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Andrea Gabrieli (1532/33?-1586)

Unbekannt Sonntag, 15. November 2009, 21:50
Guten Abend

Über das Leben des vielseitigen Komponisten Andrea Gabrielis ist erstaunlich wenig bekannt, vermutlich wurde er 1510 in Cannareggio im Norden Venedigs geboren – andere Quellen setzen sein Geburtsdatum erst um 1532/33 fest. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in seiner Heimat Venedig, ob er Schüler Adrian Willaert war, ist dokumentarisch nicht belegt. Er war Sänger an San Marco zu Venedig, bewarb sich 1557, noch als Organist an San Geremia in Venedig, um das Amt des zweiten Organisten an San Marco, den Posten erhielt jedoch Claudio Merula. 1562 befand er sich, zusammen mit seinem Neffen Giovanni Gabrieli auf Reisen in Deutschland, im Gefolge von Herzog Albrecht V. von Bayern reiste er zur Kaiserkrönung Maximillians II. nach Aachen, er knüpfte dort Bekanntschaft mit Orlando di Lasso. Mitte der sechziger Jahre wurde er zum zweiten Organisten an San Marco ernannt, Merula rückte zum ersten Organisten auf. 1584 bekam er die angesehene Stelle des ersten Organisten, sein Neffe Giovanni übernahm seinen Posten. Andrea Gabrieli schrieb für nahezu alle musikalischen Genres der Zeit, Instrumentalstücke wie Ricercare, Toccaten oder Canzonen; er verfasste jede Menge weltlicher und geistlicher Vokalmusik, viele seine zahlreichen Werke erschienen, teils erst nach seinem Tod, in Venedig und Nürnberg im Druck. Als anerkannter Komponist, Virtuose und Lehrer wurde er mit staatlichen und repräsentativen Aufgaben betraut. Zur Feier des Sieges gegen die Türken 1571 in der Seeschlacht bei Lepanto, sowie für Staatsbesuche und andere Gelegenheiten komponierte er weltliche Festmusiken. 1586 verstarb er in Venedig.

Von Andrea Gabrieli´s Musik habe ich einige Einspielungen, teils zusammen mit anderen Komponisten der Zeit oder als Einzelaufnahmen:

Seine Sammlung "Psalmi Davidici Qui Poenitentiales Nuncupantur" hat das Huelgas Ensemble zusammen mit dem Netherlands Chamber Choir auf dieser



CD hervoragend eingespielt.

Eine weitere Aufnahme mit geistlicher Musik u.a. der Missa Pater Peccavi, sowie weiterer Motetten und Instrumentalwerke mit den stilkundigen Vokalisten des His Majestys Consort of Vojces und den Instrumentalisten des His Majestys Sagbutts and Cornetts wurde auf dieser



CD veröffentlicht.

Eine Sammlung abwechslungsreicher "Venezianische Madrigale" hat das Ensemble I Fagiolini auf dieser



aufgenommen.

Eine Reihe von "Madrigali e Canzoni" spielte das Ensemble Weser-Renaissance Bremen in der ihm eigenen Strenge auf dieser



CD ein.

Wer kennt und empfielt weitere Einspielungen -z.B. auch Orgelmusik- von Andrea Gabrieli ?



Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Mittwoch, 14. Juli 2010, 21:11
Habe soeben gesehen, daß eine preiswerte Neuaufnahme mit Glen Wilson erscheinen wird:



p.s. Inzwischen dreht sie sich bei mir, und macht einen ausgezeichneten Eindruck! Wilson verwendet zwei sehr schön klingende und aufgenommene Nachbauten venezianischer Instrumente des 17. Jahrhunderts und spielt präzise und lebendig, mit dem nötigen virtuosen Grundgestus, der Gabrielis Bedeutung als Tastenspieler unterstreicht - das ist von allen Wilson-CDs, die ich bisher gehört habe, die überzeugendste. Die Neigung zu etwas einförmigen, eher gemäßigten Tempi, die man auf seiner Sweelinck-CD bemerken kann, hat er hier erfreulicherweise abgelegt.
Unbekannt Mittwoch, 2. Februar 2011, 14:25
Guten Tag

Von Onkel Andrea als auch seinem Neffen Giovanni Gabrieli hat Luigi Ferdinando Tagliavini zusammen mit Liuwe Tamminga den hellklingenden Orgeln "in cornu Epistola" von Lorenzo da Prato (~ 14759) und "in cornu Evangelii" von Baldassare Malamini (1596) der Basilica di St. Petronio in Bologa, Italien auf dieser CD



eine Auswahl von Orgelstücken effektvoll eingespielt. Einige der Stücke Giovanni Gabrielis sind auch durch entsprechende Aufnahmen seiner Kanzonen etc. mit Posaunen und Zinken bekannt.



Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Samstag, 17. September 2011, 20:07
Wer Andrea Gabrielis Musik liebt, sollte sich diese Aufnahme nicht entgehen lassen, solange sie noch erhältlich ist: