Unbekannt
Freitag, 4. Dezember 2009, 19:46
Es gibt wohl kaum einen Komponisten, dem durch die Geschichte, Literaten, Romanciers, parteiische Kritiker und allgemeine, aber natürlich falsche Vorurteile mehr geschadet wurde.
Wenn es einen Komponisten gibt, der als Antichrist, als mittelmäßiger, neidischer Intrigant herhalten muss, dann ist es zweifellos Antonio Salieri.
Auch wenn man Heute allgemein weiß, das der Mord an Mozarts ein Erfindung war, so hat dies wenig Einfluss darauf, was man allgemein von Salieri hält.
Sein Charakter ist wohl vor allem durch den Film „Amadeus“ gezeichnet worden.
Aber wer war Salieri wirklich ? Was ist dran an den ganzen Behauptungen ?
Hat er Mozart, wie so oft behauptet wurde, die Karriere verbaut ?

Antonio Salieri
Biographisches und seine Werke:
Antonio Salieri wurde 1750 in Legnago geboren. Der Vater war in der Tat ein wohlhabender Kaufmann, allerdings war Salieri nicht der einzig musikalisch begabte Sohn, sein Bruder Francesco erhielt Unterricht bei Tartini.
Von seinem Bruder erhielt er dann wohl auch den ersten musikalischen Unterricht.
Durch seine Herkunft aus wohlhabenden Hause, wurde auch an seiner übrigen Erziehung nicht gespart.
1766 wird Salieri nach Venedig mitgenommen, 3 Jahre zuvor starben seine Eltern. Sein Vater hatte sich spekuliert und das gesamte Vermögen der Familie in den Sand gesetzt.
Dies mag er nicht verkraftet haben - kurze Zeit später starb er.
Salieri war gezwungen das Eltenhaus zu verlassen.
Zuerst ging er auf eigene Faust nach Padua zu seinem Bruder, der dort als Mönch an der Kirche San Francesco war. Antonio wollte ebenfalls dort eintreten, hauptsächlich wohl um in der Nähe seines Bruders zu sein.
Doch es kam anders, ein Freund der Familie, Giovanni Mocenigo der einer venezianischen Adelsfamilie angehörte, nahm den begabten Jungen mit sich.
In seinem Palazzo durfte er seine Ausbildung fortsetzen.
Mocenigo war nicht irgendwer, dieser Name war in Venedig und selbst Europa wohl bekannt, keine Familie hatte in der Geschichte Venedigs mehr Dogen gestellt und es gab nicht viele venezianische Sippen, die sich an Reichtum und Einfluss mit ihnen messen konnten.
Und durch diese glückliche Fügung gelangte auch Salieri in die besten Musikerkreise.
Bei Giovanni Battista Pescetti, dem Kapellmeister von San Marco erlernte er den Generalbaß, auch diese Lehre machte sein Patron möglich.
Auch Pescetti bestätigte die außergewöhnliche Begabung des Jungen und empfahl ihn ins Opernzentrum Italiens, bzw. Europas zu schicken: Neapel
Doch wieder kam es anders:
Pacini sein Gesangslehrer traf sich mit dem gerade in Venedig weilenden Florian Gassmann, dem Wiener Hofkapellmeister.
Der Biograph Mosel berichtet:
„Zufällig sprach Herr Pacini, mit dem Kapellmeister Gassmann von seinem jungen Hausgenossen, als von einem Jünglinge der viel Talent und noch mehr Leidenschaft für die Tonkunst zeige. Der Meister verlangte ihn zu sehen, er wurde ihm vorgestellt und hatte das Glück, ihm sowohl im Clavierspiele als im Gesang zu gefallen, dergestalt, dass er ihn von seinem Beschützer sich erbat, und mit nach Wien nahm, um ihn dort in der musikalischen Composition zu unterrichten“
Allerdings könnte man auch hier wieder böse Thesen aufstellen. Warum sollte Gassmann einen 15 jährigen Jungen in sein Haus aufnehmen.
Er selbst lebte als Junggeselle. (....)
In jedem Fall änderte sich Salieris Leben von Grund auf.
Was auch immer die wirklichen Gründe waren, Gassmann engagierte sich für Salieri, bezahlte seinen Lebensunterhalt und seinen Unterricht.
Florian Leopold Gassmann, ist Heute fast kaum mehr bekannt, damals gehörte er jedoch zu den erfolgreichsten Komponisten seiner Generation. Am Wiener Hof hatte er zu diesem Zeitpunkt die Position eines Ballettkompositeurs und Theaterkapellmeister, zudem gehörte er der Musikrunde um den zukünftigen Kaiser Joseph II. an.
