Royal de Flore


das letzte echte Ballet de Cour der frz. Musikgeschichte.

Und darüber hinaus eines der reizvollsten Lully Werke die ich kenne.
Viele Passagen daraus gerieten auch zu großer Popularität.
Übrigens tanzte Louis XIV hier auch als Verkörperung der Sonne mit.



Le Triomphe de l'Amour

1681 befand sich Lully längst im Zenit seines Schaffens, seit 1672 folgte jedes Jahr eine Tragèdie Lyrique die unter großem Beifall aufgenommen wurden.
In Europa war er längst zum berühmtesten Komponisten aufgestiegen. Die französische Oper hatte sich neben der italienischen etabliert.
Louis XIV wünschte sich aber für das Jahr 1681 keine Oper, er wollte die glanzvolle Zeit der Hofballette wieder auferstehen lassen.
So gab er Lully den Auftrag zum letzten Mal ein Ballet Royal zu komponieren.
Es entstand eines der bekanntesten Werke Lullys "Le Triomphe de l'Amour"
Doch diesmal tanzte nicht der Sonnenkönig, sondern dessen Kinder.


In den Jahren bis 1685 folgten noch weitere Werke, die aber man aber wohl eher als Divertissement bezeichnen würde (Idylle sur la Paix & le Temple de la Paix)

die Iydlle über den Frieden wurde auch von H. Reyne aufgenommen:



Idylle sur la Paix de Jean Racine

das besondere an dem Werk, es wurde auf einen Text von jean Racine verfasst.
Auf dieser CD ist auch eine reine Orchestersuite aus dem "Temple" mit dabei.
Nur leider hat man nicht die wunderschöne Chaconne mitaufgenommen, die eine frapierende Ähnlichkeit mit jener aus der Oper "Amadis" hat.


Ich hoffe sehr, dass in den nächsten Jahren noch zumindest die beiden Ballette "La Naissance de Venus" und "Les Muses" aufgenommen werden.
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 16:47
ach ja gerade sind 3 neue CD's veröffentlicht worden, die speziell dazu dienen die wichtigsten Tänze des Hochbarock zu erlernen - allerdings ist die Interpretation derat gut geglückt, dass man sie auch ohne ambitioniertes Vorhaben hören kann :D

ich zitiere mal:

Zitat

Für jedes Stück dieser Musiksammlung sind
originale Choreographien aus dem 18. Jahrhundert überliefert.
Für diese erste CD habe ich vor allem Stücke
für Damen (pour un femme) und für Solopaare (une femme et un homme) ausgewählt.
Diese leichten, heiteren Tänze zeigen die ganze Farbpalette
der Dances de Bal bis hin zu den Entrées de Ballet.
Mit dem Leipziger Barockorchester unter Leitung von Konstanze Beyer
entfaltet die Musik von Lully ihre ganze Pracht.

Die Stücke sind in jeweils zwei Geschwindigkeiten auf der CD.
Der erste Block in der authentischen Geschwindigkeit
nach L'Affilard (1705), D'Onzembray (1732) und La Chapelle (1737).
Diese Rekonstruktion historischer Spielweise
führte zu überraschenden Ergebnissen.
Die ganze Musik verliert Ihren schweren Charakter
und hilft dem Tänzer, hebt ihn und trägt ihn mit.
Im zweiten Block dann nochmals in moderater Übungsgeschwindigkeit.
Diese Übungsstücke haben je einen Track pro Choreographieseite.
Dies soll helfen, die Seiten einzeln zu üben und wiederholen zu können.





Inhalt:

Mariée - Ballet Royal de Flore
Passacaille - Armide
Entrée pour un homme et une femme - Persée
2e. Entrée de Persée
Entrée pour un homme et une femme - Thésée
La Gaillarde - Thesee
Le Canary de Madame la Dauphine
La bourée de Mlle. Charollois
La Bourrée Dauphine
Chaconne - Galathée
Entrée seul pour une femme
Entrée pour une femme seul
La Contredance



Inhalt:

Entrée Espagnole pour une femme
Entrée Espagnolle
La Forlana
Entrée de paysant
Turkish Dance
Chaconne – Europe Galante
Sarabande à deux
Contre-dance à deux
Gigue pour une femme - Tancréde
La Vendangeuse
La Saltarelle
Entrée à deux
Entrée pour une femme – Forlane
La Conty




Inhalt:

Ballet de neuf Danceurs
La Royalle
La Pavane des Saisons
Contrefaiseurs
Entrée pour un homme et une femme - Omphalle
Passagalia of Venüs & Adonis
Loure or Faune
Entrée de paysan
Entrée d' Arlequin
Madelon Friquet Paysan
The Great Turk


die CD's kann man hier beziehen: www.barocktanz.com

ich werde mir die demnächst auch gönnen *freu* :D
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 17:10
eine doppel CD, die ebenfalls sehr zu empfehlen wäre - wenn sie denn noch lieferbar sein würde, ist jene:



Musiques à Danser a la Cour et l'Opera

Les Talens Lyriques - Christophe Rousset
La Symphonie du Marais - Hugo Reyne


Eine phänomenale Aufnahme, soweit ich weiß, war dies eine der ersten offiziellen Aufnahmen frz. Barockmusik die in Zusammenarbeit mit einem Tanzensemble - hier sogar das legendäre Ris et danceries von Francine Lancelot - entstand.
Völlig neue Tempi, ein ganz anderer Zugang zu den Stücken!

Auf CD 1 wir großorchestral unter Rousset einige der berühmtesten Tänze aus den Hofopern zur Zeit Louis XIV wiedergegeben, einige auch gesungen.
Leider musste sich Rousset hier aber auch als cembalist in Szene setzen, so dass einige Tänze ausschließlich in Cembalofassung zu hören sind - er spielt nicht schlecht, ganz im gegenteil, aber das passt (meiner Meinung nach) jetzt nicht hier her.
Vor allem wurden Tänze aufgenommen, deren Choreographie in den berühmten Sammlungen von Feuillet auftauchten.

Zur musikalischen Umsetzung muss ich wohl nicht viel sagen.

CD 2 widmet sich den reinen Hoftänzen - und hier spielt das Ensemble La Symphonie du Marais unter Hugo Reyne.
Neben der Gesamtaufnahme der Symphonies pour les Soupers du Roy von Delalande, ist dies zweifellos die beste Aufnahme des Ensembles !

Man hat sogar die Suite des Branles von Lully aufgenommen, mit der man am Hofe Louis XIV stets die Hofbälle zu eröffnen pflegte.
Und diese Suite gammelt in der originalen Handschrift übrigens hier in Kassel vor sich hin.
Ich hatte das Original in den Händen ...

Und die ganzen Komponisten die auf den beiden CD's vertreten sind ist auch nur mit "Creme de la Creme des frz. Barock" zu bezeichnen:

Lully - Campra - Delalande - Marais - Gervais - Philidor


ganz grandios gemacht :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 19:43
:shock: :shock: :shock: :jubel: :jubel: :jubel:

Bin gar vom Lesen so erschöpft, als hätt' ich den ganzen Abend getanzt... :P



Darf ich den Namen Johann Heinrich Schmelzer einwerfen, der ja der Balett-Komponist für den Hof Leopolds I. war? Wenn ich mich nicht irre setzte diese Arbeit später sein Sohn, Andreas Anton Schmelzer weiter. Mehr weiß ich aber dazu leider (!!!) nicht.

Monsieur Berry?
Unbekannt Mittwoch, 2. September 2009, 19:46
ja sicher es soll ja generell um den Tanz und das Ballett im Barock gehen - ohne Schmelzer geht da natürlich nichts.
Ich hab da noch einen Thread bei Tamino - den würde ich hier mal rüber ziehen - zur fröhlichen Ergänzung :D
Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 07:30
ja sicher es soll ja generell um den Tanz und das Ballett im Barock gehen - ohne Schmelzer geht da natürlich nichts.
Ich hab da noch einen Thread bei Tamino - den würde ich hier mal rüber ziehen - zur fröhlichen Ergänzung :D
Ich bin schon gespannt... :yes:
Unbekannt Dienstag, 15. September 2009, 16:25
nochmal einen Schritt zurück, die bekannteste Sammlung von Tanzmusik ist ja unbestritten "Terpsichore" von Michael Praetorius.

Bei älteren Aufnahmen werden als Titelbilder sehr gerne bäuerische Szenen verwendet und entsprechend derb musiziert - dabei sind die meisten Stücke wohl ausschließlich bei Hofe erklungen und zwar am frz. Hofe.
Es ist das Repertoire der Hofbälle das Francois Caroubel verwaltete und warscheinlich auch selbst komponierte.
Praetorius ist somit vielmehr nur der Herausgeber dieser Weisen.


Francois Caroubel war Geiger am Hofe Henri IV und starb um 1610.