Und in diesen Zirkel wurde auch Salieri eingeführt – er wuchs gewissermaßen in den Wiener Hof hinein.
Aber auch die direkte Nachbarschaft sollte sich für Salieri auszahlen, direkt im Haus neben Gassmann wohnte niemand anderes als Christoph Willibald Gluck.
Und natürlich war Salieri auch in dessen Haus willkommen, Salieri wirkte auch bei vielen Opernaufführungen mit, so saß er bei der Aufführung der Alceste (Wiener Fassung) am Cembalo und es liegt auf der Hand, dass die neuen Opernreformen auf ihn nun großen Einfluss nahmen.
Mozart und Salieri – und ihre ersten Opern
Just zu jener Zeit war aber auch der Rummel um das Wunderkind aus Salzburg groß im kommen.
Aufsehen erregte die geplante Aufführung einer Oper dieses Kindes.
Aber die Reaktionen auf dieses Vorhaben waren zum größten Teil negativ, zumal das Leopold Mozart keine Gelegenheit ausließ seinen Wunderknaben zu präsentieren sorgte bei den Wiener Komponisten für Unmut.
Dieses geplante Spektakel wurde als unseriös, ja albern angesehen – und man dachte ohnehin an einen Betrug, da Leopold Mozart in der Art und Weise wie er seine Kinder vorführte, ohnehin als skrupellos galt.
Gluck sprach sich vehement gegen diese Aufführung aus, was Leopold ihm nie verzieh und er damit auch gleichzeitig die ganze Opernreform in Frage stellte.
Wie sah es nun um Salieris erste Oper aus ?
Im Gegensatz zu Mozart musste Salieri erst mal gedrängt werden, es nun auch zu versuchen eine Opera zu verfassen. Salieri beschreibt dieses Ereignis, vor allem die überschäumenden Gefühle sehr lebhaft in seinen Memoiren: „mit entflammten Wangen“ machte er sich an die Arbeit. Innerhalb von nur 4 Wochen waren 2 /3 der Oper fertig.
Nun trug es sich zu, dass der Impressario (Gluck) eine Oper gegeben hatte die dem Publikum missfiel – händeringend suchte man nach einem neuen Werk, man wurde auf Salieris Oper aufmerksamgemacht – und so spielte Salieri die ersten Passagen aus seinem ersten Werk Gluck und dem Kapellmeister Scarlatti vor.
Beide waren sehr zufrieden, rügten diverse Fehler in der „musicalischen Grammatik“ und so kam es, dass die Oper „le donne letterate“ ein erster großer Erfolg wurde.
Salieris Leben ging nun den vorherbestimmten Bahnen, nach dem Tode von Gassmann unternahm er eine ausgedehnte Italienreise. Er komponierte weitere Opern, war zu Gast in Venedig, Neapel und schließlich auch Mailand, wo er die Ehre hatte mit der Oper „L’Europa riconosciuta“ (1778) ein prunkvolles Eröffnungswerk für die neue Mailänder Scala abzuliefern.
Diese Oper ist vielleicht Salieris erstes großes Meisterwerk.
Auch wenn es als „Drama per Musica“ deklariert ist, so ist diese Oper keine reine Seria mehr, die Reformen von Jommelli, Traetta und vor allem Gluck sind hier bereits manifestiert.
Ein Werk das an die Sänger höchste Ansprüche stellt, neben hochvirtuosen Arien gibt es vermehrt Ensembleszenen und Chöre.
Der Erfolg war dementsprechend groß, vielleicht der größte seiner gesamten Karriere.
Wie bekannt und beliebt Salieri war, zeigt sich schon dahin gehend, das Gustav III. von Schweden ihn nach Stockholm, als Kapellmeister kommen lassen wollte.
Gustav III. war sehr darum bemüht eine eigene schwedische Nationaloper zu schaffen, aber an einheimischen Talenten schien es extrem zu mangeln. So war es vor allem Antonio Uttini der mit „Thetis och Pelee“ (1773) eine erste schwedische Oper schrieb.
Übigens ein ganz ausgezeichnetes Werk, das unbedingt wieder gespielt werden sollte.
Salieri stand auch weiterhin in der Gunst Joeph II. und dieser wollte Salieri nicht verlieren, er machte ihn zum k. und k. Kammerkompositeur, sowie zum Kapellmeister der Oper (Burgtheater) diese Position muss um einiges reizvoller gewesen sein, als das Angebot aus Stockholm.

Joseph II. und sein Bruder Leopold
Nun ging er daran Paris zu erobern.
Die Epidode um die Danaides, eine weiterer genialer Wurf ist recht verworren.
Eigentlich hatte die Academie Royale eine neue Oper von Gluck bestellt.
Gluck der aber mit Eccho et Narcisse eine so herbe Niederlage in Paris hatte erfahren müssen, hatte nicht recht Lust noch eine Oper für das verwöhnte Pariser Publikum zu schreiben.
Aber an die Academie wurde dann alsbald eine Oper geschickt, „Les Danaides“
Die Oper war ein Sensationserfolg, wenngleich das Libretto recht makaber ist.
Die 50 Töchter ermorden zum Schluss ihre Gatten...
Zur Premier in Paris erschien die gesamte High Society – angeführt von Marie Antoinette.
Doch schon kurz nach der Premier kochte die Gerüchteküche, war das Werk überhaupt von Gluck ? Die Kenner stritten sich.
Gluck ließ sich in der Ferne über allen Tratsch ausführlich berichten und amüsierte sich wohl köstlich.
Dann schrieb er einen Brief zurück indem er alles richtig stellte:
Das Werke sei zur Gänze von Salieri, er habe nur mit seinem Rat zur Seite gestanden.
Marie Antoinette schenke Salieri 3000 Livres, als reicher Mann kehrte er nach Wien zurück.
Es ist eine Episode aus Salieris Leben bekannt, die nicht nur ein wenig den Charakter Salieris portraitiert, sondern auch das Verhältnis zwischen Salieri und dem Kaiser:
Salieri verliebte sich in eine seiner Schülerinnen, eine junge Gräfin.
In seinen Memoiren schildert Salieri seine Unruhe, die Qualen eines Verliebten und mit welcher Angst er seiner Auserwählten das Liebesgeständnis unterbreitete.
Jedoch zu seinem Glück wurde seine Zuneigung erwidert.
Es war die Tochter des Herrn von Helferstorfer einem kaiserlichen Beamten.
Der für seine Kinder einen Vormund bestellte, der es allerdings auch auf die schöne Therese abgesehen hatte.
Jedoch war er mit der Verbindung einverstanden, wenn Salieri beweisen könne, das er geeignete Mittel hätte, eine Adelige zu ehelichen.
Der Vormud war allerdings ein gewissenhafter Mann und obwohl Salieri gut verdiente, war seine Position nicht wirklich gesichert. Er solle also warten bis sich seine Verhältnisse geregelt hatten.
Dann eines Tages im Raum des Kaisers wurde Salieri „eine Nase“ gedreht von einem Bekannten, der genau um Salieris Situation wusste, der Kaiser bemerkte den Spott und fragte was das solle.
Salieri erzählte, das er in dem Vormund seiner Angebeteten einen Nebenbuhler gefunden habe...nun es führte soweit das Salieri an diesem Tage dem Kaiser die ganze Geschichte seines Lebens erzählte, die diesem ungemein zu unterhalten und bewegen schien.
Und der Kaiser meinte, tja so müssen sie nun Geduld beweisen.
Am nächsten Tag wurde Salieri zum Intendanten der Hofmusikkapelle gerufen.
Er begrüßte Salieri zu dessen größter Verwunderungerung mit: „Empfangen sie meinen Glückwusch, Herr Hofkapelmeister“
Der Kaiser hatte den alten Guiseppe Bonno in den Ruhestand geschickt und Salieri an seiner statt eingesetzt, das Gehalt verdreifacht.
In seinen Memoiren ist nun zu lesen:
„Daß ich nun zum Vormund flog, dass er seine Zustimmung nicht mehr verweigern konnte, dass der huldvolle Monarch dies mit Vergnügen hörte, und was dann erfolgt ist, kann Jedermann leicht sich vorstellen....“
Salieri war ein gemachter Mann und obendrein noch glücklich verheiratet.
Es folgten weitere Opern.
In Paris gab er noch zwei weitere sehr erfolgreiche Opern „Les Horaces“ die in Versailles aufgeführt wurden und „Tarare“ der dann auch in Wien als „Axur, Re d’ormus“ auf die Bühne kam und zumindest in Wien sein erfolgreichstes Stück sein sollte.
Salieri unterhielt auch eine enge Freundschaft zu Lorenzo da Ponto, der nicht zu wenigen Stücken Salieris das Textbuch schrieb, wie eben zu Axur.
Axur, Re d’Ormus, ist eine faszinierende Oper, ebenfalls keine reine Seria mehr, sondern von neuartigen Arien, Ensembleszenen und Chören sprühendes Werk.
Im Film Amadeus war eine Arie sowie das Finale zu erleben.