Aufnahmen gibt es viele, die meisten sind auch ganz gut, aber nicht alle sind wirklich Stilecht.



die Aufnahme bei Naxos ist bunt, auch elegant und stellenweise richtig superp gelungen.
Nur das Titelbild erinnert eben an die falsche zuordnung der Tänze.



Tuberys Aufnahme ist wohl eine der besten. Er spielt wesentlich eleganter und viel näher am höfischen Vorbild orientiert.
Manche Tänze lassen schon in seiner Interpretation den späteren Lully erahnen.



Pickett fährt wieder ein riesiges Instrumentarium auf, auch seine Aufnahme ist weit davon entfernt in die Derbheit früherer Aufnahmen zu verfallen, das Titelbild zeigt ja schon, dass man sich nun bewusst ist, wohin diese Musik gehört.




Holmann verabschiedet sich völlig von der Volkstümlichkeit, ein Großteil der Tänze wird mit einem reinen Streicherensemble aufgeführt, so wie es wahrscheinlich auch am Hofe vorgesehen war.

Der Vorteil ist, fast alle Einspielungen haben teilweise völlig unterschiedliche Tänze in ihrer Auswahl - somit ist keine Aufnahme letztlich überflüssig.

Ich hätte aber gerne eine Gesamtaufnahme aller Tänze mit Hesperion XXI , dem Concert des Nations unter Jordi Savall :boese:
Unbekannt Dienstag, 15. September 2009, 18:37
Und was ist mit Danserey von Tielman Susato?

Eine schöne Aufnahme:

Unbekannt Dienstag, 15. September 2009, 20:27
die gefällt mir auch ziemlich gut.
Vor allem weil Pickett auch da so ein riesen Ensemble auffährt.

Wahrscheinlich war ein solcher Klangrausch auch nur an den großen Königshöfen in diesem Stil anzutreffen :thumbsup:

Da in Frankreich das Ballett schon im 16. Jahrhundert zum höfischen Leben gehörte kann man annehmen, dass auc einige dieser Tänze wohl bei solchen Veranstaltungen Verwendung fanden.

In der Philidorsammlung gibt es Tänze aus Balleten bis in die Zeit Francois I. - das sind dann aber wirklich nur noch Fragmente... da muss man dann wohl seine Phantasie spielen lassen.
Unbekannt Mittwoch, 7. Oktober 2009, 11:29
Guten Tag

Darf ich den Namen Johann Heinrich Schmelzer einwerfen, der ja der Balett-Komponist für den Hof Leopolds I. war?

Im höfischen, barocken Unterhaltungsbetrieb in Wien hatten Tanzveranstaltungen eine enorm riesen Bedeutung. Das Bedürfnis zu Tanzen war am Hof so groß, dass man Heinrich Schmelzer noch vor seiner Ernennung zum Hofkapellmeister 1679 nur mit der Komposition von Tanzsachen beauftragte, dem musikbegeisterten Kaiser war das besondere Talent Schmelzer wohl aufgefallen. Er schrieb die Balletteinlagen zu nahezu allen Opern der Zeit.

Die Tanzvergnügen am Wiener Hof gestalteten sich gegenüber denen am französischen Königshof völlig anders. Während sie in Frankreich bekanntlich als notwendiger Bestandteil der Repräsentation des Absolutismus waren -der König war der Mittelpunkt des Hofstaates und des Staates überhaupt- und inszenierten dies mit Mitteln der Tanzkunst, bevorzugte man am Wiener Hof andere Formen der Unterhaltung und zwar in Form der sogenannten „Wirtschaften“. Der Kaiser und die Kaiserin traten als gastgebendes Wirts- oder Bauernpaar auf.

Die vorwiegend aus Italien stammenden Tanzmeister brachten mit Sicherheit ihre nationalen Tänze mit. Wichtig war aber ein rein musikalisch-tänzerischer Aspekt der in den „Wirtschaften“ zum Ausdruck kam:

Tanzmusik aus der einheimischen Volksmusik, die man nicht nach Noten spielte; das Volkstümliche und Bodenständige war ein wesentlicher Charakter der Musik am Wiener Hof, auch außerhalb der Tanzmusik.
In den Instrumentalwerken von Schmelzer, Poglietti, Fux und auch Leopolds I. wurden die volkstümlichen Melodien und Tänze kunstvoll verarbeitet, der Ursprung aus der Volksmusik war offensichtlich.
Dieser Impuls hielt sich in Wien noch lange Jahre, in den Werken der Klassiker wie z.B. Haydn und Mozart ein wichtiges Element.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Mittwoch, 24. November 2010, 19:40
Händel verfasste auch ein einziges "Opera Ballet" oder vielmehr eine "Acte de Ballet"



Das Ballett Terpsichore ist ein absolut singuläres Werk in Händels Gesamtwerk.
Es war als eine Prolog für die Wiederaufnahme der Oper "Il Pastor Fido" gedacht.