Axur wurde übrigens weltweit gespielt, in Polen, in Russland, im ganzen deutschsprachigen Raum – ja selbst eine Aufführung in Rio de Janeiro kam 1814 zu Stande.
Womit Salieri weniger Erfolg hatte, war das deutsche Singspiel, zwar gab es ein recht erfolgreiches Stück „der Rauchfangkehrer“ jedoch unterlies es Salieri noch ein weiteres teutsches Textbuch zu vertonen.
Die Rivalität mit Mozart
Die Rivalität von Salieri und Mozart wird vor allem aus den Briefen Mozarts beschrieben.
Dort beschreibt er ihn als „bösen Italiener“ und sagt ihm Intrigen gegen seine Person nach.
Und anscheinend gab es wirklich einen Konflikt. Es ging um „Cosi fan tutte“ da Ponte hatte sich nämlich zuerst an Salieri gewandt, dieser brach jedoch die Arbeiten an der Oper nach dem ersten Akt ab.
Es gab dann wohl diverse Verschiebungen und Terminänderungen, damit nicht in zu rascher Folge Opern auf die Bühne kamen.
Belegt ist aber auch, das gerade Salieri Mozart bewunderte und viele Opernaufführungen selbst besuchte. Der eigentliche Neider in diesem Spiel ist wohl Mozart – denn den größeren Erfolg hatte stets Salieri.
Überhaupt scheint das Verhältnis eher kollegial denn feindselig gewesen zu sein, denn Mozart kann auch anders berichten, so über die Besuche Salieris zur Aufführung seiner Zauberflöte:
„Er hörte und sah mit aller Aufmerksamkeit und von der Sinfonie bis zum letzten Chor, war kein Stück, welches ihm nicht ein bravo oder bello entlockte“
Mit dem Tode Joseph II. kam auch der Niedergang für beide Komponisten.
Seinen letzten großen Erfolg feierte Salieri mit „Falstaff“ seine letzte Oper „die Neger“ schrieb er erstaunlicherweise wieder auf ein deutsches Textbuch.
Übrigens vom gleichen Librettisten, wie Beethovens Fidelio: Georg Friedrich Treitschke
Salieri war jedoch bis ins hohe Alter geachtet und aus ganz Europa strömten Schüler zu ihm, darunter viele berühmte Namen:
Ludwig van Beethoven
Luigi Cherubini
Carl Czerny
Joseph Leopold Edler von Eybler
Johann Nepomuk Hummel
Franz Liszt
Giacomo Meyerbeer
Franz Xaver Mozart
Anton Reicha
Franz Schubert
Franz Xaver Süßmayer
Der Mord
Das einzige was im Bezug auf Salieri und Mozart gemordet wurde, war Salieris Ruf als talentierter, erfolgreicher Opernkomponist.
Zum einen trug Salieri dazu auch selbst bei, denn im hohen Alter erlag er geistiger Umnachtung, so versuchte er sich selbst das Leben zu nehmen und phantasierte darüber, er habe Mozart mit Gift getötet.
Aber damals wusste man sehr genau, dass dies allein seinem Zustand zuzuschreiben war, dennoch gab es auch schon damals Stimmen, die dies als eine Beichte interpretierten, wie der Beethovenbiograph Schindler.
Der eigentliche Rufmord begann aber mit dem Theaterstück „Mozart und Salieri“ von Puschkin, das ganze wurde durch Peter Shaffers Bühnenstück noch erhärtete, schließlich dann noch mal aufgekocht mit der Verfilmung des Stoffes durch Milos Forman (Amadeus)
Letztlich muss man aber sehen, dass keine von diesen „Salieri Gestalten“ mit dem echten Salieri zu vergleichen ist.
Der echte Salieri ist ein faszinierender Opernkomponist, dessen Werke nur so vor Esprit sprühen, auch er schrieb unsterbliche Melodien, wahnsinnige schöne Arien und goßartige geistliche Musik.
Antonio Salieri starb am 7. Mai 1825 in Wien.
Beerdigt wurde er auf dem Matzleinsdorfer Friedhof (Heute Zentralfriedhof)
Wie bei Mozart wurde auch bei Salieris Trauerfeier das eigene komponierte Requiem aufgeführt.
Wohl auch in beiden Fällen dann zum ersten mal
Salieris Requiem steht in c-moll, und entstand 1804.
Am Fuße seiner Statue wurde ein Gedicht angebracht, das von Joseph Weigl stammte, einem seiner Schüler:
Wenn es einen Komponisten gibt, der als Antichrist, als mittelmäßiger, neidischer Intrigant herhalten muss, dann ist es zweifellos Antonio Salieri.
Auch wenn man Heute allgemein weiß, das der Mord an Mozarts ein Erfindung war, so hat dies wenig Einfluss darauf, was man allgemein von Salieri hält.
Sein Charakter ist wohl vor allem durch den Film „Amadeus“ gezeichnet worden.
Aber wer war Salieri wirklich ? Was ist dran an den ganzen Behauptungen ?
Hat er Mozart, wie so oft behauptet wurde, die Karriere verbaut ?
Antonio Salieri
Biographisches und seine Werke:
Antonio Salieri wurde 1750 in Legnago geboren. Der Vater war in der Tat ein wohlhabender Kaufmann, allerdings war Salieri nicht der einzig musikalisch begabte Sohn, sein Bruder Francesco erhielt Unterricht bei Tartini.
Von seinem Bruder erhielt er dann wohl auch den ersten musikalischen Unterricht.
Durch seine Herkunft aus wohlhabenden Hause, wurde auch an seiner übrigen Erziehung nicht gespart.
1766 wird Salieri nach Venedig mitgenommen, 3 Jahre zuvor starben seine Eltern. Sein Vater hatte sich spekuliert und das gesamte Vermögen der Familie in den Sand gesetzt.
Dies mag er nicht verkraftet haben - kurze Zeit später starb er.
Salieri war gezwungen das Eltenhaus zu verlassen.
Zuerst ging er auf eigene Faust nach Padua zu seinem Bruder, der dort als Mönch an der Kirche San Francesco war. Antonio wollte ebenfalls dort eintreten, hauptsächlich wohl um in der Nähe seines Bruders zu sein.
Doch es kam anders, ein Freund der Familie, Giovanni Mocenigo der einer venezianischen Adelsfamilie angehörte, nahm den begabten Jungen mit sich.
In seinem Palazzo durfte er seine Ausbildung fortsetzen.
Mocenigo war nicht irgendwer, dieser Name war in Venedig und selbst Europa wohl bekannt, keine Familie hatte in der Geschichte Venedigs mehr Dogen gestellt und es gab nicht viele venezianische Sippen, die sich an Reichtum und Einfluss mit ihnen messen konnten.
Und durch diese glückliche Fügung gelangte auch Salieri in die besten Musikerkreise.
Bei Giovanni Battista Pescetti, dem Kapellmeister von San Marco erlernte er den Generalbaß, auch diese Lehre machte sein Patron möglich.
Auch Pescetti bestätigte die außergewöhnliche Begabung des Jungen und empfahl ihn ins Opernzentrum Italiens, bzw. Europas zu schicken: Neapel
Doch wieder kam es anders:
Pacini sein Gesangslehrer traf sich mit dem gerade in Venedig weilenden Florian Gassmann, dem Wiener Hofkapellmeister.
Der Biograph Mosel berichtet:
„Zufällig sprach Herr Pacini, mit dem Kapellmeister Gassmann von seinem jungen Hausgenossen, als von einem Jünglinge der viel Talent und noch mehr Leidenschaft für die Tonkunst zeige. Der Meister verlangte ihn zu sehen, er wurde ihm vorgestellt und hatte das Glück, ihm sowohl im Clavierspiele als im Gesang zu gefallen, dergestalt, dass er ihn von seinem Beschützer sich erbat, und mit nach Wien nahm, um ihn dort in der musikalischen Composition zu unterrichten“
Allerdings könnte man auch hier wieder böse Thesen aufstellen. Warum sollte Gassmann einen 15 jährigen Jungen in sein Haus aufnehmen.
Er selbst lebte als Junggeselle. (....)
In jedem Fall änderte sich Salieris Leben von Grund auf.
Was auch immer die wirklichen Gründe waren, Gassmann engagierte sich für Salieri, bezahlte seinen Lebensunterhalt und seinen Unterricht.
Florian Leopold Gassmann, ist Heute fast kaum mehr bekannt, damals gehörte er jedoch zu den erfolgreichsten Komponisten seiner Generation. Am Wiener Hof hatte er zu diesem Zeitpunkt die Position eines Ballettkompositeurs und Theaterkapellmeister, zudem gehörte er der Musikrunde um den zukünftigen Kaiser Joseph II. an.
Und in diesen Zirkel wurde auch Salieri eingeführt – er wuchs gewissermaßen in den Wiener Hof hinein.
Aber auch die direkte Nachbarschaft sollte sich für Salieri auszahlen, direkt im Haus neben Gassmann wohnte niemand anderes als Christoph Willibald Gluck.