Die berühmte Tänzerin "Marie Salle" gastierte mit ihrer Truppe in London und die Balletteinlagen die es in Alcina und Ariodante gibt, rühren daher, das Händel sie für sein Haus gewinnen konnte.

Die reinen Ballettsätze gibts auch noch in einer wunderbaren Einspielung von Gardiner:


(für den geräumigen Geldbeutel)

und fürs normale Publikum:


Unbekannt Freitag, 26. November 2010, 23:54
Ich gienieße diese Tage die Terpsicore-Suite auf dieser CD:



Händels Musik klingt in dieser Suite französischer denn je.
Die Chaconne am Ende, zu der, so der CD-Text, Marie Sallé selbst getanzt haben dürfte, geht auf die Passacaille nach dem 2. Akt der Oper Radamisto zurück.
Für Radamisto hat Händel ja mehrere Tänze zwischen den Akten komponiert. Auch diese sind wunderbar.
Unbekannt Samstag, 27. November 2010, 06:30
von Händel gibt es noch mehr Ballettmusik, z.B. aus seinen frühen Opern:



Faszinierend ist hierbei wie manche Tänze sich später als Opernarien wiederfinden.
So französisch wird man Händel so schnell nicht wieder hören :thumbsup:

Peter Holmann hat hier Ballettsuiten aus den Opern Almira und Rodrigo aufgenommen, ebenso eine weitere Suite, die er der verschollenen Oper "Nero" zuordnet.
Unbekannt Sonntag, 28. November 2010, 00:26
Danke!

Die Almira-Tänze wurden auf meinem ersten Barockkonzert Anfang dieses Jahres in der Philarmonie von AKAMUS gespielt. Ich war hin und weg. Die AKAMUS-CD zu den Suiten des Barocks werde ich mir auch noch anhören.

Händel war, glaube ich, vor seiner Italienreise noch wie Telemann sehr von Lully beeinflusst. Und die französischen Einflüsse haben sich erst später in London wieder zurückgemeldet.
Unbekannt Dienstag, 7. Dezember 2010, 22:17
Hallo Duc,

Wie steht es eigentlich um den Barocktanz heute?

Ich wollte ja damit anfangen (denn privat tanze ich für mich, ganz improvisiert zu Telemann und Co.). In Potsdam gibt es einen Verein, aber das ist zu weit.

In Berlin wurde mir bei "l'espace" nun ein Wochenend-Workshop Anfang nächsten Jahres in Aussicht gestellt.

Außerdem bietet, wie ich am WE herausgefunden habe, die Hans Eisler-Hochschule einen Workshop an.

Ich bin auf Deine Antwort gespannt.
Am WE werde ich mich in Deinen langen threaderöffnenden Artikel vertiefen und dann auch etwas über Marie Sallé lesen.
Unbekannt Dienstag, 7. Dezember 2010, 23:11
Guten Abend
nochmal einen Schritt zurück, die bekannteste Sammlung von Tanzmusik ist ja unbestritten "Terpsichore" von Michael Praetorius.

Bei älteren Aufnahmen werden als Titelbilder sehr gerne bäuerische Szenen verwendet und entsprechend derb musiziert - dabei sind die meisten Stücke wohl ausschließlich bei Hofe erklungen und zwar am frz. Hofe.
Es ist das Repertoire der Hofbälle das Francois Caroubel verwaltete und warscheinlich auch selbst komponierte.
Praetorius ist somit vielmehr nur der Herausgeber dieser Weisen.


Francois Caroubel war Geiger am Hofe Henri IV und starb um 1610.

Aufnahmen gibt es viele, die meisten sind auch ganz gut, aber nicht alle sind wirklich Stilecht.



Seit kurzen habe ich diese



CD " Et la fleur vole - Tänze und Airs de cour um 1600 ", eine Mischung aus eingängigen Tanz- und Gesangsnummern, mit dem Ensemble Les Musiciens de Saint-Julien, bei der nicht nur das Coverbild stimmt. Eingespielt sind berühmte Tanzarrangements Michael Praetorius, deren Ursprung der französische Tanz darstellt. Elegant und trotzdem lebhaft werden die Bouréen, Passepieds und Couranten sowie die solistische Airs de cour, u.a. von Antoine Boesset und Pierre Guédron, auf zeitgenössischen Pastoral-Instrumentarium wie Musette-Dudelsack, Querflöten, diversen Streich- und Zupfinstrumenten und Schlagwerk musiziert.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 26. Dezember 2010, 13:41
Jetzt hatte ich endlich die Zeit, diesen sehr interessante Thread (jedenfalls der Anfang) genau zu lesen. Vielen Dank.