Und natürlich war Salieri auch in dessen Haus willkommen, Salieri wirkte auch bei vielen Opernaufführungen mit, so saß er bei der Aufführung der Alceste (Wiener Fassung) am Cembalo und es liegt auf der Hand, dass die neuen Opernreformen auf ihn nun großen Einfluss nahmen.
Mozart und Salieri – und ihre ersten Opern
Just zu jener Zeit war aber auch der Rummel um das Wunderkind aus Salzburg groß im kommen.
Aufsehen erregte die geplante Aufführung einer Oper dieses Kindes.
Aber die Reaktionen auf dieses Vorhaben waren zum größten Teil negativ, zumal das Leopold Mozart keine Gelegenheit ausließ seinen Wunderknaben zu präsentieren sorgte bei den Wiener Komponisten für Unmut.
Dieses geplante Spektakel wurde als unseriös, ja albern angesehen – und man dachte ohnehin an einen Betrug, da Leopold Mozart in der Art und Weise wie er seine Kinder vorführte, ohnehin als skrupellos galt.
Gluck sprach sich vehement gegen diese Aufführung aus, was Leopold ihm nie verzieh und er damit auch gleichzeitig die ganze Opernreform in Frage stellte.
Wie sah es nun um Salieris erste Oper aus ?
Im Gegensatz zu Mozart musste Salieri erst mal gedrängt werden, es nun auch zu versuchen eine Opera zu verfassen. Salieri beschreibt dieses Ereignis, vor allem die überschäumenden Gefühle sehr lebhaft in seinen Memoiren: „mit entflammten Wangen“ machte er sich an die Arbeit. Innerhalb von nur 4 Wochen waren 2 /3 der Oper fertig.
Nun trug es sich zu, dass der Impressario (Gluck) eine Oper gegeben hatte die dem Publikum missfiel – händeringend suchte man nach einem neuen Werk, man wurde auf Salieris Oper aufmerksamgemacht – und so spielte Salieri die ersten Passagen aus seinem ersten Werk Gluck und dem Kapellmeister Scarlatti vor.
Beide waren sehr zufrieden, rügten diverse Fehler in der „musicalischen Grammatik“ und so kam es, dass die Oper „le donne letterate“ ein erster großer Erfolg wurde.
Salieris Leben ging nun den vorherbestimmten Bahnen, nach dem Tode von Gassmann unternahm er eine ausgedehnte Italienreise. Er komponierte weitere Opern, war zu Gast in Venedig, Neapel und schließlich auch Mailand, wo er die Ehre hatte mit der Oper „L’Europa riconosciuta“ (1778) ein prunkvolles Eröffnungswerk für die neue Mailänder Scala abzuliefern.
Diese Oper ist vielleicht Salieris erstes großes Meisterwerk.
Auch wenn es als „Drama per Musica“ deklariert ist, so ist diese Oper keine reine Seria mehr, die Reformen von Jommelli, Traetta und vor allem Gluck sind hier bereits manifestiert.
Ein Werk das an die Sänger höchste Ansprüche stellt, neben hochvirtuosen Arien gibt es vermehrt Ensembleszenen und Chöre.
Der Erfolg war dementsprechend groß, vielleicht der größte seiner gesamten Karriere.
Wie bekannt und beliebt Salieri war, zeigt sich schon dahin gehend, das Gustav III. von Schweden ihn nach Stockholm, als Kapellmeister kommen lassen wollte.
Gustav III. war sehr darum bemüht eine eigene schwedische Nationaloper zu schaffen, aber an einheimischen Talenten schien es extrem zu mangeln. So war es vor allem Antonio Uttini der mit „Thetis och Pelee“ (1773) eine erste schwedische Oper schrieb.
Übigens ein ganz ausgezeichnetes Werk, das unbedingt wieder gespielt werden sollte.
Salieri stand auch weiterhin in der Gunst Joeph II. und dieser wollte Salieri nicht verlieren, er machte ihn zum k. und k. Kammerkompositeur, sowie zum Kapellmeister der Oper (Burgtheater) diese Position muss um einiges reizvoller gewesen sein, als das Angebot aus Stockholm.
Joseph II. und sein Bruder Leopold
Nun ging er daran Paris zu erobern.
Die Epidode um die Danaides, eine weiterer genialer Wurf ist recht verworren.
Eigentlich hatte die Academie Royale eine neue Oper von Gluck bestellt.
Gluck der aber mit Eccho et Narcisse eine so herbe Niederlage in Paris hatte erfahren müssen, hatte nicht recht Lust noch eine Oper für das verwöhnte Pariser Publikum zu schreiben.
Aber an die Academie wurde dann alsbald eine Oper geschickt, „Les Danaides“
Die Oper war ein Sensationserfolg, wenngleich das Libretto recht makaber ist.
Die 50 Töchter ermorden zum Schluss ihre Gatten...
Zur Premier in Paris erschien die gesamte High Society – angeführt von Marie Antoinette.
Doch schon kurz nach der Premier kochte die Gerüchteküche, war das Werk überhaupt von Gluck ? Die Kenner stritten sich.
Gluck ließ sich in der Ferne über allen Tratsch ausführlich berichten und amüsierte sich wohl köstlich.
Dann schrieb er einen Brief zurück indem er alles richtig stellte:
Das Werke sei zur Gänze von Salieri, er habe nur mit seinem Rat zur Seite gestanden.
Marie Antoinette schenke Salieri 3000 Livres, als reicher Mann kehrte er nach Wien zurück.
Es ist eine Episode aus Salieris Leben bekannt, die nicht nur ein wenig den Charakter Salieris portraitiert, sondern auch das Verhältnis zwischen Salieri und dem Kaiser:
Salieri verliebte sich in eine seiner Schülerinnen, eine junge Gräfin.
In seinen Memoiren schildert Salieri seine Unruhe, die Qualen eines Verliebten und mit welcher Angst er seiner Auserwählten das Liebesgeständnis unterbreitete.
Jedoch zu seinem Glück wurde seine Zuneigung erwidert.
Es war die Tochter des Herrn von Helferstorfer einem kaiserlichen Beamten.
Der für seine Kinder einen Vormund bestellte, der es allerdings auch auf die schöne Therese abgesehen hatte.
Jedoch war er mit der Verbindung einverstanden, wenn Salieri beweisen könne, das er geeignete Mittel hätte, eine Adelige zu ehelichen.
Der Vormud war allerdings ein gewissenhafter Mann und obwohl Salieri gut verdiente, war seine Position nicht wirklich gesichert. Er solle also warten bis sich seine Verhältnisse geregelt hatten.
Dann eines Tages im Raum des Kaisers wurde Salieri „eine Nase“ gedreht von einem Bekannten, der genau um Salieris Situation wusste, der Kaiser bemerkte den Spott und fragte was das solle.
Salieri erzählte, das er in dem Vormund seiner Angebeteten einen Nebenbuhler gefunden habe...nun es führte soweit das Salieri an diesem Tage dem Kaiser die ganze Geschichte seines Lebens erzählte, die diesem ungemein zu unterhalten und bewegen schien.
Und der Kaiser meinte, tja so müssen sie nun Geduld beweisen.
Am nächsten Tag wurde Salieri zum Intendanten der Hofmusikkapelle gerufen.
Er begrüßte Salieri zu dessen größter Verwunderungerung mit: „Empfangen sie meinen Glückwusch, Herr Hofkapelmeister“
Der Kaiser hatte den alten Guiseppe Bonno in den Ruhestand geschickt und Salieri an seiner statt eingesetzt, das Gehalt verdreifacht.
In seinen Memoiren ist nun zu lesen:
„Daß ich nun zum Vormund flog, dass er seine Zustimmung nicht mehr verweigern konnte, dass der huldvolle Monarch dies mit Vergnügen hörte, und was dann erfolgt ist, kann Jedermann leicht sich vorstellen....“
Salieri war ein gemachter Mann und obendrein noch glücklich verheiratet.
Es folgten weitere Opern.
In Paris gab er noch zwei weitere sehr erfolgreiche Opern „Les Horaces“ die in Versailles aufgeführt wurden und „Tarare“ der dann auch in Wien als „Axur, Re d’ormus“ auf die Bühne kam und zumindest in Wien sein erfolgreichstes Stück sein sollte.
Salieri unterhielt auch eine enge Freundschaft zu Lorenzo da Ponto, der nicht zu wenigen Stücken Salieris das Textbuch schrieb, wie eben zu Axur.
Axur, Re d’Ormus, ist eine faszinierende Oper, ebenfalls keine reine Seria mehr, sondern von neuartigen Arien, Ensembleszenen und Chören sprühendes Werk.
Im Film Amadeus war eine Arie sowie das Finale zu erleben.
Axur wurde übrigens weltweit gespielt, in Polen, in Russland, im ganzen deutschsprachigen Raum – ja selbst eine Aufführung in Rio de Janeiro kam 1814 zu Stande.
Womit Salieri weniger Erfolg hatte, war das deutsche Singspiel, zwar gab es ein recht erfolgreiches Stück „der Rauchfangkehrer“ jedoch unterlies es Salieri noch ein weiteres teutsches Textbuch zu vertonen.