Zitat

Bis in die 1670er Jahre hinein war es übrigens Frauen verboten auf der Bühne zu tanzen, da man ihnen nicht zutraute die Eleganz der Männer zu erreichen.
Natürlich traten Frauen, besser gesagt die Fürstinnen in den Hofballetten ganz selbstverständlich auf.
Gemeint sind hier Ballettveranstaltungen die zur reinen Aufführung dienten.
Es war ja seit langem üblich in den frühen Opern oder Theaterstücken Ballettmusik einzuflechten.
Hier tanzten ausschließlich Männer und stets mit Masken.
Denn so seltsam es klingen mag, wurde das öffentliche Auftreten als Sänger oder Tänzer scheinbar als unehrenhaft angesehen – am Hofe gehörte diese Betätigung zur festen Ausbildung eines Adligen.
Aber solche Widersprüche ziehen sich durch fast alle Gebiete der barocken Gesellschaft.
Ging es wirklich nur um die Eleganz oder ging es hier nicht mehr? In Italien war es Frauen nur in Opern erlaubt auf der Bühne zu stehen.
In Großbritannien durften Frauen erst in der Restoration-Zeit (ab 1660) erlaubt, auf Bühnen aufzutreten.

Der Auftritt von nicht-adeligen professionellen SchauspielerInnen wurde vielleicht als unehrenhaft angesehen, weil sie ja für kurze Zeit in die Rolle von Adeligen schlüpften.
Ist nur eine Idee. Werde mich mehr darüber informieren.
Unbekannt Montag, 10. Januar 2011, 14:18
Statt der oben erwähnten CDs mit dem Motto "Fleur de Lys" habe ich mir eine weitere CD der Edition gekauft, die ein Teil des Repertoires der CDs aufgreift und ebenfalls vom Leipziger Barockorchester interpretiert wird:




Die Interpretation ist wirklich fabelhaft, zwar gibt es einige Stücke die ich mir anders vorgestellt hätte, aber es ist durchaus reizvoll sie mal in anderen Varianten zu hören.
Was aber etwas enttäuschend ist, ist die CD Edition selbst.
Es gibt sonst keinerlei Text oder Information zu den Stücken.
Gut, in erster Linie sind die CDs für Tänzer gedacht, vor allem die Cds I - III, da hier alle Stücke in zwei Geschwindigkeiten zu hören sind.
Aber diese CD scheint doch eher an die "Nur-Hörer" gerichtet zu sein.
Wenn man genug Vorwissen hat, dann kennt man die Stücke sowieso alle und weiß sie einzuordnen und man kennt die Bühnenstücke.
Aber jemand der einen Erstkontakt hat, den erwartet nur die pure, unkommentierte Musik, was ja nicht unbedingt verkehrt sein muss.
Aber bei einer musikalisch so hochwertigen Produktion hätte ich mir schon etwas mehr erhofft.

Etwa die Hälfte der CD gehört Lully, man hört allerhand bekannte und eher unbekannte Tänze und Ballette. Zur Eröffnung der CD gibt es das prächtige finale Ballett mit Pauken und Trompeten aus Bellérophon, was im Original zwar auch noch vom Chor gesungen wird, aber diese instrumentale Fassung hat durchaus ihren Reiz.
Ansonsten werden Tänze aus "Armide" "Acis et Galatée" "Le Temple de la Paix" "Isis" "Atys" "Les nopces de Village" "Le Triomphe de l'amour" "Roland" und "Le Bourgeois Gentilhomme" zum Besten gegeben.

Die zweite Hälfte der CD teilen sich Campra (L'Europe Galante, Tancrède, Les Ages, Le Carnaval de Venise, Arethuse)und die Komponisten Philidor (La Furstemberg - kennt man von Purcell), Desmarest (Venus et Adonis) und Destouches (Omphale).


Musikalisch ist die CD ein Hochgenuss, auch von der Aufnahmetechnik soweit ich das beurteilen kann.
Ich denke die anderen CDs werde ich mir auch noch gönnen. Schade, dass die Edition selbst so nichtssagend ist. Die Cover sprechen ja nicht gerade von großer Kreativität... aber es kommt ja schließlich auf die Musik an.