Die Rivalität mit Mozart
Die Rivalität von Salieri und Mozart wird vor allem aus den Briefen Mozarts beschrieben.
Dort beschreibt er ihn als „bösen Italiener“ und sagt ihm Intrigen gegen seine Person nach.
Und anscheinend gab es wirklich einen Konflikt. Es ging um „Cosi fan tutte“ da Ponte hatte sich nämlich zuerst an Salieri gewandt, dieser brach jedoch die Arbeiten an der Oper nach dem ersten Akt ab.
Es gab dann wohl diverse Verschiebungen und Terminänderungen, damit nicht in zu rascher Folge Opern auf die Bühne kamen.
Belegt ist aber auch, das gerade Salieri Mozart bewunderte und viele Opernaufführungen selbst besuchte. Der eigentliche Neider in diesem Spiel ist wohl Mozart – denn den größeren Erfolg hatte stets Salieri.
Überhaupt scheint das Verhältnis eher kollegial denn feindselig gewesen zu sein, denn Mozart kann auch anders berichten, so über die Besuche Salieris zur Aufführung seiner Zauberflöte:
„Er hörte und sah mit aller Aufmerksamkeit und von der Sinfonie bis zum letzten Chor, war kein Stück, welches ihm nicht ein bravo oder bello entlockte“
Mit dem Tode Joseph II. kam auch der Niedergang für beide Komponisten.
Seinen letzten großen Erfolg feierte Salieri mit „Falstaff“ seine letzte Oper „die Neger“ schrieb er erstaunlicherweise wieder auf ein deutsches Textbuch.
Übrigens vom gleichen Librettisten, wie Beethovens Fidelio: Georg Friedrich Treitschke
Salieri war jedoch bis ins hohe Alter geachtet und aus ganz Europa strömten Schüler zu ihm, darunter viele berühmte Namen:
Ludwig van Beethoven
Luigi Cherubini
Carl Czerny
Joseph Leopold Edler von Eybler
Johann Nepomuk Hummel
Franz Liszt
Giacomo Meyerbeer
Franz Xaver Mozart
Anton Reicha
Franz Schubert
Franz Xaver Süßmayer
Der Mord
Das einzige was im Bezug auf Salieri und Mozart gemordet wurde, war Salieris Ruf als talentierter, erfolgreicher Opernkomponist.
Zum einen trug Salieri dazu auch selbst bei, denn im hohen Alter erlag er geistiger Umnachtung, so versuchte er sich selbst das Leben zu nehmen und phantasierte darüber, er habe Mozart mit Gift getötet.
Aber damals wusste man sehr genau, dass dies allein seinem Zustand zuzuschreiben war, dennoch gab es auch schon damals Stimmen, die dies als eine Beichte interpretierten, wie der Beethovenbiograph Schindler.
Der eigentliche Rufmord begann aber mit dem Theaterstück „Mozart und Salieri“ von Puschkin, das ganze wurde durch Peter Shaffers Bühnenstück noch erhärtete, schließlich dann noch mal aufgekocht mit der Verfilmung des Stoffes durch Milos Forman (Amadeus)
Letztlich muss man aber sehen, dass keine von diesen „Salieri Gestalten“ mit dem echten Salieri zu vergleichen ist.
Der echte Salieri ist ein faszinierender Opernkomponist, dessen Werke nur so vor Esprit sprühen, auch er schrieb unsterbliche Melodien, wahnsinnige schöne Arien und goßartige geistliche Musik.
Antonio Salieri starb am 7. Mai 1825 in Wien.
Beerdigt wurde er auf dem Matzleinsdorfer Friedhof (Heute Zentralfriedhof)
Wie bei Mozart wurde auch bei Salieris Trauerfeier das eigene komponierte Requiem aufgeführt.
Wohl auch in beiden Fällen dann zum ersten mal
Salieris Requiem steht in c-moll, und entstand 1804.
Am Fuße seiner Statue wurde ein Gedicht angebracht, das von Joseph Weigl stammte, einem seiner Schüler:
Ruh sanft! Vom Staub entblößt,
Wird Dir die Ewigkeit erblühen.
Ruh sanft! In ew’gen Harmonien
Ist nun Dein Geist gelöst.
Er sprach sich aus in zaubervollen Tönen,
Jetzt schwebt er hin zum unvergänglich Schönen
Wird Dir die Ewigkeit erblühen.
Ruh sanft! In ew’gen Harmonien
Ist nun Dein Geist gelöst.
Er sprach sich aus in zaubervollen Tönen,
Jetzt schwebt er hin zum unvergänglich Schönen
